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wirtschastuna btr Ländereien Tttieten. Natürlich taten das di« alten Herren nicht, sondern gingen nach ÄariS und anderen Orten> in denen eS sich aut leben läßt > freuten sich klier ihres Dasein-, des gefundenen Geldes. Und auch die mrter ihnen, die nach dent neuen System arbeiten und das von ihren Vätern Ererbt« vereidigen »rollten, kamen damit nicht »urecht. Ihnen fehlt« ein- ach der Zusammenklang zwischen Lerstuna und Entschäbigrmg. staun hieuen auch die Bauern, wenigstens gleich nach der Be- rriung — Beute ist es ia etwa-, aber nicht viel besser damit ge- pvrden — herzlich »venia vom Händerühren, sprachen immer Nur von Freiheir, meinten, daß di« im Nichtstuen bestehe. Do kam «s zum Unvermeidlichen, da sich die Güter plötzlich aus einer reichen Einnahme dringende, in eine Zuschüsse fordernde Anlage verwanden halten. Man leat« sich daher fast gezwungener Matzen “ ' die Wälder ab, verlauste die Ernte auf
us Raubivirtschast,
fahre hinaus ans dem Halm, nahm Gelder zn den wildesten Bedingungen, war aber einfach überglücklich, wenn Gott einem di« nade erwieS und .trgerrd »emanden schickt», der die Scholl«
. elnetwegen für ein Butterbrot erwarb, nur überhaupt abnahm. Dadurch ist beute der Stand das Landadels so aut wie verschwunden.
Rußland hat keinen Mittelstand. Erst jetzt, aber nur so ganz nach und nach sängt ein solcher an, sich zu entwickeln. Doch bis der eS überhaupt zu einiger Bedeutung gebracht hat, wird noch viel Zeit vergehen. Gewiß gibt es in Rußland genügend Handelstreibende, Lehrer, Geistliche und akademisch gebildete Leute, aber inan kann sie nicht als Mittelstand bezeichnen. Zufallerscher- ungcii sind cs, dein Eleird durch einen glücklichen Umstand für )re Person entrönne»», aber ihre Kinder oder doch spätere Nach- minen meist wieder dorthin zurücksendend. ES fehlt eben an der rch Generationen vererbten gewissen Wohlhabenheit der Famt- en. Enorm reich und bettelarm, ja das gibt es vollauf, aber! s Zwischenglied fehlt. Dies Manko findet seine Erklärung darin, 6 Ofiiftersrock und Beamtenmütze bis ungefähr vor 50 Jahren dem Adel fast ausschltetzlich Vorbehalten waren, das Studium aus den wenigen vorbandeilen Hochschulen sogar noch allerhand Beschränkungen in der Zulchsung rmterlag, die Zahl der Schulen »ichenr ein« verschwindend kleine war, und diese Schulen nicht ein, snal allen zugänglich gemacht wurden, daß als Handwerker sich Meist Leibeigene betätigten, die durch ihre billige Arbeit alles Unrerboten. Die dem Gutsbesitzer mit Körper und Seele Gelängen, arbeiteten doch nicht nur im Felde oder Walde, sondern ogen in die Stadt, ergriffen dort einen Beruf, zahlten für diesen ‘ etheitsurlanb ihrem Herrn Abgaben, oder er beteiligte sich am ewrnn.
