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Dös mär ajdwift." Der Herr bayerische Jägerosfizier- aspirant lach« über das ganze Gesicht,woher komm'st dann?" Von Schlesien."Von Schlesien?" Freilich, von Schlesien, echteste schlesische Laichwehr.Ja, do schaut's her, was machts dann ihr hierheroben?" Was sie machen sie rollen, rollen Tag »nd-Nacht, über Schwellen und Schienen, und niemand weiß wohin, niemand außer demgroßen Gehirn" des Volkes in Waffen, niemand außer den. Großen Generalstab und ein paarKommandierenden". Der bärtige Gefreite in hirichbcrg ist er sonst daheim senkt M Stimme und hebt den Zeigefinger.Selbst unser fctrr Major weiß nix." Und der Stolz, gemeinsam mit dem Herrn Major nichts zu tvissen, gibt der Stimme einen fast geheimnisvollen Klang vvu Stolz Ja, alle sind sic stolz, zu wissen, daß sie es nicht wissen. Alle erfüllt es mit einem rätselhasten Gefühl der Ge­borgenheit, in ihrer Gesamtheit aus einem Schachbrett Figuren zu sein, die niemand von uns übersiebt, selbst unser .Herr Major nicht, uich die doch mit magischer Gewißheit und Schnelle von einer nicht greifbaren Macht bewegt werden, alle fühlen sie die Macht, die keiner sieht. Mit schmunzelndem Augenzloinkern weist der Schlesier auf seine Schultern.Welches Regiment?" Ja, weiß Gott, alle Achsel­klappen sind verschwunden, spurlos verschwunden, in den Taschen, die sie erst loieder verlassen, wenn die ersten blutigen hammer­hiebe geschlagen sind. Und wie die mit frischen Birkenreisern hoch­zeitlich geschmückten Geschütze und Protzen auf den abgedeckten Güterwagen ihre Rcgimentsnummer hinter sorglich aufgeklcbtcn Papierstreifen verhüllen, haben die Offiziere ihre silbernen Achsel­stücke mit lveißem Seidenpapier umwunden.

Von Belgien muß der Bayer erzählen. Ob es tvahr sei? Ist das menschenmöglich! Diese Schweinebande! Ja, Herrgott, aus- häugen sollte niMi sie, oder einfach totschlagen. Und die Frauen davonjagen. Na ja, da sieht man's wieder. Kulturvolk" Und mit Bern-anderung hört man, wie geläufig das Wort Kultur diesen Männern vom SRiutbe geht, wie gerade, zielgewisse und gesunde, nnphilosophischc Begriffe, nein: Gefühle sie alle, alle mit diesem Worte verknüpfen.Pfui Delubel" sagen sie und aus so derber hülle leuchtet ein ethischer Instinkt, der in all seiner schönen Unbewußt­heil doch nur aus jenem Boden emporwachsen kann, den wir halt Kultur nennen. Schon vor der Waffen mörderischen Zwiesprach habe» wir einen Sieg errungen. Im Sturmwind einer furchtbaren, einer herrlichen Zeit fallen alle hüllen.Der da" sagt einer dieser Wehrniänner aus Schlesien und klopft seinem schweig amen Nach­bar auf die Schulter,hätte zu hause bleiben können, er ,hab's am Herzen, aber er hab's dem Stabsarzt nicht gesagt, er sagt, jetzt kann keiner daheim hocken." Und der Schweigsame zieht die Pfeife aus denx Mundwinkel, spuckt in die 'Nacht hinaus und nickt grim­mig.Sch^^nepack" sagt er,sie müssen's abkriege»."

Der so überzeugt ist, daß seine persönliche Mitwirkung beim Bölkerkrieg Europas unentbehrlich bleibt, damit das .Schweine­pack" esablriegt", läßt Weib und drei Kinder zurück. Aber als erriete er die Gedanken des stillen Zuschauers, spuckt er twch einmal in das Dunkel und sagt:Jetzt komml's auf keinen von uns an, solidem nur aus uns alle." Und die Nachbarn nicken schwer und hart: ja. aui uns alle.

