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tfast Schifl schwimmt auf der jtueibiiitcitiioiialeii Fläche des Meeres. Das Flugzeug aber schioimmt im dreidimensionalen Raum der Luft: es kann steige», fallen, schweben, gleiten, tauchen, in Kurven fahren, deren Durchmesser senkrecht sur Erde steht, kann im freien Raum jedes Looping the Loop volfführen, das man srliher als halsbrecherisches Artistenstück im Zirkus bestaunte. Das hat der Flug des Franzosen PSgoud gelehrt, das hat der Deutsche Tmeer rasch gelernt.
Mer dennoch bedeutet die Leistung Tweers, der dieser Tage auf dem herrlichen Hamburger Flugfeld bei Fuhlsbüttel unter einem strahlenden Sommerhimmel seine wagerechten und senkrechtenSchlei sen flog, etwas ganz besonderes vor den Flügen Pägouds Die Sturz und ,,Kops"-Flllge Pögonds ivirkten noch forciert. Man hatte den Eindruck, als überliste er die tückische lauerirde Luft durch verblüffende Tricks und Kniffe, durch eine raffiniert errechnete Nuancierung der Propeller- und Steuerwirkungen. Man erlebte seine senkrechten Schleifen, Kopf nach unten, wie die tollkühne Leistung eines sensationell und nervenreizend mit der Todesgefahr spielenden Artisten. Tweers Fluge aber sind wundervolle Selbstverständlichkeit. Man spürt nichts mehr von einer verwegenen und raffinierten Artistik Man hat den Eindruck einer absoluten und selbstverständlichen Beherrschung der Luft. Wenn Tweer hoch im freien Raum die Spitze seines Flugzeuges leicht nach unten neigt und dann in wundervollem Schwung sich wieder ausrichtet, um eine senkrecht zur Erde stehende Kurve zu beschreiben und wie ein rollendes Schwungrad Kreis an Kreis fügt, tvenn er mit senkrecht zur Erde stehenden Flügeln engste Kurven fährt, aus und nieder schwebend, hin und her gleitend, dann haben wir Zuschauer das seltsam befreiende Gefühl: die Lust ist dem Menschen Untertan. Nicht das Raffinement eines tollkühnen Fliegers bezwingt sie, sondern der Mensch ist frei gctvvrden in der Luft, sie ist in Wahrheit sein Element geworden, in dem er spielt, wre der Fisch im Wasser. Dreißig, vierzig Meter tveit läuft das Flugzeug, in seinen seinen Gliedern bebend wie ein edles Rennpferd, sanft eingehüllt in den lichtblauen Rauchwolken des Motors, über den Erdboden, noch ein kunstvoller Mechanismus, noch ein Geschöpf her Erde. Aber sobald es mit knatterndem Gesang aufsteigt in die Freiheit und Ungebundenheit der Sphären, ivird es zuni leichtbeschwingten, von aller Schwerkraft scheinbar losgelösten Vogel, b'em die Lust feilt Feind ist. Und unser unermeßliches Staunen löst sich aus in die stille Andacht von endlich erfüllten Menschenträumen, geträumt von den Jkariden oller Zeiten. Der Mythos vom Sonnenflug scheint vollendet.
Bei Pägoud tollkühnes Wagnis. Bei Tweer das ruhige Bewußtsein: es kann .gar nicht anders sein. Und in dieser stolzen und sicheren Erkenntnis liegt das, ivas die Leistungen dieses Fliegers über das rein Sportliche und Artistische hjnaushcbt. Denn sie gibt allen Fliegern die befeuernde Erkenntnis, daß sich das Reich der Menschen trotz der Opfer an Blut, die noch kommen tverden, m Wahrbeit erweitert hat bis zur blauett Wölbung des Himmels. _
vermischte».
