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wie sich «in Ivoblerzoaene» Stfnfr >u benehnren hake, loeim ti zur Schulaufnahme Vvräcstellt Iiftbe. Doch Lisel )twt kein Dummkop» Irnb nmgt« Iftnaft Namen lutb Mtec, Papas Stand und die elterliche Wohmmg anzngebcn, und so trollte sie dann ohne große Anf- regAiU dem großen Schulgebäude zu.
Sie benahm sich vor dem Herrn Direktor soweit auch tadellos, aber alt sie ihren Mschicdskntt bereits genracht hatte, blieb sch noch zögernd stehen, hob das kecke Stumpfnäschen und sah den strengen Schulmann ans blauen Rügen erwartungsvoll an.
„Jetzt heckt sie >vas aus," dachte Mutter und faßte angstvoll nach Lisels Hand.
Ltsel ritz sich unwillig los, zupfte den Herrn Direktor am Jackett und si-agte niißbill'genden Tonest „Na, aber Otikel, lässt du Bat' nicht grüßen?"
Lächelnd beuellre der Direktor einm schönen Gruß an den Papa.
Lisel dankte artig gnrd ging nun zusriedengestellt an der Hand der Mutter hinaus. Aber Frau Anna war nackchenklich geworden.
Das ging ja gar nicht, datz Lisel den Herrn Direktor Onkel titulierte und du nannte. Das war allzukindlich und mutzte ihr abgcwöhnt werden. Da- vertrug sich nicht mit der Autorität der Schule.
Mso hieß es, Lisel den Umgang mit Menschen lehren. Frau Anna fing sogleich auf den' Heimwege an, Lisel darauf aufmerksam zu machen, datz der Herr Direktor nicht ihr Onkel s« und nicht mst du, sondern mit Sie angeredet werden müsse, und datz Lisel überhaupt nicht mehr alle Menschen Onkel und Tante nenne» dürfe, es heitze Herr, Frau oder Fräulein und Sie.
Ltsel begriff diese Weisheit, die ihr die Mitmenschen ferner rückte, nicht so ohne weiteres und inutzie in der Folgezeit so und so ost erinnert werden: „Lisel, es heisst Sie." Daun bekaii« Lsiel einen roten Kopf und schlich beschämt davon. Einmal aber, als die Ermahnung den alten Milchmann betraf, der sie stets ein Stückchen auf seinem ratternden Milchwagen mttsahrm lieh, stürzten ihr die heilen Tränen ans den Äugen, und ein schlnckv- zendes „Du ist über lieber," kam, einem Achmerzensschrer gleich, über di« zuckenden Kinderlippen. Frau Anna schüttelte den Kops. Das Kind war doch sonst nicht duMnr, in diesen, Punkte war ihn, aber schwer beizukoMmen. Der alt« unkultivierte naive Milchmann schien den Schwerz des Ktnderherzsns besser zu verstehen, als die eigene Mutter. Er tätschelte den blonden Kinderkops und meint« vorwurfsvoll: „Js »ich nötig, gnädige Frau, Ivo die Lisel und ich so gute Freunde sind. 'Dem Lisel sind eben noch alle Menschen gleich. ES hat ein« so grotze Menschenliebe."
Vielleicht hatte er recht der alle Mann, vielleicht lvar es die noch durch keines Gedankens siSläsie angekränkelle Menschensiebe, die es bim Kinde so schwer Machte, diesen Schritt ans dem Paradiese seiner ursprünglichen EmpsindungswÄt in die Kulturwelt der Großen zu tun.
Doch als Lisel zur Schul« kam, hatte sie es so leidlich gelernt, Sie sah aber den Herrn Direktor und auch dt« Lehrerin niit etwas Verivirrten Augen an Und das Machte kein«» guten Eindruck.
