Ausgabe 
25.7.1914
 
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teil dem Schultheißen mit der linken Hand an den Stab geladen. Lieb und üeto mit den räudigen und schäbigen Badegesellen zn teilen, und, was im Bade behandelt wird, allezeit bleibe» zu lassen, d h nicht aus der Schule zu schwatzen. Nach der Morgen­suppe sand regelmäßig Gericht statt, wobei der Großweibel als öffentlicher Ankläger snnaierte. besonders wegen unziemlichen Be­tragens, unordentlichem 'Badekleide und Gotteslästerung. Die Büsten waren je nach deni Vergehen verschieden, drei bis vier Fuder Wein, Wer einen'Hund mit ins Bad nahm, hatte neun Pfennige Butze zu entrichten. Alle Straferkenntnisse wurden dem Säckelmeister zur Einkassierung überantwortet. Die Bußengelder lvnrden zum Teil vertrunken, zum Teil den Armen zugewendet. So wurde da­mals, wie ein späterer Bericht sagt,an einem Orte, wo man sich zur Erholung und Lust versarmnelt«, spielend Zucht und Ordnung aus­recht erhalten," >

Es gab auch getrennt« Frauenbäder, außerdem aber auch eme Art Familienbades, in das man auch als Zuschauer Eintritt sand. Ueber das gleiche Bad Aaraan berichtet Franz Poggio, der Sekreiär deS Papstes Iol-ann XXII., int 15. Jahrhundert an­mutige Dinge: er erzählt, lote man im Bade speist, und zwar an Tischen, die aus dem Wasser schwinUnen, und schildert dannj ,Jch sah alles von der Galerie, die Sillen und Gewohnheiten! dieser Ehrenleute, ihr gutes Essen, ihren angenehmen, zwanglosen Umgang. Mancher besucht täglich zwei bis vier solcher Bäder, und bringt dort den größten Teil seines .Tages mit Singen, Trinken und nach dem Bade mit Tanzen zu. Selbst im Wasser sehen sich einige hin und spielen Instrumente. Nichts aber ist reizvoller, zu sehen oder zu hören, als wenn anfblübende oder erblühte Jungsrauen mit dem schönsten offensten Gesiast, an Ge­stalt und Benehnren Göttinnen gleich, zu diesen Instrumenten singen. Dann schlvimmt ihr leichtes zurückgeworfenes Getoaud aus dem Wasser, und jede ist eine andere Güttin der Liebe. Dann haben sie die artige Sitte, lveun Männer ihnen von oben herab »»sehen, sie scherzweise Mi einen Almosen zu bitten: man wirft ihnen kleine Münzen zu, die sie mit der Hand oder mir dem ans­gebreiteten Linnengewrmd aufsangen. Ebenso wirft nur» ihnen truch aus allerhaud Blumen geflochtene Kränze hinab, mit denen sie sich das Köpscheu schmücken. Diese vielfältige Gelegenheit, das Auge zu erfreuen und den Geist zu ermuntern, hatte einen großen Reiz für mich, daß ich nicht nur selbst zweimal täglich badete, sondern auch die übrige Zeit mit Besuch anderer Bäder zubrachte, imb ebenfalls Münzen und Kränze himmterwarf, wie die anderen. Denn unter diesem immerwährenden Geräusch von Klang und Ge­sang war da jsveder zmn Lesen mxfi zum Denken Zeit und hier allein weise sein Kn wollen, wäre die größte Torheit gewesen . . ." Daß man zwei- oder mehrmal deS Tages badete, war nichts Außer­gewöhnliches, ja ans einem Berichte von Felix Hcmmerleiu auS dem Jahre 1461 geht hervor, daß die Badegäste in PfäfsrS 6 bis 7 Tage Ununterbrochen im Bade sitzen blieben, sodaß sie im Wasser schlafen mußten. Allerdings war der Grund dafür nicht der, daß es ihnen im Wasser so ausnehmend behagte, sondern sie hatten Furcht vor dem heraus- und Herunter» eigen auf den hängenden Leitern, die wirklich furchtbar gewesen sein müssen, denn es gab Leute, dis sich in Sesseln festbindeu und mit verbundenen Augen inS Wasser lherunterlassen ließen! Daß das Baden wenn Man es nicht des Vergnügens, sondern der Gesundheit wegen tat in jenet« verschollenen Zeiten imMer so vergnüglich war, wie man es aus den Berichten über Baden im Aargau entnimmt, ist ein Irrtum, den» über das eben genannte Bad Pfäfers berichtet im Jahre 1559 der Amt Äugelt» aus Basel, der in den Felsen eingehauene Badc- kasten sei so eng gewesen, daß nicht viel über hundert Personen