— Fahrbare Häuser. Von einer neuen Errungenschaft, die es dem Bürger ermöglickten soll, zuni wenigsten in den Sommermonaten ein beauemes kleittes eigenes Haus zu bewohnen, berichtet die Holzwelt Es sind die fahrbaren Häuser, die auch weniger bemittelten Menschen die Freuden einer eigenen Sommervilla schassen sollen und dabei nicht an einen bestimmten Ort gebunden sind, sondern mit geringer Mühe und bescheidenen Unkosten gleichsam überallhin mitgenommen tverden können . Diese sinnreich konstruierten fahrbaren Häuser erhalten mehrere Zimmer, Küche, Badezimmer und alle sonstigen Einrichtungen des steinernen Hauses: sie können an alle Leitungeti angeschlosseu tverden und sind vollständig wetterfest Tritt der Wunsch oder die Notwendigkeit eines Ortswechsels ein, so kann das Haus mit seinem gesamten Inhalt in weuigen Stunden ohne besondere Vorkenntnis zusauimengelegt werden, nimmt die Form eines Möbelioageus an und kann wie ein solcher transportiert werden. Denn der Hauskern ruht auf einem gewöhnlichen Lastwagenunterbau: Fußboden, Zitnmerwände usw. sind durch feste Scharniere seitlich angehängt und werden beint Ausbau des Hauses herausgeklappt. Auszusetzeir sind dann nur noch Decke, Dach itud Sockclteile. Das Mobiliar ist zuni großen Teil eingebaut: natürlich kann der Geschtnack imb die Neigung des Besitzers bei Bau und Einrichtung berücksichtigt werden Zieht man in Betracht, daß bei dieseti fahrbaren Häusern der Bodeuenverb fort fällt, ein großer Teil des Mobiliars vorhanden ist und ein Orts tvechsel sich tvesentlich billiger als ein getvöhnlicher llnizug ge- staltet, dann dürfen diese Häuser als die billigsten gelten, die gebatct werden können. Dazu koinuieti die Annehmlichkeiten der schnellen Beweglichkeit. Großstadtsatttilien können sich in eineni Pachtgarten bei der Stadt eilt Heim aufschlagen, um es in den Ferien mit dem gesamten Hausrat in die Sommerfrische zu überführen. Kleinere Bauten lassen sich tvahrscheinlich für 3000 Mk. Herstellen, mit wach- sender Größe und wachsende» Ansprüchen steigen naturgemäß auch drc Herstellungskosten, die wohl im allgemeinen ztvilclten 3000 und 10000 Mk. schwanken
— Vom Wunder des Todes. Kur, yor dem eigenen
Tode, mit versagender Stiinme Und oft von Achwächeansälleiz
unterbrochen, hat Julius Rodenberg den letzten Nachruf an seinen verstorbenen Freund Karl Frenzel diktiert. Beide, Frenzel und Rodenberg, waren klare Geister und Männer, die dem Schicksal ruhig trttb gefestigt entgegenblickten, jedwede religiöse Schwärmer« war ihnen ivescnsfremd. lind dock, durfte Rodenberg in dem Nachruf ans den Freund erzählen, daß Frenzel einst im engen Freundes- kreise der festen Zuversicht Ausdruck geliehen hatte, die Seels werde nach dem Tode auf anderen Sternen neue Heimat linden. Nun Nodenberg selbst ganz sanft enffchlasen ist, derart, daß die treue Gefährtin seines Lebens, die Mitschafsecin an seiner Arbeit, seine Frau, erklär«! durfte: „Man kann kaum sagen, daß er starb: man kann nur sagen, er >var tot", gedenkt man des seltsamen „Erlebnisses vom Tode", von dem er selbst in seinen Erinirernngs- blättern „Aus ber Kindheit" erzählt lpä Das soll aber mit seinen eigenen Worten hier stelzen: „Es war der heiße Sommer 18ö4, und ich stand dainals in Marburg dicht vor dem Rigorosum. Die Großmutter war nur ein paar Tage bettlägerig gewesen: aber sie, die so friedlich gelebt, sollte» nicht ohne Todeökampf scherden. Sie schien eingeschlummert, erwachte jedock, noch einmal in der Nacht, murmelte etwas, was mein Vater, meine Mutter und eins meiner Schwestern die an ihrem Bette standen, für meinen Namen hielten — denn sie hatte mich, als den erstgeborenen ihrer Enkel, itnmer besonders lieb gehabt. In derselben Nacht nun, ohne daß ich von ihrer Erkrankung ettoas getvußt — denn Man wollte mich in meinen Examenarbeiten nicht beunruhigen — hatte ich einen beängsttgenden Traum: es war eine drückend heiße Jlulinacht, und in jenem Zustand des Einschlafens, wenn das Bewußtsein aufhört und die Phantasie weiterarbeiiet, sah ich plötzlich me-tna Großmutter 'vor mir: traurig, wie ich sie nie gesehen, beugte sie sich Über mich, sprach Meinen Namen aus uird versckzwcmd, worauf ich alsbald »tu Tränen tjn heu »Augen erwachte. Tagelang konnte ich die Qual nicht lv-wcrden, aber ich schrieb nichts davon nach HauS. Als ich, einige Wochen später, nach absolviertem Examen hcim- kehrte, kam mir die Schtvestec entgegen. Lange tvagte ich nicht zu fragen: endlich sagte ich: „Die Großmutter?" — „Sie ist tot", erwidert« die Schwester: und nun, da mir das Datum und die Stunde des Traumes uuvergessen im Gedächtnis waren, crsulzr ich, was sich in jener Nacht an ihrem Sterbelager zngetragen."
