Ausgabe 
16.7.1914
 
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nicht allein ernähren. Sie bitten, ihnen gleiche Stadt- rechte zu bewilligen.

Nachdem die Bittsteller abgewicseu, reichen die Schuhmacher eine besondere Eingabe ein, in der sie um E r m ä s> r g u u g des Z u n s t g c l d e s bitten. Seither müsse ein jeder Schuhmacher 18 fl. Zunslgcld entrichte». Dies sei zu lwch: man könne von, Handwerk nicht allein leben. Obschon man dieses nur >, Jahr betrieb, nnssse man doch noch überdies alle Monat 3 Kdeuzcr Kontribution (©teuer' zahlen. Ausserdem inachten sie den Aießener Meistern keine Konkurrenz, da sich ihre Kundschaft aus dem Kasselschen und Rassau-Weilburgischen rekrutiere. Sie bitten, wie man Schneider und Leinweber auchum ein Billiges" in die Zunft ausgenommen, ntöge man sie tin, 68 sl. Zunilgeld aufnehme». Welchen Erfolg die Staufenberger Meister mit dieser Eingabe gehabt, ifr aus den Urkunden nicht drsichtlich.

Neben deni Krämermarkt wurde mit der Zeit auch in Stausen- berg ein B i e h m a r k t errichtet. Er tvurde aus demBurgacker" abgehalte». Ain 22. März 1714 wird als Vergünstigung zur He­bung des Staufenberger Viehmarktes gestattet, alles Vieh, so auf den Staufenberger Markt gebracht werde, solle ein Jahr zoll­frei gelassen werden. Von jedem Stück Viels muhte gewöhnlich eine Abgabe entrichtet tverden; denn in den Steuer-Erheberegistern steht als besonderer Betrag bei den betreffenden Steuerpflichtigen immervon Haußbekh und Feuerschilling, von Gütern vnd jB > e h e, vom Wachtgeld". In einzelnen Jahren wurden in den Verzeichnisse» über 150 Stück Rindvieh gezählt. Ebenso be­deutend war die Schweinezucht. Die Schweine ivnrden zur Eichel­und Eckernmast in die städtischen und staatlichen Waldungen ge­trieben, >vo man auch für Unterbringung des Viehes bei schlech­tem Wetter oder als Ruheplatz besondereHütten" errichtete. Wich­tig ivar das städtische Amt der Kuh- und Schweinehirten, die vor dem Rat jedes Jahr eidlich verpflichtet tourden. Sic waren gleichzeitig Straßenwärter, Torschließer und hatten für die Rein­haltung der Straßen zu sorgen. Sie waren auch Nachttvächtec, diedie Uhr anzublasen und anzusingen" hatten (nachts die Stunde zu verkündigen».

Ta Staufenberg ivenig Wiesen hatte, tvar es oft schwer, in knappen Jahren bei Futtermangel das Vieh dnrchzubringen. Des­halb ivird auch draußen viel einzelit geweidet, wobei nicht immer die Grenze zwischen eigenem und fremdem Boden beachtet wurde. Daher die große Zahl der ivegen F e l d s r e v e l n s, oft 20 im Jahre, zur Anzeige gebrachten Personen, die zurBuße" (Strafe! herangezogeu tverden mußten. DieBüßenden" hatten vor dem Rat zu erscheinen, der ost Strafen bis zu 1,50 Mark im Einzeljalle verhängte. Dieser Strafe entgingen auch dieAde­ligen" oder ihr Verwalter nicht, wenn es denadeligen" Kühen oder Pferden aus fremdem Gebiet besser schmeckte als aus dem eigenen.

Häufig kamen auchBußen" wegen Waldfrevel ns vor, die ebenfalls hart Ivaren, da im allgemeinen es nicht für Unrecht galt. wenn man sich im städtischen Wald für seine Wagendeichsel oder für sein Ackergerät ein Stämmchen holte. Auch die Aufsicht- sührendeil über den Wald deckten manchmal den eigenen Bedarf an Werkholz. 1710 erhielt derWaldhüter" 10 Taler Strafe, iveil er sich einHölzchen" gehauen. Interessant ist auch eine Bemerkung in einemBußregister":Jteni ist gestrafft worden Zwei tunge Barsch, die die Kuhhaut genomüten (soll ivohl heißen, sich ver- muinmten! und ohne der Vätter willen, in unseren ivalt gesahren und ein evghen siämnrcheu gehalten, damit sie Kirmesgcld haben bekonimen. gestrafft jeder 1 Taler." (Die Frevler waren tvohl aus einem benack,barten Dorf, da in Siansenberg selbst keine Kirmes gehalten wurde.).

lFortjctzuttg folgt.)

vermischter.

