Ausgabe 
5.10.1914
 
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sprachen ttmrbe; aber ,fle toiCC ttmfyr genommen Hab ein daß wre Mama plötzlich zu Boden glitt, genau so, wie sie es schon früher einmal bet einem Krankheitsfall der Frau Ba­ronin gesehen hatte. Gerade vor dem Schreibtisch hätte sie jaus dem Teppich gelegen, und Sie, Herr Baron, hätten sie iausgehoben, nm sie zu dem Ruhebett zu tragen. Sie hätten sich dann überall n,»gesehen, als ob Sie nach etwas sucht- ten

Es sind wirklich nicht bloß Phantasien, die Ihnen das Mnd erzählt hat," fiel er ein.Fa, ich suchte nach einem Belebungsmittel für die Ohnmächtige. Erst, als ich keines fand, lief ich hinaus, um ein weibliches Wesen zll ihrem Bei­stand *u holen, denn ich fürchtete, es würde zn lange wäh­ren, bis auf mein Klingeln eines erschiene."

Auch daß. Sie das Zimmer verließen, hat Dietlinde gesehen. Und dann>"

Sie brach erschrocken ab, denn er stand plötzlich in seiner ganzen Reckengröße dicht neben ihrem Stuhl, und sie sah bas Zucken seiner Gesichtsmuskeln, als er sich herqbUeigte, um beinahe flüsternd zu fragen:Und dann?, was dann? Das eben ist's, was hier über Leben und Sterben entscheidet."

Es war vorbei mit seiner Kraft, sich zu bezwiügeni ganz und gar vorbei I Den sie in diesem Augenblick vor sich hatte, war nicht mehr der vornehm beherrschte Kava­lier, sondern es war ein gehetzter, gepeinigter, von den grausamste» Seelenqualen halb gebrochener Mensch ein Unglücklicher, dem ihre ganze Seele zuslog in heiß über- strömendem Mitgefühl.

Und dann, Herr Baron," sagte sie mit bebender Stimme, indem sie sich ebenfalls erhob,sprang Ihre Frau Gemahlin aus 1 fast in demselben Augenblick, wo sich die Tür hinter Ihnen geschlossen hatte, und trat in ihr Schlaf­zimmer. Lassen Sic mich Dietlindes eigene Worte wieder­hole», denn ich habe sie mir so fest eingeprägt, daß ich sie wahrscheinlich mein Leben laug nicht mehr vergessen werde: Dann war cs so, als ob die Mama etwas vergessen hätte. Sie ging noch einmal in Papas Arbeitszimmer zurück und nahm etwas vom' Schreibtisch. Als sie damit i» das An­kleidezimmer kam, konnte ich sehen, daß es ein kleines Glas war. Sie hatte ihr Gesicht nach mir gedreht, und sie lachte. Dann führte sie das Glas an den Mund und trank daraus. Aber wie sie es eben wieder auf den Tisch gesetzt hatte, neben dem sie stand, schrie sie ganz laut auf und faßte sich mit beiden Händen an den Hals und an die Brust. Daun fiel sie mit einemmale um, aber ganz anders als vorher, und mit dem Kovf gerade auf die Kante von dem Stuhr daß ich es deutlich hören konnte, wie sie anfschlug. Ich wollte mich schreien, aber ich konnte nicht. Und dann hörte ich, tvie man mich rief und mich fragte, ob ich wach tväre. Da schlich ich nach meinem' Bett zurtick und horchte bloß noch. Aber es dauerte noch eine lange Weile, bis ich wieder hörte, daß nebenan gesprochen wurde. Es war der Papa, und er rief:Irma! Irma! Was ist dir?" Aber dann hörte ich, daß Josepha auch dabei war, gnd da dachte ich, nun wiirden sie der Mama getviß Helsen, und kroch ganz unter mein Deckbett, weil ich nichts mehr hören wollte." Das hat Ihr Kind gesehen, Herr Baron! Uno nun nun ist doch alles klar?"

Sie hatte hastig, fast überstürzt gesprochen, als könne sie die Worte, die ihm Erlösung bringen sollten, nicht schnell genug über die Lippen bringen, und sie war ganz außer Atem, als sie geendet.

Bardeleben hatte die Hand über die -luge» gelegt, und dumpf, wie in hoffnungsloser Verzweiflung, kam es aus seiner Brust:Fa, nun ist alles klar. Gehen Sie! Lassen ein I"

wie betäubt, sah sie ihn a». Mer sie ing nicht. Und als sie erkannte, daß er nicht willens war, dr etwas Weiteres zu sage», hatte sie den Mut zu fragen, Habe ich ein Unrecht damit begangen, daß ich es Ihnen! erzählte?"

Langsam ließ er den Arm herabsinken und schüttelte den Kopf.Rein. Mer den Herren vom Gericht gelte ich trotzdem sitr den Mörder meiner Fra», tvenn sie auch einst­weilen noch nicht den Mut haben, eS mir ins Gesicht zu sagen oder mich verhaften zu lassen. Mein Schwager Ras- musse» hat ihnen jedenfalls erzählt, daß ich diese Frau seit Jahren gepeinigt habe, und daß ich ein Interesse daran hatte, mir durch ihren Tod beizeiten den Besitz ihres Ver­mögens zu sichern. Solche Dinge tviegen schwer, wenn es

Sie mich alles

an jeder anderen Erklärung für ihr gewaltsames Ende fehlte Margaretes Glieder zitierten, und sie fühlte ihre Brust wie von einem eisernen Bande umschnurt.Mer diese Er<I klärnng ist doch jetzt gefunden!"

