— 492 —
Was Wunder, daß sie nicht den Wunsch haben, in Europa zu vleiben, und der Dichter gewiß aus alter Herze» spricht: „Schafft mich östlich nur von Suez, alles andre ist mir Wurst, Wo die 10 Gebote nichts gelten und ein Mann sich holt
'nen Durst",
zunial das Bedürfnis, „seine:, Durst zu stillen", b. h die Trunksucht, nicht nur englisches Nationattaster, sondern insbesondere das seines Heeres ist.
Zu dieser aus den niedersten Volksschichten hervorge- aangenen Soldateska gesellt sich so mancher Mutter Sohn aus gutem Hause, der sein Geld verspielt oder verludert und nichts gelernt hat, um sich eine Existenz auf bürgerlicher Basis zu gründen.
So hat das englische Heer einen der französischen Fremdenlegion verwandten Charakter. Kipling nennt es auch „Die Legion Verlorener, die Kohorte, die verflucht ist/', und er läßt einen solchen armen Teufel aus gutem! Hause, der als gemeiner Soldat Dienst tun muß, den traurigen Refrain anstimmen:
, Wir sind arme kleine Lämmer, und kein Stall in der Näh', Wir sind schwarze Schafe, verirrt im Schnee,
Gemeine Soldaten aus vornehmem Haus,
Fuhren zur Hölle in Saus und in Braus,
Gott, Hab' Erbarmen und hilf uns heraus."
Die Munition und ihr Ersatz im §elde.
Eine Truppe, deren Schießbedars im Gefechte sich erschöpft, ist nicht nur nicht mehr »um Angriff und demnach zum Srsolge fähig, sie wird wehrlos und ist dem Verderben, der Vernichtung durch den Feind vreisgegeben. Die Jnsanterie und die Kavallerie befördern den Schießbedars teils am Körper, teils wird er ihnen in besonderen Wagen, auch in Kolonnen zusammengefügt, nach- aesiihrt. Die Artillerie sördert einen Teil deS Schießbedarfes mit ihrer Masse zugleich, aber auch für sie bestehen besondere Forma- twnen, die d,c Munition enthalten und sie für die Truppe bereit stellen sollen. Der Munitionsersaß für die kämpfende Truppe ist eine der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben der Kriegführung. Es bat sich diese Schwierigkeit mit der Einführung det schnell- schiegeiwen Waffen sehr gesteigert, und es gehört zu den niemals schwindenden Sorgen der Führer aller Grade, mit der vorhandenen und im Gefechte erreichbaren Munition so hauszuhalten, daß ein „Verschießen" der kämpfenden Truppen nicht eintrete, lieber den Munmonsersatz bei der Jnsanterie sind die Zahlen dir vorhandenen Patronen in keiner Armee bekannt. Man weiß nup, daß der Mann teils in den Patronentaschen, teils i» eigenen kleinen Behältnissen, im Tornister und in den Taschen der Bekleidungsstücke so viel Patronen bei sich hat, als es nur möglich ist, ohne ihn übermäßig zu belasten. Die Hauptmunition stihren die Patronenwagen, die zum Gesechtsterrain der Truppe gehören und ihr unmittelbar bis zur Entwicklung in die Feuerlinte durch jedes Terrain zu folgen vermögen. Vor dem Gefechte werden gewöhnlich die Patronenwagen entleert und deren Inhalt an die Mannschaften verteilt. Diese sollen sie dann in Brotbeuteln, Rock- und Hofen- taschen unterbringen und ebenso die im Tornister mitgcfübrte Munition aus diesen herausnehmen. In der Verteidigung legt man die Patronen in die Schützengräben bereit und macht für sie durch kurze Erdarbeiten in einzelnen Abschnitte» kleine Erdnischen zurecht. Jede Abteilung, die nach vorwärts in die Feuerlinie einrückt, bringt frische Patronen mit. Die einzelnen Mteilungcn verständigen sich in der Feuerlinie darüber, ob ctloa bei einer Mangel an Munition eingetreten ist. In solchen Fällen findet ein Ausgleich der Muni- tionsvorräte innerhalb der Feucrlinic statt. Die gefüllten Patronenwage, r einer jeden Konipagnie solle» möglichst nahe hinter die fechtende Truppe zu gelangen trachten, sie nehmen dort gedeckte Ausstellung. Wenn aber eine Deckung nicht zu erzielen ist, so müssen die Patronenwagen ohne jede Rücksicht aus etwaige Verluste an die Truppe Herangehen. Denn die Hauptsache ist ja, daß die Feuer- ltnie ihre dringend erforderliche Nahrung finde und jederzeit mit Patronen in ausreichendem Maße versorgt sei. Jeder Kompagnie- Patronenwagen muß auch auf Verlangen anderen als der eigenen Abteilung Patronen verabfolgen; ihm folgen in angemessenen Ent- sernungen Jnfanterie-Munitionskoloiincn, die durch die höhere Führung dirigiert und in Marsch gesetzt werden. Ein großer Verbraucher an Munition im modernen Kriege sind die Maschinen-» Gewehre geworden Ihre Ausgabe ist, die unmittelbare Unterstützung des Feuerkanipses der Infanterie. Sie werde» daher beim Gefecht zunächst nur zum Kamps bereit gestellt, und ihr Einsatz erfolgt erst auf Befehl des^Truppe,Führers, dem sie, wie die ganze Gefecht vorhandene Summe der Streitkräste, unterstellt sind. Wohl stihren die Maschinengewehre keine lang dauernden Feuerkamp,e, den,, sie sollen nur entscheidende Momente ausnntzen, aber eben tu diesen Zertabschnitte» verschießen sie sehr viel Munition.
