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! )'and nicht gegen sie erhoben. Aber ich babe gewußt, daß sio rank, daß sie herzleidend war und daß sie geschont werden Mußte. Ich hätte dessen eingedenk sein müssen, als sie mir an jenem Abend entgegentrat und tm Ton der Gebieterin von mir verlangte, ich solle einein Schurken gewissermaßen Abbitte leisten, solle ihn auch Weiter in meinem Hause dub- ben. Ich hätte sie mit milden Worten von der Unmöglichkeit ihrer Zumutung überzeugen sollen, ich hätte schweigen müssen — oder — ah, was weiß ich, was ich hätte tun sollen! Nur das eine durfte ich nicht, was ich wirklich getan habe. Ich! durfte nicht in loderndem Zorn auffahren und ihr nicht mit harter Rede verbieten, sich eines Unwürdigen, eines Elenden Vnzunehmen. Das, Fräulein Margarete, das war mein .Verschulden."
v ! (Fortsetzung solgtl
Kämpfe in der Nacht.
In der Riesenschlacht auf den Feldern Nordsrankreichs werden Von den Franzosen die heftigen Nachtangriffe der Deutschen als besonders gefährlich empfunden, und wirklich scheinen sich diese Kämpfe im Dunkeln als ein wichtiges Mittel zu erweisen, um die volle Kraft des Feuers zu vermeiden, über die der Feind bei Tageslicht verfügen wücke, um sich dadurch leichter dem Gegner zu nähern und große Opfer zu vermeiden. In den Kriegen des Altertums und des Mittelalters, in denen im Nahkampf von Mann gegen Mann die Entscheidung fiel, haben die nächtlichen Uebersälle »ine große Rolle gespielt: ntan benutzte die Dunkelheit und die Verwirrung des Feindes, um ihni schwere Schäden beizubringen und ihn in regellose Flucht zu treiben. Je größer die Leere wurden, je gröber die Entfernungen waren, auf denen sie sich mit weittragenden Waffen eutgegenstande», desto mehr verlor her Nachtkampf an Bedeutung. Friedrich der Große, dem doch bei Hochkirch durch einen nächtlichen Uebersall eine der schwersten Schlappen bei-
K iebracht wurde, die er je erlitten, war ein entschiedener Gegner sieser Gefechtsart, von der er sich keine nachhaltigen Erfolge ver- . „Was mich betrifft," so schreibt er, „so habe ich den Ent- gesaßt, niemals hei Nacht anzugreise», und zwar wegen »er Verwirrung, die inmitten der Finsternis entsteht: außerdem »edars die Mehrzahl der Soldaten der beständigen Aufsicht von seiten der Offiziere, da sie ihre Schuldigkeit einzig aus Furcht vor Strafe tun." Bei dem Söldnerwesen, mit dem auch der große König noch zum Teil zu rechnen hatte, wurde ja des Nachts eine besonders günstige Gelegenheit zum Desertieren geboten. Wellingion hielt einen Nachtkampf nur nach genauen Erkundungen füv möglich. „Ich habe mich überzeugt," erklärte er, „daß mau den abwartenden und verschanzten Gegner nicht nachts angreifen darf. Wenn man seine Stellung nicht am Tage genau studiert hat. Uebri- aens gelingen solche nächtlichen Uebersälle auch geübten Truppen nur selten." Im Kriege von 1870 wurden durch nächtliche Än- arisfe einige bedeutende Vorteile errungen. So gelang es z. B. in her Schlacht bei Le Mans, den Feind zu werfen. Die Deutschen Nahmen in der Dunkelheit wichtige Punkte ein und hielten dabei zwischen ihren Truppenteilen durch Trommelschlag und Hurrarufen Fühlung. Unter den modernen Heerführern ist besonders der russische General Gurko für das Abhalten von Nachtmanövern »ingetreten, denn die Gewöhnung der Truppen