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Sur Geschichte der Burg und §tadt Stausrnberg an rer Lahn.
Von Dr. H. Vergär-Gieße».
(Schluß.)
In dcr Zeit vo» 1 G 0 4 — 1 G8Ü suchten ©Inufnibcrfl in ü n - sterische und lüneburgisch" -braunschweigische Völker heim. Es war die Zeit der Gewaltherrschaft Ludwigs XIV. bau Frankreich, als einer der größten Hcerlührer der Zeit, der Bischof Galen von Münster auf dem »riegopla« erschien. Er wurde 1664 aus dem Reichstag zu Regensburg mit dem Markgrasen Friedrich von Baden zum Leiter des Kriegstvesens dcr „rheinischen Alliance" ernannt und stellte dem Kaiser seine Truppen zur Verfügung iin »riegc gegen die Türken. In den niederländischen Wirren imb während dcr Kricgsbeweguugcn am Rhein gegen Ludwig XU', greift er selbst tätig ein. Be, den Friedensverhandlungenl zu Rimwegen 1678 war er durch zwei Gesandten vertreten. G a - lens Völker machten auch unsere Gegend unsicher. Folgen wrr den Staufenberger Einträgen ans dieser Zeit: „1664, den 2. Mah 10. alb. vor 10 maß bier, als die Bölcker einzogen waren.
> — lyi Taler, so diegcntgen, welche den M ü n ste ri s ch an entgegen gezogen, Vcrthan. — 1665: 22 alb. Unkosten nach Mainzlar, als die Münsterischcn durchzogen. — 1670: 3 'Taler 4 alb. wegen der Candianischen (?) Völker. —< 1672, 2. Oktober, 24 alb. vor verehrte Fisch vor die Kriegsvölker. — 1676 : 6 alb. vor Schmalz aus die Wacht, alt; die lüneburger Bölcker äwrbeizogen." 1678 erhalten 22 Personen ;e 15 alb. „wegen geschirrs, so bey den Münsterischeu Völker verlohren." An vier Stausenberger Bürger werden je 15 alb. vergütet, „wegen des bieres, so den Münsterischeu Völkern zugeführt."
Während der französischen R e v o l u t t o n s k r r c g e von 17 9 4 — 179 7, in denen fast alle europäischen Weltmächte Bündnisse gegen das aufrührerische Frankreich schlossen, das seinen König Ludlvig XVI. auf das Schafott gebracht, sah iinsere Gegend fortwährend Oesterreichcr, Preußen und Franzosen. Gießen war längere Zeit von Franzosen beseht. Auch Staufenberg blieb von diesen Truppenbewegungen nicht verschont: 1 7 94 wurden von 30 Bürgern an Fourage für die „Kriegstruppen" zu Staufenberg geliefert: 37 Malter 13 Mestcn Hafer Und. 18 Zentner Heu. 1 7 95 mußten 1840 fl. 22 alb. 4 Pfg. wegen der 7 maligen Einguartierung der preußischen Truppen aufgenoinmen werden. Für cingckauftes Fleisch für die Truppen lourden verausgabt: 697 fl. 25 alb. 6 Pfg. Die Ochsen wurden mit 90 fl. durchschnittlich bezahlt, eine fette Kuh uüt 40 sl. Metzger Philipp Heinrich Müh! zu Gießen erhielt für 1286 Psd. (das Psd. 9 Kr.) 192 fl. 27 alb., ferner für Einzcllieferungen 21 sl. 25 alb. Laut Quittung wurden inr ganzen geliefert 36 78 Psd., Fleisch und 36 7 8 Brotportione», ohne Quittung 75 Portionen Fleisch und 75 Portionen Brot. Die Rechnungen enthalten die Bemerkung: „Die darüber ausgestellten Quittungen sind damals auf Erfordern» gen zum Hochiürstlichen Obcramtmann abgegeben tvorden, aber bis dato ist noch keine Zahlung erfolgt." Es waren in Staufenberg einquartiert am 25. Februar: 1. Batterie Braun- wcigcr, am 27. das 1. Bat. des Regiments Prinz Heinrich, am März das 1. Bat. des Regiments v. Kleist, am 6. März das 2. Bataillon Prinz Ferdinand, an, 8. März das 2. Bat. des preuh. Grenadicrregiments, am 11. März das Grenadierbataillon von Crousaz. — Für Brotlieferung an die König!, preußischen Truppen nach Gießen mußten bezahlt werden 899 sl, 3. alb. Für Frucht- und Fourageliesening an die K. K. (österr.) Truppen m das Magazin nach Gießen waren 387 fl. (7. alfi.' 4 Psg. zju entrichten An Fuhrlohn für das Stellen vo,i Pserden wurde vergütet 135 fl. Die Fahrten gingen nach Langenschwalbach, Limburg, Friedbcrg und Frankfurt. 