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Grob, der tttit ©erfort zusammen im Luftballon die 8000 Meter-Grenze übccWmtt, berichtet von „bedrohlichen Erscheinungen" trotz des Sauerstoffes, ?lls er 7000 Meter hoch schwebte, war die Temperatur bis auf 80 Grad unter Null gesunken, „Vor uns lagen im Korbe die dicken Pelze, doch die Energie, sie anzuziehen, besasien wir nicht mehr, Wir befanden uns in einen. Zustande körperlicher Apathie, nur noch der Geist Und der Wille »varen stark: der Wunsch, noch weitere tausend Meter zu steigen, belebte uns. Unsere Lippen und Fingernägel wurden vollständig blau, die Glieder zitterten vor Frost, und Schwäche, Doch immer wieder erfrischte uns der Sauerstoff, den wir in kurzen Pausen inhalierten, In 8000 Meter Höhe kritzelte'Gröh in sein Fahrtenbuch mit kaum leserlicher Handschrift: „Wir sind entsetzlich elend Und schlvach, aber noch vollkommen zurechnungsfähig: wir atmen Sauerstoff," Zeitweise mutzte er die Augen scküietzen und eine fchlafartige Betäubung überfiel ihn. Mit Aufbietung aller Spannkraft konnte er allerdings noch einwandfreie Ablesungen an seinen Instrumenten machen, Süring, der melrrere Fahrten über 9000 Meter Höhe, darunter eine bis zu 10500 gemacht hat, berichtet aus den grössten Höhen von ganz ähnlichen Erscheinungen, Noch bei 9100 Meter >var er fähig, zu beobachten, zu überlegen und zu schreiben: zu körperlicher Arbeit dagegen war er nicht mehr imstande, und einmal nberrasckste er sich selbst dabei, wie ihm die Augen zufielen, Ber seiner Höchstfahrt vom Jahre 1901 scheinen in Höhen von über 10 000 Metern ernsthafte Bewutztseinsstürungen eiugetreten zu sein: wenigstens haben er und sein Fahrtgenosse Bcrson verschiedene Erinnerungen an die Fahrt und anscheinend sind beide ziemlich gleichzeitig ohnmächtig geworden, trotz des Sauerstoffes, Die bedenklichen Erscheinungen der „Bergkrankheit" hielten auch an, als der Ballon wieder auf 6000 Meter gesunken war.
Die Anlage des Lustiahrcrs scheint auch eine gewisse Rolle zu spielen, beim Dr, Schlei» ist am 5. Julr 1905 auf 7800 Meter aufgestiegen, ohne Sauerstoff zu verwenden, „Ohne Sauer- stoffatmmig", so schreibt Süring, „scheinen auch die zähesten Naturen Höhen über 8000 Meter nur kurze Zeit ertragen zu können: um klar zum 'Denken und frisch zum Handeln zu bleiben, ist Sauerswff von mindestens 6000 Metern an notwendig," Wie weit aber kommt man niit dem Sauerstoff? Süring ineiut, die äußerste Grenze, bis zu der mau in einem offenen Ballonkorbe gelangen könne, sei 12500 Meter, Für den Flieger im Flugzeuge liegen die Dinge natürlich etwas anders, und zwar ungünstiger: er darf nicht, auch >:i ht für den kleinsten Augenblicks, feinen Willen, seine Spauukraff einbützen, denn sonst ist der Absturz nnvermeiolich: so lauge es nicht ein Flugzeug mit autonratischer Sicherheit gibt: zwischen 9000 und 10 000 Metern — so kau» man aus verschiedenen Berichte» über Ballonhock,führten schlietzen — treten reget- mätzig, trotz der Sauerstoffzufuhr, Bcimitzlseiustrübuugeu auf. Man kann daher die Frage, ivie hoch der Mensch im Flugzeug stiegen kann, wohl so beantivorten: die Höhen zwischen 7000 uu» 8000 Metern sind, wie die Tatsachen beweisen, kühnen Fliegern zugängig: vielleicht findet sich auch der eine oder der airdere, der Höhen zwischen 8000 und 9000 Metern erreicht, aber das Ueber- winden der 10 000-Meter - Grenze scheint ausgeschlossen, falls cs nicht etlva geliirgt, den Flieger hermetisch einzukapseln, ivie es v, Schroetter den Gallons« hier» enipsiehlt, die die bestehendeHöchstleistung für Balkoiihochfahrten üherbieten wollen.
vermischtes.
