Ausgabe 
14.10.1914
 
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Generalstabskarten.

(Von unserem militärische» Mitarbeiters Das wichtige Hilfsmittel der Kriegsührung, die General­stabskarte, stammt in ihrer ersten Form aus Frankreich, das die erste auf einer genauen Landesvermessung beruhende Karte in den Jahren 17501793 geschaffen bot. Nach dem sieben­jährigen Kriege beginnt auch in Oesterreich eine Landesaufnahme für militärisch« Zwecke, uiid nach 23 Jahren, 17641787, waren alle Erbländer der Monarchie unter der Leitung des Generalguar- tiermeisterstabes im Mähe 1:28 800 bearbeitet. Die Karte ist ein Seitenstück zu der Kabincttskarte Friedrichs II. von Preußen. Tic zweite grobe Aufnahme der österreichisch-ungarischen Monarchie nahm ihren Anfang im Jahre 1806, wurde bis 1869 fortgeführt, aber nicht beendet. Erst von da ab setzit eine neue Aufnahme in Oesterreich ein, die 1889 abgeschlossen worden ist. Vor ungefähr 130 Jahren begaim Sachsen mit der Herausgabe von Generalstabs­karten, 1818 WürttemveV, 1816 Rußland, 1833 die Schweiz, 1878 Italien und 1850 Belgien. In Preußen reichen die Hand­karten, denen schon eine einigermaßen richtige Vermessung zu-

S runde liegt, bis aus die Zeit des Großen Kurfürsten zuritck.

der die Meßtischblätter, die als Generalstabskarten verwendet werden konnten, entstanden im Jahre 1816. Tie Aufnahmen, die «m Laufe des 19. Jahrhunderts gemacht worden waren, sind dann durch neuere und vollständigere Arbeiten ersetzt worden.

Tie militärischen Bedürsnisse von Heer und Flotte in Bezug auf Vorbereitung und Durchführung des Krieges setzen tadellose Karten voraus. Es hat auch das Kartemvesen im Laufe des 19. Jahrhunderts durch eine geradezu einwandfreie, peinlich ge­naue Wiedergabe der Natur und durch die aus die höchste Stufe der Vollendung geführte Herstellung sehr große Fortschritte ge­macht. Vornehmlich äußern sich diese Veränderungen in der Dar­stellung der Zeichnung von Gebirgen. Aber nicht nur für das Heerwesen, auch für den Staat als kulturelle Gemeinschaft ist das Kartenwesen von höchster Bedeutung. Es kann ja kein Zweig der menschlichen Tätigkeit ohne Karte auskonrmen. Tie eigentlichen militärischen Gebrauchskarten für den Frieden und für dm Krieg find am besten im Maßstabe zwischen 1t 50 000 und 1:200 000 gehalten. In diesen Verhältnisse!, lassm sich bei einer guten tech­nischen Ausführung die Formen des Bodens und alle jene Gegen­stände deutlich wiedergeben, die für militärische Zwecke von Be­deutung sind. In Dmtschlaich nennt man heute Generalstabskarte kurzweg die Karte des Deutschen Reiches im Maßstabe von 1:100 000. Sie enthält 675 Blätter, von denen der preußisch« Generalstab 545, der bayerische 80, der sächsische 30 und der würt- tembergische 20 Blätter bearbeitet hat. Tiefe Karte ist in zwei Ausgaben vorhanden, sowohl im Umdruck ohne Farbm, wie auch im Kupferdruck mit blauen Gewässern. Neuerdings ist die Karte auch im Dreifarbendruck in der Bearbeitung. Die Bodenforma- tionen sind auf diesen Karten inBerg-Zeichnung" kenntlich ge­macht, und in der neuesten noch nicht vollendetm Ausgabe er­scheinen die Bodenformen in braunen Bergstrichen (Schroffen) mit Schichtenlinien, die eine Entfernung von 50 Metern bezeichnen.

Unserer deutschen Generalstabskarte entspricht in Oesterreich- Ungarn dieSpezialkarte der österreichisch-ungarischen Mon­archie" im Maßstabe von 1:75 000. Sie stammt aus dem berühm­ten Mtlitärgeoaraphischcn Institute zu Wien und enthält 820 Blätter. Auch sre besitzt Schrasfen- und Schichtenlinim. Frankreich besitzt dieCarte oe France dite Carte de l'Etat major, im Maßstabe von 1:80 000. Für Algier ist in Frankreich eine eigme Generalstabskarte ausaearbeitet wordm, und dazu noch eine solche für Tunis. Auch England hat eine vorzüglich ausgearbeitete Ge­neralstabskarte im Maßstabe von 1:63 360. In Rußland gibt es nur Generalstabskarten für das europäische Rußland, aber ohne den nördlichen Teil des europäischen Reiches.

