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Na, Rtnb«, nun laßt mich erst einmal '»u Wem kommen/' pehrt Herr Riedel ab und hängt seinen Hut an den Kleider­ständer im Vorsaal. Dann stadst er gewichtigen Schrittes nach 6.-111 Schlafzimmer, um die schweren Stiefeln mit den gemütlichen Hausschuhen zu vertauschen.

/Das ist ein gutes Zeichen," frohlockt im Stillen Frau Hertha Riedel, die das von der Küche aus mit Genugtuung ge- chen hat. Nun bleibt er sicher den 'Abend daheim, ihr Theodor» nd das ist recht so, denn bei den schweren Krtegszeiten soll man ren und nicht das Geld in das Wirtshaus tragen. '

Sichtlich eringskartosfeln an sel in den Händen,

.«friedigt richtet die brave Hausmutter die und betritt bald darauf, die dampfende Sch das Wohnzimmer.

Bei der Abendmahlzeit erfährt nun Herr Riedel, daß die Eiiiquartiernngsaiisage erst vor kurzem gekommen ist und seine Frau deshalb noch gar nichts für die Soldaten vorbereitet hat.

Mach dir keine Sorge, Mutter," tröstet er.Morgen ist ja Sonntag, da helfen wir all« mit." l

Irma und Kurt begeistern sich sofort für den Gedanken des Vaters, aber Frau Riedel wagt in die Letstungsfährgkeit der Hilfskräfte einige Zweifel &u sehen.

Die Hauptsache ist daß du für die Soldaten einen guten Happen kochst, Mutter," hebt Herr Riedel von neuem an.

Ich dachte an Rinderschmorbraten und Kartoffeln äße Und vielleicht geschmorte Pflaumen," schlägt seine Ehehälfte vor.Pökel­fleisch und Erbsen .und Reis und Kraut 'bekämen sie sehr oft, wurde mir gesagt." l

Ja, das stimmt," bestätigt der Gatt«,aber Schmorbraten

S tst aut und vor allem nicht zu 'knapp, und eine große Schüssel Klöße dazu, womöglich gleich für zwei Tag«. Wer weiß, wie t und une lange die armen Kerle dann darben müssen, wenn e erst 'draußen im Felde sind." <

Ter Sonntagmorgen fand die Familie Riedel in voller Tätig­keit. Ter Hausherr schleppte im Schweiße seines Angesichts di« eisernen Bettstellen und die Matrahen vom Boden herunter, während das Dienstmädchen beim Aufftellcn behilflich war und oann die Betten mit Ueberzügen versah. Irma nnd Kurt standen mehr im Wege herum, als sie nützten, aber der gutmütige Vater jieß sic gewähren, denn die vaterländische Begeisterung unserer hlgend soll man nicht unterbinden. Frau Bertha mühte sich rltch in der heißen Küche, dem Schinorbraten die schöne braune asur zu geben, und wache Berge von Klößen entstanden unter ren eifrig schassenden Händen.

So rückte unter allgemeinem Arbeitseifer die Mittagsstunde Joatt,

Auf jedes Klingelzeichen stürzten di« Kinder nach der Tür, Um immer wieder enttäuscht zurückzukchren, denn einmal war ps der Milchmann, der die Glocke in Bewegung gesetzt hatte, dann wieder ein Bettler und schlieUich der Bäckerlunge, der den Frühstücksbeutel holen wollte.

Nun stellten sich Irma und Kurt mit dein Vater aus Fenster, und nach einiger Zeit konnten sie feststellen, daß die wackeren Vaterlandsverteidiger einrückten. In das Nebenhaus waren schon zwei gekommen, gegenüber betraten dann vier den Hausflur, und vald wimmelte cs von feldgrauen Uniformen ans der Straße, kleberall bezogen die braven Marsjünger Quartier, nur zur Fa- milig Riedel, wo sie so schnlichst enoartet wurden, kamen sie nicht, stuf 'Befragen erfuhr man dann, daß der Bedarf an Qnartteren zunächst gedeckt sei und Herr Klempnermeister nnd Hausbesitzer Theodor Miedel vorläufig nicht in Anspruch genoinmen werde.

