Ausgabe 
24.10.1914
 
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mit den geladenen Gewehre» neben sich spielen die Soldaten Karten und warten. Aber man wartet schon seit 6 Tagen. Es genügt nicht füc die Soldaten, mutig zu sein, man muß ae,ch Geduld haben der Krieg von heute ist wirklich ganz anders, wie man sich ihn in der Jugend vornellt. Seit Beginn der Feldzuges hat mein Negiment an sieben Kcimplen und drei groben Schlachten teilgenommcn. ES ist im TageSbesehI erwähnt worden, und trotz­dem sind in ihm Kompagnien, die auch noch nicht «inen Schuh abgegeben habe». Das heißt nicht, daß sie nichts zu tun hatten, ganz im Gegenteil; sie hatten die Aufgabe, Batterien zu unter­stützen, die zu den gelährlichsten und aulregendsten gehörten . . .

f ^etzt sind wir in einer Ctesiung zulammengekrochen, um dem cinde die geringstmöglich« Fläche zu bieten. Trotzdem platzt ein chrapnell: dem Sergeanten ivird seine Börse von einem Granat­splitter entsllhrt, er ist also noch gut davonqekommen. Ein anderes Schrapnell platzt zur Linken; es sind zwei Bermimdele, einer davon schiver. Wieder ein anderes vlatzt itn Zentrum: diesmal geschieht wunderbarertvcise nichts. Wir haben iüns Verwundete, denen schnell, soweit möglich, Hille gebracht ivird; sie warten stnnim, unbeweglich an ihrem Posten, nur ein wenig bleich i»> Gesicht. . . In den Schützengräben ist man weniger ausgeseht, so daß man sogar Karten spielt. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie viel Schützengräben ivir während dieses Feldzuges schon gegraben haben. Unser Schützengraben, in dem wir heule sind, ist so groß, daß ein Mann ganz darin verborgen ist. Man hat von den deutschen Schützengräben viel gesprochen, aber die unseren sind nicht ge­ringer. Wir haben allen modernen Komiort darin. Ueber unseren Köpie» aber geht unauihörlich das Artillerie-Duell, dessen Kosten wir nur zu oit tragen niüffen; gestern wurden zwei Halipllent« verwundet, beute kam der Oberst daran. Trotzdetii denkt man nicht mehr an den Tod. Wen» wir von dem Psetien hören, daß et» Geschoß naht, so regt uns das nicht mehr aui. Wir haben so viel unnütze Vorsichtsmaßregeln gesehen und wiederum so viele Wunder. Ei» Sergeant meiner Kompagnie, derselbe, dem erst die Börse von einem Geschoß entsührt wurde, erhielt dann einen Schuß durch den Tornister, er selbst hatte nur eine kleine Schramme an der Hand. Als gestern ein Geschoß 10 Meter iveit »iederftel, unterbrachen meine Kameraden nicht einnial ihr Kartenspiel..."

* Ein Reiterregiment ohne Bärte. So einen recht torschen Reiter denkt man sich meistens mit einem keck aus- gezwirbellcn Schnurrbart. Und last immer tragen auch unsere Reiter sorsche Bärte. Bei unseren Bundesgenossen, den Oester­reichern. gibt eS aber ein ganzes Reiterregiment, in dem schon seit mehr als anderthalb hundert Jahre» weder Offiziere, noch Unter- oifiziere und Genieine Bärte trage». Ties Regiment ist das Dragoner-Regiment .Fürst von W i n d is ch g r ä h", das im 18. Jahrhundert errichtet worden ist. Tie Barllosigkeit des ganzen Regiments ivird aus folgende Wei e erklärt: Im Siebenjährigen Kriege waren eininal die älteren Leute des Reginieiits säst alle gefallen oder in Geiangenlchast geraten. Ta wurden den» ganz junge Burschen eingcreiht, bei denen auch nicht der geringste Bart- aniatz zu spüren war. Das jugendlich« Aussehen aller bieiec Reiter zog nicht nur den Spott der andere» Truppen aus sich, auch die Vorgesetzte» hielten mit ihrer Meinung' nicht zurück, daß sie von einer solchen Reitertruppe recht >ve»ig erivartete». Aus ge- kränkteni Ehrgeiühl und um den anderen Truppen zu beweisen daß eS das Alter und die militärische Ersahrung allein nicht tue, zeigte sich dann diese jugendliche Truppe ganz besonders tapier und gewann sich dainit den Respekt, der ihr vorher von den eigenen Kainpsgeuossen und von den Vorgesetzten verweigert worden war. Noch öiler soll sich dann dar bartlose Regiineut ausgezeichnet haben, so daß die Zugehörigkeit dazu schließlich als ein Vorzug galt. Um dar Regiment zu ehren, kamen die Vorgesetzten und Oisiziere über­ein, daß auch künstighin kein Angehöriger des Reginieiits, ganz gleich, ob Offizier oder Rekrut, einen Bart trage» dürje. Das ist denn so geblieben bis aus den heutigen Tag.

