Ausgabe 
26.9.1914
 
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Vertreterin auf dem KrieMchauplatz eriumnte. Nach dem Krieg« »og Mutter Simon" wie sie von den dankbaren Soldaten an­geredet wurde, sich still und bescheiden wieder hinter ihren Laden, tisch zurück. Doch berief man sie jetzt in das Direktorium des Al- bert-Bereins. damit sie die Ausbildung seiner Krankenpflegerinnen überwache. Was für eine Riesenteistung es oft bedeutete, den zahl- reichen Kranken und Verwundeten Obdach, Lager und geeignet »ubereitete Nahrung »u geben, das abzuschätz n soll nur Augen- zeugen ihm Wirksamkeit möglich gewesen sein. Lu dielen zählte übrigens auch ihr Biograph Rudolf Bunge, der das Bild Marie Simons besonders lebensvoll vor uns erstehen läßt, wenn er schreibt: Bei all dieser großartigen Tätigkeit habe ich, so oft nrich mein Amt an den beschränkten und höchst primitiven Räumen desFreßkommandos" so namiten dre Soldaten säzerzend die Koch- und Verpflegungsstellen Mutter Sinrons vorllber- führte, seinen dirigierenden weiblichen Chef stets mit dem rie­sigen Kochlöffel in der Hand und mit einer wahren GeneralK- miene, einem Blicke ruhig heiterer Zuversicht im Antlitze ge­sehen, ja, es schien sogar, daß ihre Augen um so glücklicher strahlten, je dichter sich die Haufen ihrer hungernden und dürsten­den, teils verwundeten, teils von den Mühseligkeiten der Reise oder anstrengender Märsche erschöpsten Söhne uni ihre dampfenden Kessel drängten."

Daß diese derbe, tüchtig«, tatkräftig« Frau auch der zartesten Empfindungen fähig war, beweisen ihre Tagebuckchlätter und Briefe. Bon wahrhaft ergreifender Poesie ist eine Stelle, die uns vor die mit Verwundeten überfüllte Krche von St. Marte versetzt.

, Es ist rührend," heißt es da,wie die Aerzte und das ganze Sanitätspersonal es sich angelegen sein lassen, die Patienten an­der Mrche herauszutragen auf den Friedhof in die milde, frische Luft, an ein sonniges Plätzchen und sie sorgsam in ihre Decken hüllen oder letztere neben ihnen aufhängen, danitt sie vor jedem Zug geschützt sind. Manchem haben sie das Lager auf einem Leichensteine zurechtgemacht. liegen nun Deutsche und Fran­zosen, die sich eben noch wütend bekämpft, friedlich nebeneinander auf einem Friedhofe, sie, die Lebenden, die erst ihr Leben so freudig eingesetzt und es jetzt doch nicht lassen möchten, unter den Toten. Vorüber ist alle irdische Leidenschaft: hier herrscht Friede und Versöhnung." .

Auch als der Krieg beendet war, suchte Mane Simon rn mütterlicher Treue für ihreSoldatenkinder" wciterzusorgen. Die Gründung einer Heilstätte für deutsche Invalide tvar ihr heißester Wunsch, und ihren rastlosen Bemühungen war es zu danken, daß die Anstalt im ?lpcil de- Jahres 1872 in der Losckuvitzer Flur bei Dresden eröffnet werden konnte. Bis zu ihrem Tode, der fünf Jahre später erfolgte, wirkte hier die schlichte Samariterin, der buich den Kongreß der Genfer Konvention die Große goldene Medaille übermittelt worden tvar, die man einen Triumph der deutschen Frau, eine Elirenbürgerin Europas, eine deutsche Nightingale genannt hatte, und die doch keinen lieberen Ehren­titel kannte als den derMutter Simon".

vermischte».

