Ausgabe 
17.9.1914
 
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Ket letzten Tag« »u einer grimmigen Kälte gesteigert^Von dem Wunsche getrieben, so bald alS möglich wieder auf Kletn- Ellbach »u fein, beeilt« sie sich, ihre Besorgungen zu machen. Aber als Ne dann in das Hotel zurückkehrt«, wo der Bards- lebensche Kut eher auSzuspannen pflegt«, teilte ihr der Mann mit, daß er den Pferoen notwendig noch Ruhe gönnen müsse, und dag darum vor Avlaus einer Stunde kaum an die Heim- tzqh-rt zu denken sei. _ (Fortsetzung folgt.)

Artilleristische Ueberraschungen im Arlege.

Zu den größten und furchtbarsten Ueberraschungen, di« unfern so selbstgewissen Feinden in diesem Kriege bereitet! erden, gehört die ungeheure Wucht und Wirkung unserer «schütze, und besonders haben die neuen Kruppschen Be« aaerungs-Mörser sich als würdige Nachfolger jenesGe- chleckts der Mauerbrecher" erwiesen, das zu Anfang des i». Jahrhunderts den deutschen Waffen so großen Ruhm verlieh In dem ewigen Wettlauf zwischen Befestigungskunst und Belagerungsgeschütz bat unsere Artillerie augenschein­lich einen gewaltigen Vorsprung gewonnen: die als unein­nehmbar gepriesenen Wunder der neuesten Festungen werden wertlos vor der ehernen Macht dieser Kanonen, und wieder einmal wirft eine kühne artilleristische Neuerung alle Be- echnungen und Hoffnungeil über den Hausen. Das ist öfters i geivesen im Altertum, Mittelalter und Neuzeit. Schon die riegsmaschtnen der alten Babylonier triumphierten über este Mauern und hohe Türme, und die Kunst der Kinder ' iraels, die bereits unter König llsia Maschinen hattenzu aeßen mit Pfeilen und großen Steinen", mußte vpr den avylonischen Geschützen verblassen. Die Griechen und Römer Karten dann wesentliche Neuerungen in dieser Hinsicht ein, und zwar war es, wie neuere Untersuchungen erwiesen haben, da« mechanische Prinzip der Torsionselastizität, das sic zum Schrecken ihrer Feinde zur Anwendung brachten. Die ein­fachste Ausnutzung dieser Methode waren die Schleuderma­schinen mit einem oder mehreren Hebeln, die der Lagerwitz Onager", d. h. Waldesel, nannte. Wie dies Tier nach der Sage mit seinen Hufen große Steine gegen seine Vev- folger schleudern sollte, so warfen diese Geschütz« Steinkugeln Von ^ Pfund 300 und mehr Meter weit. Man hat in neue­st zum wissenschaftlichen Studium einen solchen alt­en ,, Waldesel" rekonstruiert und z. B. festgestellt, daß . 88 Zentimeter lange Pfeil« bis zu mehr als halber durch einen 3 Zentimeter starken, «isenbeschlagenen «schleudert werben. Mit dieser ihrer antiken Artille­rie, zu der die merkwürdigsten und wunderlich aeformtesten Apparate gehörten, haben dl« Römer in allen Teilen der Welt den Trotz hervopragender Festungen gebrochen, und schon das Auffahren ihr«s GeschÜtzparkeS genügt« bisweilen, um die BelagLrten zur Ergebung zu zwingen. Im Mittelalter ging diese Technik verloren. Anstelle der TorsionSelastizität trat nun die Ausnutzung des Gegengewichts, durch die nur recht lumpe Maschinen konstruiert werden konnten. Aber der e» indcrische Menschengeist drohte auch damals bereits mit urchtbareren Schrecken. Eine der schlimmsten Ueberra- 1 chungcn, di« die Kriegsgeschichte kennt, haben die Bvzan- tiner den Riesenflotten der Araber bereitet, die als das see­beherrschende Volk im 9. und 10. Jahrhundert vor Konstan- tinopel erschienen. Mehrere Flotten wurden in langjährigen Kämpfen durch eine neue eigenartige Angrissswafse vernicki« tet, durch das sog. griechische Feuer. Ein Gemisch von Pech, Erdöl, Schwefel und Salpeter wurde unter Donner und feurigem Rauch aus metallenen Rohren auf bi« Feinde geschleudert und so alles in Brand gesetzt. Man hat mit Recht in diesem griechischen Feuer den Vorläufer des Schieß­pulvers gesehen. Als aber die Entdeckung des deutschen Mönchs der Menschheit wirklich eine neue Waffe in die Hand gab, da wußte man sie durch Jahrhunderte noch nicht zu nutzen. Die schwerfälligen Kriegsmaschinen blieben weiter im Gebrauch, denn bei den mit Pulver geladenen Kanonen fürchtete man zuerst mehr das Geräusch als die Wirkung. Selbst die bronzenen Geschütze des 15. Jahrhunderts haben noch nicht viel Schaden angerichtet, und auch was von der faulen Grete" auf märkischem Boden gefabelt wird, hat per wissenschaftlichen Forschung nicht Stand gehalten. Nur selten gelang eS damals, mit dem Geschütz eine so breite Bresche zu schießen, daß der Sturm durch sie gewagt werden könnt«. Erst zu Anfang des 16. Jahrhunderts trat der große Umschwung ein. Als die Riesenmauern der Feste Landstuhl unter dem Feuer der Kanonen in Trümmer sanken und den