* B e rst ä n d i g u n g. Ei» Trupp Franktireurs war von der Koinpagnie eingebracht worden und ivurde bis zi>r Absertigung in einem Keller verstaut. Der Feldwebel leitete di« Uulerbriiiguiig. Im urtümlichen Untcrosfizierton schnauzte er die Bande a»: Nehmt eure gottverdammten Latschen zusammen I Rechts an- rllckeii >Immer noch mehr ran l Denkt ihr vielleicht, ihr konunt in ein Fürstenzimmer? lind es ging alles wunderschöii und glatt lind schnell. Tann wurde der Feldwebel abberiiien und der Vize, in Friedenszeilen Neuphilologe, übernahm sein Amt. Er sprach sranzöjisch. Und es ging auch, aber ivesentlich lang­samer. Ta sagte einer von den Füsilieren, die mit auigepflanztem Seitcngcivehr an der Kelleitür standen, zu seinem Nebenmann: »Zu. schade, daß der Feldwebel weg ist, der konnte sich o schön mit den Leuten verständigen."

' Die Kosaken reiten aus Pserden. Im Jahre 1813 wurde» natürlich die Kosaken mit großer Begeisterung in Berlin begrüßt, ivnren sie doch die Verbüudeteii der Preußen. Freilich legte sich die Begeisterung, als die neuen Bundesgenossen huisicht- i'N der Guter in Küche und Keller sehr kouiinunistische Grundsätze ^ur t cltung brachten. Diese Um- und Mißstimmung fand denn a»ch bald in öffentlichen Blättern Ansdruck, soweit da? damals b el der äußerst strengen Zensur geschehen konnte. Wie streng diese Zensur war, zeigt der solgeude Fall: Als eine Berltner Leitung

nach Ankunst der Kosaken eine Beschreibung gab, worin es hieß! »Sie reiten aus kleinen unansehnlichen Pserden," st r i ch der vot- sichtige Mann de» Stilts die beiden Beiwörter ,k l e t n e n, u n t ansehnlich« »", um das gute Verhältnis zwischen Preußen un» Rußland nicht zu gesährden, und so las denn da» Publikum mit grober Verwunderung am andere» Tage die geistreiche Mitteilung! »Die Kosaken retten aus Pserden!"