Ick. Dt« empiindlichste Wage der Welt. Aus der diesjäh­rigen Festsitzung der Royal Society führte F. W. Aston die Wage vor, mit deren Hill« er gemeinsam mit I. I. Thomson die beiden Gas« bestimmt hat, aus denen das früher als einheitlich bcstimnite Gas Neon besteht. Diese Wage ist nach denNalurwisje »schal len" ganz aus geschmolzenem Quarz hergestelll. Sie bildet einen Kasten, dessen Wände Qnarzplalte» sind, die mit Siegellack znsammengekittet wurden. In dem 7V, cm langen Kaste» beiindet sich aus einer Messer­scheide als Wagebalke» ein Qnarziaden, der aui einer Seite i» einer Kugel von 1 mm Durchmesser endet und aus der anderen Seite ansbalanciert ist. Dieser Wagebalken wird bereits durch ei» Ge­wicht von Viooooo« Milligramm zur Drehung gebracht. Man stillt nun den Wagekaste» mit dem zu untersucheiideii Gase und beobachtet den Druck, bei welchen» die Wage i,n Gleichgewicht ist. Geschieht dann dasselbe »nit einem bekantilen Gase, etwa Sauerstoff, so ver­halten sich die Dichten der beiden Gase umgekehrt, »vie die beobachteten Drucke.

* Hungersnot fmRo o". Eine merkwürdige Folge- erfcheinitng des Krieges macht sich iu Amerika geltend. In den zoologischen Gärten des Landes droht eine Hltngersnol, die ihr« Bestände in ernste Gefahr bringt. Aus Plnladelohia »vird be­sonders Klage darüber geführt, daß der größere Teil der Nahrung für die Insassen desZoo" aus Europa, und zivar aus de» in den Krieg verwickelten Ländern, koni»nt. In erster Linie ist für die Vögel zu fürchten, für die die Nahrttngsmiilel aus Deutswland bezogen wurden; in Amerika war keinerlei Ersatz dafür zu finden, so daß die Vögel ivahrscheinlich eingehet, müssen. Für die Löiven lind Tieger braucht mau Pferdefleisch, und auch dies ist jetzt schiver zu erhalten, da die Erfordernisse für den Krieg zunächst befriedigt werden müssen. Die körnerfressenden Tiere sind bereits auf sehr kleitie Portionen gesetzt, daniit inan mit den, vorhandeiie»» Borrat recht lange auskoinmen kann. Auch die bevorziigt« Nahrung der Affeli, die Bananen, fiiid nicht genügend z>» erhallen, und so »verden sie vorläufig mit anierikanischen Apfelsine» gefüttert. Schließlich

erfahren die zoologischen Gärten gegenwärtig auch keine» Zuwach» an seltenen wilden Tieren, da diese fast alle au? Deiilschland ein- geführt werden.

*Belageruugsmünzen". Diesen kriegerischen Name» erteilten unsere Münzkundigen einer besonderen Art von Notgeld, das in belagerten Plätzen bei Geldmangel bald aus edlem Metall» bald auch aus wertlosem Stoff wie Leder, Pappkarton, Papier her­gestellt und namentlich zur Löhnung der Truppen verwandt wurde. Silbernes Tafelgeschirr inußte mehr als einmal dazu herhalten» in Belagerungsmünzen umgewandelt zu werden. Aus Bruchstücken von Silbergeschirr ließ z. B. bei der Belagerung von Jülich im Jahre 1610 der Ko»ninandant Joh. v. Rauschenberg durch Wert­ste,npel Guldenstücke machen, die je nachdem 110 Gulden galten. Auch Herzog Karl Alexander von Württemberg ließ während der Belagerung von Landau im Jahre 1713 aus silbernem Tafelgescknrr Münzen schlagen, die in ihrem Aeuheren ihre Herkunst noch ver­raten. Es sind achteckige Platten, die in der Mitte und auch an den Ecken mit Stempelchen versehen sind. Die Bclagerungsmitiizen, die begreiflicherweise meist eilig und ohne große Sorgfalt hergestellt wurden, sind überhaupt in vielen Fällen sogenannteKlippen", d h. eckige Geldstücke, lieber einen Mangel an Bclagerungsmünzen läßt sich nicht Nagen, denn die vergangenen Jahrhunderte haben eine nicht geringe Zahl hervorgebracht. Die ältesten sind wohl di» sehr seltenen von Tournay aus dem Jahre 1521. Zu den jüngsten zählen die von Mantua aus dem Jahre 1818. Belannt genwrden ist aus neuerer Zeit namentlich auch das Belagerungsgeld von Kolberg, wo man Anno 1807 Kartonstückchen, die mit den entspre­chenden Kommandantursteinpeln und handschriftlichen Bemerkungen versehen waren, als 2, 4 oder 8 Groschenstücke ausgab. Für uns aber ist es heute von besonderem Interesse, daß es auch A n t - werden er Bclagerungsmünzen aus den» Jahr« 1814 gibt. Nicht zu verwechseln »nit de»iBclagerungs­münzen" sind übrigens die sogenanntenFeldmüuzen". Mit dem letzteren Na»nen bezeichnet inan Geld, das außerhalb des Landes oder der Hauptstadt stehende Heerführer sür die Truppe» ansertigen ließen. Unter Belagerungsmünzen versteht man im Gegensatz dazu nup solche, die in befestigten, eingeschlosfcnen Plätzen ausgegeben wurden.

