Ausgabe 
15.10.1914
 
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t lebrei&enbe Prinzessin nach seinem Lande und seinem Leben dort! ie frischen gemeinsame Berliner Erinnerungen aus, und Prin­zessin Elisabeth ruft ihm ins Gedächtnis zurück, lote sie einst auf der Trevpe im Schloß sieipcrtr und nur dank seines starken

Armes, i>«r sie aufsina, keinen Schaden nahm. Ehe di« Prome­nade zu End«, ist Fürst Karl bereits in ihrem Bann«: sie hat ihn für immer erobert und an sich gehesselt, ohne selbst eine Ahnung davon zu haben." Gleich nach dieser ersten Begegnung erklärt der Fürst schon im Wagen den Lernen seiner Begleitung, er sei entschlossen, augenblicklich den entscheidenden Schritt zu wagen. Er hält sofort danach um die Hand der Prinzessin an und emp­fängt von der Fürstin das Versprechen, daß sie mit ihrer Tochter reden wolle. Eine lang« Viertelstunde bangen Wartens dann läßt der Ungeduldige wieder anfragen und erhält die erhoffte Nachricht: Die Prinzessin hatja" gesagt. Nur zwei Stunden ist es ihm vergönnt, noch mit seiner lieblichen Braut zusammen MI sein, dann rufen ihn wichtig« Geschäfte schon mit denr Nacht­zug nach Paris zurück. Ein erstes Telegramm meldet dem För­derer des Bündnisses, denr Kronprinzen, die frohe Nachricht, der von Konstanttnopel aus seine Glückwünsche an den Fürsten sendet: Du wirst Dir denken können, wie mein Her» beim Empfang der Nachricht gejubelt hat, denn eine lang gehegte stille Hoffnung hat sich erfüllt, und Meine Erwartung, daß, Elisabeths Erscheinung ihren Eindruck auf Dich nicht verfehlen werde, ist eingetroffen. Möge Gott nun Euch in Eurer Ehe das Glück bescheiden, das Du in der mcinigen oft genug zu beurteilen Gelegenheit gefunden hast; Möget Ahr also reichlich für all die Entsagungen entschädigt wer­den, die Eure Stellung in der neuen Heimat unvermeidlich mit sich bringt."

Die große Wendung im Leben König Karols bildete der rus­sisch-türkische Krieg, in dem Rumänien durch seine ent­scheidende Beteiligung an den Kämpfen seine Leistungsfähigkeit als moderner Staat und als kräftige Militärmacht zu beweisen Ge­legenheit hatte. ES geschah dies bekanntlich sehr gegen den Wunsch und Willen Rußlands, welches Rumänien in der Rolle eines kleinen Vasallenstaates festzuhalten gedachte. Rußland nahm denn auch das Hilfeangebot d«S Fürsten Karl zunächst sehr kühl auf und Ne- ltdow machte ihn darauf aufmerksam, daß Rumänien, ivenn es sich in den Krieg einzumischen gedenke, dies auf eigene Gefahr tun müsse. Fürst Karl beschloß abzuwarten und mobilisierte zunächst einmal sein ganzes Heer. Als dann, nachdem die Lage für Ruß­land bereits krittsch geworden war, vom Zaren ein drahtloser Hilfe­ruf erging, zog der Fürst nun seinerseits vor, erst noch zu warten. Den weiteren Fortgang der Dinge, der sich geradezu dramatisch gestaltete, hat König Karol selbst einmal einem Besucher in fes­selnder Weise erzählt. Es kam ein zweiter Hilferuf.Ich tele­graphierte deni Kaiser, daß ich käme, und meine Armee überschritt in größter Ordmcng die Donau. Ich werde die Einzelheiten meiner Begegnung mit dem Kaiser und dem Großfürsten Nikolaus nie vergessen. ES war in einer elenden bulgarischen Hütte: ich kam hei einer furchtbaren Hitze, mit Staub und Schweiß bedeckt, an. Nach der ersten Begrüßung sagte der Großfürst:Sie sind also Entschlossen, Ihre Arm« selbst »u führen^'Natürlich, es ist ja meine Armee."Das soll heißen, daß Sie nicht unter dem Kommando eines russischen Generals stehen können." Ich sprang bei diesen Worten aus und schrie:Unter dem Befehl eines rus­sischen Generals! Sagen Sie lieber, daß zehn russische Generale unter meinem Befehl stehen können!" Um der peinlichen Unter­redung ein Ende zu machen, sagte der Kaiser in liebenswürdiger Weise, daß ich wohl sehr müde sein dürfte, und daß mir ein wenig Ruhe gilt tun würde. Man führte mich in ein schönes und be­quemes Zelt, das durch einen Verschlag in zwei Teile geteilt war. Ich war gerade mit meiner Toilette beschästigt, als der Großfürst Noch einmal kam und mir sagen ließ, daß er mich sosort sprechen müsse. Ich kleidete mich in aNer Eile an:Der Kaiser," sagte Großfürst, .chietet Ihnen den Oberbefehl über alle Streitkräste vor P l e w n a an. Entschließen Sie sich rasch, denn ich soll ihm die Antwort bringen."Wie kann ich mich denn sosort entschließen," antwortete ich,ohne daß ich weiß, wie viel Mann da sind!" Nachdem mir der russische Generalftabschef erklärt hatte, daß vor Plewna 30000 russische Soldaten ständen, ging ich zum Kaiser und erklärte, daß ich annähme. Nun kamen viele Generale auf mich zu, um mich zu beglückwünschen: unter Ihnen befand sich Jgnatiew, und ich konnte mich nicht enthalten, ihm zuzurufcn:Nun, dieser Feldzug sollte ja nach Ihnen ein bloßer militärischer Spaziergang werden!" Jgnatiew schob die ganze Schuld auf seine Regierung, die nicht genug Armeekorps mobilisiert hatte. Vor Plewna hatte der König dann noch verschiedene Zu­sammenstöße mit den russischen Generalen, die durchaus angreisen wollten: als er eines Tages für die Soldaten Äerschanzungen Anschlägen lassen wollte, sagte einer der Generale stolz:Unsere Venchanzungen sind die Brüste unserer Soldaten."Ganz rich­tig." erwiderte der König,und weil diese Brüste mir viel wert sind, wünsche ich. daß sie durch einen Graben geschützt werden!"

vermochte«.

