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In feinem öeuen regte sich jetzt ein Wunsch, ein wahnsinniges Hoffen i Wenn sie doch Muten, die wilden Wo gm. mit ihren Eisbergen, lvenn sie ihre Wucht doch verzehnfachten.
Mer dann dachte er an Arda und Seede, und nun packte ihn wilde Angst um diese Menschen. Er trat zum Deichbevollmächtigten und brüllte ihm eine Krage ins Ohr. Aber der Sturm nahm die Worte hinweg, und der Friese zuckte mit den Achseln.
Wieder zischte eine Leuchtrakete l>»ch, in einem wundervollen, feurigen Bogen, und bei ihrem Schein sah man, daß das Eis kaum noch zweihundert Meter vom Lande entfernt war.
Die Wogen stiegen, die Wellen bäumten und überstürzten sich, die Schollen türmten sich zu Bergen imb prasselten dann krachend zusamnien. Und hundert kleine Wellen rannten pach dem Strand und sprangen ans Land, ivie vor einem Unhold fliehende Kinder, und dann kam mit majestätischer Ruhe eine Riesenwoge gerollt, und aus ihrem Rücken hockte ein ungeheurer, vielzackiger Eisblock. Jetzt tvar er am User, setzt trieb er über den Bordeich und jetzt prallte er an den Deich und der Boden erzitterte und der Eisblock rollte knirschend unb splitternd den Damm hinunter ins Meer zurück.
Aber er fiel aus weißgläuzende Kameraden, die schoben ihn wieder vorwärts und rammten ihn von neuem an den Damm, wie einen Belagerimgswidder der alten Zeit.
Tie hartgefrorene Erde spritzte hoch aus und im Nu Raffte ein meterbreiter Spalt im Deich.
Mer sofort regten sich hundert fleißige Hände, und noch ehe der nächste Anprall erfolgte, war die Bresche ausgeswpst mit Erd- und Sandsäcken und jestgestampst. Wer nun war das Gi» da, der Feind auf der ganzen Linie. Das krachte und kinrschte, und die Eisblöcke balgten sich wie weiße Riesenkatzen und schoben und drängten sich und die Flut warf sie mit unwiderstehlicher Gewalt an den'Damm. Hier entstand ein Loch und da ein Riß. Aber die Hunderte von Menschen, Männer und Frauen und Kinder, taten wacker ihre Pflicht, und noch nirgends hatten die gierigen Wogen eine Pforte gefuichen, um ins Hinterland einfallen zu können.
Auch Arda war jetzt mit auf dem Damm und sie rang Seite an Seite mit Rene mit deni Meere. Der ganze Vordeich lvar nur noch ein gräßliches Meer mahlender Eisberge. Aber die Friesenleute verloren den Mit nicht.
Da ertönte ein furchtbarer Schrei.
Rene sah im matten Schein der schwelenden Holzfeuer, wie Arda von einer Welle ersaßt worden war, er sah, wie sie mit den Armen einen Eisblock umklammerte, aber weggerissen wurde, und im Augenblick verschwand sie im Strudel. Rene, der für einen kurzen Mtoment vor Schreck gelähmt war, sprang.jetzt mit einem riesigen Satz in die Wogen, und er schrie auf wie ein zu Tode verwundetes Tier. Er stieß sich mit den Händen und Füßen aus den Eisblöcken fort, er ward von kleinen Eisbergen niedergeworfen, aber er rang sich wieder nach oben und stürmte den anflntenden Wogen entgegen. Da sah er neben sich Arda. Sie stand mit dem Gesicht nach dem Lande zu in den Eismassen und schützte sich das Haupt mit den Armen und Händen gegen die anprallenden Eisstücke. Und Rene faßte sie um den Leib und hob sie mit übermenschlicher Kraft empor, und er trug sie, bis an hie Brust im .Eise watend, strandwärts Da kamen ihm zehn,
f wanzig Hände entgegen und sie nahmen ihm Arda ab. Aber im elben Mgenblick verließen ihn die Kräfte. Er konnte den rücklutenden Wogen nicht niehr »viderstehen, und obgleich sich kräftige Arme nach ihm ausstreckten, ward er doch sortgerissen und die Eismassen überschütteten ihn und rissen ihn mit hinaus in das weite weite Meer.
Der Einzug der ersten zreiheitskampser in Berlin vor hundert Jahren.
Die große Ein»ugsseierlichkeit für die Helden der Freibeits- kriege fand in Berlin am 7. August statt, aber die Berliner ließen ei sich Nicht nehmen, auch die ersten heimkehrenden Truppen mit Empsangsseierlichkeiten zu begrüßen. Straßen und Häuser waren festlich geschmückt, Und ein Kranz von Ehrenjunasrauen versammelt.
Die freiwilligen Gardejäger waren die ersten, die aus Paris ani 4. Julr in Berlin einzogen, begrüßt von den begeisterten Berlinern. ?luch Barden hatten in ihre Leier gegriffen und den siegreichen Kriegern Lieder gewidmet, die sich mehr durch ihre gute Gesiimung als durch poetische Schönheit anszeichneten. Sie wurden in Flugblätter» ausgegeben. Die Blätter sind sehr selten, und so ist es interessant, etwas von ihren vergessenen Versen zu hören.
Der eine singt:
Wir zollten Euch der Achtung hcil'ge Zähre,
Als Ihr von uns das Lebewohl empsiugt,
Und Ihr — so mutherfüllt — die Bahn der Ehre Mit Gott zu großen Heldentaten gingt!