vilchertisch.

Eine neue Kriegskgrtc von Kiautscho» zu

Gunsten des »Oenerr. Noten Kreuzes". Die Kaitogr. Anstalt G. Freytag & Berndt, Ges. m. b ö., Wien VII, Schotte,lleld- gafie '>2, Hai eine neue, schön ausgeführte Karte lierausgegebe» t G. Freytaqs Karte von Kiautschou 1: 100.03» mit Beigabe eines Planer von Tsingtau 1:10.000 Ost - Asten 1: 7.500.00» und .»>er Weltkarte mit Darstellung aller deutsche» Schutzgebiet« j : ICO Millionen, endlich eines hübsch illustrierte» Textes.

EinKriegskalender. Der Verlag vonG r i e b e n s Reiseführern" Albert Goldschmidt, Berlin W. 36, bringt einenKriegskalender" heraus. Das in seiner äußeren Form sehr handliche Büchlein enthält ferner eine übersichtliche Darstellung der militärischen Machtverhältnisse, der deutschen Heeres- und Ma­rineeinteilung, des Wehrgesetzes in Deutschland sowie ein Kalen­darium vom Ausbruch des Krieges bis Ende dieses Jahres zur Eintragung der wichtigsten Kriegsereignisse. (Bis zum 1. Septem­ber sind die hauptsächlichsten Vorgänge ans den Kriegsschauplätzen bereit? verzeichnet.) Wer die Eindrücke fcsthalten will, die er von den gewaltigen Ereignissen des Völkerkrieges 1914 empfängt, der findet hier ein geeignetes Tagebuch für seine persönlichen Erleb­nisse, wie für die Kriegschronik. Der Preis des Kalenders beträgt 80 Pfg., mit einer vorzüglichen Karte des gesamten Kriegs­schauplatzes ausgestattet 1.20 Mk.

Charade.

Dem Ersten traue nicht zu viel,

Schon mancher ivurde arg betrogen;

Er wollt' eS erjagen i» dem Spiel:

Heim ist er mit leeren Taschen gezogen.

Drückt dich die Hitze allzu sehr,

Willst frisch« Luft du haben,

Dem Ziveiten dann den Rücken kehr',

Des Waldes Grün »vird bester dich laben«

Willst du die beiden nun verbinde»:

Nach Schleswig führ' ich dich sofort;

Ich glaube, Freund, leicht wirst du finden Das Ganze als einen Hafenort.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösting des Kapfclrätsels in voriger Nuninier: llllrio, Kahm, Augerüst, Ulli», 8tern, vkor, Ade, Und, Wieget Wie, Keusch:

Trau, schau, w e m l

Redaktion: Aug. G o e tz. Rotalioiisdruck und Verlag der Brühl'scheii UiiiversitätS-Buch- und Steindriickerei, R. Laiige, Gießen.