Ausgabe 
30.7.1914
 
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An eine Einwilligung meines Katers war n icht KN denken. Ms Irma nur 6ne zaghafte Mbeutung wagte, gab es eine Szene, die uns für fern Lehen das' Schlimmste be­fürchten ließ. Ta gaben sich Heßmer und meine Schwestep das Versprechen, zu warten. Und mein armer Freund ging auf ein Jahr nach den Vereinigten Staaten. Ais er wchdet- kain, war Irma trotz meiner verzweifelten Bitten und Vor­stellungen dem aus sie geübten Druck unterlegen und führte deinen Namen."

Ein richtiger Roman also! Nur eines ist mir dabei nickt ganz verständlich. Wenn dir so viel daran gelegen war, diese verhaßte Heirat zu hintertreMn, warum kamst HU dann nicht KU mir, um mich aufzuklären? Ich denke, irgend ein Tag vor meiner Hochzeit wäre dazu viel besser gewählt ge­wesen qls der heutige."

Wan hatte mir von der Verlobung erst Mitteilung ge­macht, als sie bereits zur vollendeten Tatsache geworden war, und ich mußte, wie gesagt, für das Leben meines Vaters fürchten, wenn sie gelöst worden wäre."

Ach so! Aber der Roman ist. noch nicht aus, und ich kann dir's ersparen, mir glich das letzte Kapitel zu er­zählen. Dein Abgott Heßmer starb durch eigene Hand. Es muß. so im dritten oder vierten Monat meiner Ehe gewesen sein nicht wahr?" <

Der Oberleutnant neigte den Kops.Irma hatte ihm in esnem Briefe ihre Verheiratung mitgeteilt, und er hatte ihr nicht darauf geantwortet. Ein paar Wochen später kehrte er nach Deutschland zurück wie mich, ein zufälliges Zu­sammentreffen mit ihm erkennen ließ, ein innerlich ge­brochener Mann. Er vermied es geflissentlich, Meiner Schwe-

S zu begegnen, bis ein unglückseliger Zufall gögen seinen ihren Willen diese Begegnung dennoch herbeiführte. In einer Gesellschaft, zu der auch er geladen war, sahen sie sich wieder." l.

Ich sage dir ja, daß ich das Schlußkapitel kenne, denn ich habe es ahnungslos miterlebt. Es war in einer Soiree beim IieaierungKptäsidenten, wo ich zum ersten Male in ifteiuefn Leben den Namen Heßmer vernahm, und wo ich den Mann spielen hörte. Ich erinnere mich noch recht aut, vaß mir der Vortrag besser gefiel als der Vortragende, dessen düstere Allüren mir herzlich affektiert und abgeschmackt vor- kamen. Es ist sogar möglich paß ich damals etwas' Der­artiges auch gegen Irma geäußert habe. Zwei Tage später las ich daun in der Zeitung, er habe sich erschossen. Davon Wer, daß sein Selbstmord in irgend einem Zusammenhänge stehen könne mit meiner Frau, habe ich mir bis heute nichts träumen lassen."

Willst du den Brief lesen, den er mir in der Nacht vor fernem Tode geschrieben?"

.Bardeleben machte eine ungestüm abwehrende Bewe-

ßWas kümmert mich im Grunde diese ganze, Lber- te Geschichte! Drage ich etwa die Verantwortung da- ah deine Schwester den Mann verriet? Bin ich schuld aran, daß er schwächlich genug war, um eines treulosen ejbes willen fein angeblich so kostbares Leben htnzu- tjm?"

Dspbert Rasmussens Augen öffneten sich weit in gren- Kenlosem Erstaune».Ist das alles, was du darauf zu sagen hast? So ungeheuerlich ist die Brutalität deines Her- ssns, daß dtzr das Martvrium meiner unglücklichen Schme­er nichts weiter bedeutet als eine überspannte Laune?"

Batzdeleben erhob sich langsatst und trat aus den Ober­leutnant KU.Daß wir uns ein für allemal recht verstehest, mein Herr Schwager: wenn hier vost einem Mtläger und einem Angeklagten die Red« sein soll, so ist es wohl vor allem notwendig, daß wir die Rolle» tauschen. Ich will nicht erörtern, ob es pietätvoll und brüderlich gehandelt war, Mir über einem kaum geschlosfenen Grabe diese Enthüllun­gen Ku machen, denn das magst du mit deinem eigenen Ge­wissen abmachen. Eines aber will ich dir sagen, das näm- ljch, daß ihr alle miteinairder, dein Vater, deine Schwester o du, daß ihr eines schuldlosen Mannes und eines noch lldtoscren Kindes Leben von GrUnd aus verdorben habt,

^ auf euer Haupt die Verantwortung fällt für all das nd, all die Schmach und all die Gewissensqnal, die eurer Ügensaat entsprossen ist."

Uns willst du Borwürfe machen du uns?"

