Ausgabe 
5.10.1914
 
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Wir möchten gleich hin zu fügen. daß Minte-schreßpulver mit langem Rohre zuerst in Schottelrus'Aussührlichm Arbeit von der teutschen Haubtsvrack-e" angeführt wird und aus das althoch­deutsche flinsFeuerstein" zurückgeht. Der Name kam auf, nachdem das Schießgewehr, das man sonst mittels eines mit einer Lunte versehenen Rades losgebrannt hatte, mit einem Steinschlosse ver-

K t worden war, in das ein Feuerstein eingefügt wurde; diese j. Erfindung wurde um 1.630 gemacht. Die Muskete, nach der Unsere Musketiere ihren Namen haben, wrrd schon 1675 in Fischarts Garaantua" erwähnt; auch sie stammt cms Italien, Spanien »nb Frankreich (mousiquet) und geht auf da- mittellateinische musc(h>taWurfgeschoß, Bolzen" zurück. Ganz am Anfang der Entwicklungsreihe aber steht die Musca lmouche',Fliege", nach der dermuscetus" genannt ist, einekleine Art zur Betz« die­nender Sperber", dessen Brust gesprenkelt, gleichsam mit wie Fliegen au-sehender Flecken gezeichnet ist; wie der Stoßvogel, der Sperber, soll die Muskete auf den Feind dringen. Auch Terzerol und Falkonet sind ursprünglich Raubvögelnamen.

Igum Schluß ein kurzes Wort über unsere Pionier«, die 1684 Rehring alsSchantzgräber" verdeutscht: sie haben ihre Bezeichnung vom französischen pionnier überkommen, der wieder auf französisch Pion,Fußgänger", vom lateinischen pes zurück­geht. Eigenartig ist, daß im alten Latein pcdoPlattfuß" be­deutet, das Wort im Mittellatein aber die BedeutungFußsoldat" erhalten hat. _

vermischte«.

* DerSchutzgei st" von Meckel n. Mecheln ist zwar von den deutschen Truppen beseht, aber die Belvobner sind glücks- ltch, denn sie haben ihrenSchudgetst" gerettet. Op-Stg- noorke, die am eifersüchtigsten bewachte Reliauie der Stadt. Ov-Sianoorke, eine lebensgroße Holzpuppe in der Tracht des 1(5. Jahrhunderts, ist das Abbild deS berühmten Zwerges und Spaßmachers Klaasken, das bei jedem großen Fest in Mecheln aus dem Dachfenster des Rathauses gehängt wird und das Zeichen zur tollsten Lustigkeit gibt. Dies« Puppe ist Jahrhunderte lang der .Gegenstand einer heftigen Eifersucht zwischen Mecheln und Ant­werpen gewesen, denn.die Leut« von Mecheln haben die kostbare Puppe den Äntwerpenern eigentlich gestohlen. Klaasken war ein Antwerpener Spaßmacher, der in den humoristischen Redeschlachten des 16. Jahrhunderts alle Mechelner Hanswllrste aus dem Felde schlug und die Bewohner des alten Erzbischossitzes weidlich zum Narren hatte und ärgerte. Er vcranlaßte sie nämlich, eiligst zum Löschen eines Feuers aufzubrechen, das den Turm der St. Ro­muald-Kathedrale ergriffen habe. Und als die gewiß nicht mehr ganz nüchternen Mechelner mit Spritzen und Wasser­eimern anrückten, da sahen sie, daß es nur der Mond war, dev glutrot hinter der Kirche stand und dessen Flammenschein von ihnen für eine Feuersbrunst angesehen >r>orden war. Ms vier Jahre nach dieser Blamage der Mechelner der nächste komische Feldzug zwischen den Nebenbuhlerstätten.ausgetragen wurde, da ivar der große Klaasken leider tot, aber die Antwerpener trösteten sich, indem sie des berühmten Hanswurst Bild reich geschmückt unter «rnem Triuinphbogen aufhängten. Wieder waren die Mechelner dre Angeführten, und nun heckten sie in ihrem Zorn eine Ver­schwörung aus, die darin gipfelte, daß sie die Puppe stahlen. Seit jener Zeit istOp-Signoorke" im Besitz der Mechelner geblieben, und da sie fürchteten, in diesen Kriegszeiten könnten die Anttver- pener ihr teures Wahrzeichen ihnen wieder tvegnehmen, haben sie es an einem geheimen sicheren Ort vorläufig versteckt.