Der Juli in deutschen Sprichwörtern. Im Juli beginn, in verschiedenen Gegenden Deulfchlairds die Ernte. Mährett» dieser Zeit und schon vorher wir» von den Landleuiei« allgeniein gewünscht, daß eine recht starke Hitze herrsche. Ein ver­regneter oder kühler Juli oder auch nur ein solcher, der keine grelle Hitze bringt, erscheint den Landleuten als eine Kalamität, die schweren Sckraden verursacht Aus allen Sprichwörter», die auf den Juli Bezug nehmen, spricht der Wunsch aus einen recht heißeir Juli. Daß der Juli schon als Erntemonat gelten kann, geht aus beut alten Spruch hervor:Der Juli bringt die Sichel für Peter uud den Michel." Die Weinbauern und Obstzüchter sagen:Nur in der Juliglut ivird Obst und Weit, dir gut." In verschiedenen Gegenden wie in Sachsen und Thüringen heißt es der den Landwirten:Im Juli muß vor Hitze bralen, was im September soll geraten." An der Mosel und am Rbern sagen die Wiirzcr:Wird der Juli trocken und heiß sein, kannst du hoffen ans reck» viel Wein." In der norddeulichen Tiefeben« heitzt ein Spnnb:Im Juli großen Sonuenbraud ist gut für alle Leut' nird Land" und auch:Wenn die Hundstag' hell, tvarm und klar, zeigt's an ein gutes Erntejahr." In bezug auf die Hüirdstage wird da und dort noch der Nachsatz gebraucht:Wer

den Regen ,'re bereiten, bekommt der Landmann schlechte Zeiten" Ern tüchtiges Gewitter mit kurzem Regen kann aber schon einmak kommen, denn:Ein gutes Jnligewitler ist gut für Winzer und Schnitter." Anders ist es, wenn im Juli eine längere Regen- Periode kommt, dann versauli das Getreide, oder es reist nicht recht. Deshalb sagen die Landleute:Langer Jnliregen nimmt fort den Erntesegen" oder auch:Wenn es ün Juli lange regnet, man überall gisiigetn Meltau begegnet". Fast überall bringt der Juli für den Landwirt eine sehr anstrengende Arbeit. Auch das kommt in den Sprichwörtern zum Ausdruck. So heißt es in eurem alten über ganz Deutschland verbreiteten Sprichwort:Wer nicht geht mit dem Rechen, wenn im Juli die Bremsen stechen, nru{j im Winter geh'» mit dein Hcuserl und rufen: Wer hat Heu seil?" Ein anderes Sprichlvort, das dasselbe besagt, heißt:Wem im Juli nicht die Anne stiegen, kann im Winter nicht auf der Osen- bank liegen.

* D i e Kerze als Trinkgeld. Eine lustige Geschichte ans der Reisezeit erzählt ein sranzönscheS Blalt. Der Vorfall er­eignete sich vor einige» Jahre» in einem der ersten Hotel- i» Odessa. Damals und das ist noch gar nicht lange her lehlte es in dieser russischen Stadl noch an elektrischer Belenchtimg, ir»d der Gast, der i» einem der besten Zimmer cinlogierl ivar, innßte sich daher mit Kcrzenbclenchtnn r bcanüaen. Diese aber war mit echt russischer Freigebigkeit äußerst stattlich: an einem vielarmrgen Kronlcnchtcr erglänzten eine stnllliche Anzahl Lichter, die .de» Raum in eine schöne Helligkeit tanchten. Der ermüdete Reifende, der gleich schlale» ivollte, lölchle die Lichter ans, die nur wenige Mistimeter hertmtergebra»»! tvaren, »»d gab sich da»» dem Schlnmmcr hin. Als er aber am anderen Morgen nach dem Frühstück die Rechnung echieli, bemerkte er z» selnem Enllchen, daß die sämtlichen Lichter, und zivar das Stück zn einem ganz imgewöhnlich hohe» Preis, auf die Rechnung gesetzt ivaren. Ohne z» murren, zahlte er) dann aber ging er auf sein Zimmer zurück und steckte sich die teuren Kerzen in die Tasche. Als er da»» beim Verlassen des Hotels den bekannte» Soießrntenlans durch die lang« Reihe der Holelbedienstelcn unternehmen mußte, zog er die Lichter ans der Tasche, reichte sie ihnen mit würdevoller Gebärde hin und sagte : .Greitt schnell zu, denn bei dem Preise, der in diesem Land« für Kerzen bezahlt wird, ist es ein königliches Trinkgeld, das ich ench mit dreier Spende mache I' Vielleicht findet dies Vorbild anch anderivärts Nachahmung mit Glühbirnen l

* Willis Beiveise.Willi" sagt der Lehrer,führe mir drei Beweise dafür an, das die Welt wirklich ruird ist." Janrohl", sagt Willi treuherzig,das Buch sagt es, Sie sagen es ünd Mama sagt es aruch."

* 'Eru Held.Also, Herr Hauptmann, als Sie in der

letzten Schlacht waren, haben Sie da Ihr kaltes Blut behalieu?" Gewiß, ich Halle sogar so kaltes Blut, daß mir alle Glüede« zitterten."__

viichertisch.

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Redaktion: K Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unlversiläts-Buch- und Steindrnrckerel, R, Lang«, Gießen