Ausgabe 
21.10.1914
 
Einzelbild herunterladen

669

Und wenn ich selbst wollte er würde mich nicht auk- »eymen würde mir nicht verzeihen!" rief er schluchzend.

Darüber kann ich Sie beruhigen," sagte Philip« von Eure mit glücklichem Lächeln.Er selber hat mich zu Ihnen gesandt. Da leien Siel" Er zog einen Brief aus dem Auf- wblag« seine« Anken Aermels.Vom Kaiser selbst I Er wird Sie empfangen, nicht anders als damals, als Sie nach dem Weg« an der Moskwa zu ihm kamen."

(Fortsetzung folgt.)

Der Gdenwälder Landsturm

Bon Hans Otto Becker.

Mährend in dem gewaltigen Ringen des deutschen Vol­kes um seine Existenz draußen auf den Schlachtfeldern unsere

! -eere kämpfen und siegen, ist zur Unterstützung und Entl­astung der Armee der Landsturm im Deutschen Reich auf- aeboten, um im Innern des Landes, an den Grenzen des Reiches und im besetzten Feindesland militärische Dienste »u leisten. An besonders gefährdeten Stellen haben unsere, vraven Landsturmleute schon hervorragende Taten verrich­tet und ihr Blut vergossen, gleich der Feldarmee. Heute, wo unsere Familienväter wieder in die lange Jahre schon aus- ßezogene Uniform geschlüpft sind und di« Waffe wieder er- grrfsen haben, um die Heimat, Weib und Kind zu beschützen,

B an dieser Stelle, die schon öfter Bilder aus der Vergan- ;tt unserer Heimat brachte, dem Odenwälder Landsturm en französischen Revolutionskriegen ein ehrendes Ge­il gewidmet sein.

Im zweiten Koalitionskriege (1799 bis 1801) hatten Odenwald und Bergstraße durch französische Truppen zu leiden. Damals war das genannt« Gebiet zum großen Teil

( wch kurmainzisch, ebenso wie Aschafsenburg und der Spes- art. AuS den Bewohnern der beiden Nachbargebirge Oden­wald und Spessart rief der mainzische Minister von Albini den Landsturm auf, der die kaiserlichen Truppen gegen die Franzosen unterstützen und das eigene Land gegen den Feind verteidigen sollte. Noch einmal kam hierbei die uralte Cent- Verfassung zur Geltung, nach deren Muster das Ausgebot der Bauern organisiert ward; in Cent-Kompagnien war der Landsturm gegliedert. Schon hatten 1796 die Bauern den Oesterreichern bei der Erstürmung Obernburgs am Main ge­holfen. Als dann zuerst im Mainzer Oberstist, am Main und im Spessart, dt« militärische Organisation begonnen »arte, schützte der Landsturm das Oberstist vor feindlichem Einfall. Der Odenwälder Landsturm bestand zuerst mehr auS regellosen Freischaren, ward aber auch bald fester organisiert Und unterstützte wesentlich die kaiserlichen Truppen auf ihrem rechten Flügel. Der Landsturm ruft noch einmal die Erinne­rung wach an die grauen Zeiten, als die eingesessenen Ale­mannen idr Land, Hjaus und Hof gegen die Römer verteiß higttn. Und wie ihren Vorfahren gab ihnen dieses Bewußtsein Mul und Kraft zu ihren wackeren Taten.

Das Hauptquartier des Odenwälder Landsturms war Maldmichelbach, das Herz des Odenwalds; dort war ein regelrechter Wacht- und Vorpostendienst eingerichtet, der das Land auf weite Strecken beherrschte.

Während der Landsturm des Oberstifts schon im August 1799 am unteren Main und am 4. und 5. Oktober an der Ridda kämpfte, fochten die Odenwälder an der Seite der Kai­serlichen am Neckar. Am 1. November schlugen sie bei Wein- $*hn eine französische Abteilung zurück; hier verschoß die Cent-Kompagnie Walldürn ihre gesamte Munition, und die von Miltenberg, Amorbach, Eichenbühl fochten mit Auszeich­nung. Am 6. November kämpfte der Landsturm glücklich bei Ziegelhäuser,; am LI. warfen die Stadt- und Cent-Kom­pagnie Miltenberg den Feind bei einem Angriff auf Abtstei­nach zurück und am gleichen Tage eine andere Landsturnv-

g eilung bei Eberbach. Am 29. November fanden heftige Be­te bei Eberbach und Hirschhorn statt, wo beidemal der idsturm siegreich blieb; bei der Eroberung Eberbachs fan- 106 Landsturmmänner den Tod aus dem Felde der Ehre. Allein im Monat November haben also diese braven Odenwälder Bauern Hervorragendes geleistet. Ende des Jahres wurde der Landsturm in eine Landmiliz umgewan­delt. Auch diese hatte irneder Zusammenstöße mit dem Erb­feind, bis die Kämpfe am 15. Juli 1800 lm Waffenstillstand von ParSdorf ihr Ende fanden. Nach dessen Aufhebung hatte Iwch einmal das Seligenstädt« Freikorps einen siegreichen stampf mit den Franzosen zu bestehen. Am 24 . Nov. 1800

unternahm man endlich einen kühnen Angriff auf die Fran­zosen bei Aschafsenburg, um sich den durch die plötzliche Auf­hebung des Waffenstillstandes notwendig gewordenen Rück­zug in den Spessart zu sichern.