Für die Kinder bedeutete das eine schwere Enttäuschung, aber jauch Frau Riedel erging sich in Wehllagen und Jammern. Wie sehr hatte sie sich den ganzen Vormittag in der Küche geplagt, nnd fvas sollte nun mit dem schönen Schmorbraten nnd den vielen Klößen werden?

Na, Mutter, nun mal Fassung," gebot da der Hausherr, Und im Brustton tiefster lleberzengnng fügte er hinzu:Jeder Mensch wnß jetzt Opfer fürs Vaterland bringen. Und das bißchen Fleisch pnd deine paar Klöße, die werden wir schon klein kriegen."

Das bißchen Fleisch nnd die paar Klöße! Frau Riedel erwiderte kein Wort, aber als gute Hmisfran erwog sie bereits ini Allen, wiedas bißchen Fleisch nnd die paar.Klöße" ain vorteilhaftesten Lufznbrauchen seien, denn .nmkommen durste nichts in dicseir schweren Zeiten.

Beim Mittagsmahl konnte Frau Bertha mit Genugtuung fest­st eilen, daß dem Sonntagsgcricht die ihm gebührende Würdigung »nteil wurde. Mann und Kinder aßen mit wahrer Begeisterung Schmorbraten nnd Klöße, Klöße und wieder Klöße, so daß die große Schüssel beinah« geleert war, als man sich vom Tische erhob. Vater brachte dann ein Verdauungsnickerchen, und später wurde von der gesamten Familie der übliche Sonntagsnachmittagsspaziergang un­benommen. Nach der Heimkehr lud der Abendbrottisch zu leckeren, Aufschnitt und gebratenen Kloßscheiben ein. Wieder wurden die Teller im Handumdrehen leer, denn das Wandern in der siijchen Herbstluft hatte eine sehr anregende Wirkung auf'die Eßlust aller klnsgeübt.

Gewärmter Schmorbraten nnd Kartosseklöße" lautete für Montag mittag der Speisezettel, undKartosselklöße nnd ge­schmorte Pflaumen" tvar die verblüffende Antwort silr den Abend. Der von Herrn Riedel betonte Opfermut hatte in der Familie

bis znm Mfttag in unveränderter Weise vorgehalten, aber am Abend machte sich doch ein kleines Ab stauen bemerkbar, wenigstens beim Hausherrn. Er verlangt« noch «ine WurAchnitte nnd leistete sich einen Kognak. Das tat er nur in auß-rgewöhnlichen Fällen, denn er wußte als guter Hausvater wohl, was. er seiner Familie schuldig war.

f ür den solgerrden Dienstag kleidete Frau Bertha den Rest chmorbratens in die harmlose Form von Fleischbrotchen, aber den Kartosselklößen vermochte Je trotz allen Nachdenkens keine andere Gestalt zu geben, nnd so feierten sie noch einmal fröhliche Auferstehung.

Scheuen Blickes streifte der Hausherr die weißen Kugeln, die nun bald anfingen, gefährlich zn werden, dann ftagte er kleinlaut l Haben wirs mm geschasst, Bertha?"

Noch nicht ganz," entgegnete seine Frau, >,aber ich hoffe, cs wird uns heute abend gelingen."

Da seufzte der Alte. Und der Abend sinn, und mit ihm die gefürchtete Mahlzeit. Schweigend nnd langsam wandelten die letzten Klöße ihrer Bestimmunazn.

Eben faltete der biedere Klempnermeister mit.einem Gott sei Dank! seine Serviette zusammen, als hie Flnrglocke schestte. Die beiden Kinder stürzten hinaus.

Der Alte sah seine Frmr an.Nun brauchte bloßWeiter kam er nicht. Kurt stürzte ins Zimmer hinein!HUrra, unsertz Soldaten!"

Dar Bajonett im modernen Nrlege.

