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das, waS von hier aus geht, auf Hunderten von Kochtöpfen über Hunderten von Lagerfeuern braten und schmoren.
Das Aufschlagen von Lagern im eigentlichen Sinne gibt es beim französischen Heere nicht. Ich habe noch kein richtiges Zelt gesehen. Wenn das Dunkel hereingebrochen ist, dann sieht man irden Abend im Schein der Automobillichter Tausende von Menschen an den Wegrändern schlasen oder in Kornmieten auf den Stoppelfeldern ihr Lager suchen. Und wenn man so im Automobil durch die Nacht fährt, dann sieht man die ermüdeten Truppen von den Schützengräben zurückkommen, während die frischen Truppen, die, die >oir in dem Dorf sahen, vorwärts ziehen, um ihre Plätze einzunehmen. Um diese Zeit, wenn die Stunde kairmt, da in gewöhnlichen Zeiten die Menschen von der Arbeit ausruhen und Feierabend machen, ergreift einen am stärksten das Grauen vor dem Krieg und das MsUeid mit den Kriegern. Ein mannhafter Kampf erwärmt das Blut, und das Schiesten bei Tag regt die Lebensgeister an. Mer hier gibt es nichts, >oas einen Mann erwärmt und anregt, der im Dunkel der Nacht seinen Posten in einem Schützengraben antritt mit dem Bewusttsein, dast der Feind wahrscheinlich — wie er es so oft tut — gerade vor Anbruch des neuen Tages einen Angriff machen wird, wenn die Lebens- und Nervenkraft durch die lange Wacht fast völlig ausgcrieben ist.
Bei einem solchen Nachtgefecht ist noch am meisten von einer modernen Schlacht zu sehen. Blitze zucken dann in unaufhörlicher Folge über jene sernen Hügel fort. Brennend« Schober und Häuser erfüllen das Dunkel mit düsterer Glut. In den großen Lager!» brenne» lustig die Lagerseuer. Mer man hat keine Freude an solch romantischem Nachtbild. _ C. W.
wie der englische ttriegszensor arbeitet.
Tie amerikanischen Zeitungen sind entrüstet über die Art itrtb Weise, in der die britrsche Zensur völlig harmlose Tele-
S ramme als militärische Nachrichten betrachtet und unter- r ü ck t. Der „New Port Globe" erzählt einige derartige Fälle, die trotz des Ernstes der Zeit lvie Humoresken anmuten. ,,Wo bleibt das Ergebnis des Tenniswettkampses in Fox Hills, New Aork?" fragte eine Londoner Zeitung der ihrein New Parker Vertreter an. Dieser antwortete, er habe es schon vor sieben Stunden gekabelt. Da ging der Chefredakteur des Blattes zum Zensor. Ein hochgeioachsen« junger Engländer mit glattrasiertem Gesicht, dem Monokel im Auge und scheinbar ständigem Durst nach Tee, trat ihm entgegen. „Ja — sagte er — das Telegramm ist angekommcn, aber es ist äußerst verdächtig. Sehen Sie doch selbst: „Weih gewonnen, 6—2, 7—5, 8—4." Das ist natürlich «ine Codemeldirng. Diese sind aber verboten." Ms ihm der Redakteur erklärte, es sei nur eine Sportnachricht, und als er an die Sportbegeisterung des englischen Zensors appellierte, memte dieser: „Ach waS, Sportnachricht: die konnnt morgen auch noch zurecht." Und auf die Frage, was denn nun eigentlich zu telegraphieren verboten sei, gab er die geistreiche Auskunft: „Das kann ich Ihnen nicht sagen; wenn wir bekannt geben, was verboten ist, dann erfährt ja die Oeffentlichkeit, was geheim gehalten werden soll." — Der Inhaber eines amerikanischen Konfektionshauses hatte bei seinem letzten Besuch in London Damenmäntel bestellt, die auch geliefert wurden. Gleichzeitig telegraphierte ihm der Lieferant: „Zehn Kisten verfrachtet: erwarte Winternuftrag." Der Zensor hat das Telegramm niemals abgehen lassen. Daß die Firma Rosenthal n. Co. in Illinois tatsächlich Dameumäntel ans London