Der Sieg der Franzosen bei Hohenlinden beendete den Krieg, den »war das tapfere Verhalten des Odenwälder Land­sturms nicht zu einem glücklichen Ende führen konnte, dev aber doch gerade dadurch «ine überaus sympathische Note er­hält. Wie unangenehm der Landsturm den Franzosen war, geht daraus hervor, daß sie gefangene Landsturmleute nieder­metzelten, so daß der kaiserliche Oberbefehlshaber Erzherzog Karl am 29. November 1799 drohen mußte, er werde an ge­fangenen Franzosen das Wiedervergeltungsrecht ausüben. Die Franzosen scheinen also die braven Odenwälder Land-; sturmmänner, die ihre Heimat verteidigten, alsFrankti­reurs" angesehen zu haben! Aber wie anders haben dies« wackeren Bauern, die zudem militärisch organisiert waren, gegen den feindlichen Einfall gekämpft als 1870 und 1914 die elenden feigen Meuchelmörder auf sranzösischem und bel­gischem Boden gegen unsere regulären Truppen!

Eine literarische Behandlung fand der Odcnwälder Landsturm in dem Volksroman des Anfang dieses Jahres verstorbenen Georg SchäferDie silbernen Glocken von Mür­lenbach", und historische Würdigung in der Schrift K. Ro- thenbüchersDer Kurmainzer Landsturm in den Jahren 1799 und 1800". _

Der Krieg im Anzeigenteil englischer Seitungen.

Kaum eine Escheinung des öffentlichen Lebens hat durch den Krieg ihr Aussehen so verändert, tote der Anzeigenteil de» Zeitungen, und besonders gilt dies für di« großen englischest Blätter, deren Anzeigenteil ja umfangreich« unt> reichhaltige» tu sein pflegt als der der unseren. Fast jede .Anzeigen die man! seit dem Kriegsausbrüche dort liest, steht Im Zusammenhänge mit dein Kriege. Durchfliegt man die Spalte, die mitPersonal" Überschricoen ist, so stößt man auf junge Engländer, dt« um Motor­räder bitten a eschen k- oder leihweise, aus denen sie Hinte» der Front Botendienste tun wollen. In London sucht ein Ingenien» aus gleiche Weise ein Flugzeug für Kriegszwecke und ein Arzt bittet edeldenkrnbe Menschen um 600 Pfund 12 000 Mark, damit er seine Praxis aufgeben und als freiwilliger Arzt in deit Krieg ziehen kann. Ein UniversitätSprofessor, b« auf käme Zeit beim Heere irgend eine ungenannte Arbeit ausführen will, aber nicht abkömmlich ist, weü er gleich«eilig Vertreter einer ai,S< wärttgen Firma ist, sucht ein größeres Darlehen, das ihm aus dieser Klemme Helsen sollTfa der bekannte Sendow, Inhaber eineS großen Institutes für Körperkultur", teilt mit, daß er schwäch- llche Leute so stärken könne, daß sie Heeresdienste tun könnent Schließlich werden freiwillige Mannschaften sür «in Rotes-Kreuz- Schtfl gesucht, aber jeder dieser Freiwilligen muß 4000 Mark mtt- bringen. Besonders merkwürdig sehen die SchisfahrtSanzeigen aus. Zu Friedcnszeiten nehmen sic in den großen englischen Blättern «neu stattlichen Raum ein, letzt sind sie arg zusammen aeschrumpftl die Anzeigen der großen deutschen Schifsahrtsgeseflschaften, di« tonst «ine gute, regelmäßig fließend« Einnahmequelle bildetest- schien vollkommen und nur wenig» Schtfsahrtslinien zeigen an, bah der Dampfer soundso im Hasen soundso zur Abfahrt bereit läge, aber sie geben keinen Abfahrtstag an. Leute, die gern Eng­land verlassen möchten, suchen in den Anzeigen nach Schissen- ja reiche Amerikaner teilen mit, sie würden nrü irgend einem be­liebigen Schiff« nach den Bereinigten Staaten, selbst nach Süd­amerika reisen und bieten fabelhafte Preise für solch« Ueberfahrts- aelegenhciten. Da« Gegenstück hierzu ist di« Anzeige eines Eng­länders, der seinen Fahrschein nach Montteal verkaufen will und binzufügt, der Ucberschuß über den eigentlichen Preis käme dem Roten Kreuz zugute. Merkwürdig ist eS, daß dte meisten Geschäfte, auch solche, deren Waren von Rtchtkrieasteilnehmern durchaus ge­braucht werden, ihre Waren unter Hinweis aus die KriegSvcr- weudung ankünden: Röntgenapparate scheinen plötzlich nur noch »um Aussindcn strckcngcbltebener Geschosse dienen zu sollen, Stiefel sind nur noch Doldatrnstiefel, auf Nähmaschinen kann man an­scheinend nur Dinge näheul, die das Rote Kreuz gebraucht ufto. Selbstverständlich sitzen in Drgland wie in vielen anderen Ländern zahlreiche Leute plötzlich brotlos da, und dies« suchen nun all« möglichen Beschäftigungen. Ein gestrandeter Engländer"', de, 14 Jahre in Deut chland war, durch den Krieg von dort vertrieben ist, sich großer Gewandtheit und «in« ansehnlichen Erscheinung rühmt, gut erzogen, verheiratet, ab« kinderlos ist, zudem fließend

« fisch und Deutsch spricht, sucht vorübergehend« od« dauernd« tigung, gleichviel welch« Ätt. Ein ander« Engländer, de» den südafrikanischen Krieg mttgemacht hat, erbietet sich, Flücht­linge nach England zu bringen und sofort wieder umzuvchrenz um englische und amerikanische Flüchtling« zu sammeln; ia ei» Engländer, der außer sein« Muttersprache Russisch, Deutsch und Dänisch beherrscht, teilt mit, er gebe aufs Festland, nach Rußland oder Frankreich, umschwierige Aufträge" auszuiühren. Er hat, waS sicherlich ziehen wird,einflußreiche Verbindungen". Bost