Ausgabe 
10.10.1914
 
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tfn G»skktndniS «Biegen, ein Geständnis, das mich, wenn ich »esnild wäre, ohne weiteres tnS Gefängnis bringen würde hätte ich noch zn fürchten, daß man mich von hier htnweg- jholen nnd einsverren würdet

Fragen Sie mich das im vollen Ernst?"

Es wird wohl so sein, Herr Doktor/'

Dann alanbe ich Ihnen versichern zu dürfen, daß man sie nicht mehr von hier hinwegholen wird."

Ra, das ist wenigstens deutlich. Die Sache hätte also Wirklich Eile?"

Da Sie sagen, daß es sich darum handelt, einen ande­ren zu entlasten ja, sie hat Eile."

Aber es muß doch noch nicht gerade heute sein nicht wahr? Ein paar Wochen oder wenigstens ein paar Tage können Sie mir wohl noch geben?"

Ich bin nicht allwissend, Herr von Reibnitz. Es können recht wohl noch Wochen sein, aber"

Er zuckte die Achseln und sah vor sich hin.

Reibnitz lachte.Mit der Kletterpartie auf de» Brocken ist's also doch nichts mehr, wie ich sehe. Na, in Gottes Namen also! Bestellen Sie mir irgend eine Amtsperson, die legitinZert ist, ein gültiges Protokoll aufzünehmen, und bestellen Sie sie noch auf den heutigen Nachmittag. Denn seit einer Viertelstunde ist mir wirklich so, als ob die Sache Eile haben könnte. Geben Sie mir der Sicherheit halber lieber etwas Stimulierendes, Doktor. Man kann ja nicht wissen"

Es war Abend geworden, als Botho von Reibnitz mit zitternder Hand seinen Namen unter das Protokoll setzte, das er mit harter Qnal und unter vielen Unterbrechungen durch seine schweren Hustenansälle dem mit einem Amtsrichter er­schienenen Schreiber in die Feder diktiert hatte.

Es begann mit den vorgeschriebenen Personalangaben und lautete dann weiter:Nachdem ich im Frühling des vorigen Jahres meinen Abschied als Offizier genommen hatte, trat ich auf ein Anerbieten des Barons von Barde-- leben hin als Volontär auf dem ihm gehörigen Rittergut Klein-Ellbach ein. Bald wurde ich von einer leidenschaftlichen Liebe für Frau Irma von Bardeleben ergriffen. Ich sah, daß sie in unglücklicher Ehe lebte, und ich machte mir deshalb kein Gewissen daraus» ihr meine Gefühle zu offenbaren. Sie gewährte mir nichts, aber sie entmutigte mich auch nicht, und ich hatte den Eindruck, daß sie einwilligen würde, mir anzugehören, sobald sie von den Banden ihrer Ehe befreit wäre. Den Vorschlag einer Scheidung aber lehnte sie immer wieder ab. So war es nur der Tod des Barons, auf den ich meine Hoffnungen setzen durfte, und es war gewiß keine Täuschung, wenn ich wahrzunehmen glaubte, daß dieGedanken und Wunsche der Frau von Bardeleben ganz ähnlich waren. Wir haben niemals in klaren, unzweideutigen Worten davon gesprochen, aber die Anspielungen, die in bezug darauf sehr oft gemacht wurden, ließen mir zuletzt keinen Zweifel mehr, daß ich nnt einer solchen Tat die sehnlichsten Wünsche der Frau erfüllen würde, zumal sie nicht müde wurde, mir bei solchen Gelegenheiten Feigheit und Ruhmredigkeit vorzu­werfen. Aber der Baron war fast immer von Klein-Ellbach abwesend, und wenn er einmal auf kurze Zeit erschien, fehlte es mir zur Ausführung meines Vorhabens ebenso sehr an Mut als an der Gelegenheit. Da traf im November des vorigen Jahres Bardeleben eines Abends ganz unerwartet ein. Ich erfuhr gleich nach seiner Ankunft, daß er gekommen war, um mich aus seinem Hause zu entfernen. Nach dem im Familienkreise eingenommenen Abendessen machte er mir in der beleidigendsten Form sehr heftige Vorwürfe. Ich war beinahe sinnlos vor Aufregung, und der Gedanke, aus der Nähe der geliebten Frau verbannt zu werden, beraubte mich vollends jeder klaren Ueberlegung. Ich hatte mit Frau von sgardeleben eine kurze Unterredung im Speisezimmer des Schlosses, eine Unterredung, aus der sie notwendig den Ein­druck gewinnen mußte, daß ich zum Aeußersten entschlossen sei, um sie mir zu erringen. Und wieder wies sie mich nicht zurück, sondern beschränkte sich auf spöttische Bemerkungen, nu J »zu bestimmt sein konnten, meinen leidenschaft­lichen Haß gegen ihren Mann bis zur Siedehitze zu ent- flammen. Zuletzt, als ich ein bestimmtes Versprechen von ihr verlangte, entzog sie sich mir und ging in ihre Zimmer hinauf. Ich irrte wie ein Verrückter im Hause umher, und als ich zu meinem Unglück von einem Dienstmädchen erfuhr, daß Bardeleben noch einmal nach dem Wirtschaftshose hin­