— A u ch eine Kritik. Bon einem heute wohlbekannten italienischen Dichter erzählt der Corriere della Sera folgendes Er lcbuis. Er hatte einen neuen vlzaniastischeii Roman erscheinen lassen und tvartete nun aus den Erfolg. Aber die ersehnten Käufer kanten nicht. Der unglückliche Autor ging atts einem Buchladen in den andern und erkundigte sich nach dem Schicksal seines Ronians, aber itnmer wieder erhielt er die betrübende Auskunft: „Nichts verkauft, Herr." Als er wieder einmal bei dem Buchhändler vorsprach, bemerkte er plötzlich neun Exemplare statt der acht, die er bei seinem vorhergehenden Vesnch gesehen hatte. „Neulich hatten Sie acht Exemplare," sagte er entrüstet, „und heute sind es nenn. Mehr tverden können es doch nicht . . ." „Ja, tvissen Sie," sagte der Buchhändler, „eine Dame, die schon den Rotnan gekauft hatte, brachte ihn zurück, sie möchte irgend etwas anderes dafür haben, und schließlich habe ich ihr Abziehbilder dafür gegeben."
* Fr eit tib i tt tt nt. Ich möchte bloß wissen, tparum die Ellr vorhin so kleine Schuhe kaufte. Die kann sie doch unmöglich tragen." „I loo! Aber sic geht doch jetzt ans Reisen und da stellt sie abends im Hotel die kleinen Schulze immer vor die Türe und bosst aus die Art wenigstens «inen Mann zu kriegen."
* Reiselektüre. „Ach bitte, nimm doch auch das Buch da mit in den Koffer!" — „Aber Frau, was willst Du denn damit: „Bon der Theorie der Induktion" von Lachelier?" — „Ja, das ist ein ausgezeichnetes Format, um Edelweiß zu pressen."
* Der Modephilosoph. Zwei Freuichinnen treffen sich in eineni Salon. „Sage einmal, weißt Du vielleicht, wo man sich die Bücher von Berason verschaffen kann?" — „Ach, meine Liebck, glaub doch daran nicht . Man denft sich immer wunder was, und nachher ist vielleicht überhaupt nichts Anstößiges drin "
* Nach dem Kommers. Studiosus (unterm Knerptifch
aufwachend): „Potztausend, kommt mir heute meine Bude abrp niedrig vor!" _
Magifchr; Qua&rat.
"i 1 In die Felder nebeuslehettdeti Quadrats sind
_!__I__die Buchstaben AAAADHHKLLNRBT
U U derart einznlrageti, daß die ivagerechleu
J-— senkrecht.Reihen gleichlautend lolgeudes bedeuten:
l. Männlichen Vornamen.
-j—t— 2. Stadt in Abessinien.
I 3. Biblischen Namen.
4. Nebenfluß des Rheins.
Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung des LogogriphS in voriger Nummer:
Kelch, Elch.
Redaktion: R Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brütiplch,,, Utiiversitätl-Buch» und Steindruckereh R. Lange, Gießen


