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UebetUefermtg wuchs im» gegen Ende des Mittelalters zil einer neuen furchtbaren Kraft heran. Zu der Tapferkeit und dem Selbstvertrauen auf den Sieg kam bei ihnen noch — und darin über- trafen sie die Ritter — die zuverlässige Führung, der feste Zusammenhang der Mannschaften unter sich und mit ihren Oberen, durch die sie nicht nur zu einer äußerlichen, sondern zu einer geisttgen Einheit murden Unter „Infanterie" versteht man Fußvolk, das die Fähigkeit besitzt, taktische Körper zu bilden. Bei Laupen geschah das zum erstenmal, daß sich Fußknechte zu Haufen zusammenschlossen und nun den Reitern Widerpart boten, vor denen sie Jahrhunderte als einzelne davongelausen waren. Gerade durch ihren Zusammenschluß, durch die taktische Formation, erwies sich die Infanterie als der furchtbare Vernichter der Reiterei. Ihre wuchtigste Ausgestaltung erhielt diese Taktik der Gevierthaufen seit dem Ausgang des 15. Jahrhunderts durch die deutschen Landsknechte, denen daun die Spanier ihre Kunst absahen. Die Hauptmasse war die Pike, ein ungesügter Langspieß von 5 bis 6 Meter Länge. Den Wert dieser Waffe gegen Reiter hat man auch »och viel später betont; so sagt Scharnhorst in seinem Handbuch für Offiziere, daß ieWeschlossene Infanterie mit vorgehaltenen Bajonetten schlechterdings nicht umzureiten sei, auch wenn sie sich gar nicht wehre, und die preußische Landwehr bekam 1813, >vo die Gewehre mangelten, kurze Spieße von etwa 3 Meter Länge in die Hand, um der Kavallerie zu Leibe zu gehen. Die Gevierthausen der Renaissance waren durchschnittlich 6000 Mann stark und standen in derselben Tiefe wie Breite. Diese Kolosse rückten nun im Ge- schnnndschrilt nebeneinander, stießen in einem furchtbaren Anprall zusammen und suchten gegenseitig eine Lücke rn die von Spießen starrende Masse zu reißen. Der Hause, der zuerst auseinander gespalten wurde, war verlöre»! denn die Kraft dieser Infanterie bestand nur in ihrer Einheit Der Einzelne fiel rasch dem kurzen Schwert oder auch der Pistole des Feindes zum Opfer. Nach dem ersten Auftreten dieses .Kampfmittels bei Laupen, der Schlacht, die man die Geburtsstätte der modernen Infanterie nennen muß, hat eS 2y s Jahrhundert lang die Kriege beherrscht und die Siege erfochten Eine Lockerung der Formation, eine Zusammenfassung des Fußvolkes zu kleineren Gefechtskörpern versuchten um die Wende des 16. und 177 Jahrhunderts die Holländer, die nun als die inilitärischen Erben und Forlsetzer der Schweizer austraten. In der Schlacht bei Nieuport <1600), die Moritz von Omnien gegen die Spanier gewann, bestand diese neue Taktik ihre Feuerprobe. Es war die geniale Leistung des Herzogs Moritz und seines Vetters Wilhelm Ludwig, ihre Truppen zu strafferer Manneszucht und besserer Einübung zu zwingen, und so wurde es möglich, mit flacheren unb kleineren Körpern zu operieren, Bataillone zu bilden, die nur noch 10 Glieder tiel toaren und nur noch in der Mitte Langspieße, auf beiden Seiten Feuergewehre luttten. Diese Trup- penkörper konnten sich eilig nach jeder Richtung bewegen, sich gegenseitig unterstützen und den Feind umfassen. Was Napoleon in seiner Tirailleur-Taktik iveiter ausbildete, war hier bereits Vorausgeahnt. Die eigentliche Vollendung und den Höhepunkt in der Entwicklung der Infanterie erreichten aber erst die Preußen, rndem sie durch den Gedanken der allgemeinen Wehrpflicht die Lösung des Problems brachten: strengste Manneszucht zusammen mit höchster Selbständigkeit, wie sie nur aus sittlicher Freiheit und treuer Pflichterfüllung geboren werden kann. Erst durch die nationale Mündigkeit des Einzelnen, durch einen höheren Begrist der Disziplin wurde die moderne Ausbildung der Infanterie ermöglicht.
vermischte».
