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leine Minute verloren werden. Können Sie das' nicht ver­stehen ?"

9hm, die Hasselbauer hat sich jedenfalls darüber ge- wundert, daß Herr v. Bardeleben es so eilig hatte, aus dem Zimmer zu kommen."

Die Fanni? -Ach, bleiben Sie mir doch mit der Per­son vom Leibe und mit ihren dummen Einbildungen! Ich! Hab' mich damals wahrhaftig schon genug über sie geärgert."

Es ist also richtig, daß sie Ihnen gegenüber sofort der Ueberzeugung Ausdruck gegeben hat, dies sei keiner von den gewöhnlichen Anfällen der Baronin, und daß sie die Vermutung aussprach, es müsse irgend eine Gewalttat gegen die Frau verübt worden sein?"

Dergleichen Zeug hat sie freilich dahergeredet. Wer das war doch nur wegen der Beule, die sie an der Schläfe der gnädigen Frau entdeckt hatte, als sie ihr die Stirn mit dem Riechzeug etnreiben wollte. Die war aber bloß vom Hinsallen." i

Woher wissen Sie das so bestimmt? Konnte sie nicht ebensowohl von einem Schlage herrühren?"

Wer sollte denn die gnädige Frau geschlagen haben?" fuhr ihn Josepha im hellsten Zorn an.Vielleicht unser Herr Baron?"

Sie halten das für ganz undenkbar? Andere sagen, Herr v. Bardeleb'en sei sehr jähzornig und habe vor Jahren Änen Knecht derart mißhandelt, daß der Mann acht Tage lang das Bett hüten mußte."

Und hat man Ihnen auch gesagt, weshalb das ge­schehen war? Weil der Mensch ein auf dem Felde krank ge- svoroenes Pferd halb zu Tode geprügelt hatte. Der Herr Baron war gerade dazu gekommen. Wenn er so was sah, konnte ihm freilich die Galle überlaufen. Wer seine Frau!

< Es ist ja beinahe, um darüber zu lachen über das alberne Geschwätz."

Wenn Sie aber so fest davon durchdrungen waren, daß in den Zimmern der Baronin nichts geschehen war, was vor der Welt hätte verheimlicht werden müssen, warum haben Sie dann der Fanni Hasselbauer mit solcher Heftig­keit verboetn, zu irgend einem Menschen von ihren Ver­mutungen zu sprechen? Und warum sind Sie später, als Sie die Tote wuschen und herrtchteten, so ängstlich darauf bedacht gewesen, durch eine beschickte Anordnung der Haare hie Verletzung an der Schläfe zu perdecken? Die Hassel­bauer glaubt, daß Sie denselben Argwohn gehegt hätten wie sie und baß es Ihnen nur darum zu tun gewesen sei, Herrn v. Bardeleben vor Unannehmlichkeiten zu bewahren."

Was die naseweise GanS glaubt, ist mir einerlei. Mer so viel Verstand sollten .Sie doch haben, Herr, daß Sie einsehen, warum ich bas getan habe. Unsere gnädige Frau sollte nicht entstellt aussehen aus ihrem Totenbette, und die Leute sollten sich auch nicht die Mäuler darüber zerreißen, woher sie das Ding an der Stirne hätte."

Na, schön! Die Baronin ist dann gestorben, noch ehe Herr v. Bardeleben mst dem Arzte zuruckkehrte. Sie hat bis zu ihrem Tode das Bewußtsein nicht wiedererlangt?"

Sie lag so stille, als yb sie schliefe. Und es war kaum zu merken, als das Ende kam."

Wie benahm sich der Baron, als er sah, daß die ärzt­liche Hilfe zu rnät kam?"

Darüber kann ich nichts sagen, denn wir wurden so­fort htnausgeschickt. Später war er sehr verstört. Aber er ist ein Mann, wie er sein soll, und das Heulen surchi Jammern ist nie seine Art gewesen schon in seiner Kna­benzeit nicht."

Der Kommissar wollte etwas erwidern, da öffnete sich die Flügeltür.

19. Kapitel.

Man hat mir mitgeteilt, daß mein Vetter sich bereits auf der Rückfahrt nach dem Schlosse besindet," sagte die eintretende Jadwiga.Wer er wollte noch einen Abstecher nach der Oberförsterei machen, und es kann darum immer­hin noch eine Stunde vergehen, bevor er eintrifft."

NJch danke nochmals für die gütige Bemühung- gnä­diges Fräulein. Mit Ihrer Erlaubnis werde ich also Herrn v. Dardelebep erwarten."

Und ich kann wohl jetzt endlich gehen?" knurrte Io« sepha.Die kleine Baronesse braucht mich."

Nur noch einen Augenblick Geduld! Nicht wahr, die von der verstorbenen Baronin bewohnten Zimmer liegen jm ersten Stockwerk? Würde eS mir gestattet sein, sie zu

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Die Frage war an Jadwiga gerichtet, und trotz ihrer Selbstbeherrschung konnte die Baronesse die brennend« Neu­gier nicht ganz verbergen, von der sie seit dem Erscheinen des Polizetbeamten verzehrt wurde.