Mit Hochgefühl vernahmen wir die Kunde Bon Cuerm Muth. von Eurer Tapferkeit,
Und segneten im Voraus schon die Stunde,
Die uns nun heute namenlos erfreut!
SMboa
8km Herzen bemy „Willkommen Söhn«!
„Mr ehren, lieben, banken, seeguen Euch!
>,Die Allmacht blicke lohnend aüf Euch Nieder I
Ja, Euer Lohn setz Euern Thaten gleich r
E Sie, die wir nicht mehr entzückend grüßen, die die Freude Mt kein Röschen bricht —i -s sehn wir Sie, hochseeltg, dort genießen Den schönen Lohn der treu-erfüllten Pflicht!
Den lviederkehrenden Kriegern widmete Friedrich Heyne gleicht» falls ein Poem, das mit folgender Strophe begann:
Begrüßt, begrüßt, im Klang der Lieder,
Mit lautem Jubel, heiterm Blick,
Die braven, vielgeliebten Brüder!
Sie kehren, siegbekränzt, zurück. —
Seyd tausend — tausendmal willkommen In unsrer Mitte, All' zugleich! —
Die Seegnung habt Ihr mitgeiromMen;
Den Seegen bringt Ihr uns mit Euch. —> Theatervorstellungen imb Illumination schlossen dann bch» festlichen Tag ah. _ 0. K.
vermischte«.
— Bon der Verwendung des Spinnengewebe8*
Wozu wohl der lästige Staubfänger gut sein könnte, mag manche HauSsrau fragen, wenn sie ihvÄ letzten Rededuells mit ihreni dienstbaren Geist gedenkt. Nun — das ist doch sehr naheliegend, das Gewebe in der Werse wie das Rohprodukt unserer Seiden« spinner zu Verivenden. Ist auch geschehen: jedock, läßt sich auI begreislichen Gründen das Raubtier nicht in der Menge heran- züchten, daß ein Industriezweig bestehen könnte. Man hat die Gewebe früher, besonders die der Hansspinnen, zu medizinischen
? Zwecken benutzt. Sie sollten treffliche Dienste gegen das Wechsel- ieber leisten, wenn man sie, nachdem sie auf einem Rohrsduhl oder Drahtsieb energisch ausgeklopst und vom Staube gereinigt loaren, mit einem Wiegemesser fein zerschnitten in Butter auf Brot gestrichen genoß und dieses in bestimmten Zwischenräunren wiederholte. — Bis auf unsere Tage hat sich noch der Brauch erhalten, sie, ebenfalls vom Staube gereinigt, aus blutende Wunden, ja sogar auf das entzündete Auge zu legen. Nicht allbekannt dürste es sein, daß Spinnfäden in der Astronomie verlvendet Iverden. Bor dem Okular des Fernrohrs sind eine Anzahl solcher Fäden in der Weise wie die GradneMiien auf dem Globus ge« ordnet, um den Ort des Durchgangs im Bilde des Fernrohrs imb indirekt mit Bezug auf eine Normaluhr auch die Zeit so genau wie möglich bestimmen zu können. Merkwürdig isr ihr Gebrauch in der Lichtlehre. Man benutzt zur Erzeugung sehr feiner Spektren (Lichtbänder aus den sieben Regenbogenfarben, aus denen das Sonnenlicht besteht: Gitter, die über 1000 Stäbe auf ein Millimeter Breite aufweisen. Zur Herstellung solcher Gitter vertvandte man bis vor kurzem noch Spinnfäden. Wenn auch nicht eine besondere Industrie entstehen kann, so unterläßt man es in China nicht, sehr feste Fäden einer Spinne im Gewebe der sogenannten Seide des Ostmeeres zu verarbeiten. Auch verwertet man in Südkarolina und Paraguay die Gespinste von Nephila plumipes und Epeira socialis.
* Nichts Besonderes. Sie: „Worüber sprachst Du denn so eifrig mit Jack?" Er: „Ach, über nichts Besonderes." Sie: „Wie könnt Ihr immer so viel über Euch selber reden!"
* Praktisch. „Wenn Du mit Deiner Frau ausgehst —: weshalb bleibst Du dann immer oben und kommst erst nach, wenn sie auf der Straße ist?" „Ach, sie kann dann gleich heraus- telephonieren und sagen, was sie alles nntzunehmen vergab."
* Die zweite Geige. Heck: „Spielen Sie irgend ein Instrument?" Peck (traurig): „Ja, die zweite Geige — zu Hause."
Silbenrätsel.
aar, au, bert, dan, fer, «au, ge, mark, ing, ka, uen, nie, och, rite, ro, seit, te, wer.
A„S vorstehenden Silben und Buchstaben sollen acht Wörter
gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten „ach oben gelesen den Namen eines Komponisten ergeben. Et bedeuten aber die einzelnen Wörter solgendes;
1. Ordnung der Insekten.
2. Eine» Schmuckstein.
3. Beliebten Juaendschriststeller.
4. Männlichen Vornamen.
5. Schweizerischen Kanton.
6. Italienischen Dichter.
7. Tionische Gewürzvstanze.
8. Name mehrerer Städte.
Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung des Rätsels in voriger Nummert Sorge, Sarg.
Redaktion: kt Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lchen UnioersttätS-Buch« und Steindruckeret. R. Lanae. Gieß«»