usntg.leljroi auch die Badeordnungen, die sich erhalten haben. ZUi Jahre I486 wurde für das Bad Mainhardt durch den Grafen Karl VI. von Hohenlohe eine Badeordnung erlassen, deren harte Strafandrohungen höchst Ivahrscheinlich nöllg waren. Da hieß es: es soll niemand, wer er auch sei, im BadhauS zu Mainhardt den anderen schlagen oder .öenwlt beweisen. Wer das tut mit gewappneter Hand, dem soll ohne Gnaden die rechte Hand ab­gehauen loerden. Wer aber schlägt oder vergeivaltigt ohne Waffen, der soll dem Grafen zur Strafe stehen." Noch in viel späterer Zeit, aillerdtnas in der rohen Zeit des dreißigjährigen Krieges, wird eine Badoordnung für Baden erlassen, die gebietet,daß kein Kur­gast den andern mit der Faust schlage, auch nicht mit einem Wehr, Messer oder Dolch schädige: auch soll keiner dem anderen Ueber- lbrang tun, durch Spritzen, Taufen oder freventlich in das Wasser fallen. Auch soll keiner den anderen mit Zutrinke,i nötigen, damit keiner durch die Bolleret beit Wein wieder von sich geben müsse: es soll auch nienmnd ohne Verbilligung von anderen Orten Wein ins Tobel beschicken lassen. Solchen, die da Liebhaber des neuen Glaubens seien, gebietet der Acht, daß sie, dieweil siä im Bad sind, den Glauben mit ihrer Lehre für sich selbst belmlten: zichem sei auch deutsche Psalmen zu singen bei Buße gänzlich verboten. Der aber eine große Lust zu singen hätte, der.kann andere geistliche oder sonst ehrbare Lieder singen und darum das Bad mit keinem ungeheuren Geschrei erfüllen." Ebenso

wie man mit dem Aufenthalte im Wasser nicht immer das richtig« Maß fand war es bei den Trinkkuren in alter Zeit. Im germani­schen Museum in Nürnberg findet sich dafür ein hübscher Beleg in Gestalt einer Anweisung, die 1571 ein Arzt seinem Pattenten, einem reichen Nürnberger Kansmanne mit ans den Weg nach Earls Padt" gab. Darin heißt es: (in moderne Schreibweise lübertragen)Zum anderen wieviel Ihr trinken müßt, in diesem Fall muß man sich nach die Natura richten, toann etliche können viel vertragen, etliche auch wenig, deshalben müßt Ihr mit wenig anfangen und alle Tag mit einem Bocher oder zweien auf- fteigen, also wird die Natura das gewöhnen, nämlich den ersten Tag müßt ihr etwas liber ein Seidel trinken, und wenn Jhrs ohne Be- schvernis trinket, am andern Tag anderthalb Seidel, auch etwa» daniber, am dritten Tag ein Maß, am vierten Tag anderthalb Maß, am fünften Tag zwei Maß." Diese zwei Maß täglich such aber noch wenig gegen die Wassermengen, die man beispielsniets« in französischen Badern zu sich nahin: man fing in Spa mit 6 Glä­sern täglich an und suchte die Zahl bi» auf 16 zu steigern und je mehr man trinken konnte auch über 16 Gläser desto gesunder hoffte man zu werden. In Bearn brachte es de« französische Geschichtsschreiber de Thon auf 25 große Gläser des schwefelhaltigen Getränkes, ja ein anderer Badegast, der gleichzeitig da war, soll seine 50 Gläser hintereinander in sich hineyigegossen haben! " _ -

vüchertisch.

