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reichere sich durch den Hering um etwa 400 Millionen Mark im Jahr und dje Holländer um etwa 20—25 Millionen Mark. Der grösste Teil des Fanges dieser beiden Länder ist bisher stets an den deutschen Markt gebracht. Es versteht sich von selbst, daß es sich bei diesen riesigen Ziffern hauptsächlich um konservierte War« handelt, also um den sogenannten Salzhering, der an sich in drei Sorten in den Handel kommt und zwar als Matjes (Mädchen- oder Iung'ern-Hering, Bollhering und Ihle (Hohlheringl. Aus den .Bezeichnungen dieser drei Lorten geht tue Entwicklungsstufe des Herings hervor.
Ter Matjes ist ein Frühhering, der zu Anfang der Saison, tm Mai/Juni gefangen wird, bis daß er seine Geschlechtsreife hat, also mit Milch oder Rogen versehen ist und dann Bollhering heißt Der Matjes kommt seht unter dem Namen „Deutscher Hering" durch die Deutsche Heringshandels-Gesellschaft in Bremen in den Handel und es ist berechtigt, diesem Fisch eine besonder« Aufmerksamkeit ztu schenken, da er an Geschmack tvohl unübertroffen ist. Leider ist in srül-eien Jahren bei der Zartheit des Fisches dieser nicht so zur Geltung gekommen, da er von den Großkauf- leutcn wegen seiner Iveniaen Haltbarkeit ungern gehandelt wurde, und schließlich ist dann drc Mtchvgsiltl dieses Fanges zu verlustbringenden Preisen nach dem Auslande gegangen. Die Deutsche Heringshandelsgesellschaft in Bremen hat sich nun zur Ausgabe gemacht, diesen Del iku dehn sch in kleinen Partien, wenn gewünscht sogar in halben ünd viertel Tonnen, an die Kundschaft zu bringen, bmd ztvar direkt vonr Lager der dasiir eingerichteten Fischereiplätze, die der deutschen Heringshandels-Gesellschaft angehüren und ztoar: Leer, Nordenham, Bremerhaven, Geestemünde, Elsfleth nndÄreke. Durch diese Neueinrichtung ist es also den Kaufleuten rm Jn- lande möglich frische, guterhaltcne Ware in jeder Menge, wie es die Kundschaft fordert, zu jeder Zeit hereinzunehmen. Es wäre aber wünschenswert, daß die Dausftauen bei Einkauf in Detailgeschäften ausdrücklich den „Deutschen Hering" verlangen, damit sie dann auch das erhalten, was sie haben «vollen, um auch den Unterschied kennen zu lernen, den diese Gattung von Heringen zeigt gegen das, was sonst allgemein üblich unter dem Namen „Hering" verkauft wird. Zu dem Zweck, daß auch iin Osten dieser delikate Hering Eingang sindet, hat die Deutsche Hermgs- Haudels-Gesellschaft eine Nicherlassung mit eigenem Lager in Danzig gegründet. Zwecks Vervollständigung unserer Mitteilung möchten Ivir rwch hinzufügen, daß, der Matjes nicht als Marinade oder als Raucher Hering genossen werden soll, sondern nach einigem Entwässern ohne weiter« Zutaten als «Rohware. Jedenfalls behält er dann seinen appetitanregenden Geschmack und auch seine volls Nährkraft. .
Wenn der Frühfang vorüber ist, stellen sich die „Boll- Heringe" ein, die. von den Fischereigesellschaftcn in verschiedenen Größen gepackt und gehandelt jverden. Am bevorzugtesten ist natürlich immer die fleischigste Ware und erzielen daher auch die großen Heringe immer den besten Preis.
Sobald der Fisch sein Laichaeschäft besorgt, also Milch oder Rogen abaestoßcn hat, ist er hohl und wird als Ihle gehandelt. Dieser Fisch eignet sich zum Braten oder anch »um Marinieren am besten, doch kommt er nur in kleinen Mengen vor und ist! Meistens am Schluß der Saison schon Verariffen.
Da der Hering von der deutschen Küste ziemlich weft entfernt steht, so ist ^ für die deutschen Fischer notwendig, daß sl« grobe, seetüchtige Fahrzeuge haben, die in jeder Bqiehung Winh Und Wetter standhaften können. Die Schiffe gehen mit eine« großen Besatzung, meistens 14—16 Mann, hinaus auf den Faug, ausgerüstet für eine Reise von 4—8 Wochen.
Gleich nach den schweren Frühjahrs stürmen im April verläßt der Fisch sein Wiiüerlagec, das er nach der Laichzcft an her norwegischen Küste aufgesucht hat« von Hunger gepeinigt, gebt er seiner Nahrung nach« diese bestelst hauptsächlich aus unzähligen, winzig kleinen Muschel- und Schaltiercheu. Je nach Strömung und Windrichtung wird der Fisch bald hier, bald dorthin getrieben, ohne indes nennenswert sein eigentliches Revier zu verlassen Be, reichlichem Fettansatz bildet der Fisch nach und nach seine Geschlechtsreife aus, bis er dann zu seinem Laichgeschäst
ist im Oktober« sofort nach dem Mlaichen vev- Hering und ruht sich im müddigen Meeresgrundq . . Strapazen seiner Lebeiisarwohicheit auS. Eine besonders
bekairnt« Brutstätte ist die Doggerbank Der Fischlaich ist in etwa zwei 'Monaten «i einer Larve entwickelt, die sich allmählich zu einem Fisch auswächst, um sich dam nn Fmi/Juli, wenn dz, „Alten" von der norwegischen Küste herüberziehen, mit diesen zu gesellen. Ein einziges Heringsweibchen kann 30 000 Junge erzeugen, der Fisch selber kann ein Alter von 7—8 Jahren erreichen. Die meistem sind aber schon im ersten Lebensjahre eine Beute der Fischer und Fische.