beziehen könnte, schien ihm ausgeschlossen Deutete vielmehr nicht das Wort „Winter" daraus hin. daß es siel» uni eine Nachricht über die englische Flottenbewegung in der Nordsee handelte. Erst als der Londoner Lieferant von dein amerikanischen Käufer kein Geld erhielt, erfuhr er, daß das Telegramm unterdrückt worden war. Die Gebühren dafür sah er nienials wieder. — Der Londoner Berichterstatter einer New Parker Zeitung kabelte eine Liste der mit den letzten Dampfern nach den Bereinigten Staaten abgefahrenen bekannten Amerikaner. Nach zwei Stunden kam die Anfrage aus New Pork, wie diese Schiffe heißen. Nach einer tveiteren Stunde kam ein dringendes Telegramm „Was bedeutet: „Dampfer heißen .." ohne Nvmensangabe." Der Zensor hatte also im ersten Telegramm die Namen der Passagierdampser gestrichen. Im zlvefte» Telegramm strich er sie wiederum, ließ aber das seltsame „Dampfer heißen ..als Kabelgramm nach New Pork weiter gehen. Eine wichtige Meldung desselben Korrespondenten vom 2. August traf in New Park gar nicht ein. Dagegen erhielt er nach drei Wochen, am 23. August, einen Brief vom Londoner Telegraphenbüro, sein Telegramm sei vom Zensor unterdrückt worden. Inzwischen hätte er die Nachricht schon dreimal als Briet nach New York senden können. — Auf dem Londoner Hauptvostamt tvollte ein Geschäftsmann einem in der Schweiz weilenden Freunde telegraphieren. Ta die Bestimmimg besteht, daß nur in der Spruche des Empsangslandes abgefaßte Telegramme befördert werden, und der Engländer sich in Genf aufhielt, schrieb er fran- zo>l>ch — Der Postbeamte betrachtete das Telegramm einen Augenblick und gab es daraus mit den Worten zurück: „Das kann ich nicht «»nehmen, das Telegramm muß in Schweizer Sprach«
««schrieben sein." — „Was? In Schweizer Sprache?" — De» Postbeantte verschtvand für einen Augenblick, um sich mit ferne» Kollegen zu beraten. As er zurückkam, meinte er: Geben Sil her, diesmal wollen wir es noch in französisch« Sprache durch«
lassen."
vermischte».
* Vom Helden-KomMandanten des „U. 3". Ma» schreibt uns: Wenn man das Sprichwort „Was ein Häkchen wird, krümmt sich bei Zelten" auf den heldenhaften Konmrandanten d» „u. 9", den Kapitänleuttrant Otto Weddigen, cuuvendetnl wollte, so könnte man sagen, daß auch ein! Held schon frühzeitig lern „Talent" zeigt. Das läßt so recht folgende, uns von eh,eh» Bekannten Weddigens mitgeteilte Episode erkennen: Otto Weddigen war noch blutjunger Leutnant z. S., als er eines Tages au Bordj eine Turnstunde abzuhalten hat. Keine U_' gewöhnlicher« Bur» stunden, beim der hohe Chef ist da zur Besichtig,ing, iAxzellenz von Baudissin, der bekannte, um die Schußansbildnng unser« Marine hochverdiente Admiral, Die blauen Jungen stehen am Turngerät angetreten. Einer von ihncjn probiett ein« Ücbung, die ihm aber nicht vorschriftsmäßig gelingt, so daß Leutnant Weddigen sich anschickt, sie mustergültig vorzuturnen. Die Tücke des Augenblicks will cs, daß Weddigen dabei vom Gerät abstürzt. Ganz angenehm mag der Sturz nicht gewesen sein, aber dev Leutnant verbeißt den Schmerz und läßt ruhig weiterturnenl, Exzellenz v. Baudissin sieht ebenso ruhig zu. Ms die Sttlnde verflossen ist, bemerkt Exzellenz denn doch die auffallende Wässe inj dem Gesicht des jungen Offiziers er redet ihm rrtjt den Worte» au: „Na, Weddigen, haben sich wohl etwas weh gÄanj?" „Zu Befehl, nein, Exzellenz, habe niir nur den Arzni gebro» ch e n!" Mit diesem gebrochenen Arm aber hatte Leutnant Wed-« digen trotz aller Schmerzen ruhig die Turnstunde dnrchgeführt.
viichertisch.
