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,O>der ein Dämon! — Herr von Eure, lassen Me ab' Von ihm! Lassen Me ab Von ihm — um Dosras willenl"( Toska saß zusammengesunken auf einem Stuhle.
Das Leid, das aus ihren Augen, aus ihrem verfallenen; Antlitz schrie, griff Otto ans Herz. Der Vater schien es nicht mehr zu sehen, nicht mehr zu fühlen.
„Ich von meinem Kaiser lassen?" ries er voll flammender Empörung. „Von ihm, der mich durch so viele siegreiche schlachten geführt, durch den ich atme — in dem ich lebeÄt „In wenigen Monaten wird er geknebelt am Boden liegen I"
„Oder die Welt liegt wie jetzt ganz Frankreich zu seinen Füßen. Gleichviel! Ich gehöre zu ihm bis zu meinem letzten Atemzuge! Leben Sie wohl!"
(Fortsetzung folgt.)
vie Tierwelt im Uriege.
Man schreibt uns:
Mcbt mit Unrecht hat man den Krieg von heute den Krieg ter Maschinen genannt; sie haben in der Form von Riesen- yeschtitzen, Luftschiffen, Aeroplanen, Unterseebooten, Minen Usm. eine ungeahnte Vollkommenheit erlangt, die den fechtenden Druppen die Bahn zum Siege öffnet. Die weltgeschichtliche Rolle aber, die «inst das Tier, insbesondere das Pferd, infolge seiner Kriegsverwendung spielte, geht Mehr und mehr zurück. Das Pferd, als „Esel des östlichen Berglandes" zuerst den alten Babyloniern bekannt geworben >- Prschewalskh und nach thm Sven Hedin hoben auf den Lochasiatischen Steppen dos Wildpferd, den ,/grimmen Schelch" des Mbevungenliedes nach der neuen Deutung, lviedergefundcn —, ermöglichte den in ihrer Nationalität
g immer rätselhaften HyksoS oder Schasu im zweiten rtausend v. Ehr. die Aufiüchtung einer mehrhundert- igen Fremdherrschaft im Niltal. Der Kamps von den itwagen entschied zur homerischen Zeit die Schlachten und hat sich bei den britannischen Ureinwohnern merkwürdigerweise bis zur Invasion Cäsars erhalten. Dagegen benutzten die Perser die ersten primitiven „Kriegsautomobile", neben bespannten auch unbespannte sogenannte Mchelwagen, die aus abschüssigem Gelände gegen vie damals bekanntlich nur geschlossen fechtenden Truppen lvsgelassen Wurden. Eine entscheidende Rolle spielte das Pferd noch zu Beginn der Neuzeit bei der Eroberung Mexikos durch Cortez, wo die paar spanischen Berittenen den mit dem Pferd völlig unbekannten Indianern als übernatürliche Zwitterwesen erschienen und ost genug durch ihr bloßes Erscheinen ganze Ktammesaufgebote in die Flucht jagten. In den neueren Kriegen tritt neben der Kavallerie das Trainwesen immer Mehr in den Vordergrund, das ein zahlreiches und ausdauerndes Pferdematerial erfordert- erst in jüngster Zeit beginnt auch hier der Motorwagen seinen Siegeszug. Mer damit ist das Pferd auch als Transporttier noch lange nicht ausgeschaltet, und die schweren Belagerungsgeschütze 1. B. wären einfach verwendungsunfähig, wenn sie auf durchweichten Lehmwegen nicht durch einen Vorspann von 20 bis 24 und mehr Pferden vorwärts geschleppt würden. So bleibt dem „Hafermotor" noch immer seine gebührende Bedeutung im modernen Kriege. Außer ihm hat sich, wenn man von dem zur Ernährung nötigen Schlachtvieh absieht, eigentlich nur die schon im klassischen Altertum zur Ueber- jnittlung von Nachrichten benutzte Brieftaube .als Kriegs tim: durch den Lauf der Jahrhunderte erhalten. In den Heeren des Orients, des Pyrrhus, und der Karthager war der Kriegselefant lange eine furchtbare Waffe; heute erscheint der intelligente Dickhäuter noch in der anglo- rndischen Armee als Zugtier für Geschütze und Bagagefahrzeuge. Die Kunst der Zähmung und Kriegsabrichtung deS afrikanischen Elefanten ist bekanntlich seit den Tagen H«S Altertums verloren gegangen, auch die hochinteressanten, auf Veranlassung des verstorbenen Belgterkönigs Leopold im Kongostaat unternommenen Zähmungsversuche blieben erfolglos. Vereinzelt findet sich in den Eroberungskriegen der Araber seit Mohammed das Kamel verwendet; sein Name ist. verewigt in der von den Annahisten sogenannten „Schlacht des Kamels", in der Mt über Micha, die .fanatische Witwe Mohammeds, siegte, die, in einer Künste aus dem Rücken eines Kaemls sitzend, die Ihrigen |U verzweifeltem Widerstand anspornte. Ochsen als Kriegs- Mlnehmer sind berühmt geworden durch den Marsch Han-
nibals in den Bergen hinter Capua, wo der geniale Punier viele tausend Tiere mit brennenden Strohbündeln an den Hörnern in den nächtlichen Bergwald jagte und so die Römer über den Abzug seines Heeres täuschte. Kriegshunde zum Angriff aus die Indianer abgerichtet, führte Cortez mit sich; im Berliner Museum für Völkerkunde befinden sich noch ein paar gleichzeitige indianische Zeich-- nungen, die drastisch den panischen Schrecken malen, den die Bluthunde auf die Eingeborenen ausübten; heute findet der treue Begleiter des Menschen noch int Spür- und Sanitätsdienste im Felde Verwendung. Aus dem Reich der Vögel haben neben den auch heute noch wichtigen Brieftauben; die Gänse weltgeschichtlichen Ruhm erlangt; sie retteten bekanntlich durch ihr melodisches Schnattern das Kapitol. Sonst haben aus der Tierwelt nur noch die — Schnecken einmal eine Rolle in der Kriegsgeschichte gespielt. Als in dem großen numidischen Kriege, wie Sallust erzählt, Marius schon lange eine äußerst starke Bergseste Fuaurthas vergeblich belagerte, entdeckte ein ligurischer Soldat zufällig in der Umgegend zahlreiche Schnecken, die ihm von seiner italienischen Heimat her ein Leckerbissen waren. Beirrt Aussuchen seiner Lieblingsspeise verlor er sich mehr und mehr im Felsengewirr und bemerkte schließlich, daß er sich auf einem zur Festung führenden Schleichpfade befand. Marius wurde sofort davon benachrichtigt und eroberte mit Hilfe dieser Entdeckung in kurzem das Bollwerk. P. N.
