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kennen, während diese Männer in den Straßen in dem Grau der Pflastersteine an der nächsten Ecke untergehen und die Erde
sie zu verschlucken scheint____ Das Leer marschiert noch vorbei,
Ich habe in verschiedenen Kriegen sechs Deere gesehen. Aber ich habe keines gesehen, da§ so gut ausgerüstet war, auch das unsere, das japanische und das englische nicht ausgenommen. Ich spreche nicht von feinem Gcfechtswerte, sondern von der Ausrüstung und Organisierung. Dieses Heer hat drei Wockzen hrndurch aktiven Dienst getan, und anscheinend fehlt kein Ricnren, kein Hufnagel, es kam herein, voran die rauchenden fahrbaren Feldküchen, und eine Stunde später waren die Postwagen aufgestellt und galoppierten die berittenen Postboten die Reihen entlang und verteilten, Briese. Die Infanterie kam in Reihen zu 5 Mann, jede Kompagnie 200 Mann stark, die Lanzenreiter ritten in Reihen zu Bieren, und es fehlte nicht ein Fähnchen. Di« Schnellfeuergs- schütze und die Feldgeschütze brauchten immer 1 Stunde zum Vorbeimarsch, jede Kanone mit Munition war in 20 Sek. vorbei. Die Infanteristen sangen: Lieb Vaterland. Zwischen jeder Zeile machten sie drei Schritte Paus«. Zu,veilen sangen 2000 Mann gleichzeitig, vollkommen im Takt und Schritt. Wenn eine Pause im Liede ivar, horte man nur das Stampsen der genagelten Stiesel, dann erscholl der Gesang von neuem, und wenn sie nicht sangen, spielten die Spielleute. Dann kam das Rasseln der Belagcrungsgejchütze, das Knirschen der Räder, das Klirren der Kette» und der scharfe Ton der Signale. Sieben Stunden lang niarschierte das Heer in einer geschlossenen Säule, so daß kein« 'Droschke, keine Straßen- bahn fahren konnte. Es floh wie ein Strom von Stahl, grau und geisterhaft. Als dann die Dämmerung kam und tausende von
f ferdehusen und tausende von genagelten Stieseln weiter das slaster traten, sprühten Funken aus den Steinen, aber die Pferde und die Männer, die die Funken hervorriefen, waren unsichtbar. Um Mitternacht zogen Packwagen und Belagerungsgeschütze vorbei. Um 7 Uhr morgens wurde ich durch den Marschschritt und die Musik aufgeweckt. Ob sie die ganze Nacht hindurch marschiert sind, weiß ich nicht, aber jetzt ist 26 Stunden hintereinander da? graue Heer geheimnisvoll wie Nebel und hartnäckig wie eine Dampfwalze vorbeigezogen.
vermischte».
* Die Tagesleistung einer Streichhölzer-Ma- s ch i n e. 10 Millionen Streichhölzer an einem Tage — das ist die Leistung der sog. „Komvlettier-Maschine", die jetzt bei der Streichbölzerfabrikation verwendet wird. Wie in einem Aussatz der Holzwelt ausgeführt wird, war früher der Weg, den die Entstehung d«S Streichholzes vom Holzstamm bis in die Schachtel zurücklegen mußte, ein sehr umständlicher, bei dem viele Arbeiter beschäftigt wurden. Heute werden alle Vorgänge durch eine Maschine besorgt, in der sich ein intit Zehntauserrden von Löchern versehenes Band über Rosten und Walzen durch einen großen Rahmen hindurchbewegt. Nachdem die Holzklötze zu den rohen
S ölzchen verarbeitet sirch, werden sie in der Maschine durch ein araffinband geführt und so „imprägniert", dann durch Walzen mit Köpfen versehen und zuletzt durch einen Trockenraum geschoben, worauf die Maschine sie wieder ausstüßt und die aus gestoßenen automatisch in Schachteln eingefüllt werden, während die freigewordenen Löcher sich wieder mft neuen Hölzchen füllen.
