Ausgabe 
13.7.1914
 
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Verleiten, wo der Götze Stusso angcbelel wurde. Mehr Wahr­scheinlichkeit gewinnt die Herlcitung von st o u s, st a u s lahd- Fels, so d«ß wir zur Deutung des Namens als On zuni felsige» Berg j»m«h. Soweit die Nachrichten reichen, ist Stauscnberg rm Be­sitz der Grafen von Ziegenhain, die es als suldaisches Leben tragen, wie aus der BelehnungSurkundc von 1446 beim Nebergang von Ziegenhain aus den .Landgrasen Ludwig I.den Friedfertigen" von Hessen (14131458) hervorgeht. Wie inag Staufenberg an FulRt gekommen sein? Darüber lassen sich nur Vermutungen anstellen Vielleicht I>at ein begüterter Herr an der Lahn, wie es seit der bonifaziusischen Zeit üblich war,uw seines Seelenheils" willen den Berg an der Lahn mit Wald und anstoßenden Gütern dem Kloster Fulda »um Geschenk gemacht. Je mehr der Grundbesitz des Klosters wuchs, je mehr lag für es die Frage nahe, Güter und Leute der Gau- und Zehntgerichts­barkeit zu entziehen und dafür besondere Gerichtsbezirke einzu­richten, itber die es dann Laien als eigene Vögte setzte. Diese Vögte erhielten daneben Güter als Lehen. So mag sich die Gras- schast Ziegenhain gebildet haben. Mit ihr kam auch Staufenberg vn Ziegenhain. Soweit die Nachrichten reichen, wird um 1111 int Ziegenhainischen ein fuldaischer Vogt Gozmer I. ge­nannt. Er, der Stammvater der Grasen von Ziegenhain, ist wohl der Erbauer der festen Burg Ziegenhain und auch der Vurgfeste Stausenberg gewesen.

Staufenberg Ivird urkundlich erst 1233 genannt. In einer Vcrgleichungsurkund« zwischen dem Landgrafen Conrad von Thü­ringen und den Grasen Gottsried und Berthold von Ziegenhain heißt es:Renunciavinrus etiam omni iuri quod videbaumur habere in castro Stauphenbergh" (Wir haben auch auf olles Recht verzichtet, das wir auf die Feste Staufenberg zu haben schienen). Landgraf Konrad verzichtet also hierin aus sein Recht aus Stausenberg. Dem Besitzer, Gras Berthold von Ziegen­hain, war die Burg an der Lahn bei der damaligen Kriegs­führung zur Zeit des Faustrcchts ein wichtiger Stützpunkt.

Die Burgherren konnten natürlich nicht überall sein und ver­gaben ihre festen Orte wieder ass Burglehen an Ritter (milites), die für sie den Krieg sühnen. Da sie die Bewachung der sesten Orte zu besorgen hatten, wurden sie auch Burgmannen (ca- ftrcnses) genannt. Der Gras von Ziegenhain übergab seine Burg Staufenberg .an Burgmanne». Ms erste werden 1258 Urkund­lich genannt die Mitglieder der Familien von Rolshausen und dse von Schabe. In dem' Erbschastsstreit wegen der hessen-thüringischen Lande zwischen Sophia von Brabant und denr Markgrafen von Meißen verwüsteten die erzbischöslich-mainzischen Mannen von Änioeneburg vus, die Ziegenhainer von Staufen­berg aus das ihnen benachbarte hessische Land. Deshalb joll Sophia 1252 gegen das benachbarte Kurmainz mit seiner Feste Amoeneburg und gegen Ziegenhain mit Stausenberg sich selbst zum Schutz eine feste Burst südlich von Marburg, die Frauen- bürg (erbaut von einer Frau) angelegt haben.