an solch nächtlicho Unternehmungen ist von hoher Wichtigkeit. Seine Vorbereitungen trugen im russisch-türkischen Kriege gute Früchte. Gurko vermochte öfters Stellungen, die er bei Tage unter großen Verlusten bestürmt und gleichsam für den Nachtangriff reif gemacht hatte, nach Anbruch der Dunkelheit ohne beträchtliche neue Verluste zu nehmen. Wer Einllbung ist zu solchen Taten notwendig und vor allem eiserne Manneszucht bei dem angreifenden Truppenkörper. Die Nacht ist im allgemeinen keines Menschen Freund: jedenfalls ist sie nur der Bundesgenosse des Starken. Wenn die Nachtangriffe einem Deere etwas Ungewohntes sind, dann werden die Gemüter dadurch besonders erregt, die Nerven gereizt, und der Boden zu Zuchtlosigkeiten und Paniken ist vorbereitet. Aber auch bei dem angegriffenen Teil sind gute Nerven in der Nacht der wichtigste Faktor. Häufige Nachtangriffe des Feindes lösen im Lager eine solche Angst und Unruhe aus, daß bisweilen schon eine Kleinigkeit genügt, um ein Chaos zu entfesseln. Ein Beispiel für solche Verwirrung bietet aus dem Kriege von 1866 die Kavallerie-Division des Fürsten zu Tburn und Taxis, die zwischen Fulda und Bischofsheim nachts einige von Wilderern Zerrührende Schüsse hörte. Daraufhin setzten sich die Wteilungen in kopfloser Furcht in Galopp und legten mehrere Kilometer in hastiger Flucht zurück, pis sie Wllrzburg erreichten. Im russisch-türkischen Kriege genügten einige von den Russen losgelassene Raketen, uni das türkische Lager zu alarmieren: die Pferde rissen sich von den Halstern los, und es entstand ein unbeschreiblicher Wirrwarr. Die Weite und die Klarheit des modernen Schlachtfeldes, die durch die große Tragfähigkeit der Gewehre und den schwachen Rauch des Pulvers hervorgerusen wird, begünstigt nunmehr dre Nachtgefechte wieder: gver bei einem solchen Angriff muß alles bis aufs kleinste vor- ved»cht und vorbereitet sein, und an die Truppe werden die höch
sten Anforderungen gestellt. Dicht aufgeschlossen, lautlos, jedes Klappern, redes Aufblitzcn elektrischer Taschenlampen, jedes leiseste Geräusch vermeidend, so rücken die Reihen vor. Selbstleuchtende Komvasse, weiße Bänder, Mehl-, Gips- oder Papierstreifen, zum Feinde abgeblendete Laternen und Richtposten sind die Wegweiser. Pürscht man sich nicht in vielen kleinen Kolonnen heran, sondern: geht man in Linie vor, so müssen sich die Mannschaften, um die Fühlung nicht zu verlieren, an den Händen halten, und dabei macht sich jede kleine Schwankung in der Marschrichtung empfindlich bemerkbar, kann jedes unbedeutende Hindernis im Gelände schwere Störungen verursachen. Ist die Trupp« an per Stelle angelangk, die durch die Erkundung als die vorderste erreichbare Linie angegeben wurde, dann vollzieht sich der Aufmarsch zur Feuereröffi- nung. Die Artillerie wird versuchen, sich schon bei Tage auf dre Stellung des Feindes einzuschießen und das Feuer während der Nacht sortzusetzen. Der Feind wird, wenn er den Angriff bemerkt, mrt elektrischen Scheinwerfern arbeiten. Kommen die Angreifer zufällig in den Lichtkegel der feindlichen Beleuchtungskörper, so müssen sie regungslos verharren. Fällt der Lichtschein dauernd auf sie, dann bleibt nichts anderes übrig, als die Bortelle deef Nachtangriffes aufzugeben und zum Stürm wie bei Tageslicht vorzugehen. _
yreresbezeichnlingen.