Sarah von Lindbolm. Roman von Margarets Böhme. Leipzig, Hessen. Becker Verlag. 286 Sellen, 3 MI.,

n '. 4 Mk. Margarete Böhme, die erfolgreiche Herausgeberin Tagebuchs einer Verlorenen", bietet dein Lesepubliknni mit ihrem jüngsten Buch einen trefflichen, von Anfang bis zu Enlnl fesselnden Unterhaltungsroman, der ihr sicherlich viele neue Frrundlg getvinnen tvird. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Werft- besitzerin Sarah van der Ucke, genaimt Sarah von Lindholml, Sie ist durch Leiden und Kränkungen scheinbar hart und gefühl­los geworden. Ihr Mann hat sich vor Jahren ehelicher Untreu« schuldig gemacht und ist mit dem Hausmädchen auf und davon gegangen. Nun verwaltet Sarah schon seit langem die Werft allein, und zwar an der Seite des alten Norwegers Fry Sön, eines Seebären, dem sie weit überlegen ist, und an den sie im Grund« niHs fesselt. Ihre beiden Kinder aus der Ehe mit dem Holländer Pieter van der Ucke, Harro und Theresa, sind ihr fremd getoorden; ihre ganze Liebe scheint sie einem Findling yil schenken, von dem mau Munkelt, er sei ihr Sohn. JU Wahrheit tst er das Kind jenes Hausmädchens, das mit Sarahs Man» ins Ausland gegangen war. Eine weitere Feinheit ist eS, dag Pieter van der Ucke auch an diesem Mädchen treulos handelt. Gealtert und körperlich gebrochen kehrt die Unglückliche in di« Heimat zurück. Als Sarah die Wahrheit über jeuen Findling erfährt, wendet sich ihre Liebe wieder ihren eigenen Kindern zu»

Griebens Reiseführer, Band 137. Der Speffart, 2. Auslage. Mit zwei Karten. Preis Mk. 1,Verlag von OTbert Goldschmidt, Berlin W. 35. Daß von dem neuen FührerSpes­sart" schon jetzt eine neue Austage notwendig war, spricht ebenso sehr für die wohl verdiente Beliebtheit der Grieben wie für di« große Besucherzahl des Spessartgebietes. Der mit größter Sorg­falt ne» bearbeitete Führer zeigt überall, daß der Verfasser, der sich auch um die Kweite Austage sehr verdient gemacht hat, das ganz« Gebiet gründlich kennt. Unter anderen hat er das ausgedehnt« Markierungsnetz seiner genauen Nachprüfung unterzogen und alk« Veränderungen gewissenhaft nachgetragen. Vielfach führt er de» Wanderer auch Wege, die abseits von den aUgemeinen Markie- rungsrouten liegen und gerade darum recht empfehlenswert 'finft Von >großem Interesse dürfte allen Besuchern dieses Gebiets die.in einem eigenen Kapitel gebrachte Beschreibung des Spessark- waldes fein, dem ja das Gebirge in erster Linie seinen Ruf als Touristengebiet sverdankt. Die dem Führer beigegebenen Karte» sind genau revidiert Und gewährleisten in Ueberemstimmung Mit dem Text eine schneUe und sichere Orientierung. Möge denn bas Bändchen, das in seiner neuen Fassung als unbedingt zuverlässig anznsprechen ist, weiter zur Hebung des Fremdenverkehrs ich schönen Spessartwalde beittagen.

Magischer Sahlenquadrat.

In die Felder nebenstehenden Quadrats sollen die Ziffern

3 11 15 22 viermal derart eingetragen werden, daß die Summe der Zahlen in jebet der senkrechten, wagerechten nnd Diagonalreihen stel« 51 beträgt. Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Versteckrätsels in voriger Nummeri An Gotte» Segen ist alles gelegen.

Nedaftisn: R. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brllhl'schen UnwecsttätS-Buch- und Steindtuckerei, R, Lange, AieheXtz