vie riesenhafte Zchlachtfronl.
Bon unserem müitärischen Mitarbeiter.
Die gewalllge Ausdehnung der Schlachtfront in Nordfrankreich mtb nun auch in Rußland ist neben so vielen andern Erscheinungen des jetzigen Krieges ein Zeichen für den gewaltigen Wandel in der Gesechtsweise gegen vergangene Zeiten. Bor der Einführung der Feuerwaffen hat der Angreifer seine Hccresmassen aus schmaler Front in geschlossenen tiefen Formationen aiigebanst, weil nur mit solchen Heeressäulen der Swß gegen den Feind wirksam ausgefübrt werden konnte. Ein Krieger war auf die Unterstützung des anderen angewiesen, und darum mußte Mann an Mann sich gegenseitig helfen. Auch der Verteidiger mußte in dieser Weise kämpsen, wenn er dem Swße widerstehen wollte. Mit der Einführung der Feuerwaffen dehnten sich die Fronten naturgemäß in die Breite, da es ;a darauf ankam, jedes einzelne Gewehr in Tätigkeit und dadurch zur Wirkung zu bringen. Es entstand eine Lineartaktik, in der Mann neben Mann im Gliede gestanden hat. Und hinter ihnen standen gerade so viel Leuts als schießen konnten, zwischen den Schultern der Vorderleute hindurch, oder über die knienden vorderen Glieder hinweg.
Dadurch wurde nun die Front dünner, aber länger, und um diese Linie gegen den Durchbruch zu schützen, postierte man dahinter ein zweites oder ein drittes Treffen. Die Frontbreiten der linearen Taktik aber waren trotzdem nicht ausgedehnt. Bei Zorndorf standen 42000 Russen in einer Front von 3500 Mir., die 36 000 Preußen waren nur wenig breiter. Bei Leuthen hat sich die übergroße Ausdehnung des österreichischen Heeres von 80000 Mann mit der Schlachtfront von 8 Klm. empstndlich gestraft. Denn das Heer Friedrich II., das auf drei Kilometer 32 000 Mann entwickelte, griff den linken Flügel der Oesterreicher an und rollte die ganze Linie ans. Die unausgebüdeten Heere der Revolutionszeit führten das Ttraillieurgefecht ein. Die starre alte Form bei den Gegnern konnte dieser schmiegsamen breiten Linie nicht staridhalten, und die Heere des Feindes mußten cbensalls ihre Reihen öffnen und dünne Schützenlinien in Anwendung bringen. Die nachher erfolgte Einführung von gezogenen Gewehrläusen hatte auf die Ausdehnung der Schlachtfelder zunächst keinen entscheidenden Einfluß ausgeiibt. In der Schlacht von Königgrätz ständen 215 000 Oesterreicher in einer Front von 10 Klm., die Front der Preußen war zu Beginn der Schlacht nur wenig länger, und sie erreichte schließlich 15 Klm. filr 220000 Mann. Auch die Schlachten des deutsch-französischen Krieges bieten kein wesentlich verändertes Bild. Bon den Kämiyfen des russisch-ttirkischen Krieges 1877/78 lassen sich keine zweifellos zutreffenden Schlüsse ziehen, weil die bedeutsamen Kämpfe um das eingeschlossene Plewna aus- gesochtcn worden sind, und die Kräfte dabei zu ungleich waren.
Erst in der neuesten Zeit ist tn Bezug auf die AusdehirnNgj der Schlachtfront ein bemerkenswerter Wandel durch die austep- ordentliche Vervollkommn:mg der Waffen eingetreten. Der russisch- japanische Krieg hat militärische Tatsachen vor Augen geführt, die alle bis dabin gültigen Regeln über die Ausdehnung der Ge- sechtssronten erschüttert haben. Um nur einige Beispiele ans dein Verlauf dieses Feldzuges herauszugreifcn, sei nur erwähnt, daß tu der Schlacht am Scha-Ho die Frontlänge der Russen Mit 200 000 Mann 55— 60 Kilometer betrug. Ihnen gegenüber standen die Japaner, etwa 170 000 Mann, in einer Ausdehnung von 60 Kilometern. Diese Schlacht ist darum für die Beurteilung der Frontbretten von Bedeutung, weil beide Gegner angrifssweise vor- gingen, so daß diese breit« Front nicht etwa durch eine verschanzt«


