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besonders friedlich im oben brausen, aber »eint der Frühling ins Land zieht, dars sich das ?1uge aus der Terrasse bet der Unterburg oder bei den Ruinen der Oberburg auch erfreuen an dem reizenden Blick in das Lahntal nvit seinen Dörfern, an dem Wirk zu den benachbarten .Höhen, von denen die beiden älteren Schwestern auf Gleiberg und Vetzberg herübergrüben nach den Staufcn- berger Burgen. _
Die Brille meines Großvaters.
Frei nach deni Französischen von Josef M a r X-
Mein Großvater war, wie gewöhnlich die Großväter sind, sehr alt, wenigstens schien es mir so, und wenn ich ihn Geschichten aus seiner Jugend erzählen hörte, hielt ich jene Zeit für die, in der die Patriarchen ihre Herden weideten. Die Vergangenheit ist eben für das Kind ein schwer sablicher Begriff.
Mein Großvater hatte langes, weißes Haar. Er trug eine Busenkrause, mit Spitzen besetzte Manschetten, Schnallenschuhe und stützte sich beim Gehen auf einen Stock, der zweimal so groß war wie ich. Wenn die Vorübergebenden ihn grüßten, zog er nach der alten Mode de» Hut ganz tief, mit eineni wohlwollenden Lächeln auf seinen bleichen Lippen.
Die Kinder betrachteten ihn wie eine Mumie im ethnographi- scheu Museum. Armer Großvater! Deine Geduld und deine Güte gegen mich hatten keine Grenzen. Mein Herz schlägt heute noch schneller, wenn ich daran denke.
Weil er die Natur so sehr liebte, war er viel im Freuen. Als ich laufen konnte, nahm er mich oft mit. Ich hielt mich an seinem großen Spazierstocke fest und hörte andächtig zu, tvenn er mir Geschichte» erzählte.
Und er konnte so schöne, lauge Geschichten, Märchen, Kindergeschichten — und ich fragte mich oft, wo er sie gelernt und wer sie ihm erzählt hatte?
Etwas machte mich sehr neugierig, das war seine Brille, eine große Brille aus der alten Zeit mit runden Gläsern in einem Goldgcstell. „Wozu brauchst du sie?" „Damit ich besser sehen kann, mein Kind", sagte er. Aber als ich sie mir nun mit vieler Mühe auf die Nase gesetzt hatte, konnte ich gar nichts sehen. Dann, wen» ec seine Apfelbäume oder die von der nntergehenden Sonne bestrahlten Berge betrachten wollte, setzte er sie auf die Stirn, immer um besser zu sehen? In der Tat, mir war dies unbegreiflich.
Du liebe, alte Brille! Wenn Großvater sie vorsichtig aus dem alten Etui nahm und mir sagte: „Nun, mein Kleiner, wollen wir heute abeich Bilderchen betrachten?" holte ich schnell das große Buch, kletterte auf seine Knie und konnte mich nicht satt sehen an den Leuten, di« an meinem Blicke vorüberzogen. Das lvaren dio Patriarchen, die Robinsons, die Tiere von La Fontaine, Soldaten im Pulverdampf, schiffbrüchige Seefahrer auf dem Weltmeer und noch vieles andere. Er beschrieb mir ihre Taren, sagte mir ihre Gedanken, und wiederholte mir ihre Worte Ich glaubte, sie vor mir zu sehen, ihre Reden zu hören, aber merkivürdig, wenn ich sie allein betrachten ivollte, verließ das Leben sie plötzlich. Ich versuchte dann vergeblich, zu erraten, was sie wohl tun oder einandev sagen könnten.