Weshalb wünschen Sie das, Herr Kommissar?" fragt« sie zurtick.

Weil es mir dann leichter fallen wird, ein klares Bild von den Vorgängen zu gewinnen, zu deren Feststellung ich hierher gesandt worden bin. Ich müßte verlangen, daß Josepha Guradze mich begleitet, aber ich möchte zugleich die ergebene Bitte ausiprechen, daß auch das gnädige Fräu­lein als Vertreterin des abwesenden Hausherrn bei dev Besichtigung zugegen bleibt."

Jadwiga war schon im Begriff gewesen, die Erfüllung seines Verlangens rundweg zu verweigern. Die letzten Worte aber machten sie sofort anderen Sinnes. Sie rechi- nete darauf, bei dieser Gelegenheit endlich zu erfahren, welchem Zweck dieser polizeiliche Besuch dienen sollte. Zun« grenzenlosen Erstaunen der alten Josepha erwiderte sie daher nach einem kurzen Zögern:Ich muß Sie darauf aufmerksam machen, daß die betreffenden Zimmer seit dem Tode der Baronin auf ein ausdrückliches Verbot meines Vetters hin von niemand mehr betreten werden sollen. Die Tote wurde am Morgen nach ihrem Wleben in die unterer« Räume verbracht, um dort aufgebahrt zu werden, und un­mittelbar hinter ihr wurden die Zimmer verschlossen. An diesem Morgen erst bat mein Vetter die Schlüssel heraus­gegeben, weil mir eine Lüftung und Reinigung der Ge­macher doch unerläßlich schien. Gehen Sie zu der Mamsell, Josepha, und fragen Sie, ob damit schon begonnen worden ist. Wenn es nicht der Fall kein sollte, so lassen Sie sich von ihr die Schlüssel aushänoigen." <

Die 'Alte brummte etwas Unverständliches vor sich hin und ging kopfschüttelnd hinaus.

9hm?" fragte Jadwiga nach ihrer Entfernung.Haben Sie nicht bestätigt gefunden, was ich Ihnen vorhin übet unsere gute alte Josepha sagte?"

In mancher Hinsicht allerdings, gnädiges Fräulein!. Aber ich bin mit dem Ämebnis der Vernehmung nichtsdesto­weniger durchaus zufrieden."

Da Sie mich vorhin über den Charakter beS fortae- schickten Zimmermädchens befragten, so ist mir nachträglich eingefallen, daß die Person bei ihrem Fortgehen unver­kennbar die Absicht hatte, sich auf irgend eine Art für ihre Entlassung zu rächen. Ich erinnere mich jetzt auch, daß ich sie wiederholt auf dreisten Lügen ertappte."

Der Kommissar verbeugte sich leicht.ES' ist mir sehr interessant, das ju hören."

Für einen Augenblick hatte Jadtv-iga geglaubt, etwa- wie SarkasmuS aus dem Klang seiner Stimme herauszu­hören; aber was hätte diesem kleinen Beamten einen Anlaß und ein Recht gegeben, die Mitteilungen der Baronesss von Ostrowski anders als mit respektvoller Gläubigkeit aufzunehmen?

Daß er keine weitere Bemerkirng oder Frage hatte, be­fremdete sie allerdings, und sie war nichts wenrger als ent­zückt über die Rolle, die sie ihm gegenüber spielte.

Als Josepha sehr langsam mit den Schlüsseln zurück­kehrte, wandte sie sich in derselben hochmütigen Haltung, die sie beim Empfange des unwillkommenen Besuchers an­genommen hatte, zur Tür:Wollen Sie mir also, bitte, folgen!" 1

Sie stiegen Josepha mit ihrer finstersten Miene als letzte in bas obere Stockwerk empor, und Jadwiga ließ den Kommissar in das Arbeitszimmer Bardelebens eiir- treten, das der Trepp« am nächsten lag. Man konnte von hier aus durch die offenstehenden Verbiudüngstüren sowohl das Schlafgemach der Baronin wie einen Teil des kleinen Ankleidezimmers übersehen; aber da albe Fenster geschlossen und alle Rouleaus herabgelassen waren, herrschte nur ein« ungewisse Dämmerung in den noch vom Mvderduft ver­welkter Blumen erfüllten Räumen.

Ziehen Sie die Vorhänge auf, Josepha," befahl di« Baronesse,und ösfnen Sie wenigstens eines der Fenster. Man kann hier ja kaum atmen/"

Der Beamte hatte mit forschenden Blicken Umschau ge­halten. Nun, nachdem sie den ihr erteilten Auftrag aus- aeführt hatte, wandte er sich an die Alt«.Bezeichnen Si§ mir, bitje, genau die Stell«, an oer Sie Frau v. Bardeleben fanden!" (Fortsetzung folatl