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Eines Sonntag nachmittags, als das schöne Trio gähnend hrririnfaß und rs sehr ilawvoeilig fand, schleppte Anna einen jungen, frischen und sehr patent aussehenden Mann ins Hans, den sie ihrer Man« als ihren heimlich Verlobten borstellte, und der nun gekommen war, ernstlich um ihre Hand anzuhalten. Es war ein Bankbeamter, den sie sich heimlich gekapert hatte, während die andern aus den großen Flirt ausgingen und sich wenig oder gar nicht um sie bekümmerten,
„Wir sind schon ganz einig, liebste Mama," bat sie und siel der guten Alten um den Hals, „ec weiß, daß ich außer meiner Kochkunst keine besonderen Talente habe, aber denk' nur, er schwärmt so selzr für cuttes Essen, Zein Vater hat nämlich ein großes Hotel in Magdeburg, Uebrigens spielt er etwas Klavier, singt ganz hübsch und macht auch ganz nette Scherzgedichte, Seine Eltern wissen schon Bescheid, , , Herrieh, steht doch nicht da wie die Wachspuppcn, ihr drei Grazien, Gratuliert »ns lieber. Die Liebe geht doch nun einmal durch den Magen."
Frau Gehemrrat seufzte „indpachte nach all den Enttäiusclmngen bei sich: sie hat wohl nicht ganz Unrecht, Dann streckte sie dem jungen Mann dir Hand entgegen, DaS schöne Trio aber starrte den Eindringling wie ein kleines Wundertier an: noch mehr aber bestaunten sie diesen Frechdachs von Schtvester. Man hatte doch gewiß genug Angelaugen aus die Herren ausgeworfen, aber so etwas von Glück beim Fischen war doch einzig. Wie hatte die das bloß gemacht?! _
Der Alpinismus.
Wir entnehmen dies« hübsche Plauderei dem von dem bekannten Schriftsteller A. Fendrich zusammengestellten, anziehenden Büchlein „Der Sport, der Mensch und der Sportsmensch" (Stutt- gart, Franckh'sche Kerlagshandlung),
Er nimmt unter allen Sportsarten die eigentümlichste Stellung ein. Die Möglichkeit des Zpiels, die her den meisten Sports gegeben ist, bei ihm völlig ausgeschlossen. Er ist ein ernster Sport und inmitten der tieffarbigen Blumcnpracht eines Berghangs kann dir der Tod über die Schultern sehen. Er ist aber auch der Sport des jaUchzelchen Glücks und einer so reinen Sieger- sreude, wie er in den Mederungen der Spielplätze nie und nimmer empfunden werden kann. Seine Satzungen sind ungeschrieben, aber darum nid# wenig er vorhanden. Sie leben in der Brust eines jeden echten Bergsteigers, wie die Gesetze des weidgerochtn Jagens «n Herzen eines jeden ehrlichen Jägersmannes. Das sind aber nur die Satzungen des Herzens. Das Vcrl>alten in den tausend Gefahre» der Berge muß studiert, erlernt, erfahren sein. Ein sportliches Training gibt es nicht: denn Rekords sind so gut wie ausgeschlossen. Das Training liegt in der von selbst zutage tretenden steigenden Leistungsfähigkeit, wenn nian einmal die gestreifte Llbendhose mit der Gamslederneu vertauscht hat und mit Pickel und Seil und Rucksack dem Sckmellzug entstiegen ist, der einen bis an den Fuß der freien Höhen gebracht. Und mit der wachsenden Leistungsfähigkeit wachsen auch die Ausgaben. Alle Tendenzen in der Richtung des sportlichen Kräftemessens, wie sie in hen komisch-wichtigen Vermerken der Hüttenbücher: „Auf die Spitz« hin und zurück in 6 Stunden 37 Minuten, alles ohne Kletterschuhe!" und ähnlichen die Welt wenig interessierenden Feststellungen ihren Ausdruck ftnden, alle diese Versuche, die Berge zu Klettergerüsten zu erniedrigen, haben ihren Widerstand in der stets wachsenden Zahl von Hochtourilteu geftrnden, denen ihr Wandern und Ringen in den Bergen zu eiltet Feier geworden ist. Der Gegner der Alpinisten im sportlichen Kanrpf ist eben nicht der Mensch, der es „nicht so gut, oder ebensogut oder besser kann", sondern der Fels, der Schnee, der Gletscher, der Sturm,
Und nicht nur, weil dies« Gegnerschaft zu einer sürchterlichen werden kann, wenn die Elementar Mächte, einzeln oder vereinigt, in ihrer ganzen Gewalt auf dem Kampfplatz erscheinen, sondern chtch deswegen, Iveil der Alpinist die größten Möglichkeiten sportlicher Ringens, die aröstten Verschiedenheiten bewußten Genusses, die höchsten Wahrscheinlichkeiten reicher Ausbeute hat, deshalb ist der Alpinismus der größte, schönste und edelste Sport, Und mit wie geringen Mitteln rückt der Hochlourist seinenl Gegner zu Leibe; seinem Gegner, der ein Freund und gebefreudiger Mücksspender ist, solange ihn der Mensch bel>errscht, und der aus hundert Schalen den Tod krcvenzt, sobald der Mensch schwach wird. Der Pickel als Armverlängerung, die Nagelschube und die Steigeise» als Wehr gegen trügerisch'» Fels oder glashartes Eis, das Seil als Hilfe gegen Metscherspalteu und zur llebcrwindung grift- loser Wände und zuguterletzt der getreue Rucksack, iu dem mau all das Seinige mit sich aus dem Rücken trägt, das ist die Ausrüstung des Bergsteigers, mit der er seine schönsten Siege erringt und seine zumeist einsame Zwiesprache mil den Bergen hält. Denn die Berge sprechen zu dem, der den Simr für ihre Sprache Hai, und nicht umsonst nennt sie Rnskin „sermons in stone". Ja, sie haben ihre Sprache, ihre stumme gewaltige Sprache, die wilden Zacken und stolzen Schneehörner, die massigen Türme und die weißen Dome, die sich wie Urweltskathedraleii zum .Himmel ringen. Und die Lawinen lzalten dem sichergebvrgeiieu Alpeuwanderer ihre gewaltigen Reden und wie au den Pfeifen einer Riesenorgcl
spielt der Sturm sein Lied dazu, Ja, schön ist's da droben, wenn kein Mensch mit vorlauten Redensarten und einer gekauften Spielhahnfeder am Hut die wilde königliche Bergeinsamkeit stört. Höchstens ein unbekannter Gefährte kontmt uns von oben her entgegen und seine Schwergenagelten klingen auf dem harten Gestein, Es gibt nicht viel schönere Begegnungen im Leben, als solche einsamen zwischen zwei rechten Bergsteigern, die sich kur, und freundlich grüßen und nach einem knappen Diskurs wieder ein jeder seines Weges weitergehen.