* Was russische Verwundet« berichten. Einen Besuch in einem Moskauer Hospital schildert Stephan Graham in derTimes". Die Asyle für Obdachlose sowie viele Schulen und Kirchen sind für die Verwundeten eingerichtet. Jeden Tag kommen etwa 5000 Verwundete nach Moskau, und man hat bereits darauf vorbereitet, daß die Stadt im Laufe des Krieges zur Aufnahme einer Million gerüstet sein soll. Kein Anblick ist in den Straßen häufiger als das langsame Hingleiten der zu Zweien zusammen­gekoppelten Straßenbahnwagen, die voll von Verwundeten sind. In dem ersten Wagen, der durchsichtige Fenster hat, liegen di« Leichtverwundeten, im zweiten, der mit undurchsichtigem Glas ver­kleidet ist, befinden sich in zwei Reihen übereinander ein Dutzend oder 20 Betten, in denen die Schwerverwundeten liegen. Eins der riesigen Asyle für Obdachlos«, ein großer Bau in der Nähe der Riazansky-Station, ist voll von Verwundeten. Mer man findet brer kein trauriges und trübes Mld, sondern die meisten sind außer Bett, lachen uno plaudern, spielen Karten und sind vergirügt. Sie sind ganz erfüllt von den Kriegseindrücken, die sie aus Deutschland mitgebracht habe», und erzählen sogleich, etwa auf folgende Weise: Deutschland ist ein schönes Land, kein Vergleich mit unsereni armseligen Dörfern; Steinhäuser, Ziegelhäuser, drei Stockwerk«, feine Teppiche, Stühle, Grammophone. Jedes Haus hat ein Grammophon, und wir haben bald gelernt, wie sie in Gang zu bringen sind. Eines Tages war ich gerade in ein Hau? gekommen und hatte ein Grammophon in Gang gesetzt, als ein Offizier seinen Kopf durch das zerbrochene Fenster steckt und sagt:Hör sofort mit

der Musik auf!" Ich wußte nicht, Ivi« nian das Ding zum Auf- hören bringen bannte, rmd so haue ich grade mitten in die Platt« htnein und sie springt jn Stücke über das ganze Zimmer. Dann haben fie Geigen, und in jedem Haus gibt es eine große schwarz« Kiste mit einem Deckel lKlavier), und wenn inan den Deckel aufs macht, und mit der Hand draufschlägt, dann geht das immer so» Bir, bir, bir, bo, bo, bo!" Zu essen gibt es Schweine, so viel man will. Wir hatten jeden Tag gebratenes Schiveiueslcisch. Hunderte, Tausende von Schweinen. Wir fingen sie und brachten ne inS Lager." Di« Verwundeten zeigten mich zahlreicheTro­phäen", die sie aus Deutschland geraubt haben: Uhren, Ring«, Gewehre; erner zeigte ein Armband.

viichertisch.

Hausandachten für die Kriegszeit, von Prof,

O. Sch tan. Mlen den Vielen, di« in dieser ernsten großen Zerf nach innerer Wegweisung und frommer Erhebung suchen, können diese Andachten anf's wärmste empfohlen werden. Schlicht, ksar und warm, wie sie sind, bieten sie gerade das was wir zur persönlich«» Erbauung und zur Vertiefung der häuslichen Gemeinschaft brauchen. Der Preis von 20 Pfa. ist so mäßig, daß auch geringer Be­mittelte sich das Büchlein anschassen können. Unseren Buchhand­lungen kann ich nur raten, sich davon einen größeren Vorrat anzulegen. 0. S ch l o s s e r.

Den im Gea-Berlag G. m. h. H., Berlin W. 35, frühe« erschienenen Karten von dm Kriegs: chauplätzen ist jetzt dt« von Prof. W. Liebenow bearbeiteteKrtegSkarte von Wx ttel- europa" im Maßstabe 1: 2 000 000 nachgefolgt. Die Kart« umfaßt in ihrer Ausdehnung die Gebiete zwtschm Dover-Orleauj rnr Westm und Grodno-Brest im Ostm, Toulon im Südm, bis Helstngfors im Norden. Die Karte zeigt vielfarbig die einzelnen Staatmgebilde, während die Festungen und Forts der Feind« und Nmtralm durch ein scharfes Rot gekennzeichnet werde». Als Ergänzung der Hauptkarte tverden außerhalb des Karten­bildes drei Nebenkarten gebracht, die in größerem Maßstabe die Britischen Inseln, das europäische Rußland sowie Frankreich ge- schlossm zctgm. Die Karte tlt etwa 104:80 Zentimeter groß »mb trotz außerordentlich reicher Beschriftung leicht lesbar und verständlich. Zu dem billigen Preise von 1 Mk. kann sie emp­fohlen t»erden.

Ernst von Bergmann,Kriegsbriefe 1866, 1870'21

und 1877", Verlag von F. C. W. Vogel, Leipzig, 3 Mk. Es ist mit Dank zu begrüßm, daß die Kriegsbrrefe Ernst von Berg­manns als Sonderausgabe veröffentlicht werden. Dreimal ist Emst von Bergmann mit in den Krieg gezogen, 1866, 1870/21 und 1872. Unter dem frischen Eindruck des Tages schrieb ex nicht nur über persönliche Erlebnisse, sondem allgemeine B«>- trachtungm über Krieg nick Frieden, über Land und Leute, über Glück und Leid, die so packmd und schön sind, daß ein jeder, der sie in die Hand nimmt, aufs tiefste ergriffen unrd. Seme Brief« in klassischer Fomi geschrieben, zeickmen das lebmdigste Bild jener Tage, sie sind auch heute nochaktuell", dmn sie berichten aus Luneville, Baccarat, Adeaux u, a., den Schlachtfeldem unserer jüngstm Erfolge, _

Lchach-Aussabe.

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Weiß setzt »nt dem ziveiten Zuge Matt.

Mflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Rätsels in voriger Nummert Molch, Dolch, Strolch.

Redaktion:

Aug. G o e tz. Rotationsdruck und Verlag der BrÜhl'scheu UnloersitütS-Buch- und Stsindruckerel, A. Lauge, Gießen,