1797 wurden in Staufenberg für Kriegszwecke im ganzen verausgabt 4 3 81 fl. Davon wurden verwendet 10 93 fl. 16 alb. 2 Psg. für erkaufte Naturalien: Fleisch, Brot, Hafer und Stroh. Lieferanten für Fleisch waren die Gießener Metzger Georg Wilhelm Flett und Petec Vogt. Für Brandschatzung und allgemeine Requisitoncn der Franzosen wurden bezahlt 135 2 fl. 14 alb. 2 Pfg. Für Verpflegung der französischen Osfiziere wurden 12 8 4 fl. 29 alb. 7 Pfg. verausgabt. Dabei erhieltet: Metzger Möhl in Gießen für geliefertes Fleisch 376 sl., Kaufmann Hast (Hast u. Eckstein in Gießen (Schloßgasse), für Kafsee uich Zucker 176 fl., der Wirt Hauptmann Busch zu Gießen sBusch'sche Garten) 348 fl. für Wein. Der Krämer Joh. Taschd in Gießen lieferte Reis, Tabak und Rägelchen (Gewürznelken). 8 fl. 20 alb. erhielt der Verwalter aus Hof Friedelhausen für gelieferte junge Tauben. Ter Fuhrlohn in: Sommer 1796 und 1797 betrug 656 fl. Für verloren gegangenes Vieh und Geschirr bei der den Franzosen geleisteten Vorspann wurden allein 2.36 fl. 6 alb. vergütet. Es wurden bezahlt für !eine Fahrt von Staufenberg nach Gladenbach 12 sl., von Gießen nach Schtvalbach 14 sl., von Gießen nach Butzbach 5 fl. 6 alb. Tie französischen Offiziere waren bestechlich. Ein französischer Offizier erhielt „ein Douceur von 8 fl. 19 alb., daß er die in Staufenberg einquartierte Artillerie Pferdt anhier lveg und ins Londorser Gericht verlegte." Der Dolmetscher Joh. Nielchlor Sensfelder in Gießen erhielt „für seine bei der hiesigen Einquartierung gehabte Bemühung" 28fl.
Bei dem Durchmärsche der russisch-preußischen Ar- M c e über Gießen tm November Wb Dezember 1818 nach
dem Rhein hin und bei ihrer Rückkehr vom französischen Kriegs- schanplatz hatte auch Staufenberg die Laste,: der Einquartierung und der Versorgung der durchziehenden Tnippen zu iragm. Int ganzen werden 1813 von Staufenberg allein 3009 fl. 23 alb. 2 Pfg. für Kriegszwecke verausgabt. Die Anschaffung von zu liefernden^ Naturalien, Hafer, Heu und Fleisch, erforderte 2 0 0 6 fl. Die Verpflegung polnischer und russischer Offiziere kostete 185 fl. Die Lcbciismittelpreisc, namentlich für Kolonialwaren, waren äußerst hoch. Ein Pfund Zucker, das inan heute für 24 Pig. erhält, kostete damals l fl. 20 Kr. —- 2,30 Mark, nach dem heutigen Geldwerte berechnet 7 Mark. Ebenso hoch kam ein Pfund Kassec. Bier und Apfelwein waren verhältnismäßig billig: man trank den Schoppen Bier für 3 Pfg., den Schoppen Apfelwein für 9 Pfg. Der Wirt Decker in Staufenberg machte für die Verpflegung eines russischen Generals bei einer Mahlzeit — der übrigens guten Appetit gehabt haben inüß, denn ös tvurdent dabei allein 16 Pfund Fleisch gebraucht — eine Kostenrechnung pnf, 6 fl. — 10,20 Mark. Der Rechner von Staufenberg erhielt 15 fl. „für außerordentliche Bemühung und Belästigung bei der vom 3. November bis Ende des Jahres 1813 Tag und Nacht gehabten Russischen und Preußischen Einquartierung". An F u hr- kosten für das Militär wurden vergütet: 331 sl. Pfarrer Klingelhöfcr in Kirchberg berechnete für eine Fahrt mit 3 Pferden ajus 4 Tage nach Limburg 48 fl., flir ein dabei verloren gegangenes Pferd 136 sl.
