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Ausführung; es sind zum groben Teil Abbildungen von Gemälden ans dem Luxembourgmuseum, dre im groben hergestellt wurden und von denen das Blatt 3,50 Frs. lostet«. Lolche Preise kenn der Dam), ler dem kleinen Mann natü.lich nicht abnehmen, nnd so ist er a 1 1 den schlauen Einfall gekommen, die umfangreichen Photographien zu zerschneiden und in 12 verschiedenen Stücken zu verkaufen. Aus einem Bild macht er also ein, Dutzend Ansichtskarten, und nur wer das Dutzend erwirbt, weib genau, was das Werk vorstellt. Wer nur eine einzige Karte ersteht, sieht sich einen, lustigen Vexierbild gegenüber: er erkennt etwa ein Stück von einem Kürassier und kann sich nun das klebrige dazu denken. Mancher steht verwundert vor diesen merkwürdigen Karten und kauft immer mehr dazu, um endlich etwas Ganzes herauszubekommcn. Nicht viel mehr Anspruch auf eigenen Wen als diese Ansichtspostkarten können die Landkarten erheben, die seilgehaltcn werden. Die geographische Anschauung, die durch sie vermittelt wird, ist mehr als mangelhast. Sie geben zumeist eine Vorstellung von ganz Europa für 5 Sous, und aus ihnen kann der Käufer wenigstens mit Befriedigung sest- stellen, daß Rußland groß ist. Mit solchen allgenieinen Eindrücken muß er sich begnügen, denn die einzelnen Grenzen, die aus irgendeinem alten Atlas in der Eile abgezeichnet und dann noch eiliger lithographiert wurden, machen auf Genauigkeit keinen Anspruch. Die Händler ziehen die dünnen Grenzlinien mit bunten Stiften stärker nach und machen sie dadurch nicht richtiger^ Bon Land zu Land ziehen sich nun dicke Striche wie die chinesische Mauer und man fragt sich, wie die Deere da durchkommen sollen. Die h u m o - r i st i s ch e n Werke geben wenigstens eine deutlichere Anschauung. Man versteht nicht, warum sie, die doch für Franzosen bestimmt sind, einen Geist atmen, der höchstens einem Deutschen gefallen könnte. Mit unfehlbarer Gleichförmigkeit stellen sie einen „Piou- piou" dar, der sein Bajonett gegen einige Preußen hebt, die ihm in einer etwas zu deutlichen und zu blutigen Weise den Rücken bearbeiten. ES muß auf die französischen Soldaten nicht gerade ermutigend wirken, wenn sie sich auf den volkstümlichsten Bildern derartig behandelt sehen, und Zeichnung wie Färbung sind dem Stofs in ihrer grellen Häßlichkeit durchaus entsprechend. Inmitten dieser wenig erfreulichen Bilder bleiben die B o l k s s ä n g e r der einzige Lichtblick, die mit ihrer Stimme und ihrer Geige oder Gitarre das Ohr für das entschädigen sollen, was das Auge erlitten. Musikalische Genüsse dars man da nicht erwarten, aber die Lebendigkeit und Gemütlichkeit dieser „Künstler der Gasse" ist so groß, daß sie selbst die Polizisten entwaffnet. Gewöhnlich wird die letzte Ballade, der große Erfolg des Tages, der die neuesten Ereignisse im Äänkelsangerton schildert, von einer Dame gesungen, die Blick und Aussehen einer Löwenbändigerin hat. Die kleinen Arbeiterinnen, die Dienstmädchen und Dausfrauen, die den Zuhörerkreis bilden, sind hingerissen von der Würde, die die Verkäuferin der Chansons zeigt, und tief ergriffen von der Begeisterung, mit der die Amazone den Refrain in ein zitterndes Ge- säusel ausklingen läßt. Das Neueste sind die Kinder, die aus der Straße singen und von einem alten Biedermann auf einer Violine begleitet werden, die ebenso wenig Stimme hat wie er selbst. Uich ringsherum stehen die Mädchen und lernen den neuesten Text, den sie soeben aekaust^haben, auswendig, und man hört ihr Gemurmel durch die Hellen Ltimmchen hindurch. Derbere Ware bringen die Sänger vom Montmartre, die sich durch die Arbeitslosigkeit sehr vermehrt hoben. Die Gitarre, die ihnen den Ton angibt, in der Dand, singen sie mit einer Stimme, die die Wolken sprengt. Aber auch der Regen entmutigt sie nicht. Di« scherzen: „Wenn ich hier stehe, edle Herren und schöne Damen, so tue rch das nicht so, um mit meinem letzten Meisterwerk 10 Centimes zu verdienen, als um die schwere Artillerie der Deutschen ruirterzukriegen." Und das Volk lacht. De kleinen Arbeiterinnen stauben ihre letzten 2 Sous hervor, die eigentlich den Käse zum Mittagessen liefern sollten, und kaufen sich das „Ständchen für das Heer" ober ein anderes Stück, lind dann machen sie sich an das Studium dieser Couplets. Aber die Chansons vom Montmartre sind viel schwerer zu erlernen als die Balladen.
vermischte«.