Durch das Fehlen des Adels und des Mittelstandes mangelt es also in Rußland schon von Harisc aus an dem Boden, der in allen änderen Staaten vorzugsweise Offiziere hervorbringt. Dazu geschieht oder geschah wenigstens auch von der Regierung nichts, um vre Liebe zum Wasfenhandwerk bei den aus vermögendem und angesebenem Hause stammenden jungen Leuten zu wecken. Im Gegenteil, sie wurden eher noch zurückgeschreckt. Der Vater des jetzigen Zaren, Alexander III, liebte die Armee durchaus nicht,
B leich sie doch die Stütz« jedes und vielleicht gerade besonders russischen Thrones bildet. Er nahm den Regimentern, die sich ser geschlagen, stolze Namen getragen hatten, die Uniform. Zu Dragonern, also berittener Infanterie, machte er die ganzen Husaren und Ulanen der Armee. Statt der Wafsenröck« mtt den Knopfe», den gold-- und filberprunkcnden Schnüren, verlieh er ihnen so eine Art Mehlsäcke, die mit Haken und Oesen verschließbar waren. Natürlich ist das schließlich nur eine Aeußcrlichkeit, die übrigens jetzt wieder rückgängig gemacht ist, aber unser ganzes Leben besteht doch vielsach mehr aus Form als aus Kern. Zudem hat man in Rußland, wie ja überall, eine feine Nase für den! Wind, der vom Hose »veht. Es gehört« also bald zum guiein! Ton, ans die Ossizicre so etwas herabzublicken; Beamte und zwar kleine, da schlecht bezahlte, und nicht den Stolz, die Blüte der Nation in ihnen zu »'ehen. ?luch den Erlaß kann man kaum als sehr angetan zur Hebung des Ansehens des Ossizierstandes bezeichnen, der vorschreibt, das jeder Einjährige, nachdem er seine Zeit abgedient, Reservcleutnant werden muß und nach Bestehung der hierzu vorgcschriebenen Prüfung — bei der übrigens keiner durchfällt — besördert wird. Nun sind ja die Einjährigen gewiß brave, tüchtige Leute, da sie so lange die Schule besucht und schließlich ihr Abgangsexamen dort abgelegt haben. Aber daß nun diese doch sehr verschiedenen Gesellschaftsklassen entstammenden, in mancherlei Ansichten und Umgebung groß gewordenen Jünglinge, all die moralischen Eigenschaften zum Reserveleutnant in sich tragen sollen, erscheint doch recht fraglich. Dem sich sehr fühlbar machenden Mangel an Ossizieken sollte dies Gesetz abhelfen. Gewiß, mehr Leute hat eS gesckßifieii, di« das goldene Achselstück tragen. Mör Wert aus diese Würde legt keiner der Inhaber, erwähnt eS sogar nie. Höchstens wenn ihn sein Weg ins Ausland führt und er die Verhältnisse dort kennt, prankt das „Leutnant! der Reserve" stolz ans der Visitenkarte.
Aber nicht nur das Ansehen der Offiziere wird geschmälert, sondern m(m gestaltet auch ihr Leben recht unangenehm. Ta sind besonders di« entsetzlichen Garnisonen, vor allen Dingen die der Kavallerie. Diese Truppenteile werden, soweit sie nicht zur Garde gehören, in kleinen Nestern auf dem .Lande nntergehracht, und »war aus einer falschen Sparsamlcit heraus. Tgs Futter für die Pferde, die Stallungen sind hier billiger als i» den großes
gber, wie sich die Offiziere in dieser ent- findeii, bte sedes Verkehrs, jeder Wro-
Städten. Dem Uinstande
setzlichen Umgehung «um.,.,....*...... ^ .w«
B man gut, nicht den geringsten Komfort bietet, wird st Gewicht betaemeslen. Einfach der Standpunkt gilt, Die Leute erhalten ja bcksür, daß ji« dienen, Gehalt. Daß man ernel höhere LebenLaufgahe im Tragen des bunten RocheS erblickt, wird also, »nrd ^war von oben herab, unteMaben. Da ist es selbstverständlich kein Wunder, daß auch die Offiziere ihren Berns dementsprechend ansehen und achten, daß-sie ihn nur als Brotstelle de» rächten.
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tet, also wenig verlockende " )er nicht leicht gernacht, en, die aber schon als Kirche r en, »otrd es verhältnismäßig
find, ist der Werdegang xun akti Rur den Zöglingen der Milttärf»
in dies« Anstalten efirtreteu mi. ... _____ ... _________
bequemer, denn sie erhalten, »venigstens Unmittelbar nach Bestehen der Prüfung, das Patent. Nun ist ies aber wirklick) nicht jedermauns Sach«, besonders wenn er über Mittet verfügt, seinen Soh» eine Distali zu tun, die den Jimgei» der Familie ortzieht, ihn zudem — so heißt es wenigstens allgemein — manche Schlechtigkeit durch die Kameraden lernen läßt. Hingegen ist das Ergreifen der Offizierslaufbahn für den Einjährigen sehr schrver. Der in!»»« zuerst sechs Monate oder ein Jahr beim Regiment bleiben, dann nach bestandener Prüfling in die Juirkerschule eintreten, hier zwei Jahre lernen, an Wissenschaften zwar nicht Übermäßig viel,
gossen uird was solck er auch das glückltc sondern muß noch e Militärs herumlaufen.