Und Lisels kleiner Kopf wurde inrnier verwirrter, nicht von den seinen Aufstrichen und dicken Absti ichon, von den i und n, von den a und o, die sie auf das Papier malen lernte, zrnch nicht von den Lese» Und Reck-enübungen. „Wenn's weiter nicksts ist," hatte st« gleich mich den ersten Tagen die Schwierigkeit der Wissenschaft beurteilt, aber dieses Hinstnkeben in eine gänzlich anderck Welt als dt« bisherige des einzigen Kinde» in seiner stillen Kinde» mibe, seinen' umhüteten sonnigen Gartenplatz, war das unendlich Schwierigere für Lisel.
Auf 'Schritt und Tritt gab es Beschränkungen der Freiheit. Bisher hatte sie goveiick, wen» sie ttaurig war, larck und klingend gelacht, wenn ihr Herz jubÄte, l
, Jetzt bekam sie einen Tadel, als sie über die Maus, die
r | : kleine Nachbarin aus dem Taschentuch gesonnt hatte, mttten die Stunde hinein laut und heu auflachte, und ein andermal, als ein Bögilein ans Fenster geflogen kam, auf die vteleil
t gesperrten kleinen Mädchen äugte uiw sic impulsiv und hell auSfulielte! „Fräulein, das Böglein will auch lernen," mutzte ftt der Ecke stehen, denn die ganz« Klassst hatte mlfgejuMt > hlieb da der Unterricht! i Mit dem Weinen ivar es »och schlimmer. Als die Lehrerin den Kindern ein Gedicht vorlas, in dem bei einem Brande eine Störchin mit ihren noch nicht flüggen J-ungen verbrennt, schluchzte Lisel laut und herzbrechend und war durchaus nicht zu beruhigen. Erst hatte die Lehrerin eS mit gütlichem Zureden versucht, schließlich hatte sie Lisel im Interesse des Unterrichts aus dem Klassenzimmer geschickt. Das empfand Lisel, die sich keiner Ungezogenheit bewußt war, als ungerechte unbegreifliche Strafe. In Trotz und Schmerz schluchzte sie immer leidenschaftlicher, und plötzlich packt« sie eine heiße Sehnsucht nach der Mutter. Sie stürzte davon, lief wie gejagt aus dem Schnlhanse und durch die Straßen des Städtchens heim.
Mit rotem Kopf und fiebernden Pulsen fiel sie der erschrockenen Mutter in die Arme, die mit großer Mühe das Geschehene herausbrachte.
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„Ich null lieber nichts lernen, aber ich will nicht zur ich will immer hier bei dir bleiben, Mutter." beteuerte über daS andere Mal Und Frau Anna preßte ihr Kind ans und suchte es unter Streicheln und Küssen zu beruhige».
Sie schickte daS Kind in den sonnigen Garten hinaus, wo cf sich aus den bellen Sandhaufen, sein Eden ungetrübtester Tag«, niederwarf und mit nachdenklichen Äugen in den Himmel starrst.
Frau Aima ging zur Schule und hatte eine längere Unterke- duna mit der Lehrerin. Diese beklagte sich bitter darüber, daß Lisel andauernd Störungen vernrsache Es gehe so nicht weiter.
Frau Anna sah das vollkommen ein, sie bat um Geduld für ihr Kind, d>aS ja durchaus nichts mit böser Absicht tue, und ss« schilderte Lisel so, wie sie war, wie ihr Mutterher» sie kannte. Heimgekommen, »ahm sie Lisel ins Gebet und stellte ihr vor. datz man in der Unterrichtsstunde nicht imnier seinen Gesühlcn so stürmisch Ausdruck geben dürfe, wenn jedes Kind um jeder Kleinigkeit: »allen laut lachen oder laut und anhaltend weinen 'volle, hörten die anderen Kinder nicht, was die Lehrerin sage. Lisel nickt? in reuevoller Erkennliiis »nd versprach Besserung
In der Folgezeit wurde cs denn auch besser, und die Lehrerin war mit Lisel zufrieden. Lisel wußte, daß man seine Freude nicht so ohne weiteres in die Klasse hineinjnbeln und seine» Schmerz nicht binausschluchzen dürfe. Wurde jetzt eine traurige Religivns- acschichte oder sonst etwas gelesen, was ihr kleines Her» rührtiz so rückte Lisel ans dem Platz unruhig hin und her und schnitt Grimassen. Als die Lehrerin cs einmal bemerkte und fragte, >oaü sie denn habe, schluckte sie die Tränen rasch hinunter, stand aus und erwiderte: „O nichts Ich weine wirklich nicht. Ich lache." Und sie verzerrte das Gesicht zu einenl Lächeln.