* Kriegsmoden. Auch der Mode prägen die Kriegsläufte den Charakter auf. Vielfach beobachtet man, daß die Frauen- kleidung zu militärischen, Schnitt und zur Verwendung solcher Motive neigt, die der Soldatentracht entstammen Man sieht vaterländische Schöne, die Litewken oder Attilas »ach Husarenart tragen, doch ist es nicht ivahrscheinlrch, daß diese Moden viel Anklang und Verbreitung finden werde» Recht beachtenswert hingegen ist rin Vorschlag, der im Konfektionär gemacht ivird und der die Massenherstellung einer „K r i e as b l u s e" amegt. Der Vorschlag geht dahin, daß die Berliner Konfektion »ach den, Einbeits- modell eines Zeichners möglichst rasch eine Herbstbluse aus ben Markt bringen solle, die unter dem Namen Kriegsbluse, den gegentvärtigen Verhältnissen angepaßt, von schlichtesten, Schnitt und zu billige», Einheitspreis in allen Größen fertig zu kaufen iväre. Eipe solche Bluse wäre etwa aus wärmerem Stoffe- in schwarzer oder dunkelblauer Farbe für Haus und Bureaugebrauch herzustellen. Die gewisse "Uniformität, die bei Einführung dieser irriegsbluse nicht zu vermeiden wäre, würde vielleicht gerade jetzt nicht als Nachteil empfunden werden: und ivähreud den Frauen weiter Bevölkerungsklassen aus diese Weise die Möglichkeit gegeben tväre, sich ein für bie kühlere Jahreszeit notwendiges Kle,dungsstück zu mäßigen, Preise und doch in gefälliger Form zu enverbe», würde andererseits Hunderten ihrer Mitschwestern durch die Anfertigung dieses Massenartikels Gelegenheit zum Brot- enoetbe geben. — Auch die Herrenmode scheint den Einfluß des Krreges erfahren zu sollen. Wie.angekündigt ivird, hat man als
die große Mode der nächsten Zukunft das Feldgrau zu envarteu; mtb wahrscheinlich wird die neue feldgraue Mode, um das Publikum recht bald zu Aufträgen zu veranlassen, mit möglichster Beschleunigung herausgebracht werden.
* Die Volksbildung und der Krieg. Nach dem deutsch-französischen Kriege von 1870/71 wurde allgemein die größere allgemeine Höhe der deutschen Volksbildung gegenüber derjenigen des französischen Volkes anerkannt. Man sagte damals, daß nächst den Heerführern und Bismarck und Moltke der deutsche Volksschullehrer es gewesen sei, der die Franzosen besiegt habt. Einen sehr charakteristtschen Beweis für den geringen Grad damaliger französischer Volksbildung teilt Sebastian Hensel in seiner Autobiographie mit. Er sand vor Paris in den von den französischen Truppen verlassenen Plätzen massenlwft die Bücherchen umherliegen, welche die französifchen Soldaten bei sich tragen und welche ihre Signalement und ihre Nationale enthalten. „Ich blätterte", so erzählt Hensel, „viele durch und mich frappierte, daß häufig sich die Eintragung sand: Sait tzerire, mais ne satt pas lire. Darüber zerbrach ich mir lange den Kvpt und fand schließlich folgende Erklärung für dieses rätselhafte Faktum: Alle Grundstücke in Frankreich sind mit Mauern eingesriedigt, auf denen lange Affichen oft mit riesengroßen Buchstaben schabloniert sind. Nun fand ich, daß die so sonderbar begabten Soldaten, die schreiben, aber nicht lesen konnten, »reist Maurer oder doch Bauhandwerker waren. Offenbar ,v-nrde ihnen, daß sie solche Inschriften schabüi- »ieren konnte», als Schreiben angerechnel. Ich sand das sehr genügsam." Bei uns würde man solche Leute Analphabeleir nennen, und es steht außer jeden, Zweifel, daß 1870 auf deutscher Seite keine Analphabeten im Felde standen Aber Hensel teilt noch einen anderen Beweis mangelnder Volksbildung der Franzosen »nt. Im Arbeitszimmer seines Wirtes in Laany, eines Architekten, fiel ihm ein Plakat an der Wand auf, auf dem Zahlenkolonneir sichtbar waren, und das sich als — das kleine Einmaleins herausstellte, und auf Hensels verwunderte Frage, was er damit mache, sagte der französische Architekt ganz treuherzig naiv : „Nun, man braucht doch oft solche Angaben — etwa dreimal fünf, und da ist es sehr bequem!" _
vüchertisch.
