Ausgabe 
16.7.1914
 
Einzelbild herunterladen

436

Hain, veranlaßt haben, daß er am Anfang des I 4 Jahrhunderts dem Burgflecken Staufenberg beim Kaiser Stabtrechte tnmrftc. Im Jahre 136? wird schon urkundlich ein scultens (Schultheiß', städtischer Bürgermeister, von Staufenberg erwähnt.

Die mittelalterlichen Städte erhielten meist auch Befestigungen. Hier in Staufenberg scheint dasrir der adlige Herr Friedrich von Rols ha nscn gesorgt zu haben, der im Jahre 140 1 im Austrag des Grasen von Ziegcuhain und des Rats von Staufen­berg die Errichtung einer Stadtmauer und einer Stadtpsortc aus- filhrte. Hierzu bemerkt von Ritgen nach genauer Prüfung der Banaulage:In der alten schönen Stadtpiortc ans der Südseite der Stadl erblickt man links am Eingänge, 5- 6 Meter vom Boden in einem Ecksteine der Rinne für das früher dagewesene Fallgitter einen Helm mit B ü f f e l h ö r n c r n linb zwischen demselben zwei kreuzweise gelegte Schaufeln . . Darunter liegt ein breiterer Stein, der noch in die Rinne einbiegt und auf diesem ist folgende Inschrift zu lesen: lnceptum fieri MCCCC1 per Fridericum Kolehusen (angefangen zu bauen durch Friedrich von Rolshausen 1401'.

Das Wappenbild mit den Büsselhörnern und den zwei ins Kreuz gelegten Schaufeln führten die Herren von Rolshausen. Auch die S ch a b e n mögen bei Errichtung des Torturms mitgewirkt haben: denn unter dem Torkapitäl findet sich das Schaben sche Wappen: Schabeisen mit zwei roten Griffen und goldenen Ringen. Deute dient der Turm der Stadtpforte als Glockenturni.

Bon der alten S t a d tm au e r lassen sich links,vor dem Ein­gang in die Sladtpforte noch Reste erkennen. Da, wo man nach den Stcinbrüchen geht, unweit des Friedhofes, standen weitereTore. Man unterschied das obere und untere Tor. Fortwährend begegnen wir in den Staufenberger .Stadtrechnungen, namentlich in den Jahren von 1690 bis 166? AuZgabeposten für Unterhaltung der Stadtmauer. 1665:Dieses Jahr sein zwei neue Pfeiler an die Stadtmauer ini Psuhlgarten kommen. Dem Mauerer geben 4>- Taler Die Mauerer am untersten Tor vcrthan 35 alb. 166?: Oslerdienstag die Maurerarbeit verdingt wegen eines Stückes eingefallener Mauer am Obertor. Es werden gestellt 8 Mann aus der Bürgerschaft zu Gesellen. Zu Lohn erhielt der Mauerer 40 Taler." Das Wappen der Stadt Staufenberg ist eine in silbernem Felde gezinnte Mauer mit g e z i n n t e in Turm, lieber dem Turm befindet sich ein guer geteilter Schild, dessen obere Halite schwarz mit goldenen sechseckigen Sternchen, die untere Hälfte golden ist. Der Turni war das gewöhnliche Wappen- eichen einer Stadt; die Sterne im Wappen beuten auf die Äras­chaft Ziegcnhain.