* Wie schützt man sich gegen Hltzschlag? Aus diese Frage, die in diese» Tagen der Sominerglut nicht ohne Bedeutung ist, gibt der Professor Audreiv Duuea» jvon der Londoner Hochschule für Troveuheilkuudc eine interessante Antwort. Professor Duncan ist, ankuüpleud an die persönliche,> Erfahrungen clnes englischen Offiziers, der jahrelang in de» Tropen stand, dazu übergegaugeu, eine Reihe praktischer Experimeute zu veranstalte», die sich au! die An»ah»ie gründeten, das> die gefährlichen Sonnenstrahlen nicht die Wärme- strahle», sondern die chemischeil Strahlen sind. Dag die Wärme an sich nicht Hihschlag hervornist, zeigt uns die Tatsache, daß wir beispielsweise vor den Hochöse» eines Eisenwerkes oder vor den Kesseln eines Schisses Hltzschläge» nicht auSgesetzt sind, Wiffenschastlich gesprochen sind in der Tat nur die nktiiiischen Strahle» gefährlich, so lange man ihnen nicht eine Farbschicht eiitgegeustellt, die gleichsam ivie ein Sied ivirkt. Das beste Mittel gegen den Hltzschlag ist feinen Körper nicht anders zu behandeln, wie der Photograph seine Platten. »Um das zu erreiche», umhülle mau sich mit rote» oder gelben Gewändern." Der englische Offizier, der in der Praxis zu diese» Schlüffe» kam, trug fortan nur gelbe Anzüge und einen gelben Tropeiiheli» und blieb stets vor Anfällen vo» Hltzschlag bewahrt. Prof. Duuea» hat feinen Tropenhut init rötlich orangefarbene». Flauest überzogen und mit einer Schicht gleichfarbiger Walle gepolstert, Ebenso fütterte er feine,, Kakhiauzug mit orangefarbener Walte, besonders in der Gegend de? Rückens, und legte a» sonnige» Doge» zu gröbere» Märschen ein rötlich orangefarbenes Henid au. »Dank dieser Borsichtsmabregelii," schließt der Gelehrte, »habe ich nie mehr die Wirkungen der Sonne z» verspüre» gehabt,"
— DasBorko in' m en dc s B i b e r S i n D e u t schl a „ t»'.
In einem allerdings ziemlich eng umgrenzten Bezirk zwischen Magdeburg nnd Dessau a d,Elbe »ich ihren Nebenflüssen, der Saale, Msuldq n, Ruthe, haben wir noch di- Atz en Ue erve'.t anel s h , ter ss, „ten Tieres, des Bibers, er frdüh.-r in allen Fluhgebieten Deutschlands ziemlich häusig vorkam. Unter strengem behördlichen Schutz ist die kleine Biberkolonie in der genannten Gegend in den letzten Jahren wieder angewachsen^ so datz wir jetzt dort wohl einen Bestand vo» ungefähr 200 > 2 ti>ck l-aben dürften, während vor 25 Jahren nur der vierte Teil davon vorhanden Ivar, Diese Zunahme ist in, Interesse der Natursreniwe, die unter allen Umständen dies Tierdenknial erhalten sehen möchten, sehr erfreulich und hoffentlich wachst der Bestand imm« mehr, so datz der Biber noch lange Zeit vor dem Ansstcrben bewahrt werden wird. Leider wird das Tier aber nie wieder in anderen Flutzgebieten, in denen es früher häufig! war, angesiedell werden. In Westfalen, und zwar im Möhnetal, tvlirde der letzte Biber im Jahre 1840 getötet, in Brandenburg kamen sie noch bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts vor, und ungefähr ebenso lange umrbcn einzelne Exeni- plaer in Bayern gesunden. Wie häusig aber der Biber in früheren Jahrhunderten geivesen sein mutz, geht am besten ans einer Jagdstatistik des 17, Jahrhunderts hervor, in der unter dem vom Kurfürsten Johann Georg von Sachsen in der Zeit vo» 1655 bis 1680 erlegten Wilde allein 397 Biber aufgeführt werden, i
*■ Kein Wunder, Der dicke Senator, ein Herr in milt- lercn Jvhrem der sich sür sehr elegant hält, geht mit dein Major spazieren, „Sehen sie," sagt xr gascluneichelt, „wie mich dies« hübsche junge lDame dort anlächelt?" „Das wundert mich nicht im geringsten," erividert der andere, „ivie ich Sie das erste Mal sah, habe ich sogar ganz laut gelacht," '
i * Der Unermüdliche, Den Gutsbesitzer bittet ein Ba- tzabmid um Arbeit uud versichert ihml, datz er nie müde werde. Als der Herr auss Feld kommt, liegt der Maiul geniütlich unteff einem Baum, „Was ist dem, das?" fragt er streng, „Sie sagten doch, datz Sie niemals inlide werden?" „Stimmt auch voll- fcmimen," meint der andere ruhig. „So werde ich es doch nies"
vücherlisch. ,
— „D i e Ra siedt s", Eine Reiseerzählung vo» Eva Geäfiul von Baudissin (Kürschners Bücherschatz Nr. 96l—62).