Ha euch! Schande über dich, Oberleutnant Ras- mussen, haß du mich zwingst, den Aulläger einer Toten zu Machen! Der du bist gekommen, um Wahrheit zu schassen. Und Wahrheit sollst du haben. Nein, ich habe nichts von

fltim Zwang« gewußt und nichts von der Liebschaft mit diesem Musikanten. Ich hWe mein Weib vom Page der Hochzeit tan in Ehren gehalten, wie sich's geziemt, Und ich? bin ihr niemals zu nahe getreten, weder mit einem Work noch mit einem Blick. Geduldig und hoffnungsvoll habe ich während der ersten Monate, die von Rechts wegen hätten di« glücklichsten meines Lebens sein sollen, um ihre Liebe ge­worben Bis dann der Tag gekommen ist, an dem ihr« Gleichgültigkeit zur unverholenen Mneigung wurde, ihre Kälte zu offenkundigein Haß. Es ist möglich, daß dieser Tag derselbe war, an dem dieser Heßmer seinem Leben ein Ende machte ich weiß es nicht mehr; aber es wird wohl un­gefähr stimmen. Was mein Leben von da an gewesen ist, will ich keinem Todfeind wünschen nicht etiimäs dir. Und wenn ich ihr heute verzeihe, was sie mir in unablässi­gem Bemühen angetan hat eines kann ihr nur der da oben verzeihen, ihren Haß nämlich gegen das eigene Fletsch und Blut, gegen das Kind, das sie doch unter ihrem Herzen getragen."

Das ist nicht wahr!" brauste Rasmussen auf.Das ist Verleumdung!"

Ah, was kannst denn du davon wissen du leichtgläu­biger Phantast und ewig unfertiger Knabe! Ich sage dir, daß sie dies unglückselige Geschöpf gehaßt hat, weil es In ihre» Augen nur mein Geschöpf war, nicht auch das ihre. Sie hat getan, was sie konnte, Dietlindes Kindheit zu ver- gifte», und weil ihr das nicht genug lvar, bat sie Nickt ac« ruht, bis es ihr gelungen war, auch mir das Herz vteseH Kindes zu entfremde». Ihr Werk und das eure ist es, wenn ich heute ein «Infamer Mann bin ein Manu ohne Zukunft. Denn die Vergangenheit hat meine Zukunft aufgezehrt tch habe nichts mehr zu erwarten."

In dem bis dahin so eisernen Gesicht des Oberleut- nafits zucktp es. Es war, als ob ihn unter dem Sturm dieser

f ede feine bisherige Sicherheit verlassen hätte.Wenn deist «wissen in Wahrheit so rein isst Harro "

Da fuhr der Baron noch einmal nach ihm herum, und das Weiße in seinen Augen war plötzlich mit Blut unter­laufe».Und wenn es nicht rein isst wenn auch das Schlimmste noch über mich hereinbrechen mußte, das einen Mann treffen kann wer anders trägt die Schuld daran als sie und als du und als die ganze verdammte Sippe, die dies Lügenspiel angezettelt?"

Ich verstehe dich nicht mehr. Was soll denn bas heißen?"

Ah, maS kümmert es mich, ob du's verstehst oder niciill Genug und übergenug an dem Atem, den ich bereits an d'ichj verschwendet habe! Ob du mich jetzt noch stir eine» kkomödZ anten hältst oder meinetwegen für einen Mörder wir gilt «S gleich. Dein Weg und inein Weg sie sind heute zunt letzten Male begegnet."

Das hcjßt: es ist dein Wunsch, daß unsere Beztehün- gen auch äußerlich gelöst werden?"

Ja ja ja! Ich will nichts mehr mit dir zu schaftey haben. Ich habe einen Ekel und ein Grauen vor allem, tvas den Namen Rasmussen trägt."

Du wirrst nie inehr ^zwungen sei», einen, h«r den; Name» Rasmussen trägst unter deinem Dache zu sehen. Gute Nacht!" s

Noch eine Minute lang wurde das Ausstößen secues Stockes vernehmlich, dann war es um Harro v. Bardeleheit z still, uiid er fühlte wie eine zermalmende Lg st das htveige» des Dodes, das Über dem Klein-Ellbacher Herren^ hause lag.

(Fortsetzung folgstl

Zrau Geheimrats Töchter.

Bon Max Kretzer,

Frau Verivitivete Geheimrat halte eigentlich vier Töchter, aber man sprach fast immer mir von dreien, obwohl bekannilt, ein vierblätintges Kleeblatt seltener und daher auch mehr geh ist. Hier war eS aber anders, weil die Masse eS bringen ml» >oas dahin auS-ulege» ist, daß Frau Gehotmrat am liebsten drei Töchter auf einmal los geworden wäre. Eine saftige Wie: mit fa»t,t drciblätteolgen Kleeblättern ladet eben mehr juin wellen ein, denn da braucht man nur zuzugreifen und eins. Und was für ein schönes Kleeblatt war das! st... dichtete, die zweite malte und die dritte aügte. Es tvar ein fchöih geistiges Trio, wie es ini Buch« steyl. und es konnte sich auch äußerlich sehen lassen. Thea, dt« Schrift!« blond imd fest wie eine Friesin, Märry, die

eS konnte erin, war blauäugig-

iandschaftertn (Manch-