In Erbschaftsangelegcnheitcn galt für Staufenberg ein beson­dererS t a d l b r a u ch", der schon 1572 fcstgelegt wurde. Auch sonst hatte Staufenberg besondere Rechte und Gewohnheiten, wie unter anderem eine besondere Münzordnnng, nach der der Gulden 5 2 Kreuzer statt 6 0 Kreuzer hatte. Rechte und Geivohnheiten wer­den der Stadt Staufenberg beim Uebergang an einen neuen Städt­erin bestätigt. Die älteste Bcstätigungsurkunde aus dem Jahre 4 5D, die 'sich noch im Original im Staufenberger Archiv besindct, ist ausgestellt von Ludwig I.,dem Friedfertige n", beim Uebergang der Stadt von Ziegenhain an Hessen. Sie lautet: Wir Ludwig von Gottes gnaden Landgraf zu Hessen bekennen Vor uns vndt Bnieren Enkeln vndt nachkommenden Fürsten des Landes zu Hessen öffentlich in diesem Brief vor allen Leuten: Alb der Edle Herr Johann Gr aff zu Ziegen­hain vndt zu Nidda unser Lieber Neve (Neffe, heute wohl Bruder) seliger Von Todes wegen also abgcgangen ist, vüdt Keine Leibes Erben Hinter Jhnie gelassen Hat, davon dann die Herr- schaiten vndt Grassschaften, Zu Ziegcnlwin vndt Nidda mit Schlös­sern, Städten vndt allen Ihren Zu behörungen off vnns vndt unsere Erben . ». . gekommen vnd gefallen vnd lvir damit des begäbet sehn. Darauf jetzundc Bürgermeister, rath vudt gantze gemein dZuStauffenberg vnserLieben getrewen vnb . eine rechte erb Huldigung gethan haben, alb so haben Wir nun solchen Ihren guedten willen angesehen vndt wollen Wir . . . dieselben Bürgermeister, Rath vnd gailtze gemeind zu Staufscnbcrg vnd Ihre Nach Kommen lassen bleiben bet, allen Ihren F r e p h c i t e n, g c w o h n h c i t vnd rechten, die sic dann von der Herrschaft Zu Ziegcnhain Von alters gehabt vndt her- brach t Haben, vndt Ihne die nicht Zerbrechen, vndt allswann vnscrc Neve» von Zygenhatz» seelig Zu Zeiten über das Glider oder zweite Jahr von Becd vsf ctzliche Ihre Schlösser vndt Stätte gcsctzct vnd sre oarmit B e s ch w e h r c t t haben, lolchcr Becd haben Wir . . . unsere Bürger Zu S t a u f s e n b e r g vndt Ihre nach Kommen gcfrctzct . . . Alles sonder gefehrdt vndt arglist. Dest zur Uhrkunde haben wir wapp vnd Jniiegel hieran il>un Henken. Geben zu Marpurg vss den Montag nach dem Sonntag vooeni jucunditatis 19. Mai Anno Dom. millesimo quadringen- tesimo quinquagesimo. (1450.) (Nach einer späteren Abschrift vom Original ani Pergament.

In gleicher Weise werden den Bürgern von Stausenberg ihre Freiheiten. Gewohnheiten, Rechte und Befreiung von der allgc- iiieiucn Beede Steuer) durch Laiidgraien Ludwig V. von H c s s e n - T a r in st a d t bestätigt laut Urkunde vom 5. Februar 1 605, gegeben zu Gieben, nachdem Bürger und Rat, beim Erb- tlbergaiig beim Tode Ludwigs IV.des «Aeltcrcn" von Marburg, dcin neuen Landesherren gehuldigt hatten. Die Beslätigunqs- prkniide lautet:

Wir Ludivig, von Gottes gnaden, Landgraf von Hessen, Graf zu Kabcncllcnbogcn, Diez, Ziegenhain und Nidda, belenncn Vor vnb vndt vnseren Erben, Fürsten zu Hessen, öffent­lich in diesem Brief, demnach vns vnsere Untcrthauen, B n r g e r- m c i ft e r, Rath vndt g a n tz g c m e i n d t zu Staufenberg nach ablebcn wehl. des Hochgebohrcnen Fürsten, vnscrcs liehen Vetters Landgrafen Ludwigen des Eltern (Aeltercu) Erb Huldigung gethan vnd darneben ctzliche iintcrschiedlickw besiegelte Briefs Vorgezeiget, darinnen sie . . . bet, Ihren F r e tz- heil e n , g e w o h n h e i t c n Mid rechten bleiben zi, las - s c n, vndt vmb ebenmäßige gnädige Bewilligung gebeten . . . .Ali? haben wir Ihne erasft dieses Briefs . . . lassen bleiben bctz allen I h r e n F r e » h e i t e n . .. die sie dann von der Herrschaft zu Ziegenhain Von alters vndt darnach von vnsern Vor Eltern, Fürsten zu Hessen herbracht haben ... alß dann hochgedachte vnsere Voreltern von der Beede sie befreyet, So wollen wir vnd vnsere Erben Sie damit auch nicht be- s ch w c h r c ii." (L. S.)

