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China schaffte, erwiesen sich diese noch nicht als leistungs­fähig. Doch schon vier Jahre später stand Port Arthur wäh­rend seiner monatelangen Belagerung ununterbrochen mit hem russischen Konsulatsgebäude in Dschifn aus drahtlosem Wege in Verbindung. Andererseits konnten die Japaner mit ihrem von Kimura ausgearbeiteten Delefunkensystem in stän­digem Verkehr mit der Heimat bleiben. Die Vernichtung der russischen Flotte bei Tschuschima verdanken sie in erster Linie ihrer Funkentelegraphie, die einmal durch Auffangcn russischer Meldungen die Ankunft der feindlichen Kriegs­schiffe erkennen liest und dann ein rechtzeitiges Zusammen­gehen der eigenen Streitkräste in der Meeresstraße von Tschackchima. ermöglichte.

Auch Frankreich hat den Kriegswert der Funkentele­araphie schon praktisch erprobt. Während der Marokkoexpedi­tion 1908 und 1911 wechselte die Station des Eifselturmes täglich Telegramme mit den an der marokkanischen Kiiste liegenden Kriegsschiffen, deren Bordstationen dann die Mel­dungen an die fahrbaren Junkenstationen Weitergaben, die im Innern des Landes den kämpfenden Truppen folgten. Den entgegengesetzten Weg nahmen die für die französische Regierung bestimmten Telegramme. Aus den kritischen Tagen von Agadir sei daran erinnert, daß die deutsche Re­gierung durch die Station von Nauen Ivenn auch auf dem Umwege über Teneriffa in Verbindung mit dem kleinen Panther" an der marokkanischen Küste stand. Im tta- ltenisch-türkischen Krieg wären die italienischen Truppen nach dem Zerschneiden des Kabels Tripolis-Malta ebenso wie die türkischen vom Mutterland abgeschnitten ge­wesen, wenn nicht die Kriegsschiffe mit ihren Funkenstairo- nen drahtlose Telegramme noch Italien vermittelt hätten. Erst später wurden die bis Pisa reichenden Stationen in Derna und Benghasi errichtet. Ebenso dürfte noch in Erinne­rung sein, wie die heldenmütige Besatzung des belagerten Adrianopel lange Zeit mit Konstantinopel in drahtloser Verbindung stand.

Zur Nachrichtenvermittlung im eigenen Heer ist von Deutschland die Funkentelegraphie zuerst während des süd­afrikanischen Aus st an des erprobt worden, wo in dem dichten Buschgelände die einzelnen kämpfenden Abtei- lungen weder durch Patrouillen noch durch Heliographen eine Verbindung miteinander Herstellen konnten. 'Dabei hat sich gezeigt, daß sie die mit dem Drahtkabel arbeitende Feld- telegravhre und Telephonte zwar niemals ersetzen, aber nach­drücklich ergänzen kann. Ehe die flinken Delegraphentruppen densprechenden Draht" von Baum zu Baum ziehen, ver­mag der Funkentelegraphist kurze Befehle an die in vor­derster Linie kämpfenden Truppen zu vermitteln, kann er über die Köpfe des Feindes hinweg mit einer anrückenden befreundeten Armee in Verbindung treten und erfährt er aus der Luft von rekognoszierenden Lenkballons die Stellring des Gegners.

Ein besonderer Dienst ist der Funkentelegraphie wäh­rend des Weltkrieges in den Kolonien zugefMen. Die drahtlose,Verbindung unserer überseeischen Besitzungen mit dem Dtutterlande ist zwar durch mächtige Statiorien der Gegner gestört. Doch innerhalb der Kolonien spielt der elek­trische Funke noch heute eine große Rolle; er hat zuerst die Nachricht vom Kriegsausbruch durch die Kolonien gejagt, die Ansiedler gewarnt und die vereinzelten Militärstationen vorbereitet. Sv ist er von Daressalam nach Muansa am Süd- Ufer und Bukola am Westufer des Viktoriasees und dann wieder südlich nach Tabora, dem alten ostafrikanischen Han­delszentrum, geeilt. Die Küstenstationen tu Deutsch^Istafrika, Kamerun, Südwestafrika, Kiautschau und auf unseren Süd- seeLesttzungen stehen ferner mit unseren flinken Kreuzern in Verbindung, erfahren von diesen deren jüngste Kaper­fahrten und können sie vom Aufenthalt deS Feindes unter­richten. Wenn es endlich zahlreichen deutsche,: Handels­schiffen beim plötzlichen Ausbruch des Krieges gelang, noch rechtzeitig einen neutralen Hafen an zu laufen, sofft auch dies ein Verdienst der deutschen Funkenstationen.

ltriegsweltteisen.

Die halbe Welt steht gegen uns in Waffen, wie Professor 8l>strvw jüngst gesagt hat. Das ist nicht etwa übertrieben: wenn Man die Bevölkerung der uns feindlichen Staaten znsammen- tählt, kommt man wirklich zu diesem Ergebnisse. Veranschlagt man England mit 40 Millionen Einwohnern, seine Kolonien mit 400 Millionen, Rußland mit 140, Frankreich mit 40, seine Kolo­