Aus keinen von uns, sondern nur auf uns alle." In welcher Stärke ein ganzes Volk sich so aus einem übermächtigen Gefühle heraus zum Bewußtsein der höheren Gemeinschaft emporhvben kann das ist seine Kraft und das Zeichen seiner Kultur. Nicht Abenteurerdranq, nicht Rauslust verhängt diesen Männern den Blick aui das Schlachtfeld mit rosigen Nebeln. Furchtbar ist der Krieg, aber notwendig. Und mit schlagenden Herzen erlebt man es mit, loie hier Mann für Mann, nach bartem, stillem Sclbstkamvt vielleicht, Herr über sein Einzelschicksal wird, es entschlossen beiseite wirst und mit seinem ganzen Fühlen aufgeht tu zeirem höchsten, weitesten Empfinden, das da heißt: .wir, unser Volk, unser Reich, unser deutsches Reich.

Eintönig rasselt der Zug durch die Nacht. Mst der Kühle weht ein Duft von her; in diesen rollenden, menschengetüllten Leib aus holz und Brettern. Draußen wogen die Gipfel schwarzer Tannen unter den ewigen Sternen.

Die letzte Pteise erlischt und gähnend sucht der letzte Wachende mit dem Boden zwilchen verstreuten Menschenleibern und-leise klirrenden Tornistern einen Spalt, um die steifen Glieder zu strecken.Gute Nacht, Herr Kamerad." Und ehe der letzte ent­schlummert, hört man ihn leise summen:Morgenrot, Morgenrot,"

Und es kommt, das Morgenrot, sahl und zögernd, ringt mit den Morgennebeln und läßt die Tannen im Tan aufblitzen, als hätten eifrige Franenhände nächtlich den ganzen Forst mit Flitter­silber festlich geschmückt An die Lider rührt die tastende Helle mit leichieii Fingern und blinzelnd schlägst du die 'Augen ans Was ist? Rollt das da nicht hin über die Schienen? Klirrt da nicht das Schanzzeug gegen einen Feldkeffcl? Erst allmählich findet man sich ans nächtlicher Rast im Jenseits in die Gegenioort zurück, in diese Gegenwart» die da heißt: Krieg, Krieg, Krieg!

Kühl ist der Morgen, über Nacht ist die Frische in die Glieder gekrochen. Drunten an der Brücke, über die polternd die lange

Wagenreihe hinrauscht, steht eiu »oeißbärtiger alter Herr und »«acht, das Gewehr tu der Rechteu, getreu, daß wir sicher Hinrollen über

die steile Schlucht. Und da er uns steht, die wir fröstelnd die Arme recken und die Rockkragen emporschlagen, schwenkt er lachend seinen Schlapphut und präsentiert, alter Zeiten eingedenk, sein Gewehr.

Im Nu ist alles aus den Beine»Von Siebzig" ruft einernd plötzlich toirb diese Schar dreißigjähriger Männer zu einer Einlwit von Jünglingen. Empor ivirbeln die Arme und noch ist die Brücke nicht vorüber, da steigt cs als Morgeiigrnß schon empor aus des Wagens Enge, hinaus iu die Weste, daß der Wald aufhorcht: .Sieb Baterlaird, magst ruhig sein!"

Lieb Vaterland" wie vertraut, wie zärtlich fast Uingeu die Worte ^ Liebe Mutter, kannst ruhig sein tröstet nicht so der junge Sohn die besorgte Mittler, wenn er zum erstenmal hinaus- zicht, fort in die an Freuden und Tücken so reiche Welt? Lieb 'Vaterland, magst rubig sein. Schleuer singen es dir zn. hier im Süden sei ruhig, liebes Vaterlaich.

hat der weißbärtige Wächter dort unten, der Greis, der um seines lieben Vaterlandes Astlen die kalte feuchte Nacht am steilen Grashang staich und Ausschau hielt, cs noch vernommen? Seine Lippen bewegten sich, sein Muich öffnete sich zum frohen Zuruse, aber donnernde Räder und dröhnender Sang hatten alles, alles verschlungen, was er uiis zurief, alles, dies ganze reiche von Herzen kommende:Biel Glück. Herr Kamerad , , ."