Später mußte ich oft über etwas anderes Nachdenken. Großvater sprach beständig uon der guten, alten Zeit, von einer Zeit, wo ich anscheineich noch uichl geboren war, aber welche ihm viel schöner schien, obgleich ich da noch nicht am Leben war ... Er fand die Menschen weniger gut als früher, die Veränderungen zu schnell, die neuen Moden scheußlich, die Sitten lächerlich und den Fortschritt wahnsinnig. „Die Erde dreht sich nicht mehr in Ruhe", pflegte er gewöhnlich zu sagen, „sie überstürzt sich fieberhaft. Zn meiner Zeit lebte man gemütlich, man überlegte, bevor man redete, man hielt die alte» Uebcrliejerungen in Ehren, man dachte, ivia die Väter dachten, lebte wie sie, man hörte auf die Ratschläge der Alten, man rauchte den Danien nicht ins Gesicht, man wußte zuvorkommend zur rechten Zeit zu sprechen und den Mund zu halten. Heute hat sich das alles verändert, die guten Gewohnheiten verlieren sich, die jungen Leute verspotten die Alten, der Respekt fehlt, der alte, gute Glaube wird jeden Tag seltener . . . Wie wird das alles eichen?" Selbst die neuen Erfindungen fanden keine Gnade in seinen Augen „Mau fälscht alles," ries er aus, „der Zucker ist kein Zucker mehr, der Kaffee lvächst aus den Eichbäumen, den armen Bienen tut man Gewalt an. Tie aus grünem Holz gefertigten Möbel bekommen überall Risse, die Einbände der Bücher halten nicht mehr, das Papier zerreißt, sobald man es berührt, die chemische Tinte wird in 50 Jahren ausgelöscht sein, und seitdem die Stahlfeder die klassische Gänsefeder verdrängt hat, kann man die Schrift der jungen Leute nicht mehr entziffern, lind erst die Tuchstosse! Ich habe einen Rock von meineni Großvater getragen, jetzt lvagt man kaum, einem armen Teufel einen Anzug zu gebe», der älter ist als zwei Jahre."
So redete Großvater. Manchmal regte er sich förmlich dabei aus. Sein trauriger Ton ging mir ans Herz, ohne daß ich begreifen^ konnte, wie er, der sonst so freundlich gegen jeden war, so vollständig unfähig, jemand zu verletzen, mit einer Well so unzufrieden sein konnte, i» der ich lebte. Eliues Tages fragte ich ihn mit kindlicher Offenheit, warum ihm denn die Leute und die Dinge so mißfielen? Er fing zu lachen an „Es in tvahr, mein
Junge, tch muß dir sehr merkwürdig Vorkommen, allein du bist
noch zu jung, um das zu begreifen: das wird später kommen" Wahrscheinlich, sagte ich mir, als ich die Lösung dieses schwierige» Problems zu fiitden suchte, ist die Brille schuld daran. Und lahrelang habe ich geglaubt, daß diese zwei runden Gläser die Uriache alles Uebels seien.
Mit dem Alter kam die Erkenntnis. Später, als Jüngling, erkannte ich, daß die Brille nicht die verdrießliche Laune Großvaters, herbeiführte, daß sie nicht die gute, alte Zeit ausmachte, und oft habe ich lachen müssen, loenn ich an die seltsamen kindlichen Vorstellungen dachte.
Indessen, hatte ich so unrecht? Jetzt bin ich alt, Großvater rst lange tot, ich trage seine liebe Brille und — merkwürdig —> ich sehe jetzt genau wie er.
viichertisch.
— Wissenschaft und Bildung. Das klassische Weimar. Bon Professor Friedrich Lienhart*. 2. Auslage. 159 Seiten. iWissensckrnft und Bildimg, Bd. 35). Verlag von Quelle und Meyer in Leipzig 19L4. — Griechische Kultur t tu Bilde. Von Prof. Dr. H. Lamer 11—20. Tausend. 220 Abbildungen auf 96 Tafeln und 64 Seiten Text. Wisseuschast und Bildung, Bd. 82 . Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. 1914.
— Schweizer Dichter. Bon Professor Dr. A. Frey. 168 Seilen. lWissenschafl und Bildung, Bd. 126.) In Originallenieu- band 1,25 Mark. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. 1914.