Die Netze, die dem Fange dienen, nehmen ungeheure Dimen- swnen an and jeden Laren wird es Wunder nehmen, zu hören, daß sie in Längen von vier bis fünf Kilometer vor dem Bug deS Schaffes ausgeschossen werden, sodaß die Netze in gerader Lmie
vor den, Schisse stehen, gewissermaßen eine gerade Wand bilden, di« den Schwärmen auf hoher See ein Hftchernis ist. Die Netz« stehen in einer Tiefe von 25 —40 Meter, sind also 15 Mete, tief und da irur des nachts gefischt wird, so werden sie von bei, Fischen nicht gesehen. Sobald der Hering das Hindernis fühlt, ilt er bereits mit seinem Kops durch die Netzmasche hindurch, ein Zurück gibt es nicht mehr, weil ihm di- Kiemen im Wege srnd« es gibt nur noel, ein Voraus, und ivenn dann die Körpergröße des Fisches die Maschenweite des Netzes übertrifft, so ist er nmveigerlich gefangen. Beim Aufholen der Netze wird er.dann an Bord sosort geschlachtet, d. h. es werden die Einaetveide herausgenoinmeu und noch in derselben Nacht wird der Fisch gesalzen, in Tonnen gepackr und nach vollendeter Reise in dem Fischereiplätze gelandet, wo der Fisch noch einmal nach Sorte und Größe sortiert und neu gepackt wird. Die Deutsche Heringshandels-Gesellschaft brrugt den deutschen Hering in der deutschen Zinkbandtonne zur Berladmio, es ist dies eine eichene Tonne Mit sechs Zinkbandreifen« auf Wunsch wird her Hering aber auch in Schottentonnen verladen, ein, Fichtenlonne mit Holzreifen, wie jeder Fachmann sie keimt. Sofort nach Eiutreffeir der Fahrzeuge in den verschiedenen Fischereiplätzen rollen täglich die Waggons nach allen Richtungen des deutschen Reiches zur Verteilung an den Konsum.
viichertisch.
— Der Konflikt zwischen Oesterreich »ind Serbien bildet das Hauptthema der neuesten Nummer (3709) der „Illustrierten Zeitung" (Verlag I. I. Weber, Leipzig). Ein sehe interessanter Artikel aus der Feder von Professor Julius Wolf, „Der österreichisch-serbische Konflikt auf geschichtlichem Hintergrund", behandelt kurz aber umfassend den Werdegang des serbischen Königreiches und die Ursachen des jetzigen Zusammenstoßes, während in zwei weiteren Aussätzen von berufener Seit« die Armeen der beiden Staaten gegeneinander abgewogen werde». Dazu kommt eine außerordentliche Fülle guter Bilder, die IMÄ sowohl die führenden Persönlichkeiten beider Staaten als auch Typen ihrer Truppen vor Wigen führen. An ganzseitigen Bilden, seien besonders erwähnt« ein lebenswahres Porträt des alten Kaisers Franz Joses, eine Karte des vermutlichen serbischen Kriegsschauplatzes, eine sehr interessante Uebersicht der >vahrsck>einllchen Kriegsstärken der europäischen Mächte, ferner Bilder von einer Erkundungsfahrt der österreichischen Donausloitille und von den patriotischen Kundgebungen in verschiedenen Städten der Monarchie und des deutschen Reiches. An !vetteren interessairten Beiträge, enthält die wirllich reichhaltige Nummer weiter „Die Jnicl Zypern und ihre Geschichte" (mit mächtigen Naturaufnahmen)- „Die Kunstgeschichte per Schachfiguren": „Zur Psychologie des Berufs"« „Der Krebs als Delikatesse": „Müllbeseitigung" und ein« vierseitige Ttesdruckberläge „Zum siebzigsten Geburtstage des russischen Malers Jlia Repin". Darin werden im Wort Lebeit. Schassen und Eigenart des Meisters gewürdigt mrd seine groß« Kunst in Wiedergaben einiger seiner charakteristischsten Gemäld« veranschaulicht. Die Thüringer Spinnstubengeschichte „DaS Haus mit den silbernen Wächtern" von Sophie Mätiig-Wilikoimn und eine Anzahl aktueller Bilder «und Aussätze beschließen die Nummer.
Schach-Aufgabe.
Schwarz.
.Auflösung in nächster Nummer.
Helsenkirche« — Ellen — Hobbi« - Harmonium — Aracat — Happ — Diu — Her«;
Gerhard Hauptmann.
Redaktion: k. Neurath, — Rotationsdruck und Verlag der Brühlschen Univrrsttäts-Buch- und Ltetndruckerei, Sl. Lang«- Gilt«»