Ans dem Munde verwundeter Krieger hären wir, daß das Bajonett in der modernen Schlacht wieder eine nicht unbedeutende Rolle beim Angriff wie bei der Verteidigung spielt. Wie d-te Kriegsgeschichte lehrt, hatte die Bedeutung dieser Waffe im Laufe des vergangenen Jahrhunderts ständrg abgenommen. Nach «mev vergleichenden Statistik des Generalmajors Will« wurden im ita­lienischen Feldzug« von 1869 bei Oesderreichern und Franzosen zusammen von den überhaupt vorgekommenen Verwundungen 16,7 Prozent durch blanke Waffen verursacht. Im Feldzuge von 1864 betrug diese Zahl bei dem Dänen ,mr inoch 4 Pro». Im böhmi­schen Feldzug von 1866 belief sie sich bsi den Preußen auf 6,4 Prozent, bei den Oesterrcichern auf 4,9 Proz. In der Schlacht bei St. Privat, wohl dem blutigsten Gefechte des deutsch-fran- zösischen Krieges, wurden nur 1 Proz. aster verwundeter Deut­schen durch blanke Waffen verletzt und im russisch-türkischen Krieg von 1877/78 sank diese Zahl gar auf 0,9 Proz. Also ein stän­diges Herabgehen der Bertmmdungan durch blanke Waffen, wobei noch zu bemerken ist, daß ein nicht unbeträchtlicher Anteil davon auf den Säbel des Kavalleristen entfällt, die Zahl der eigent­lichen Bajonettverletzungen also noch geringer ist. Meder Er­warten nahm nun im russisch-japanischen Krieg di« Zahl der Bajonettbenutzungen vpn neuein zn. Wie der japanische General­arzt Oku feststcllte, sind 7 Proz. aller Verwundungen auf blank« Waffen zurückznsühren. Noch größer war diese Zahl im Balkan- krieg und sie ist auch bei den jetzigen Kämpfen nicht gering.

Das eine Zeitlang verfemte Bajonett scheint also wieder zu Ehren gekommen hu sein. Zuerst finden wir es geaen Mitte des 17. Jahrhunderts rn der französischen Arme«, wo es die mit Feuer­gewehren bewaffneten Schützen zur Verteidigung gegen Reiterei verwandten. Doch war es nur im Einzelgefecht in Gebrauch. Erst Karl XII. von Schwedm benutzte es in der Schlacht bei Narwa beim geschlossenen Massenangriff und Friedrich der Große und später der in Norditalien kämpfende russische General Suworos wußten diese Angriffsart weiter auszugestalten. Trotzdem flieg Na­poleon bei der Einführung des Bajonetts bei seinen Truppen auf große Schwierigkeiten. In den Erinnerungen eines seiner Offi­ziere namens Charles Parguin wird erzählt, daß einzelne Abtei­lungen vor der Schlacht von Jena Bajonette erhielten, die sie aber zu weiter nichts, als zum Ausgraben von Kartoffeln verwendeten. Viele warfen die nach ihrer Ansicht unnütze Waffe während des Kampfes fort, andere verkauften sie als Kriegsandenken. Doch in den späteren Kriegen Napoleons war der Bajonettangriff allgemein, und besoirders in den Schlachten der Freiheitskriege spielte er ein? große Rolle. Wenn dies auch heute wieder der Fall ist, ist es wohl darauf zurückzuführen, daß sich die großen Schlachten, die eine Zeit­lang Feuergefechte zweier Linien waren, immer mehr in Einzel- gesechte auslösen, bei denen es bei dem Hin- und Hergewoge der ein­mal vorgehcnden, dann zurückgedrängten und aufs neue vorstürmen­den Trupven bei hügeligem Gelände leicht zum Handgemenge kln- nerer Abteilungen konimt. Bezeichnenderweise hat d,e deutsche Heeresverwaltung in den letzten Jahren unsere Infanterie durch Uebnng des Bajonettsechtens auf diese Kampsesart vorbereitet.

vermkscbtsr.

* Der Feldpostbrief des ,Ftqaro"-Redaktenrs Ein Redakteur des .Figaro", der jetzt unter den Waffen ist, schil­dert in einem Briefe an lein Blatt das Leben, da? er führt, sehr anschaulich:Glaubt nicht, daß ich von einem Kaffeehaus aus schreibe, aus irgend einer Tischecke, während meine Nachbarn, kleine Rentner oder Angestellte, Karten spielen. . . Bor uns, 2 Km. entfernt, sind die Deutschen; meine Kompagnie ist aus ihrem Posten'