nien mit 45, Japan mit 50 Millwnen, Marokko mit 8, Belgien, Serbien, Montenegro und Monaco zusammen mit 10 so zäh­len unsere Feinde zusammen 733 Millionen. Im Durchschnitt aber dürften alle diese Zahlen etwas zu niedrig gegriffen sein, so dast sicherlich die Hälfte der Bevölkerung der Welt, diese mit anderthalb Milliarden Köpfen veranschlagt, gegen Deutschland und Oesterreich-Ungarn in Waffen steht. Faßt man Europa allein ins Auge, so ist das Verhältnis hier noch ungünstiger. Europa hat über 400 Millionen Einwohner. Deutschland und Oesterreich-Un­garn kann man zusammen mit höchstens 120 Millwnen anseben, Frankreich, England, Belgien, das europäische Rußland, Ser­bien, Montenegro und Monaco zählen zusammen 160 Millio­nen, so daß die Bolkszahl unserer Feinde die unsere um ein Drittel übertrifst, und die der neutralen Staaten etwa der von Deutschland und Oesterreich-Ungarn zusammen gleicht. Von den Grenzen der in den Krieg verwickelten Länder stoßen aus deutsch- österreichisch-nngarischer Seite nur noch wenige an neutrale Staa­ten. Die Grenze zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn kommt natürlich nicht in Frage, da dw beiden verbündeten Mächte durch den Krieg zu einer höheren Einheit geworden sind. Deutsch­land grenzt daher nur noch aus ganz kurzen Linien an Däne­mark, Holland, Luxemburg und der Schweiz an neutrale Länder, Oesterreich-Ungarn an die Schweiz, Italien und Rumänien. Auch diese Grenzlinien sind ziemlich kurz.

Unter diesen Umständen wäre die Ausführung einerneu­tralen Weltreise" nicht so ganz einfach. Die Bewohner Englands freilich könnten ihre Weltumsegelung wie früher ausführen, ohne je andere Häfen zu berühren, als englische und andere Länder zu durchfahren, als englische KoloniaUänder. Will man dagegen von Deutschland oder Oesterreich-Ungarn aus eine solche Weltreise aus­führen, ohne bis zur Rückkehr eines der kriegführenden Länder zu berühren, so stände zunächst der Weg durch die Schweiz, durch

E talien, dann durch Griechenland und die Türkei 'oder von esterreich aus durch Rumänien, Bulgarien und die Türkei frei. Der Landweg nach Osten zu kann jedoch nicht weiter ver­folgt werden, denn im Innern Asiens ist zwischen Rußland und Indien kein kriegssreier Weg zum Durchschlüpfen. Man muß daher aus dem Landwege, bis zu einem der Häfen des persischen Meerbusens, etwa Maskat, reisen, dann von hier aus dem See­wege nach einem Hafen der holländischen Kolonien zwischen dem

E ndischen und dem Stillen Ozean gelangen, und wenn man ein tück Landreise einschalten will, kann man etwa Swm durch­queren, dann kann man in einem chinesischen Hafen landen, das Reich der Mitte durchreisen und sich von hier aus der neuen Welt zuwenden, falls man cs nicht vorziebt, über eine der hol­ländischen Besitzungen das Gebiet der nordamerikanischen Unwn bereits aus den Philippinen zu erreichen. Welchen Weg man gewählt hat, beide Teile der neuen Welt kann man jetzt zu Schiff erreichen, denn die vielen englischen und französischen Jnselnl der Südsee braucht man nicht zu beachten. Fährt man nach Nord­amerika, so kann man die Vereinigten Staaten kreuzen und von da nach einem spanischen oder portugiesischen Hafen sahren, die Pyrcnäenhalbinsel durchqueren und durch Italien heimkehren, oder sich gleich weiter nordwärts wendend, nach der skandinavi­schen Halbinsel sahren, um von da über dem Wege durch die Ostsee nach Deutschland und Oesterreich zurückznkebren. Hat man nach der Fahrt durch den Stillen Ozean einen süoamerikanischcn Hasen znlm Ziel gewählt, so kann man das südamerikanische Fest­land fast beliebig durchqueren, ja man kann sogar durch Suri­nam hindurch, also zwischen Französisch- und Britisch-Guhana durch an die Nordküste gelangen und von da genau so Europa er­reichen, wie von den Häsen der Ostküste der Bereinigten Staa­ten aus.

Während einer solchen Weltreise wäre man jedoch sehr häu- sig in unmittelbarer Nähe einer Besitzung der feindlichen krieg­führenden Staaten. Welcher Ort, so kann man sragen, liegt gegen­wärtig am weitesten von den Kriegsstaaten. Man wird sich wohl für das mittlere Südamerika entscheiden müssen, etwa einen Ort in der Gegend von Jquigue, von wo aus bis zu Britisch-Guhana, den Falklandinseln und der Ducie-Jnsel, den nächsten englischen Besitzungen, ein ziemlich weiter Weg ist.

pariser Strahenszenen.

In dem von den reichen Leuten und von den Apachen verlas­senen Paris haben sich die kleinen Leute wieder, so gut es geht, eingerichtet, und in den Winkeln und Gassen gewinnt das Leben, das auf den Boulevards einen so erregten und gespannt warten­den Eindruck macht, eine gewisse Gemütlichkeit zurück. Die sliegen- den Händler treiben hier, wie R6gis Gignoux im ..Figaro" er­zählt, einen schwunghaften Handel. An den geschlossenen Türen der Läden, an den fest verrammelten Fenstern verlassener Häuser, an jeder Straßenecke haben sich die Verkäufer von Ansichtsvostkarten aufgestellt und richten hier wahre Kunstsalons ein. Mit ein paar Dutzend Nadeln und im unerschütterlichen Gefühl ihrer Bedeutung heften sie da Bildchen an, patriotischen und humoristischen Inhalts. Jeder Tag bringt eine neue Eröffnung und ein neues neugieriges Publikum, das weniger kritisch und leichter zu befriedigen ist als die feinen Herrschaften in den Salons. Dw Mlder mit vater­ländischen Stoffen erfreuen mehr durch ihre Gesinnung als durch ihr«