Die Entschiedenheit ihrer Worte setzte ihn offenbar Erstaunen.Was könnte mir Ihre vermeintliche Anfklä- rung nützen? Selbst wenn man der Erzählung eines sieben- jährigen Kindes und seinen durch ein Schlüsselloch gemacht^ ten Beobachtungen überhaupt Gewicht beilegte, wurde man!

B doch daraufhin höchstens ein etwas anderes Bild von!

Ausführung meines Verbrechens machen. Weiter nichts. Bis jetzt scheint man nämlich allen Ernstes der Meinung! zu sein, daß ich meiner Frau das Gift gewaltsam eingeflößt habe, als sie durch einen Ohnmachts'anfall oder gar durch einen betäubenden Schlag widerstandsunfähig geworden war. Nun würde man sich de» Hergang möglicherweise etwas anders konstruieren. Die Hauptsache bleibt aber immer, daß nur ich es gewesen sein kann, der das Gift in das Kognakgläschen geschlittet hat. lieber diesen Gedanken­gang der Herren bin ich mir vollkominen klar, und ich hege nicht den geringsten Zweifel, daß man mich in derselben Stunde verhaften wirb, wo die Sektion erwiesen hat, daß meine Frau in der Tat einer Vergiftung erlegen ist."

Neini nein!" schrie sie auf.Das kann nicht ge­schehe», und es wird nicht geschehen! Es ist ja ganz un­möglich! Sie müssen doch tausend Mittel haben, um zu beweise», daß es unmöglich ist,"

Ich ivüßte kaum eines. Und wenn ich eines wüßte, Fräulein Margarete, würde ich doch kaum davon Gebrauch machen. Wissen Sie, was ich den scharfsinnigen Herren, die mich bisher in die Enge zu treiben suchten, ans ihre Fragen geantlvortet habe? Nichts' habe ich ihnen geantlv'ortctf gar nichts. Und ein Schurke lvtll ich! sein, wenn ich's kitnftig anders halte."

Mer das ist ja bewußte Selbstvernichtung! So lvcit dürfen Sie Ihre» Stolz nicht treibennein, so weit nicht!"

Meinen Stolz? Wer sagt Ihnen denn, daß es Stolz ist, >vas mein Verhalte» bestimmt? Natürlich werde ich mich entschieden gegen die Anschuldigung verwahren, ein ge­meiner Giftmörder zu sein: darüber hinaus aber werde ich! kein Wort zu meiner Verteidigung verlieren. Nicht weil ich zu stolz dazu bin, sondern weil es nicht der Mühe wert ist. Ob mich die Welt dieser Schandtat verdächtigt oder nicht * was bedeutet es neben der Anklage, die mein eigenes! Gewissen gegen mich erhebt!"

Ihr eigenes"

Ich bin erstaunt, daß Sie, die Kluge, Feinfühlige, das nicht verstehen. Nun, vielleicht sträuben Sie sich auch nur oagegem es zu verstehen, weil Sie Mitleid mit mir haben." Oh, Herr Baron!"

Verleugnen Sie dies Mitleid nicht, denn cs macht

S hnen wahrhaftig keine Schande. Sie haben mtr's zu deut- ch verrate», als daß ich Ihrer Mlengnnng Glauben schen­ken würde. Daß es mir wohl tut, daß ich Ihnen dafür von! Herzen dankbar bin ich denke, die Art, wie ich zu Ihnen spreche, ist Beweis genug dafür. Von allem, was Mensche» mir bis beute Gutes' getan haben, ist dies das allerbeste. Ich kaun'S Ihnen nicht lohnen; aber Wesen vvn Ihrer Art Pflegen zum Glück ja auch nicht mit Belohnungen zu rechnen."

Lassen Sie uns nicht von mir spreche»," bat sie leite.- ihr glühendes Antlitz zur Seite tvendeud.Und wenn Sie i wenn Sie wirklich gut von mir denken, so lassen Sie mich nicht in dieser Qual. Was sollte Ihr Gewissen Ihnen zum Vorwurf machen, daß Sie sich darum eine so furcht­bare Buße auferlegen müßten? Um' Ihres Kindes willeß beschwöre ich Äe

Nichts von dem Kinde! Ihm gegenüber habe ich mein« Rechte längst verwirkt. Erinnern Sie sich der Stunde, da! es sich mit Entsetzen von mir abwandte? Seit denc heutigen Abend weiß ich ja nun auch, warum es geschah. Mer wenn ich das auch nicht erfahren hätte, ich würde mir doch richtig! gedeutet haben, tvas halb instinktiv in dem jungen Herzen vorging. In de» Augen meines Kindes war ich der Mörder seiner Mutter schon, als ich es noch vor keinem anderen zu sein glaubte, als vor mir selbsts."

Herr v. Bardcleben"

Warum starren Sie mich so entsetzt an? Haben Sitz denn während dieser ganzen zwei Monate nicht ein einzigess Mal gemerkt, wie es um mich stand? Nein, ich habe meiner Frau nicht nach dem Leben getrachtet, und ich habe meins