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nur vorgeschriebe»»«, und natür'.^., aus der Straße nicht rauchen, in der fahren ustv.
n Scherze noch mehr fo (ft «r nicht gleis. ,,. .
t dem Grad« eines Ukfte» dieser Jett im Theater nicht die kchisn Plätze beimb« senbahn nur dritter Klaff
Nun find auch die Maßregeln getroffen, um den Geist des Ossh- zierkorps zu beben, also das, was mutwillig zerstört wurde, »oieder
g zu wecken. Da hat »rrai» das Duell eingeführr. Nehmen wir den Fall, daß sich zwei Offiziere und zwar ganz gründlich in dt« Haare geraten, daß schioere Beleidigungen erfolgen. Ein EhrelN- ht ist bgnn der nächste Schritt, jbaS bestimmt» los geh»;! wirb die Polizei benachrichtigt. Di« weist einen Platz t tfm ab, daß Müßige keinen Zutritt haben. Das T . Meist geben die Kugeln vorbei. Nehmen wir aber ben glücklichen Zufall, eine trifft. Straffreiheit, da durch Ehrengertc' beschluß geschehen, auf der ganzen Linie. Auch die Erhebung in den Adejstand hat man mit der Ernennung zum Offizier ve»> birnden. Jeder, der Leutnant »vird, erhält Herr persömichen Ab«!, und bringt er es über den Hautzlmann, dam» blüht ihm, ob! Freude, der erbliche. Sogar nur ein Billett III. muß der Offizier bezahlen, und darf damit II. Klasse auf der Bahn sahveNI Natürlich sind alle dies« Mätzchen — als das »verden sie auch in Rutzland enrpftinden — nicht dazu angetan, den Geist sm Offizierkorps zu yebm. Man spottet d«r Versuche und meidet den bunten Rack, greift »mr nach ihm, wenn sich wirklich nichts Besseres findet. Und jetzt »um soll dieses Heer, das von Offizieren angeführt wird, deren Einsehen die Reaierimg aus alle Art herabgesetzt uird untergraben hat, Schlachten schlagen, getviimen! Dreneste Pflichterfüllung, vollste Selbstaufopferung verlangt Man von dm Leuten, denen der ganze Dienst bisher >»mr eine Notbrotstelle war,
Die Entstehung unserer Infanterie.
Auch in den neuesten Kriegen ist die Infanterie stets di« HauM- wasse genwsei», durch die die eigentliche Entscheidung erkämpft »vurde. Die Schöpfung dieses gewaltigen Schlachtmittels ist eine Tat der germanischen Kultur, die sich damit in der neueren Kriegsgeschichte dre erste Stelle errungen hat. Ein vortresflicher Kenner der MWtifi!- wtssenschaften, Dr. Martin Hobohm, hat in einem Aufsatz der Deutschen Rundschau diese durch die Schweizer begrüirdete, durch die Holländer fortgesührte und durch die Preußen vollendete Reform des Heerwesens eine „nwlthistorische Leistung der germanischen Völker" genannt. Im Mittelalter entschied der schwergepanzert, Ritter die Schlachten, ein vorzüglicher Einzelkämpser, der sich um das Ganze nicht kümmerte, sondern sich seinen Gegner höcbst persönlich heraussuchte und den Streit Mann gegen Mann mit ihm aus- ficht. Lange halte diese stolze Erscheinung aus den Malstätten Europas triumphiert; da gruv die Schlacht bei Lauven (1839) der» Rittertum sejn Grab. Der Ansturm der Reiter scheiterte an de« Gevierthaufen der Schtoeizer, deren lange Spieße sich >me die Stacheln eines Igels den Rittern .entgegenstreckten Und sie zut Flucht zwangen. Mit diesem Auftreten der Schweizer begann eine entscheidende Wendung .in der Geschichte der Kriegskunst. Nicht von den römischen Legionen, nicht von den fimgen Sveeren det Mazedonier, die im Altertum bereits Aehnliches geleistet, haften die behenden Söhne des Gebirges gelernt. Bon den kriegerischen Sitten der alten Germanen Aing ihre Entlvicklung aus, Uich baß Auftreten der Infanterie war ein« völlige Neuschöpfung aus deiil tapferen Geist rmseres Boskes. In den abgelegenen Tälern des Vierwaldstätter Sees hatten sich noch ein paar von den alemannische» Hundertschasten der Urzeft erhalten, u»»d die fast 1000jährige