* Soldatenhumor. Bon unfern Soldaten aus dem Osten erzählt man unS, daß sie gleichsam als Symbol der verschwundenen Russenherrschaft im eroberten Gebiet die groteske Figur eines Kosaken ausgestopft haben, und ähnliches wird aus Frankreich berichtet. Die gleichen Zeichen guten Humors haben unsere wackern Krieger schon 1870 in Frankreich an vielen Orten sehen lassen. „Einen drolligen Eindruck macht es, wie unsere Leute von den verlassenen Dörfern Besitz ergreifen," erzählt z. B. Berdy du Vernois in seinen Erinnerungen. „Da werden an einzelnen Stellen Strohmänner aufgestellt und ihnen zuruckgelassene Kleidungsstücke angezogen, männliche und tveibliche Garderobe durcheinander. Barbierbecken werden zu großen Orden umgewandelt, der Kopf dieser Puppen mit glänzenden PoMpierhelmcn oder hohen Hauben geschmückt und ihnen rn die Hand Besen oder dergleichen gegeben. Namentlich haben unsere Leute es auf die Putzgeschäfte abgesehen, deren Pappköpfe neue Uebermalungen erhalten und dann m phantastischer Ausstaffierung an den Fenstern aufgebaut werden, weiß und rot geschminkt und mft Vorgefundenen wostenen Nationalgarden-Epauletts versehen."
* Der Bau der Bogelfeder. So verschiedenartig auch Form und Gestalt der Bogclfedern sind, wie die neuesten, von Vrvf. Chandler voraenommcncn und in den „Naturnnssenschasten" veröffentlichten Untersuchungen zeigen, sind sie doch alle auf einen einzigen Grundtypus zurückzuführen, der je nach der Ausgabe, di« der Feder bei den mannigfachen Lebensäuberungen der Vögel »u- fallen, nur eine verschiedenartig« Umgestaltung erfahren. Chandler hat eine im nördlichen Amerika häusige Weihenart, den Circus budsouius, für seine Untersuchungen gewählt und dabei sestgestellt, daß erne einzige, vostkommen ausgebildete Schwanzfeder dieses Vogels nicht wemger als 1250 000 Einzclgcbllde aufweist, die.
wenn man sie nebeneinander legen würde, eine Läng« von übe« 1000 Metern erreichen. Nimmt man die Zahl der in eftrer einzigen dieser Wimperfederchen vorhandenen Zellen imr mit 20 an, und zieht man die große Zahl der den Vogel bedeckenden Federn in Betracht, erwägt man endlich, daß alle diese Federn wenigstens einmal im Jahr bei der Mauser erneuert iverden müssen, so erhalten wir eine Vorstellung von der geivaltigcn Bildungskraftp die der Haut des Vogelkörpers innewohnt.
vüchertlsch. ^
— Hessische Chronik. Heft 10 der MonatsschrD „Hessische Chronik" lberausgegeben von Pros. v. vr. Diehl' Verlag der L. C. Wlttichschen Hofdruckerei in Darmstadt) enthält einen sehr interessanten Aufsatz von Bruno Jacob über „Kassels Eintritt ur das deutsche Eisenbahnsystem". Prof. E>. Dr. Tiebl liefert eine Fortsetzung seiner „Studien zur Gießener Matrikel".