* Bismarck und „einige" Kanonen. Der General von Ising, der frühere Kommandant des Berliner Zeughauses, ein verdienstvoster Offizier, der im Kriege 1870 eines Armes beraubt wurde und der dann seine reichen militärischen Kenntnisse dazu verwandt«, dt» herrliche Waffensammlung auszubauen, die wir im Berliner Zeughaus besitzen, wußte das folgende Ge- schichtchen vom Fürsten Bismarck zu erzählen. Bald nach dem Einzug der siegreichen Truppen in Berlin fragte eines Tages Bismarck den General von Ising: „Sagen Sic, lieber General, was verstehen Sir unter: einige? Einige sind doch wohl drei oder vier! Nicht wach:?" — ,Le nun, Exzellenz, einige, das können wohl auch 5 bis 6 sein!" meinte General von Ising. „Na schön," erwiderte Bismarck, „ich wollte nur vorher einmal Ihre Ansicht wissen. Seine Majestät sagte mir nämlich, ich sollte mir einig« von den erbeuteten französischen Geschützen für meinen Park in Schönhausen geben lassen. Wollen Sie also die Güte haben, mir sechs Geschütze bereitzustellcn!" Das war eins jener diplomatischen
Kunststückchen, die Bismarck eben auch in steinen Dinge» nicht
verschmähte.
• Der Stolz des Deutsch-Amerikaners. .Dieb«n-
»ndlünlzig Neffen »nd Großneffen von mir kämp'en alle in der deutschen Armee I" -So sprach Mr. David Fink von Gretna in Louisiana voll Stolz und Hochgefühl, und diese Tatsach, hat ihn in Amerika zum großen Manne gemacht, von dem sich ave Welt erzählt. .Stur die Geburtsregister der Provinz, in der meine Familie lebt, köiinen genau angeben, wie viel ander« Verwandt» von mir außerdem jetzt die Waffen iür das Vaterland Uagen," i»hr er fort, .ich stamme ans einer groben Familie, tn der »och stets die Jungens in der Mehrzahl waren. Und all« haben st« gedient oder dienen noch im Heere, oder sind bereit, dem Rul de» Kaisersfolgen, mit Ausnabme meiner Onkel«, die schon zu alt sind.' Co kriegerisch ist der Geist in der Familie des Mr. Fink, er selbst aber, der sich zivar einen Deutschen neniit, jedoch fchon lest (einer frühen Jugend in Amerika lebt, ist et» Mann de« Frieden». „Nnr ein Deutscher", so verkündete er den aukhorchenden Berichterstattern, .ein Mann, der geboren nnd ausgewachsen ist unler dem deutschen Militärgesetz, mit den Nerven von Eisen und dem kalten Blut, die man da bekommt, kann die Schrecken eines solchen Krieges anshalten. Im ganzen Kaiserreich aber strömen die Männer steudig unter die Fahnen nnd sind bereit, alles für den Kaiser und das Vaterland z» opfern."
vstchertisch.
— Wie die Kriegs-Chronik des „Daheim" (Ber- lag von Beihagen u. Masing, Bielefeld und Leipzig) ihr Vev» sprechen hält, in ihrer Gesamtheit eine zeitgeschickLliche Schilde» rnng des Krieges zu geben, zeigen die soeben erschienenen Nnno- mern 2 und 3. Generalgouverneur Freiherr v. d. Goltz, Gras Reventlow, Danns und Fedvr v. Zobellitz, Paul Oskar Docker, Job. Döfsner. Pros. Dr. Ed. Deyck, Franz Servaes, Paul Rohr- hach, Rolf Brandt und viele andere daherm nnd im Felde arbeiten mit gediegenen Auffätzen an dem Unternehmen, das ein« Fülle sorgfältig ausgewähltec und wiedcrgegebener Bilder auch für das Auge höchst anziehend macht. Besondere Erwähnung verdienen die ausgezeichneten und aus persönlicher Kenntnis geschöpften Schilderungen, die unser» Führern im großen Kampf, in den vorliegenden Nummern Emmkch, Prinz Heinrich, Kronprinz Rupprecht, Hindenbnrg und Kluck, zuteil werden. Dl« KriegS-Chronik eignet sich ganz besonders auch zur Bersenlnmg an unsere Truppen ins Feld.
— „D e r große Krieg". Im Stistungsverlage zu Potsdam beginnt soeben unter dem Titel: „Der Große Krieg" ein« fortlausendc Darstellung der Zeilereignisse.in wöchentlichen Einzelheiten zu erscheinen. Neben den schon bestehenden Wochencknw- niken, von denen jede ihr eigenes Gepräge und Verdienst hat, dient sie zunächst der natioiwlcn und kriegerischen Begeisterung, möchte aber über den bunten Fluß der Tagesnachrlchten hinaus eine gewisse geschichtliche Abklärung betreff« der Vorgänge, ihrer Ursachen nnd Zusammenhänge bieten, damit auch den leitende,» vaterländischen nnd christlichen Zeitgedanken nachgehen und ihr inneres Bentändnts erschließen. Besonders soll auch der vielseitigen Liebestätlgkeit und dem stillen Heldentum im Volke Aufmerksamkeit zugewendet werden. Der Reinertrag fließt voll den
wecken der Kriegshilfe zu. Der Preis beträgt 10 Psg. Das Ganz«
eigaben geschmückten Einzelheftes beträgt 10 Psg. Das Ganz« eignet sich also auch zur Massenverbreitung ln Vereinen alle« Art und ergibt einst, gebunden, eine zusammenhängende Rüch« schau auf die Weltenwende, die wir betvundernb miterleben.
Rätsel.
Als träges Tier mit kaltem Blut Haust es mit »M" in trüber Flut. Mit ,T" ist es ei» Mordgewehr; Doch triffst du cs mit »S t r".
So hüte dich: es ist ge>äl,rllch Und auch nichts weniger als ehrlich. Auslösung in nächster Nummer,
Auslösung des Geographischen Verschiebrätsel» in »origer 9hu Hannover Abruzzem
Waromte _
Kairo
Flore»,
Ul gram Lausitz Mailanck Lissabon Ungarn Lofoten
Redaktion: Aug. D o l ft. — Rotationsdruck nnb Verlag der Brübl'lchen Unlv«rsttäls-Buch- und Steindruck»»«!. B. Lang», Gießen.