— Blut, Roman von Waldemar Bonsels, Zweite,
iimgearbeitete Austage, Leipzig, Hesse u. Bieter Verlag 204 S 3 Mk., geh, 4 Mk, Der Roman, der bei seinem erste» Erscheinen <1909, von dem kleinen Kreise der Kenner als das Werk eines Dichters begrützt lvorden war, liegt jetzt in einer neuen, uni- gearbeiteten Ausgabe vor, Manckzes störende Beiwerk, mancher dunkle Ausdruck Izat der besseren Einslchi des Autors ivelchen müsse», und nian darf getrost behaupten, datz ituirmehr einer Verbreitung des Buches in iveiteste Kreise keine Hindernisse mehr ini Wege stehen, Wim« Do re, die Tochter eines früheren Mtsslo- nars, ist streng religiös erzogen: ihr junges Leben ist gleichsam «durchtränkt mit der Erlösnngslehre, Alles Natürliche wird ihr tznr Sünde, Ihrer Mutter, einer weinerlichen, seelisch dürftig ansgestatteten Frau, ist sie entfremoet, und auch zu ihrem Baker, der gütiger »mb wärmer ist, und sie aus seine Art herzlich liebt, vermag sie kein rechtes Vertrauen zu fassen. Nach Schönheit dürstend, fühlt sie sich in ihrem nüchternen Elternhanse verwaist. Kein Wunder, datz ihr glühendes Herz sich dem ersten erschlietzl, der ich Erfüllung ihrer Sehnsucht z» vcrheitzen scheint, Der jung« Mark Enz, einseltsanles Geinisck von Schwäche und brutaler skrast, ein unreifer Träumer, dessen Schmerzen nicht echt ivirken, und der, wie der Dichter aicheutet, erst durch ein grobes Leid geläutert werden muh — Mark Enz kann diese zarte, überzarte Seele nicht erlöse»: seine Hände sind zu plump für sie: er fann sie nur zerstören, _
f —, Diamantrütsel.
I 9 I In die Felder nebenstehender Figur
t“ - 1—T“—] sind die Buchstaben abco ddeea
1*1 I eiiilUmisiDi;
| TT p“I derart ein,,,tragen, daß die wagerechle»
! «d j I_ Reihen folgender bedeuten:
I I. Etneii Buchstabe».
^ 8, Türkifchen Titel.
3. Schivedlfchcn Dichter.
“i—f—-4. Einen Astronomen.
1 *1 I 5. Kostbaren Stoff.
1 e f 6, Hasenort,
LU 7. Einen Buchstaben.
Die senkrechte und wagrechte Mlttekreihe ergeben das. Gleich«» \
Auslösung in nächster Nummer. >,,,
Auslösung der Charade in voriger Nunimer! P o l a rsl e r n (Pol, Star, Stern) — p o (ft e nt.
Redaktion: K. Neurath. — RolationSdruck und Perlag der Brühl'jchen Untversitäts-Buch- und Steindruckerei. St. Sang«, «tefto»