So muß denn die Truppe,rsührung im heutigen Kriege auch für das Vorhandensein und rechtzeitige Heranführen dieses Schieß- bedarses ausreichende Sorge tragen. Jeder Artillerieführer ist dazu verpflichtet, dauernd für die Regelung des Munitionsersatzes z» lorgen^ Der Bedarf an Munition wird in erster Linie aus den sog. „Stafieln", zunächst aus den leichten Munitionskolonnen entnommen. Da die Protzen der Geschütze und die mitgesührtc» Mu- nitiouswageii der Staffel gewöhnlich in Deckung „ach rückwärts gebracht werden, so muß bei der Einnahme einer Feuerstellung vorher die Munition aus den Geschützprotzen teilweise oder ganz entleert, aus den Munition^wageuprotze» aber immer herausgenommen werden. Für die Kavallerie kommt Munition nur im Gefecht zu Fuß in Betracht. Auch sie führt Munition bei sich. Bei allen Waffen aber zeigt sich nach de» Erfahrungen der letzten Kriege trotz aller sorgsamer Aufmerksamkeit immer wieder die Notwendigkeit, daß die Truppen im Besitze reichhaltig bemessener und vorhandener Munition davor bewahrt werden müssen, mit diesem kostbaren Gute etwa Verschwendung zu treiben. Es ist Sache der Führer, auf Grund der schon im Frieden eingeübten Feuerdiszi- vlin die Truppe vor der Katastrophe des Verschießens zu bewahren. Frerlich muß dabei der Gemütszustand der schießenden Truppen rn Betracht gezogen werden, weil ja die Nervosität in der Feuer- lrnie manchen Schützen dazn verleiten könnte, zwecklos und zu viel zu schießen. Diesen Ucbclstände» zu begegnen ist Pflicht der Unter» fitover, die ihre Leute gerade in solchen entscheidenden Monieuten fest in der Hand haben müssen.
vermischte».
. ^^.?"iesse, die Jahrhunderte dauern. Vom alten Reichsgericht in Wetzlar hat man uns erzählt, daß dort Prozesse jahrhundertelang geführt wurden Aber auch noch rn neuerer Zeit, da der Schlendrian des heiligen römischen Reichs deutscher Nation längst versunken ist, haben Prozesse länger als ein halbes Jahrtausend gedauert. Ein solcher Streitfall war der zwischen den Grasen von Revers und einigen Einwohnern von Donzp. Der Prozeß begann im Jahre 1210 und wurde erst 184« endgültig entschieden, hat also 638 Jahre geschwebt. Merkwürdiger- tveise ganz die gleich« Zestjpaun: nahm >in anderer Prozeß in Anspruch, den die Bürger von Campan und Bagneres miteinander auSsochten. Er begann im Jahre 1294 und das Urteil wurde erst im Jahre 1892 gesprochen. Das kleine Oertchen Campan ist überhaupt ei» „Prozeßhansl" gewesen, denn es führte noch einen anderen Prozeß, der ebenfalls viele Jahrhunderte dauerte, an dessen Durchfecht,rng zahlreiche Rechtsanwälte ihr ganzes Leben lang arbeiteten und bei den, die Parteien unendlich viel mehr Geld verloren, als die Sache ihnen einbrachte. Bei den russischen Gerichten schwebt iwch jetzt ein Prozeß, der seit mehr als fü»s Jahrhunderten zwischen einem hoben Adelige,, und Burgeni des Ortes Kamictz Podolzk wegen Grenzstreitigkeitcn geführt toird. Ein Alter von 200 Jahren erreichte ein Prozeß, der um dir Hinterlassenschaft des ungarischen Bischofs Demetra geführt wurde. Der hohe Geistliche hintcrließ seiner Familie gewaltige Besitzungen, aber bei seinem Tode in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren die Güter von Türken überflutet, und es dauert« längere Zeit, bevor die politischen Verhältnisse soweit geklärt waren, daß Ansprüche daraus erhoben ,Verden konnten Unterdessen war die Zahl der Erbberechtigten auf tausend angeivachsen, und da sich diese im Jahre 1768 nicht einigen konnten, kam es zu einem Prozeß, ber erst 1890 entschieden wurde. Damals erhielt jeder der „glücklichen Erben" 20 Mark. Den iveitaus größten Teil der Erbschaft, die ursprünglich vier Millionen wert ivar, hatten diaProzeßkosten nuh die Rvchtsanwalthonorare verstchlungeln.,
* Irre geworden. Richter: „Also wollen Sie gestehen, daß Sie das Fahrrad gestohlen haben?" Angeklagter: „Nciir, nach dem. Ums der Verteidiger sagte, glaube ich nicht, daß ich es gewesen bin!" __
Rösselsprung.
f
et» | jiir
vergeht
schei so
dl-
mir
heute
abend srennd
kleines
«in I di«
vereint
ist
tob
o 1 über
neu
eh' det
zu
noch
gib
der 1 der
kleines
1
spät ] über
Hand
der
es
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösniig des Zitatenrälfels tu letzter Nu,inner t Nicht mit zu hasse», »ist zu lieben bin ich da.
Redaktion : Aug. G o e tz. — Rolattonsdriick »nd Verlag der Bri'chl'sche» Uinversiläts-Buch- und Stemdruckeret, R. Lange, Gieße».