Das waren so Lisels allererste Versuche, ihre Gefühle zu verschleiern.
Und sie lernte noch viel mehr in diesem ersten Schuliabr * Cntieä Tages waren einige ihrer kleinen Schnlkameradinnen gekommen, und sie spielten im Gatten unter den Kirschbäumen! Schule. Gertriide war Lehrerin. Aenne, Hstdchen und Lisel Schülerinnen. Si« lasen und rechneten, und Getrude ahmt« die Lehrerin mit großer Gewissenhaftigkeit nach. „Nun müssen wir uns kneifen," sagte Aenne zu Lisel, „kneif du mich."
Lisel kam der Aufforderung nach, und Aenne quietschte laut auf.
Gertnche, die Lehrerin, rief sie mit strengen' Tone an.
„Die Ltchl hat mich gekniffen," petzte Aenne.
„Lisel, komm vor," sies die Lehrerin.
„Nun mußt du lügen, belehrte Äenne.
Lisel ging vor, sah zu Äenne zurück „nd fragte: „Fa, wie ist lüaen?^ ,
„Ach, bist dtz dumm. Du muht heulen und sagen, du hast m'ch nicht gekniffen," belehrt« Aenne
„Ich mag's aber nicht," sagte Ltsel mit verzioeifelt unglücklichem Gesicht
„Spielverderber," fuhren Aenne und Hilde auf, und Lisel stand mit rotem verlegenem Gesicht da. Dann aber tat sie ihnen o«nl
Wille».
Und Frau Anna saß in der Laube »nd hörte alles, und ihr tat das Herz bitter weh. Am Abend, als die Kinder fott loa rem nahm sie Lisel ans den Schoß und belehrte sie. daß das, was old kleine Aenne ihr beigebracht hatte, etivas Häßliches sei. Lisel nickt» und nannte es «in dummes Spiel.
Aber sie batte nun doch gelernt, iva» ein- Lüge ist, und wi» man's anznstellen hatte, sich hcranszureden
Und so lernte sie, die in ihrem stillen Garten ein ipenig einsanv einer kleinen, reinen Törin gleich, heraiigetvachsen war, täglich Neues und nach Ablauf eines Jahres hatte sie sich in die Wem dt« sie zuerst so verwirrte, so leidlich hineingefunden. Durch dti Seele der Mutter aber ging oftmals ein stilles Bedauern. >
Lin Scherzrötsel in Distichen.
Grün ist die Farbe der Hoffnung, der Jugend, dcS Lenzes. Die erst» Silbe bestehe dir: es wird vor den Augen dlr grün.
Wertvoll zur Fördrung der ersten ist trotz des Geruches diezwette. Rieche die nützlich«: es wird vor der Nase dir schlecht.
Städte und Reich», Theater und Schulen, sprich kurz seine erst«. Danken dem Ganzen Ihr Sein: Stiftung bedeutet es dann.
Gründet das Ganze gewagt aul Börse und Spekulation sich, Einerlei, industriell oder agrarisch: tst's saul.
Nahe den Straße» nach Lich und nach Wieseck, sprich lang seine ersth Malt unter allerlei Dung ihn der Professor auss Brett.
, Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummert , Weiß. Schwarz
1) DeT - d6 K f 4 n. 2 5. ob. A.)
8)Dd6 —h8t Kg5n. h3.
3) S e 5 —J7f und Matt
A.) 1)..... 8 a 5 — c 6.
2) Dde — d 2 f K f 4 n. e 6.
3) f 8 — f 4 f und Matt. I
Redaktion: R. Neurath, — Rotationsdruck und Verlag der Brühllchen UniversttälS-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gieß»»


