Die hindert Tage.
Noman aus tz-m Jahre i.81b von M. von Witten. lRachbeuck verboten.)
^Fortsetzung.)
Es litt Otto nickt länger bei dem ihm einst so lieben Kameraden. Wie? Ruhten denn nicht auch Erdmuthens Helle Nugpn mit durchdringender Neugierde auf ihm? Mit einem Ruck stand er auf.
„Du hast recht," stieß er hervor. „Ich bin ein Drops. Sie wird irgend einen Spaziergang gemacht — einen größeren Einkauf zu erledigen gehabt haben. Vielleicht ist sie auch nach Luxemburg hinüber, um irgend eine lieberralchung für mich zu besorgen, durch die sie mir beim Abschied eine Freude machen will Gewiß, so ist's! So muß es sein!" Er sprach in einem Atem, bemüht, vom Bilde seines Weibes den Schatten jeden Borwurfs wegzuwtschen. Am Ende aber hielt er selber für ivahrscheinlich, wnS er da gesagt. Es konnte
i n gar nicht anders sein! „Verzeiht, daß ich Euch in meiner dummheit erschreckt! Leit wohl!"
Er verbeugt sich be'u.rh-.' förmlich vor Erdmuthe und reicht« Ulricr, nur fltächtig diu -Hand.
Dann war er gegangen.
Mit Lütgen votl schrnerzltcher Trauer blickten die Gatten einander an.
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lieber die schwanke Schiffsbrücke, die Ehrenbreitenstcin mit Koblenz verbindet, fährt ein hulboffener Reifewaaen. Zwei preußische Offiziere in. vküctsitz — Adjutanten mögen es sein — und tm Vordersitz die imponierende Gestalt eines hohen Uniforms in schlichtgraucr Uniform. Unter der einfachen Schirmmi'che quiltzt der Schnee des vollen Haupthaars hervor, ein hohes Alter verratend. Aber der kraftvolle Gliederbau, die raschen, beinahe srnrigei Be-ivegnilHen, das Ivechselvolle Mtc aensviel des eigenartigen großzügigen Gesichts scheinen einem Jüngling auzugchören.
Mit stolz leuchtendem Aufblitzen tunfaßt der Blick der roßen blauen Augen das herrliche LandschastsbUd. In reiter, löstlicher, sonnenumwobener Flut wälzt sich der Rhein zwischen den Ufern dahin. Die ganze Gegend ist in Licht und Glanz getaucht. Selbst die düster trotzigen Drummer der Felsenfeste Ehrenbreitenstein, die die Franzosen etwa vor einem Dezennium geschleift, denen der Alle noch einmal einen liebevoll zornigen Blick rückwärts schauend gönnte, sind vom Sounciigesiinkel umsponnen. Drüben aber vom jenseitigen User her, auf das sie zufahren, winkt von den Wellen des Rheines und der Mosel umspült, in Weingärten und blühende Obstbäume gebettet, das alte deutsche Koblenz herüber, auf das die Franzosen auch Ende des ver- flossenen Jahrhunderts die Hand gelegt!
lieber das kühne Antlitz des Alten zucken Blitze. Tie Rechte, die auf dem Wagenschlaa liegt, ballt sick rur Faust.
Deutsch muß das deutsche Land dort drüben bleiben! Und haben wir's dem Korsen in blutigem Strauß wieder abgerungen — er soll's uns nicht zum zweiten Male rauben!
Ein Lächeln echter Husarenlist huscht unter dem iveißen Schnurrbart hervor und zu den Augen hinauf, die in wildem Grimme slanimen und drohen!
Der Rhein — Deutschlands Strom, — nicht Deutschlands Grenze! Das muß die Richtschnur sein.
Und seine Gedanken eilen zurück zu der Stunde, da er vor wenig mehr als Jahresfrist, in jener Nacht, die das Jahr 1814 geboren, an der Spitze seiner schlesischen Armee bei Caub den stolzen Rheinstrom überschritt. Kaleidoskopisch ziehen die stolzen Niederlagen, die kühnen Siege seiner Truppen ans Frankreichs Boden an seinem Geiste vorüber
— und endlich der Einzug in Paris! —
Da treffen Stimmen an sein Ohr. Jubelnde, jauchzende Stimmen — anschwellend wie das Brausen der Meeres- wvgen, das Rauschen des Rheines übertönend.
Er blickt auf.
Das ganze Ufer vor ihm ist umsäumt mit Tücher und Hüte schwenkenden Bürgern, mit Truppen, die mit aufgepflanztem Bajonett oder hoch zu Roß mit gezogenem Säbel seiner ivie eines einziehcnden Fürsten warten.
„Blücher, Vater Blücher! Marschall Vorwärts! Hoch! Hoch! Hoch!" tönt es in unbeschreiblichem Jubel dnrchein- ander.
Schon haben die Hufe der Rosse das feste Land betreten
— der Wagen wird umringt — es bleibt nichts anderes übrig als anzuhalten. Von neuem erfüllt brausender Jubel die Luft. Einer der Kühnsten, die sestgekeilt ain Wagen, stehen, ersaßt des greisen Helden Hand uno zieht sie an die Lippen.
^,Ja, da bin ich ivieder, Kinder", ruft Blücher, indem er sich erhebt. Für Augenblicke schiinmert in seinem Auge ein weicher feuchter Glanz, der sich aber bald in ein zorniges Sprühe» ivandelt. „Da bleibt nichts andres übrig! Wir müssen iwch mail 'ran an die Gewehre! Aber diesmal »vollen ivir dem Bonaparte die .Hölle bei uns so heiß machen, daß er auf Nimmerwiedersehen von der Bildfläche verschwindet!"
„Ja, das wollen wir! Das wollen wir, Vater Blücher!" So scholl es und schwoll es in klingender, wachsender Begeisterung.
Und nun schwebte, wie getragen von dem hehren Sturme, eine hohe, helle Frauenstimme an Blüchers Ohr:
„Marschall Vorwärts! Führen Sie uns auch diesmal Vorwärts zum Sieg!"
„Mein Wort darauf! Ich tu's!" rief Blücher flammend und blickte sich init jugendlicher Beweglichkeit nach der Stelle um, woher die Worte kamen. Da — Küfern des Wagens, zur Rechten des Weges, da gcivahrte er die mädchenhafie Gestalt einer Frau, die ein gut Teil über die Köpfe der Menge einporragend, neben ein paar anderen Bürgerfranen auf einer Bank oder einer sonstigen Erhöhung stand. Das schlicht herabfallende, kleinkarierte Kleid, von dem ein dunkler UmB