Deutsche volkhymne.

Es hieße Wasser in den Rhein tragen, ivollke man heyte noch viele Worte über die begeisternde Wirkung des Gesanges verlieren, Nie aber tritt diese Wirkung so stark hervor als in einer Zeit voll hochgespannten patriotischen Gefühls lute der jetzigen. Wie begeisterten sich 1870 unsere Helden ant Gesang derWacht am Rhein". Roch uiehr aber berauschlen sich die Franzosenheere in der Zeit der großen Revolution an derMarseillaise", dem sranzösisck)en Nationallied, das unsereWacht am Rhein" durch seinen hinreiscnden Rhythmus übertrifft. Wir besitzen ein Lied, das nach Text sowohl als nach der Melodie eine ähnliche Wirkung auszuüben imstande ist. Es ist dies das wohl schon bekannte, aber noch nicht allgemein gesungene Lied:

1,O Deutschland hoch in Ehren, du heiliges Laub der Tr.-u. Stets leuchtet demes Ruhmes Glanz tn Oft und West aufs neu! Du stehst wie deine Berge fest gen Feindes 'Macht und Trug, Und wie des Adlers Flug vom Nest geht deines Geistes Flug. Haltet aus, lasset hoch das Banner iveh'n!

Zeiget ihm, zeigt dem Feind, wie wir treu zusammen stehn, Daß er unsre alte Kraft erprobt, wenn der Schlachtruf uns ent­haltet aus in Sturmgebraits! jgegentobl!

2, Gedenket eurer Böker, gedenket der großen Zeit.

Wo Deutschlands gutes Ritterschwerl gesiegt in jedem Streit! Das sind die alten Schwerter noch, das ist das deutsche her;;

Tie schlagt ihr nimmer ins Joch, sie dauern fest mir Erz! haltet aus, lasset hoch das Banner welsin!

Zeiget stolz, zeigt der Welt, daß wir treu zufammenstch'n.

Daß sich alte deutsche Kraft erprobt, ob uns Friede stralüt, ob haltet aus in SturmgebrauS! jKrieg umtobt!

3, Zum Herrn erhebt die Hände! Er schirm es immerdar. Das schöne Land vor jedem Feind! hock, steige deutscher Aar! Dem teuren Land,- Schirm und Schutz! Sei, deutscher Arm, bereit! Wir bieten jedem Feinde Trntz und scheuen keinen Streit! haltet aus, lasset hoch das Banner weh n'

Lasset uns, treu uud kühu, mit den ersten Völkern gehn!

Daß sich deurschei Geist voll Kraft erprobt, wenn das Ungewitler Haltet aus im Sturmgebraus! suns umtobt!

Möge dieses herrliche Lied nicht nur in den eisernen Bestand für unsere Schule» ausgenommen lverden, sondern möge es vor allem jetzt unsere Krieger zu herrlichen, Ruhmestaten und dauerndem Sieg entslammen!

Gleichklangkätsel.

Kennst du das Wort, es drückt »ns ans, Was man mit harter Semmel tat ?

Auch ist es manches .Alte Haus',

TaS uns erteilt gar klugen Rat.

Der Raufbold hals zn jeder Zeit Silit Friedlich-Stillen gern getan, lind dem, Etndentenfeftkominers Tut mans oft Wasferüerchen an.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Scherzratsels in letzter Nummer: Grün, Dung, Gründung, Grüu-Dung,

Redaktion: Aug. Ä o e Iz, Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'schk» IInlversitäls-Bnch- »ud Steindruckerel, SR, Lange, Gießen.