Der Alpinismus hat zu all seinen rcick>en Genußmöglich- keiten noch die, daß er ein Sport für säst alle Mer bis an die Grenze des Greisentums ist. Es gibt vielerlei Berge in der großen Alpeuwelt und für allerhand Geschmäcke und Herzen, Auch wenn die Zeit vorüber ist, wo man mit Pickel und Seil die höchsten Höhen erobern durfte, bietet kein Sport ein solckies Genieße» im Zurückschauen und Erinnern wie der Alpinismus, Und für den, der noch tiefer schürfen wiU, ist er nicht nur ei» Sport.^sondern auch ein reiches Gebiet für Kunst und Wissensckwft, Kein Sport verfügt über eine ähnlich geregelte und umfassende
§ ereinstätigkeit, und die 150 000 Mitglieder des Deutschen und esterreichischen Mpenvereins aUein sind eine beredte Sprache für das, was der Alpinismus den Deutschen genwrden ist.
_ koa.
vermischtes.
kos. Mittelalterliche Lebensireude. Mit größter Prachtentsaltung seierte das lebenslrohe Mittelalter seine Feste. Lamprecht, geiiannt der Pfaffe, der ums JahrllSO da« Alexander, lted, nach der sranzöstschen Dichtung des Alberich von „Bisenzuiz, schrieb, gedenkt «ine« Hochz-ilssesles» da» 30 voste Tag« währte und 300 Mundschenken in Atem hielt! Die Zahl der Gäste, die mit Troß und vielen Dieiiern kamen, war jo groß, daß Zelte aui dem Anger vor der Stadt errichtet werden mußlen. Welch sarbeq- prächtig wechselnd Bild, so lesen wir in der volksiümllchen geschichtlichen Monatsschrift »Zeiten und Völker' (Stuttgarts, mag dg« gewesen sein, die bunten, lustig im Winde statternde» Fähnlein, die blanken Rüstungen und Wavvenschilde, die vrachtvollen Gewandungen der Edeldamen! Allenthalben Musik, Pleisen und Trommeln I Schaulustige gaffen oder drängen nach den Buden, wo Tand und andere begehrte Dinge locken, sahnende Leute ihre Künste zeigen. Vor allem aber seffeln ritterliche Spiele, in denen edle Kämpen, Minnepsänder aus den Helmen, ilire Krall und Ge< wandlheit messen, um abends sieggekrönl den Lohn der Dame ihres Herzens zu empfangen. So endet Jrohsinu jeden Tag; der Abeud aber ladet Ritter und Damen zum lestlichen Mahle, während aus den Gassen Troßbuden »hola suoter" oder »hola trank und kllchen- spise" rusen, wenn man nicht schnest genug bediente. Welche gewaltige Mengen wurden da vertilgt I Weiß doch der Psaffe Lamp- recht zu berichten, daß täglich außer Fischen, Wildpret und Geflügel 30 Rinder, 10 Stück Sommervieh, 100 Widder und 30 Malter seinen Mehle» zur Speisung all der Gäste dienten, — item des trunkes »it vcrgeszen, eya l
* Die Patriotin. Hausfrau: „Was, Lina, die groß« Blutwurst haben Sie Ihrem Soldaten gegeben?" Köchin: „Ja, Madame, mein Wehrbeitrag!"
* G r o ße En t t ä u schu n g. „Warum so verzweifelt?" „Ach, ein Fehlschlag nach dem andern trifft mich heute! . . . Zuletzt habe ich uoch '» leeres Portemonimie gesunden!"
Silbenrätsel.
a, a, a, bi, chen, di, el, gel, bar, he, feu, kir, wo, ni, p, p, r, ra, ra, rob, rat, sen, n, um.
Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen acht Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß dieAnsangs- buchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen den Namen eines dramatischen Dichters ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter solgender:
1. Stadt in Westsalen.
2. Sagenhafte Wesen.
3. Italienischen Bildhauer.
4. Ein Musikinstrument.
5. Berg in Armenien.
8. Eine» Schwärmer,
7. Portugiesische Insei.
8. Griechische Göttin.
Auslösung in nächster Nummer.
Anflösimg des magischen Quadrats in voriger Numnier:
It
A
1 R
L
A
D
I"
A
R
U
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Redaktion: K Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universtläls-Buch- und Steindruckerei, R> Laug«, Gieß«»