Die Tochter des Landgrafen Heinrichs I.,des Kindes" von Hessen, Mechthild, heiratete den Grasen Gottfrrcü von Ziegenhain, der ihr als Witwensitz 1288 Stausenberg bestimmte. 1303 brachte sie von .Elisabeth von Falkenstcin, einer geborenen Gräfin von Zieacnbain, auch den anderen Teil von Staufenberg um 350 Mark Damaliger Rechnung) an sich. 12 9 6 wurde Stausenberg vom Kaiser Avis von Nassau belagert. Hierhin, aus die feste Burg feines Schwagers Gottfrieds von Ziegentzain, hatte sich Landgraf Otto von Hessen, der mit scinein Vater Heinrich 1. in Erbstreitigkeiten lebte, zurückgezogen, nachdem er sich noch bet Lebzeiten seines Vaters hatte huldigen lassen. Der alte Landgraf hatte Kgiser Adolf um Hilfe angerusen, der auch mit einem stattlichen Heere, dos ihän die Erzbischöfe von Mainz und Köln, Herzog Rudolf von Baiern und der Abt von Fulda zusührten, vor der Burg Staufenberg erschien. Aufs beste hatte man sich hier zum Gegenkampf gerüstet. Monate vergingen, die Belagerten trotzten allen Angriffen des kaiserlichen Heeres. Doch >oas hals es den Nicderhessen und Ziegenhainern, tvenn sie sich auch löwen­mutig wehrten; sie mußten sich der Uebermacht ergeben. Otto Mußte zufrieden sein, daß er noch für sein Leben Gnade beim Kaiser fand. Otto söhnt« sich später mit seinem Pater aus und erbaut« sich 1307 eine Burg in Biedenkopf.

135 9 verpsändctc Gottfried VI. von Ziegcnha,» Stausenberg an die llldeligen von Rolshausen um 3500 sl. UM diese Zeit, als Landgraf Hermannder Gelehrte" in Hessen regierte, trieb das Raubrittertum sein Wese». Als der Landgraf gegen es vorging, bildete sich gegen ihn derS l e r n e r b u II d". Der Ansührer dieses Bundes, dem auch ein großer Teil des hessischen Adels angchörle, war Gottsrred von Ziege n - Hain. Ter Stern, den er in seinem Wavpen führte, und den seine Ritter golden am Steigbügel oder am Helm, die Knappen silbern trugen, war das Bundcszeichen. Wilde, beutelustige Scharen durchstreiften das Land »rnd traten alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellte. Städte wurden überfallen und geplündert, Dörfer niedergebrannt, Saatfelder zerstört. In dieser Not fand der Landgraf eine treue Stütze an seinen Vasallen, Burgmanncn und Bürgern seiner Städte, Auch die Burgmännen und Bürger der Stadl Gießen verpflichteten sich, in der Fehde mit Gottsried von Ztegenhain sich geaenseitig zu unterstützen und den entstan­denen Schaden gemeinschaftlich zu tragen, ivie hie Urkunde vom

8. Dezember 1370 besagt:W irdieBurg manne gemeiniglich zu denen Gyssen erkennen . , als die Sch essen vnd Bür­gere gemeyniglich zu denen Gyssen sainptliche in Krieg und beschaff kommen wären mit deme G r a v e n von C y g e n - harn und darin Kosten und schaden . . gelitten vnd gehat Han darzu sollen vnd wollen wir daselbige (dasige) Burgmannen ihnen helfen vnd rathen . . . vnd sollen dieselbe Schesfen vnd Bürgere vns dasselbe wie­der t h u n. Hierbei sinn gewest gezeuge (Zeugen) Herr Crafft von Rodcnhausen, Rupert, Eckard, Schlaun vnd Friedrich von Busecke, die von uns den Burgmanne gemeiniglich dazu gekohren vnd geheißen synt." . . . Tic Burg Staufen berg lourdc damals (1370t, als sich Gottfried von Ziegenhain dahin zurück­gezogen hatte, von den Burgmannen und Bürgern von Greben belagert. Von 14191447 ist Staufenberg an den Erzbischof von Mainz und die Herren von Rvdenhausen verpfände!.

Landgraf Ludwig I.,der Friedfertige" von Hessen stand in freundschaftlichem Verhältnis zu dem Grasen Johann II., dem Starken" von Ziegenhain, mit dem er auch eine Reise nach Jerusalem machte. Gras Johann befand sich stets in Geldverlegen­heit, aus der ihm der Landgraf half. So fam es, daß Jvhann schon bei Lebzeiten, da er kinderlos war, den hessischen Landgra­fen zum Erben der Grafschaft Ziegenhain einsetzle. 1447 hatte der Landgraf mit 4115 fl. die Pfandschaft ber der Burg Staufen­berg bei deM Erzbischof von Mainz eingelöst. Ms 1450 Johann starb, belehnte der Abt von Fulda, als oberster Lehnsherr, Landgraf Ludwig von Hessen mil dem Ziegenhainischen Lehen, darunter auch mit Staufenberg. So kam Stausenberg an Hessen. Auf die Bestätigungsurkunde der Freiheiten der Stadt Staufen­berg von 1450, die sich im Original in dem Stausenbmger Archiv findet, werden wir später 'zurückkoMmen. 1453 komnien Burg und Stadt Staufenberg in Psandschast von Themme von Weitols- hausen, sgenannt Schrautenbach (Badenburg). 1490 überträgt Lanf»- graf Wilhelm III. von Hessen die Amtsmannschast über Staufen­berg seinem Rat Hauck, nach dessen Tode wurde es 1497 an die von Berlepsch sür 2000 Goldgulden verpfändet, bis es dann 1507 in Psandschast von Friedrich und Curt von Rols­hausen kommt. De Verpfändung von Schlössern, Städten und Aemtern war ein beliebtes Mittel der damaligen Zeit, um sich Geld zu verschaffen, natürlich mit dem Recht, sie später wieder ein­zulösen. .