>— W i e große Künstler den Krieg dar st« l lt e »< Eine Publikation von packendem Interesse über dieser Thema bringt das Oktobcrheft der prächtigen Monatshefte „D i e K u n st" (Verlag Bruckmann, München) unter dem Titel „Symbolische Darstellungen deS Krieges". Nicht fade Allegorien zeigen un- die sehr schönen Abbildungen dieses Aufsatzes, sondern Schöpfungen, die aus gewaltigster Gestaltungskraft unserer größten Künstler heraus entstanden such. Wir nennen die Blätter nach Rubens, Velazquez, Dürer, Böcklin, Menzel, Klinger, Kolb, Stuck, Kubin u. a. — Ein zweiter Aufsatz des Heftes führt uns vom Kampf in die stille Stube: „Probleme des Jnterieur- bildes" ist er überschrieben. Köstliche Jllustrationsproben begleiten den Text. Von Vermeer van Delft bis Leibl und darüber hinaus reiht sich Perle an Perle, besonders erwähnensivert ivegen ihrer technischen Vollkommenheit die beiden Farbdrucke nach Th. Alt „Im Atelier" und Albert von Keller ,,Chopin". — Und nochmals sührt unS das Heft in die kriegerische Welt; der dritte Äuffahi' rst Jacgues Callot gewidmet, dem Lothringer Meister, der mit so unerhörter Meisterschaft und heißem Patriotenherzen die Leide», die Franzosen und Schweden über seine Heimat gebracht hatten, mit der Radiernadel schilderte. Verschiedene andere, gleichfalls reich illustrierte Aussätze über Teste der Kunstgewerblichen Werkbundausstellung in Köln vervollständigen den überaus reichen Inhalt dieses Heftes, mit dem „Tic Kunst" in ihren 16. Jahrgang eiiv- tritt. Umfassendste Orientierung über aste Fragen der bildeichen Kunst, ein, besonders auch im Hinblick auf den mäßigen Preis, unerhörter Reichtum technisch vollkommenen JllnstrationsmaterialS haben „Die Kunst" zu einer nnserer wertvollsten und schönsten Monatsschriften gemacht: sie sosttc in jedem Hause, in dem das Schöne ein Heim hat, Eingang finden und gerade heute wird dt« Beschäftigung mit der bildenden Kunst cur der Hand eine« so reichen Genuß vermsttelnden Führers manchem willkommenes Ausgleich ftir die durch die Zeitereignisse hervorgerusene nervöse Spannung bieten.
— Vom deutschen „B arb ar< n t u m". Es ist eine köstliche Vergeltung zu zeigen, wie dt« Deutschen, die von den Herren Maeterlinck und Kipling Barbaren gescholten werden, von jeher danach strebten, das Geistesleben aller Völker und Zeiteii zu umfangen. Ter Deutschen Seele will gleichmäßig die Tiefe und die Universalität. Das Volk Goethes ist zugleich da» Volk der Ucber- setzer. Tie Deutschen ehren das Geistige und Schöne, wo auch immer sie ihm begegnen,' mit der Kraft des Eigenen lesen sie die Bücher, sehen sie die Kunst asser Nationen. Ten Deutschen gehört der geistige Kosmos — ungestraft und in Reinheit. Damm können sie, während in blindem Rassenhaß ringsum Spieße starren, von Dostojewskis und Tolstoi, von Dicken? und Zola, von fran- zösischer Malerei und japanischem Kunstgewerbe hören, und mit Genugtuung nennen sie Shakespeare einen deutschen Dichter, die Eycks, Memling, Goes und Rubens deutsche Maler. In solchem Sinne hat Robert Breuer das soeben erschienene Oktoberheft des „Kunstfreund" (Zeitschrift der Bereinigung der Kunstfreundei „Wir u nd di e Anderen" genannt. So rächen sich Barbaren.
Magisches Auadrat.
In die Felder nebenstehenden Quadrats stnb di-Buchstabe» AAAAAAMMNNORR8 S T derart einzutragen, daß die wagerecht«» m fenkrecht.Reihe» gleichlautend folgend«» bedeutm,
1. Astatische? Reich.
2. Figur aus einem Jbsen'sch«» Drama.
8. Fluß in Armenien.
1. Ist aus Schiffen zu finden.
Auflösung in nächster Nummer.
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Auflösung des Arithmogriphs in voriger NumnEri l,uise — Vhland — Daun — Waffel — Inn — Oulben — 8uaheli — DalaS — AnguiBa — Feit« — Eule — Neunaug«; LudwigShasen.
Redaktion: Aug. Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Ttelndruckerei, R. Lang«, Gießen.