In das Gebiet der Generalstabskarten gehören auch die See­karten. Eine gute Seekarte muß alles das enthalten, was dem Seefahrer zur gefahrlosen Führung eines Schiffes und zur jeder- zeitigm Ortsbestimmung zu wissen nötig ist. Auf dem Seegebiete muß sie auch die Tiefenzahlen und die Beschaffenheit des Meeres­grundes anaeben. Tann soll sie auch alle schwimmendm und festen Seezeichen darstellen, wie auch Mitteilungen über die Richtung und Stärke von Meeres- und Gezeitenströmungen geben: im Land­gebiete verzeichnet die Seekarte die Küstenlrnie, die Bergse und Hügel mit ihren Höhenangaben, ferner die Hafenanlagen, die Leuchtfeuer, die Signalstationen und neuerdings auch die Funk­spruchstationen. Mitunter finden sich auf den Seekarten, die das Küstengebiet umfassen, auch noch einzelstehende Häuser, Türme, Kirchen und Mühleil, weil diese Objekte zur Ortsbestimmung dienen können. Erst im Jahre 1902 ist ein Seekartenwerk in Angriff genommen worden, das die ganze Erde umfassen soll. In Preußen erschien zum ersten Male im Jahre 1841 im Aufträge des Han­delsministeriums derPreußische Seeatlas", und die ersten preußi­schen Nordseekarten kamen in den Jahren 1858 und 1859 beraus.

_ Lg.

vermischte».

* N eueFortschrittedesdrahtlosenTelephons. Aus Rom wird berichtet, daß Marconi eine neue Erfindung für

das drahtlose Telepholl geniacht hat, die einen wese«t ltcbe n g:ortfd)ritt bedeutet. Er führte seine Entdeckungen im Marine-Ministerium dem König Victor Emanuel, dem Minist« Viale und dem Marchese Solari vor. Zwischen der Terrasse de- Ministeriums uttb der drahtlosen telephonischen Station von Cento­celle wurden Versuche gemacht, die vorzüglich glückten. Auf der Terrasse konnte man mit der 12 Klm. entfernten Station ganz aus­gezeichnet sprechen und hörte die Stimme« vollkommen deutlich, Marconi teilte dazu mit, die die Entfernung keinerlei Einfluß auf die GebrauchSsähigkeit des Apparates habe. Di« Apparate sollen zunächst nur auf Kriegsschiffen angebracht werden, aus denen sich die Uebermittelung von Befehlen sehr vereinfachen wird. Die Sicherheit der Uebertragung wird dadurch noch erhöht, daß der Apparat gegen Schüsse von feindlichen Schissen geschützt ist. Später, in Friedeuszeiten, soll die Erfindung auch dem Handel zugänglich gemacht werden.

* Der sterbende Soldat. Ein Gedicht, das in sein» schlichten Form und fiesen Innigkeit unseren schönsten Volks­liedern kaum nachsteht, konnte dieAndernacher Volkszeitung" veröffentlichen. Ein in Andernach vertvundet liegender Soldat fand es im Waffenrock eines toten Kameraden, dem wohl big Todesahnung die Hand geführt hat. Das Gedicht lautet:

Der sterbende Soldat.

Die Kugel traf.

Mich ruft der Tod,

Und alles tritt zurück.

Jetzt enb' ich meinen Lebenslauf Und all mein Lebensglück.

Wer auf der Welt was Liebes hat Der blieb' so gern allhier.

Ade, ade. du schöne Welt,

Ich scheide schwer von dir.

Die Wunde brennt.

Das Auge bricht.

Schon schrvindet'S uin mich her.

So ftüh schon schickt man mich in- Feld,

Jetzt lieg' ich sterbend hier.

Ade, ade du Sonnenlicht,

Dich scharr ich nimmermehr.

Ade, ade, du schöne Welt,

Ich scheide schtver von dir.

Freund, wenn du heimkehrst,

Grüß' mein Lieb,

Sag, daß ich sterben mußt'.

Sag', daß ich treu sie Hab' geliebt,

Treu bis zum Tod ins Grab.

Wer auf der Welt was Liebes hat,

Der blieb' so gern allhier.

Ade, ade, du schöne Welt,

Ich scheide schwer von dir.

Sag', wo ich ihre Locke trug,

Traf mich das kalte Blei,

Der Schuß, der durch die Locke ging,

Riß mir das Herz entzwei.

Wer auf der Welt tvas Liebes hat,

Der blieb' so gern allhier.

Ade, ade. du schöne Welt,

Ich scheide schwer von dir.

ttönigrpromenade.

Man dar! die einzelne» Wörter und Silben nur in der West» miteinander verbinden, daß man wie der König auf demSchach-

ttgt

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Auftösung des Logogripys in voriger Numm«r i Scherz-, Schürz«.

Redaktion: Aua. G o « tz. Rotationsdruck und Verlag der Brllhl'schen Universttäts-Buch- und Sl»indrucker»i, N. Lang«, Gießen.