In unseren Tagen, da nach Wallensteins Wort Mars di« Stunde regiert, schwirren militärische Namen und Bezeichnungen durch alle Gespräche, und da mag man wohl fragen, wie dis Benennungen der verschiedenen Truppengattungen entstanden sind. Nur gering ist dabei die Zahl der deutschen Wörter, da ja! das moderne Kriegswesen seinen Ursprung mehr in West- und Südeuropa hat. Italien, Spanien und Frankreich haben vor aller« Taufpaten gestanden. Wenn wir auch von Fußvolk und Reitern: sprechen, so wiegen doch immer noch vor und werden amtlich angewandt die Namen: Infanterie und Kavallerie, wozu dann die Artillerie konimt. Aus dem Spanischm infanteria stammend, das selber als Wleitung von infantes „Edelknaben, Knaben^ Soldaten zu Fuß" eine Schar solcher bedeutet und uns auf unser deutsches „Knappe" hinweist, das ja auch nichts als eine Nebenform von „Knabe" ist, wurde Infanterie im ersten Viertel des Iff. Jahrhunderts unter verschickenen Formen in die deutsche Sprache ausgenommen: so lesen wir in der Schrift „Ein new Klaglied, Deutsche Michel genannt" 1617 Jnfanterey, in Wall- hauscns Kriegsmanual vom Ja^e 1616 Infanteria und Enfan- terie und in Georg Henischs „Teutschen Sprach und Weißheit" Fanterie, was wieder an das französische santassin, der Jnfan- terist erinnert: im deutsche:« Sprachgebrauche sindet sich daS Wort Infanterist für Fußsoldat zuerst 1801 bei I. H. Campe.
Schon früher, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts! drang bei uns das Wort Kavallerie ein: hier haben wir nicht erst nötig, eine besondere Wwandlung der ursprünglichen! Wortbedeutung wie bei Infanterie vorzunehmen, denn das Grundwort ist das italienische cavallo (mittellat. caballus) „Pferd"; das davon abgeleitete Wort „Kavallerist" sührt Adelung in seinem Wörterbuche 1775 an. Mehr Kopfzerbrechen hat den Sprachforschern das Wort „Artillerie" gemacht. Da es schon vor der Benutzung des Pulvers zur Bezeichnung des Kriegsmaschinenwesens angewendet wurde und das üblichste Geschütz der Bogm (arcus: war, wollen einige das Wort zusammensetzen aus arcuS und telum (Geschoß), andere sehen in ihm die Kunst des Lebens, die „ars tollendi". Beide Erllärungen scheinen uns gleich unmöglich: bas Wort „ars" wird schon in der Artillerie stecken> oder vielmehr das abgeleitete articula, so daß das Wort ursprünglich ein Kunststück, dann das Erzeugnis eines solchen: ein Kunst- werk, eine Maschine und schließlich in eingeschränkter Bedeutung eine Kriegsmaschine bedeutet, worauf es seine Bedeutung wieder ausdehnt und zur Gesamtheit der Kriegsmaschinen, zum gesamten technischen Kriegswesen oder der dieses betreibender Truppe wird. An die Artillerie schließen wir Wohl mit Fug die Bezeichnungen sür die verschiedenen Gattungen der Infanterie, da sie ja nach den Waffen genannt werden: auch hier wieder finden wir ausländische Bezeichnungen: in dem schon einmal genannten Kriegs- manual Wallhausens aus dem Jahre 1616 wirk» die mit Schießpulver gefüllte Kugel als Granate angeführt: der Name stammt von dem italienischen granata oder granada, das sich schon im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts sindet, während das Wort ins. Französische als gränade überging: von hier aus hat es Archen- holtz in seiner bekannten Geschichte des Siebenjährigen Krieges als Grenade übernommen. Nach Flenüngs „Teutschem Soldat" ist sie „wegen der Aehnlichkeft mit den Granatäpfeln also ge- nennet". ‘ •
Ter französischen Form aber verdanken wir den Grenadier, der, „in Teutschland erst 1683 aufgekommen", eigentlich ein Werfer von Handgranaten ist, 1694 in Joh. Christoph Nehrings Manuale als Granadierer, «n Flemings teutschem Soldaten auch noch in der Form Granadier austritt, später aber die noch heute geltende Bedeutung „Fußsoldat von ausgesuchter Größe" erhält. Ihm zur Seite tritt der zuerst in Deutschland 1703 in Christian Weises Zeitungs-Lexikon erscheinende „F ü s i l i e r", der Mit der Bajonettflinte bewaffnete Fußsoldat; auch sein Name ist aus Frankreich gekommen und stammt von dem fusil „Flinte',