Wenn seither von der Burg Staufenberg die Rede war, so bezog sich dies nur auf die obere Burg, die heute in Trümmern liegt. Diese obere Burg war keine eigentliche Hofburg: sie sollte nur in Kriegszoilcn als sichere Zusluchtsstätte dienen. Wie schon früher erwähnt, soll sie um 1111 von Gozmer I. von Ziegentzain erbaut worden sein. Sie wäre demnach 200 Jahre jünger al§ der Gleiberg und ungefähr gleichaltrig mit der alten Burg in Greßeü her der Stadlkirche gewesen. Auf der höchsten Stelle des Berges stand der Bergfried: daran schlossen sich der Burghof imd dashohe Haus", der Palas. Später wurde die Burg erwei­tert. In dem unteren Teil des Burggeländes staichen Wirtschafts­gebäude und Stallungen. Nach von Ritgen bildete das Haupt­gebäude, der Palas, ein Rechteck von 86 Meter Länge und 12 Meter Tiefe. Es hatte ein Erdgeschoß und 2 Stockwerke. Nach etner Abbildung bei Merlan von 1606 erscheint das Haus in vier Stockwerken. Landau (Hessische Ritterburgen) sagt:Ae

O b e r b u r g bestand aus einem viereckigen Hauptgebäude mit vier Eckihürmchcn. Eine hohe, nach der Stadtseite lausende Mauer umgab den Schloßhos, dessen beide Borderecken durch zwei Thürm« geschützt wurden: rechts stand ein, wie es scheint, Mt dem Ge­bäude gleich hoher Turm mit Zinnen: links ein kleinerer mit effiem spitzen Kogeldache."

15 71 wurde Staufenberg Mit allenZubehörungen" (Abga­ben und Zinsgesälleni vom Landgrafen Ludwig IV. von Mar­burg an Friedrich II. von Rolshausen verpfändet, von Rolshausen hat die uni Reversboies außer der Pfandsumme von 6000 ff. noch versprochenen 600 ff. verbaut und die Burg er­weitert, weshalb denn auch bei Mevian die Burg mit vier Stockwerken erscheint. Der Landgras behält sich in der Pfand­urkunde für sich noch aus:Pfarrkirchen vnd ander« Ordnungen, darzu Gulden we,nzoll, appellation Sachen, Bolgesteuer vnd schatznngen."

Der Reversbrief von 15 71 über die Pfandver­schreibung des Schlosses und der Stadt Stausen­berg an Friedrich von Rolshausen lautet:

Ich Friedrich von Rolshausen Ihue künlh hierin vor mich vnnd meinen Erben, das der Durchleuchte hochgeborene Fürst vnnd Her Ludwig, Landtgrawc tzu Hessen Grawe tzU Caßenellenbogen Tietz Ziegenhain vnnd Nidda main gnediger Fürst vnnd her seines jürstl. gnaden Schloß vnnd Stadt Stauffenbergk mit Ihrer An- vnndt tzugehoruno vor vnndt vmb segstausend Guldenn, Iden tzu tzwanzig sieben alb. oder funszehen batzen gerechnet, verpfendet vnnd ernge- r a u m p t hat, laut seiner fürstt. gnaden Verschreibung, so von Worten tzu Worten hernach volget:

Bon Gottes gnaden Wir Ludwig Landtgrawc zu Hessen pp. thun kunth mit diesem öfsentlichenn vor Uns, Un­seren erben vnnd Nachkonttnen, Fürsten zu Hessen bekennende, das wir Mt Zoittigem Vorgefaßtem Rath, auch rechter guttcc