Die Kriegsausgabe des Weherschen Taschenbuches der Kriegsflotten, das geraume Zeit vergriffen war, ist "soeben im Verlage von I. F. Lehmann in München erschienen. (Preis .4.50 Mk.) Vor 4 Tagen erfolgte die Druckerlaubnis vom Reichsniarineamt und sofort begannen 14 Schnellpressen mit dem Druck des Werkes. Heute liegt es bereits gebunden vor. Die Kriegsausgabe enthält genaue Angaben und Abbildungen von sämtlichen Scklifsen unserer Gegner und der Neutralen. Geschwindigkeit, Bestückung, Panzerung, Mannschaften, Torpedos, Tiefgang, Länge, Dampfstrecke, Kohlenvorrat, Zahl der Schraube», alles ist bei jedem einzelnen Schiß aufs genaueste angegeben. Die Flotten des Deutschen Reiches und von Oesterreich mußten in dieser Ausgabe auf Befehl des Reichsmarineamtes aus naheliegenden Gründe» wegbleibeu. Für die deutsche und österreichische Flotte bildet das Buch aber auch in dieser Form einen kostbaren Berater, schildert es doch die Stärke und Gesechtskrast unserer Gegner bis in die kleinste Einzelheit. Viele Tausende von Flottensreunden warte» mit Sehnsucht nach den, altbewährten Berater, der bis Ende August alle Veränderungen im Bestand der fremden Flotten ausweist.
— Für die Verfolgung der Kämpfe an der dentsch-österreichisch-russischen Grenze ist wieder eine neue Freytagsche Karte von der Kartogr. Anstalt G. Freytag u.Berndt, Ges. m.b. H., Wien VII, Sehottenseldgas e 62, herausge- gebeu worden, die ihrer Anlage nach geeignet ist, für die Treuer bei Krieges ein gutes Orientierungsmittel zu bieten G. Freytags Karte der westrussischen Kriegsschauplätze, 1:2 Millionen. 71:100 Zentimeter groß, Preis 2.40 Kr. — 2 Mk., reicht von Stockholm und St. Petersburg im Norden bis Belgrad—Bukarest—Sewastopol im Süden, von der oent<ch-rchsisck«.'ni Grenze imWesti'n bis Moskau Charkow im Osten, enthält somit das ganze Gebiet, soweit es für die Kriegsereignisse in Betracht kommen kann.
Tauschrätsel.
Esche — Hand — Rad — Sichel — Puder — Zopf — Dachs — Ubr — Segen — Prunk — Hah» —
Alm — Rest — Jabel.
Die Anlangsbnchstabe» vorstehender Wörter sind mit anderen Buchstabe» derart zu vertausche», daß nia» ebensoviele neue Wörter erhält, deren Aniangsbuchstabe» den Namen eines Komponisten ergeben. Auflösung i» nächster Nummer.
Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummerr Ueber ein Kleines, o zürnender Freund,
Scheidet der Tod, die noch heute vereint.
Gib mir die Hand, eb’ der Abend vergeht, lieber ei» Kleines — so ist es zu spät. Gerok.
Redaktion: Ang. G o e tj. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersttäts-Bnch- und Sleindruckerei, R. Lange, Gieße,u