16 8 0 erhält Staufenberg durch die Landgräfin Elisa­beth Dorothea von Hessen (als Regentin für ihren un­mündigen Sohn Ernst Ludwig) das Recht, drei Märkte all­jährlich halten zu dürfen, und zwar: Mittwoch nach dem 1. Sonn­tag Trinitatis (Sonntag nach Pfingsten', Mittnwch nach dem 13, Sonntag »ach Trinitatis (etwa September) und auf Mar­tini (11. November), lieber die Eröffnung des Marktes berichtet das Protokollbuch der Stadt Stausenberg (16611714 :Anno 1680 ist auf hochsürstlicher gnädigster Einwilligung der erste Marck zu Staufscnbergk introducieret und ausgeführt worden von denie Edlen vnndt Großachtbahren Herrn Joh. Heinr. Holtsmann, fürstlich-hcss. darnist, wohlbestellten Schultheißen zu Staufscnbergk . . . vndt hatt die aussührung Hut der Bürgerschaft durch offcnd- liches Tromm- u. Pfeisfenspiel gethan. Herr Joh. Tan. Schwahn, Haubtmann über den ausschuß (heute Landwehr) u. Batt. schreibet: zu Allendorf, welchem ein Reichsthaler Zum recompensc gegeben worden." Demnach geschah die Eröffnung des Marktes recht feier­lich unter Mitwirkung des Schultheißen, mit Trommel- und Psciffenspicl. Schwahn war eine vielseitig gebildete Persönlich­keit: er war Landwetzrhauptmann, Balaillonsschroiber und Ba­taillonstambour. Das E r ö f s n u n g s e s s e n durfte natürlich auch nicht fehlen: denn ein Eintrag in der Rechnung von 1680 im November, also am Martinimarkt, meldet:9 alb. für Fisch auf denn Marck, 25 alb. für etlich fedder Vieh, so aus dem Marcr aufgangen, 20 alb. an Christoph Damm, daß er auf dem Marck für die Herrn gekocht." Das Trinken lvar, abweichend von der sonstigen Gewohnheit, sehr mäßig: denn es werden nur 15 alb. (1,20 Mk.)für verschieden getränck" verausgabt. Festessen am Markttage und Musikanfführungen, ja Aufführungen von Schwert­tänzern, sind hier Und da in den Urkunden angeführt: aber städtischerseits scheint nichts mehr für Vergnügen des Stadtrats aus allgemeine Kosten an Markttagen beivilligt worden zu sein- während inan sich sonst fürVerehrungen" nicht spröde zeigte.

Tie Märkte damaliger Zeit warenK r ä m e r m ä r k t e", aus denen die Handwerksmeister des Platzes oder der Umgegend, Schuhmacher, Spengler, Lein- und Tuchweber, ihre verfertigten Erzeugnisse scilboten, und wo man seinen Bedarf, bei dem gänz­lichen Mangel an Verkausslädcn heutiger.Zeit, für Kleidung, Küche, Haus und Hof deckte. Bekannt und berühmt waren fahr- ljundertelang alsSpezialitäten" die Tuchmärktc in Schollen und Ortenberg. Der Krämer in der größeren Stadt war Kolo­nial-, Materialien- und Eisenwarenhändler. In Stausenberg war hauptsächlich das Leinweber- und Schuhinacherhandwevk ver­treten. Eine starke Konkurrenz erwuchs den Staufenberger Schuh- machermeisternauf den Märkten durch ihre Gicßener Zunstgenossen, die schlechteres Leder verarbeiteten,g e p i n » t c" (mit Holznägcln her- gestellte) statt geuähteTchuhe zum Verkauf brackiten und wcgiiGwr bil­ligen Herstellniige-weisc auch billigere Preise machen konnten. Darüber beschweren sich dir Staufenberger Meister und der Rat bei der höchsten Stelle der Landesregierung, bei der Regcntin, richten aber mit ihrem Gesuch nichts aus: denn es wird ihnen der fürst-» liche Kanzlcibescheid, datiert aus Gießen am 13. Dezember 1684, daß im Namen her durchlauchtigen Fürstin Elis. Dorothea, Land- gräsin, geborenen Herzogin von Sachsen, als Vormünderin und Rcgentin in Zachen der Beschwerde des Rates und Bürger­meisters zu Stausenberg gegen die (vießener Schuhmacherzunst für Recht erkannt sei,daß die Gießer Schuhmacher auf den offenen Jahrmärkien Staufenberg gepinnte Schuhe zum Verkauf bringen dürfen".

Der Zunitstreit zwischen Giesener und Staufenberger Meistern dauert fort. 1732 beschweren sich Bürgermeister, Rat und sämt­liche Handwerker zu Stausenberg beim Landesherren, daß sic gezwungen seien, der Gicßener Zunft anzugehören, ^ie richten an ihn die Bitte, zu gestalten, dal, sie eine eigene gemeine Zunft errichten. Die Gicßener drohten ihnen, sic in diesem Falle nickit als züuitig auzzischen, wodurch sic gezwungen seien, das Handwerk niedcrznlcge». Als Grund für die Gründung einer eigenen Zunft geben die Staufenberger an, fie seien nicht imstande, das hohe Zunjlgeld zu erlegen, auch könnien sie bet den Zunst- zusammenkünsten in Gießennicht in angemessener Kleidung er scheinen, wodurch sie der Verachtung ansgeletzt seien". Durch die Niederleg,iilg des Haudiverks Töiinteu sic sich mit dem Ackerbau