Im Jahre 1814 liquidiert der Stadtschultheiß Braun 20 fl. für seine Bemühungen bei 2 5 maliger Einquartierung der alliierten Truppen, dabei unberechnet die Bemühungen bei Lieferungen und Bestellungen, und weitere 37 sl. 50 Kr. flir 58 Gänge in „Kriegsangelegenheiten". Dcr Unlerbürgermeistcr Vogel mußte in „Kriegssachen" 17 Gänge tun: dabe: ivar er 2 Tage tm Hessen-Käfsel'schcn, „um Geld zu leihen". 1 fl. liquidiert Joh. Zecher von Staufenberg weaen zweier Gänge aus das Amt Gießen, „wo er verpflichtet (vereidigt) wurde, ineil ihm 1814 zwe: Pferde von den Russen mit Gewalt genommen". 20 Kreuzer erhält Joh. Fischer am 23. Februar 1814 „vor Gäng beis Amt zu Gießen um abbittung der schweren Epecutionen". 14 fl. 26 Kr. erhält Schultheiß Braun als Ersatz „für mitgenommene Effekten am 29. Mai von 26 Mann preußischer Einquartierung, als sie mein Haus stürmten wegen der Nachfuhr (Stellung von Pserden), ob ich gleich Ihne solche geschafft". 100 fl. erhält der Förster Euler sür Verpflegung von Offizieren im Jahre 1814. 20 fl. 48 Kreuzer werden Pfaprer Klingelhöfer in Kirchberg vergütet für 19 Maß Wein ä 1 Ti. 4 Kr. „zur Verpflegung niflitäri- scher Einquartierung." 30 fl. 38 Kr. werden gezahlt an den Wirt Seip in Gießen flir Lieferung von Wein in: November 1813 und Juli 1814. — 89 fl. 20 Kr. wurden einen: Lieferanten, Samücl Stern in Nkainzlar bezahlt sür Lieferung von 9 Malter und 2 Mcstten Hafer ä 7 ff. per Malter und von 8 Zentnern Heu u 3 sl., welche ich ini Juni an preußische und hessische tklir- hessische) Truppen lieferte."
Bei der Errichtung der Landwehr im Jahre 1814 steflte Staufenberg die 3. Kompagnie zum II. Bataillon des 17. Land- wehrregimcnts. Die Instrukteure waren zwei Jäger aus Gießen, die 1 fl. 4 Kreuzer zur Verköstigung erhielten, „als ste der Landwehr Manschast unterricht im Erereiren gegeben." Die Uebungen fanden am Sonntag statt. 29 fl. 50 Kreuzer bezog d« Tambour Baiser Karber als Löhnung „während seiner Lehrzeit als Tambour." Sein Lehrmeister war ein Bataillons-Tambour aus Gießen, dcr 4 fl. für den Unterricht erhielt. 16 fl. wurden für Anschaffung einer Trommel veratisgabt.
Die Wiederkehr des Tages, an dem sich Napoleons Geschick bei Leipzig entschied, tvurde schon am 18. Oktober 1814, Ivie es später an vielen Orten Deutschlands alljährlich üblich war, in Staufenberg mit Freudenseuer und Böllerschüssen festlich begangen. Es findet sich in der Rechnung des Jahres 1614 der Eintrag : „Der Bürgermeister Jungk zahlte 1 fl. 12 Kr. vor 1 Psd. Pulver, welches den 18. Oktober als am befrei) nngs Tag Deutschlands vom französischen Joch zu Freudenfeuern dahier verbraucht worden."
Was mag die Stadt Staufenberg ivährcnd fast 200j ädriger Kriegsbedrängnisse gelitten haben! Ter Protokollführer des Stausenberger Jahrbuches setzt an den Eingang seiner Einträge zum Meujahrstage seit 1680 jedes Jahr den Wunsch: „Gott schenke un? bald ein frcuden- und friedereiches Jahr!" Schneller, als man erwartet, konnte sich Staufenberg voi: den wirtschaftliche» Schäden- die die Kriege ihm gebracht, erholen, während man noch an niqil- chen Orten Oberhessens bis vor 30 Jahren die Schulde», die die vorausgegangcnen Kriege ihnen gebrach!, zu tilgen batte. Stanscn- berg war eine schnelle wirtschaftliche Erholung möglich durch die Einlünfle, die es aus feinen: Wald und den Basalt- und Sandsteinbrüchen erzielte. Gehörte doch Stausenbera bis vor kürzet» zu den wenigen Orten, in denen keine Kommunalsteuer erhoben wurde. Es konnte diesenBorzug in.Hessen nur tnit einemOrte imTannus, a.Main mit dem baierischen Städtchen Klingenberg teilen. Außcrdeni erhielt noch jeder Bürger in Stansenberg 20—30 Gulden in bar n. 2 Meter Buchcn-Scheitholz. Das Recht des freien Bezugs von Bürger- Holz besteht noch heute: an Steuern erhebt die Gemeinde gegenwärtig 83 Prozent von der Staotsstctier.
Gar oft haben die Kriegsstüvnie das Städtchen am felsigen Berg Umtost, und auch heute noch uiögeit die Wintersti'lnne nicht