übergegangen sei, faßte ich den unsinnigen Entschluß, sein« Gattin in den oberen Zimmern aufzusuchen, weil ich um jeden Preis Gewißheit darüber haben wollte, was ich nach dem etwaigen Tode des Barons hoffen dürfe. Ich betrat da­neben dem Schlafgemach der Frau gelegene Arbeitszimmev Bardelebens, und hier hatte ich noch einmal eine kurze Unter­redung mit der Baronin. Sie schalt mich wegen meiner Drei­stigkeit und forderte mich ans, das Zimmer zu verlassen, ehe wir in Gefahr kämen, von ihrem Manne überrascht zu wer­den. Als ich daraufhin erklärte, daß ich nicht gehen würde, bevor ich nicht eine bestimmte Antwort von ihr erhalten hätte, sagte sie wörtlich:Richten Sie ihre Frage an mich, wenn mein Mann nicht mehr unter den Lebenden ist. Vorher Hab» ich Ihnen nichts zu sagen." Damit ging sie in ihr Schlaf­zimmer und verriegelte hinter sich die Tür. Auch ich wollig mich nun entfernen. Da siel mein Blick auf eine bis zum Stöpsel hinauf gefüllte Kognakkarasfe aus dem Schreibtisch des Barons. Ich lvußte, daß er vor dem Schlafengehen stets ei» Glas zu sich nahm, und ich erinnerte mich zugleich, daß ich auf meinem Zimmer eine beträchtliche Menge Gift auf­bewahrte, das ich mir zur Zeit meiner schlimmsten Leut- nantsbedrängnisse in selbstmörderischer Msicht verschafft hatte. Ohne lange zu überlegen und ohne mir über das Un­sinnige meines Beginnens klar zu sein, nur von dem wahn- Ivitzigen Verlangen nach Rache und von dem leidenschaft­lichen Begehren nach dem Besitz des geliebten Weibes er­füllt, holte ich es, schüttete die ganze Menge des Giftes in die Karaffe und entfernte mich eilig.

Am nächsten Morgen, nach einer im fürchterlichsten Seelenzustand verbrachten Rächt, hörte ich, daß Frau von Bardeleben während dieser Nacht plötzlich gestorben sei. In he'' t Verzweiflung eilte ich an ihr Sterbelager, nnd als ic>, . im Passieren des Arbeitszimmers sah, daß sich der in der Karaffe enthaltene Kognak ungefähr um den Inhalt eines Glases verringert hatte, gab es für mich keinen Zwei­fel mehr, daß durch irgend einen unbegreiflichen Zusakl die Baronin statt ihres Mannes das Opfer meines Anschlages geworden sei. Um einer Entdeckung vorzubengen, hielt ich mich inmitten der hier versammelten Dienerschaft des Schlosses so lange in der unmittelbaren Nähe des Schreib­tisches auf, bis ich Gelegenheit fand, die Karaffe durch eine anscheinend ungefchickte Bewegung 'hinabzuwersen, so daß sie in Trümmer ging und sich ihr Inhalt über den Fuß­boden ergoß, wo er ja dann, wie ich wußte, alsbald durch Aufwischen entfernt werden würde. Wenn also jetzt fest­gestellt werden foklte, daß die Baronin Irma v. Bardeleben durch Gift gestorben islj so trifft das Verschulden an ihrem Tode niemand als mich. Da ich weiß» daß ich nur noch kurze Zeit zu leben habe, lege ich dies Geständnis ab, uTrf mein Gewissen zu entlasten und um einen Schuldlosen vor ungerechtfertigtem Verdacht zu bewahren. Ich befinde mich im vollen Besitz meiner Geisteskräfte und versichere, daß ich i» vorstehendem die reine Wahrheit gesagt habe. Den Baron v. Bardeleben bitte ich, mir zu verzeihen, und ich hoffe, daß der Allmächtige mir ein gnädiger Richter sein werde.

Botho v. Reibnitz."

(Fortsetzung trägt.)

was die ostprenhischen Wchtlinge in Berlin erleben.

Von C u r t Bauer.

Gerade wollte ich nach einem bescheidenen Frühstücksimbiß daS Lokal verlassen, als ich mich am Ztvfel meines Rockes festgehalten fühlte.Herrsch, Mannche, send <se das wirklich?" hörte ich eine mir aus weitzurücklieaenden Jugendjahren vertraute Stimme über­laut an mein Ohr schlagen. Ich blickte mich schnell uin. Auch alle anderen Gäste blickten sich schnell um und lachten War das nicht mein Landsmann Adomeit, der Lehrer von Groß-Krakstepel- len? Ra, das gab ein freudiges Händedrücken, bei dem ich mich mit Genugtuung überzeugte, daß ihm die Russen keinen Finger abgeschnitten halten.Ich ging gleich mit den ersten!" erklärte er selbstzufrieden, wie jemand, der stolz ist, sich in der Hauptstadt des Reiches bereits heimisch zu fühlen. Gelviß, ihm ging ja nichts ab, wie er mir auf meine mitleidigen Blicke versicherte. Er bezog als Beamter auch während der KriegSzüt seinFestes" und brauchte nicht die öffentliche Hilfe in Anspruch zu nehmen wie die anderen. Ja, richtig die anderen! Ich mußte mich natürlich zu ihnen setzen: einige Männer und Frauen auS Tapiau, Rikolaiken, Perpolken. Kennen Se Pervolken? Ra, dann Prösterchen!" und wir fließen