'Wie dick sind die Wolken? Wenn der Himmel seine schleusen öffnet und unendlich« Regenmengen aus die Erd« sendet, fragt man sich unwillkürlich, wie gewaltig muß di« Aus­dehnung der Wolken sein, di« diese Wafferniengen enthalten konnten. Wie dick sind eigentlich die Wolken? Feffelnd« Angaben hieniber hat der Wiener Wetterlorscher Julius Hann in der neuen Auilage seines bekannten Lehrbuches der Wetterkunde zusammen- getraaen, aus der die .Natnrwiffenschastliche Wochenschrtit" das Folgende entnimmt: .Bet einer Ballonlahrt von Barral nach Bixio am 37. Juli 1850 wurde eine Wolkenschicht durchkreuzt, dif größtenteils au» unterkühlten Tröpschen bestand und mehr al» d km Dicke besaß. Auch neuere Wolkeninesfungen haben ergeben, daß die senkrecht« Mächtigkeit der Haufenwolken mehrere Kilo­meter erreichen kann. Darüber habe» die Berliner Ballonfahrten einige sehr bemerkenswerte Erfahrungen geliefert. Oie Hochiahrt pcmi 8. Mai 1891 ging zuerst in der Höhe von 1760 bis 5000 m durch «in« Tchneewolke, dann setzte sie sich als Eiskristallivolke bi» 5,7 Km fort, der noch ein Eisnebel bis zur Höhe von 7750 m folgte, Diese Wolkenlager waren also 6 Km niächlig. Auch bei der Fahrt vom 14. März 1893 wurde «ine Etsnebelwolke von nahezu 5 Km Mächtigkeit durchsahren. Tie Polsdnmer Wolkenmessungen haben Dicken von 50 bis über 4600 m ergeben; sie sind auch getrennt für die einzelnen Wolkenarten registriert. Die dicksten Wolken waren hier die Platzregenwolken. Ter ausgezeichnete Wolkcnsorscher Lev sah im Sommer eine Gen itterwolke, deren unterst« Fläche sich 300 m über deni Gipfel des Montblanc befand, während ihr Scheitel sich 4800 m darüber erhob. Am 13. August 1857 konnte Ley die Ticke einiger Hagelwolken meffcn. Die Unterstäche ivar etiva 1000 m über der Erde und die senkrechte Mächtigkeit betrug 7600 m. Aber selbst diese Ticke ivurde durch zahlreiche Gewitter­wolke» erheblich übertroffen. Am 3. September 1867 und am

4. Aiigust 1878 betrug deren Mächtigkeit 9700 m. Wolken von s« grober Mächtigkeit können sich natürlich nur in aussteigenden L»it- massen bilde», i«i es in de» große» atmosphärischen Wirbeln oder bei lokalen Störungen de» Gleichgewichts, also den Somme» gewitter». Die Ticke der Wolken ist jedenfalls beschränkt, da di« sür die Witterung wichtigen Luitschichten sich n»f die zelin untersten Kiloiueter beschränke», so iverden auch die Wolkenschichten nur in seltenen Fällen 10 km Ticke erreichen.

vilchertisch.

Was ist ein Unterseeboot, wa» ein Torpedo und Torpedoboot, was ist eine Seemine? Darüber unterrichte» die soeben erschienenen neuen Austagen der beiden Nummern 389 und 290 der in der ganzen Welt bekannten Miniatur» Bibliothek, Verlag für Kunst und Wissenschaft Albert Otto Vanl, Leipzig. In beiden fleiueit He'ten mit vielen Abbildungen findet der Leser in knapper Form einen Bericht über das, was zum Seekau,pse gehört und ivorüber sich mancher gerade jetzt, wo ein deutsche« Unterjeeboot drei eiiglllchen Pauzerkreuzer,, den Unter- aaiig brachte, so gern >interricl»en möchte. Und dabei kostet jede Nummer nur >0 Pig. In deniselben Berlage erschien soeben anch mit Karte» voi Kriegsschauplatz ei» Haiidatlas, der hübsch und dauerhalt eingebunden, bcguciu in der Tasche z» tragen ist. Geographische und »lililnrische Angabe» sind dein Alias beigesügt »nd machen Ihn zu einem sehr interessanten Nachschlagewerk.

Sitatenrätsel.

Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt:

1. Der Feige droht nur, ivo er sicher ist.

3. Des Äeilscheu Wille, da» ist sein Glück.

9. Was? Der Blitzt Das ist ja die Gustel aus Wasewitz.

4. Die schmale Kost und der Arbeit Last Mag sich nur ein cind'rer erwählen.

5. Es ist so schwer, de» saljchen Weg zu meide».

6. Das eben ist der Fluch der bösen Ta!,

Daß sie sorlzengend iinmer Böses muß gebären.

7. Dasein ist Pflicht, und wär's ein Augenblick.

Auslösung in nächster Nummer.

Austösniig des magische» OiindrnIS In voriger Nuininer!

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Redaktion: A»g. Goeh. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn Uiilversitäls-Bnch- und Steindrnckeret, R. Lange, Gieße».