— Die Kriegsausgabe des KunstwartS zum halben Preis bringt eine angenehme Ueberraschung. Es dürftz dies der einzige Fall sein, daß ein« Zeitschrift den Bezugspreis während des Krieges so beträchtlich herab etzt. Biele konnten bisher die Zeitschrift wegen ihres Preises nicht halten. Jetzt ist ihn«n das möglich. Der Kunstwart hofft, durch die Preisherabsetzung seine Kulturarbeit in viel wettere Kreise tragen zu können, als cs bisher möglich war. Trotz des geminderten Umfangs läßt er keine Verminderung des Arbeitsgebietes eintreren. Er wird nach wie vor alle Kunst- und Kulturftagen behandeln. Auch Bilder- beilagen rind Noten gibt er fernerhin mtt, freilich etwas wenig« reichlich als früher. Die Hefte, die wie stets zweimal monatlich erscheinen, werden einen Umfang von 30—40 Druckseiten haben.
— Weltkrieg Unter diesem Titel erscheint im Verlag des Hilssverrins Deutscher Frauen, Berlin, Preußisches Herren» haus, zu wohltätigein Zweck eine Zusammenfassung der Kriegs» ereignisfe, die aus Grund der amtlichen Depescksen bearbeitet und gut ausgeftattct (das Titelblatr stammt von Döpler) eine ernste, würdige Erinnerung an die große Zeit bietet, die wir durchleben. Jede Woche erscheint eine 4 Setten starke Nummer zum Preis« von 5 Pfennrgcn, von denen infolge der freiwllligen Mitarbeit viel« 2>/r Pfennige als Reinertrag bleiben. Diese — also 25 Mark pro 1000 Exenrplare — werden an die Magistrate dev deuffchen Städte zur Unterstützung von Kindern im Feld« stehen» d« Krieger abgeführt. Namentlich Schul« unser« Lehranstalten sollen Abonnenten i» ihrem Berivandten- und Freundes kr ets« werben: Kinder sollen gindern helfen: ein vortrefflich« Gedanke, d« auch vom pädagogischen Standpunkc vollste Billigung verdient.
Logogriph.
DIit ,R“ geschieht es alle Tage.
Wohl dein, der immer in der Lage.
Mit „L* isl's denen nicht genehm,
Tie träge sind und sehr beguei».
Mit .SK* tu»s Buben gar nicht selten. Wenn auch die Lehrer darob schelten.
Mit .T* tritt man ins Leben ein, Bisweilen brancht lnan's auch beim Wein. Auflösung in nächst« Nummer.
Auslösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Abkurzunge»: tr — Tresj, p — Aigue, e — Coeur, c«r = Sarreau trB — Treff-Bub«, pA — Pique-Aß, cD — Coeur-Tome »sw. Das Spiel wurde verloren. Vorhand erhielt: carB, tr8, tr7, pD, p7, carZ, carK, car9, car8, car7, im Skat lagen p9 und p8; Hinterhand hatte den Rest. — Spielgang:
1. V. carZ Dt. carA H. carB = — 23.
2. tz. cZ V. carB ÜH. cA = — 23.
2. D. carK M. earl) 6 . pZ = — 17 .
Sm = - 63.
Redaktion: Slug. Goetz. — Rotationsdruck >i»d Verlag der Brühl'scheii llniversitäts-Duch- und Steindruck«« R. Laiige, Gießen.