— D e r Sagenkreis der Nibelungen. Von Prof. Dr. G. Holz. 2. Auflage 144 Teilen, i Wissenschaft und Bildung, Bd. 6.) In Originalleinenband Mk. 1.25. Vertag von Quelle und Meyer in Leipzig 1914.
— Friede zwischen Turnen und Sport. Die Vorbereitungen für die bevorstehende Olympiade 1916 haben uick>t mir das ersreulickze Ergebnis gehabt, für die Pflege der Leibesübungen in unserem Volke auf das nachdrücklichste zu werben, ihr eine Volkstümlichkeit zu sichern, lvie kauni je zuvor, funbnm auch eine Vereinigung zwilchen Turne» uud Sport herbeizujühreu, die sich durch den Zusammenschluß aller Verbäiide im Deutsche»! Reichsausschub für olympische Spiele ausdrückt. Da ist auj das sreudigste zii begrüße», daß in einer von dem Generalsekretär der 6. Olympiade, K. Di ein, verfaßten Schrift Leipzig B G. Teiib-ner der Versuch gemackn loird, die Grundlagen für etiul Versöhnung der beide» mächtige» Itröninnge» auf deni Gebiete der Leibes,lbnngeu zu schaffen. Von den, Gedanken aus- gehenü, daß ein rechter, haltbarer und nutzenbr lügender Friede gegründet fein miiß auf gegenseitiger Achtung, sucht er das Wesen des Sports und das Wesen des Turnens ans Grund von Aenße- rungen anerkannter Berireder beider zn bestimmen nnd dann zu zeigen, wie sich heute schau Turnen uns Sport gegenseitig durckz- drmrgen haben und sowohl in ihrer Ixe, lvie in ihrem praktischen Betriebe venvandt sind. Ohne den vorgeschlageiten Weg zum F-ricden für den einzig gangbaren zn halten, will der Verfasser vor allen, .mit seiner Schrift dazu beitragen, die lieber - zeugung in allen beteiligte» Kreisen lebendig tverden zu lasse», daß die Einigkeit zwischeil Tiirnen und rport eine vaterländische Rotweitdigkeit. eine Forderung des Tages ist, die erfüllen zn helfen Pflickü eines jeden ist, der der Sache dienen will (Preis geh. 0,80 Mark'.
Lhara-e.
Gar häufig loird jetzt das Erste geiiaiint. Doch ist es noch keinem Menschen beka,i»t.
Ta? Zweite ne»»! dir einen Jläckieiitaui», Ter Drillen Schar ist zn zählen kaum.
Nur Eine» imnitle» des Neige,ilanzeS Erkeniist du als >,»be>vegliches Ganzes.
llud hast du hieraus einen Adler entfernt. So die.bl, was der Tapezierer gelernt. Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung der Skat-Ausgabe in voriger Nummer! Abkürzungen: >r — Treft, p — Pique, e — Eoen,, cor— Earreau tri! — Tress-Bnbe, pA — Pigne-Aß, ei* — Coeur-Dcime usiv Vorhand erhielt trB, pB, cB, trA, trZ, IrK, trD, trü, tr7, carZ, im Skal liegen cZ und carA: Hinterhand hat die übrigen. Snielgaiig:
1. V. cB Di. pZ H. carB.
2. V. tr7 M. tr8 H. cA =11.
3. M. e7 H. carl* V, carZ — 13.
4. AI. car9 H. car8 V. trA =11.
5. M. car7 H. pA V. trZ = 21.
In de» nächsten drei Siiche» ertzäll Millelhand noch 17 Augen,
iväbtend Vorhand die beiden letzten mit trB und pB »chnic» mu|; Hinterhand hat keinen Stich bekoniinen. Halte Mittelhand statt carl* die car7 ansgespielt und Hinterhand statt carl) vorher eine andere staite niitgegeben, so könnte Mittelhand mit ihrer carS nach Ailsfplelen vo,i car8 doch wieder ans Spie! gebracht iverden.
Redaktion: ld Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'Ichen UniverfltätS-Buch- und Steindruckerel, R, Langem Gießen