letzten großen Vertreter d«s Rittertums, den edlen Franz von Sickingen, unter sich begruben, da war wieder einmal «ine große Ueberraschung in der Kriegsgeschichte gelungen.. Die festesten Mauern hielten nun dem Geschütz nicht mehr Stand: man mußte sie durch angeschüttete Erd« verstärken! und ging so zu Wällen und Bastionen Über, die eine ganz neue Methode der Befestigungskunst beraufsührten. Seitden^ tobt der Kampf zwischen Kanone und Festung bis auf den heutigen Tna, und gleich zu Anfang traten als die gefähv- lichsteu Feinoe der neuen Befestigungen die M o r s e r hervor, efne Erfindung des Beit Wolf v. Senfftenherg 1570, dir «tn Jahrhundert Alleinbesitz der deutschen Artillerie war, Sie mögen wohl der Welt Schrecken genannt werden," schreibt Senfftenbera von ihnen,denn damit gibt man allem schweren Geschütz Urlaub. Und kann mit Worten ntt beschrieben noch ausgesprochen werden die Nutzbarkeiten, so. darinnen verborgen liegen". Von Ludwig XIV. weiter aus- gebildet, wurden sie dann besonders zum Bombenwurf be- nutzt, wobei die Geschpsse die starken Decken der Blockhäuser; uhd Kasematten durchschlugen und durch ihre Sprengladung

W irkten. Eine Weitersubrung des Gedankens war die Bom- e n k a n o n e, die der französische General Pairhans erfand und die den Heeren Napoleons so manchen Vorteil verschaffte. Schon Friedrich der Große hatte auf ein brauchbares Feld­geschütz großen Wert gelegt und jene von seinen Feinden so gefürchtetenBrummer" verwendet, schwere Zwölfpfün- der, die sich in der Schlacht bei Leuthen besonders bewahrten. Eine artilleristische Ueberraschung, mit der die Engländer! zuerst aufwarteten, war die von dem Kapitän Congreve zu», erst 1804 zu einer brauchbaren Waffe auSgestaltete Kriegs­rakete, mit der die englischen Schiffe 1806 Boulogne und 1607 Kopenhagen mörderisch beschossen. Während die fran-

» en Mitrailleusen 1870 versagten, hat die Firma Krupp nfang an für wirksame Ueberraschungen unserer Feinds gesorgt. Die 1861 zuerst in Preußen einaeführten Hinter­ladungsgeschütze bewährten sich 1864 vortrefflich gegen: die Düppeler Schanzen, sowie 1866 das Zündnadelgewehp zu den Erfolgen gegen die Oesterreicher wesentlich beitrugt Krupp hat auch schon 1870 ein Ballongeschütz konstru­iert, das gegen die aus dem belagerten Paris entsandten Ballons verwendet wurde und als ältester Versuch der Art in unserer Zeit des Luftkrieges bedeutsam bleibt.

Tom Attins.

Durch unseren Sieg über englische Kavallerie ist es sichergestellt, daß England sich verpflichtet hat, ein Larcd- Heer Frankreich zu Hilfe zu senden. Man weiß von beul englischen Soldaten, schlechthinTom Atkins" genannt tn England selbst sehr wenig. Das englische Heer kampsr auf fernen Schauplätzen,bald nahe am Pol, bald in tro­pischer Sonne . England hat niemals das Bedürfnis emp- ftlnden, ein stehendes Heer zum Schutz der heimatlichen: Insel zu halten. Daher ist England die einzige der euro­päischen Großmächte, bei der die allgemeine Wehrpflicht Nicht eingestthrt ist. Die Soldaten werden nur auf eine bestimmte Reihe von Jahren angeworben, und zwar für einen Sold, der nicht groß genug ist, um heimische, gut bezahlte Arbeiter oder Handwerker anzulocken. Dagegen ist die Aussicht, in fremdem Lande ein Abenteurerleben- wenn auch in strenger Militärdisziplin, zu führen, ver­lockend für all« Arten von Menschen in ungesicherter bür­gerlicher Stellung, für alle Subjekte, die mit Polizei und Gerichten in Konflikt geraten sind, oder ihrer Charakter­anlage wegen in solche Konflikte zu geraten fürchten. DaS englische Heer zieht Leute an, wie sie zu allen Zeiten in Söldnerheeren mitMannhaftigkeit undTovesverachtnng,aber ohne Begeisterung für eine große Sache und ohne Liebe zu ber Fahne, unter der sie stehen, gekämpft haben. Für die Witwe in Windsor", wie Kipling die Königin nennt, Ar deren Ehre in England über 50 Jahre die Nationalhymne fli:God save the queen" abgeändert war, haben diesg Soldaten in allen Weltteilen gefochten. Mit StoL läßt der imperialistischste englische Dichter in seinenSoldaten­liedern" ben Trotz singen:

Einen Streit mit der Witloe von Windsor Hat mancher sich gut überlegt,

Tenn ihr Vorpostenstand ist zur See und zu Land, - Wo man unsere Trommeln schlägt."

Mer der Refrain dieser Strophen lautet recht resigniert! Arme Teufel, wir sind's, die man schlägt,"