S o Iba* und Stock. Mit seltlam gemischten Gefühlen las ma» in letzter Zeit, daß sich vieliach Gummiknüppel tm Besitz gefangener russischer Ossi,iere fanden, die augenscheinlich d» Kriegs« beaeisterung uiiscrer Feinde etwas nachgcholten halten. Wenig bekannt sein dürste es, daß ma» vor den Befreiungskriegen in de? Tut den Stock Im Heer« für unumgänglich nötig hielt, eben well damals« Truppen noch ähnliche Elemente unter sich hatten wie jetzt di« Russen. »Daß der Stock regiere unter den Soldaten, schreibt Ernst Moritz Arndt, Ist ein notivendtges Nebel, so langt man sich nicht ichämt, den Auswurs der menschlichen GesellschaÜ in die Klasse dieser Staatsbürger autzunehmen. Wa» soll ma» anlangen mit verwilderten, zuchtlosen Taugenichtsen, mit Menschen, die oU schon alle Stuten der Schande a»l- und abgestieaen sind und dann «wem Werber »»lauten? Was soll man mit Ihn«, an­sangen, wodurch soll man sie bändigen, als durch de» Stock, durch dl« Furcht vor dem geinelnsteu Schmerz?' Und von Friedrich dem Groben sagt Goethe in Dichtung und Wahrheit (Buch XUl Sei» Uebergewicht In allem offenbarte sich am stärksten, als ln der tranzösischen Armee das preubtsch« Exerzitium und sogar de* preußisch« Stock elngesührt werden sollte.'

Sprache«!« der Allgemeinen Deutschen Sprachverein».

Amtsdeutsch I.

Frühere Bezeichnung. Jetzige Bezeichnung.

Absentenliste.......Verzeichnis der Fehlenden

Acta..........Akten, Amtsschriften

ad Acta......... ui den Akten

Adjazent.........Anlieger, Angrenzer, Anraina

Administration ...... Verwaltung

Adoption......... Kindesannahme

Adressat.........Empfänger

Adresse.........Anschrist, Aufschrift

Adresskalender ......Wohnungsanzeiger

Advokat.........Anwalt, Rechtsanwalt

4 fonds perdu ....... ohne Ersatzpflicht

Abende.........Gottesdienstordnung

Agent.......... Geschäftsvermittler, Mäkler

Stellcnvermittler, Mittelsmann

akkreditieren . ......beglaubigen, bevollmächtige»

Akt......... . Handlung, Tat, Vorgang

aktiv..........tätig, handelnd

Aktiva.........Vermögen

Akzise.........Verbrauchsabgabe

Alphabet.........Buchstabenfolge. ABC

Alternative........Wahl, Zwiewahl

Amnestie........Gnadenerlaß, Straferlaß

analog .........ähnlich

Analphabet........Schristunklindiger

animalische Lymphe.....tierische Impfe

Anomalie........Abweichung, Ausnahme

anonym.........ununterschneben

Arbeiterkolonie......Wanderarbeitsstätte

Areal..........Fläch«

Argument........Beweis

Arrest ......... Beschlagnahme,Sperre,Pfändung

assistieren........Helsen, beisteben

A'yl..........Obdach, Stätte, Heim

Attentat.........Anschlag, Mordanschlag, Angriff

Ariäienr.........Empfang, Gehör

Avancement........Ausrücken, Beförderung

AuS dem BerdeutschungsbiichDie Amtssprache'-

Sitatenrätsel.

AuS jedem der lolgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Zitat ergibt:

1 . Mein Sobn, nichi» i» der Welt ist unbedeutend,

2. Mensch, bezahle deine Schulden I Lang ist ja die Lebensbahn ....

3. Und immer höher schwoll die Flut.

4. Ter Knabe Don Carl langt au, mir fürchterlich zu werde», b. Wer srüh erwirbt, lernt lrüh den hohe» Wert

Der holden Güter dieses Leben» schätzen.

8. Stets ist die Sprache kecker als die Tat.

7. Atu Ende ist der ganze Kerl noch nicht einmal geboren.

8, Ei» jeder gibt de» Wert sich selbst.

5. Das ist des Landes nicht der Brauch.

10. Tages Arbeit! Abends Gältet Saure WochenI Froh« Fest, I

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Königspromcnade in voriger Nummer?

Wer allzu heltig rennt, geht überremieud Des Ziels verlustig. Wisit ihr nicht, daß Feuer,

Wenn es den Trank zuui Ueberschaumen schwellt,

Ihn scheinbar mehrt, doch in der Tat verflüchtigt?

Shakespeare.

Nedaktlon:

Aug. G o e tz. RotailonSdruck und Derlag der Brühl'scheu Unlversitäts-Duch- und Steindruckerel, R. Lauge, Gießen.