Ausgabe 
6.7.1914
 
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den Menschen eilte Menge toter, auswendig gelernter Formel­kram, der über kurz oder lang wieder vergessen ist, was nützt ihnen ein Schema? Sie müssen reden lernen, erzählen, sich ans­drücken, etwas zu berichten verstehen. Ihre Phantasie mutz aus- aebildet werden und dadurch ihr Innenleben, dann werden es Menschen, die in der Welt bestehen können. Verzeihe meine lange Rede, Du wirst ja morgen selbst sehen, was meine Schüler können,"

Und während Seede begeistert sprach, sah Rene, wie Ardas Augen voll freudigen Stolzes auf Seede ruhten, er sah, wie ihr« Verlegenheit, die sie fast den ganzen Abend gezeigt, verschwun­den tvar.

Er fühlte, wie sie ihin dann bestimmt ünd voll Ruhe die Hand zum Gutenachtkuß reichte, und er sah, wie sie ihm voll und ruhig in die Augen schaute, und er ivutzte, datz der Kampf in einem Menschenherzen in Kürze entschieden werden kann, wenn das Herz grob Und stark ist.

Und als er in seiner Kammer stand uich drailtzen die Bran­dung des Meeres herüber klang, ivurde ihm klar, datz er hier nichts mehr zu fucheil habe.

lSchlutz folgt.)

Lin seltsamer Zinn bei den pflanzen.

Der amerikanische Naturforscher S. Leonard Bastin veröffent­licht in, Scientific America» die Ergebnisse von einer Reihe sesseln- der Beobachtungen und Versuche, die neue Beweise bringen für die seltsame Fähigkeit der Pflanzen, ohne Augen, ohne Geruchs- und ohne Gehürsorgane die Anwesenheit bestimmter Gegenstände wahr- zunehmeu oder zu fühlen und ihr Verhalten danach einzurichten. Es handelt sich gleichsam um eine Fähigkeit des Fernfühlens bei den Pflanzen, um die Fähigkeit, Gegenstände zu spüren, mit denen sie nicht in unmittelbare Berührung gekommen sind. Es ist srfemnt, daß der Sonnentau Fliegen sängt,' die Blätter dieser Pflanze sind mit sehr empfindlichen Fangarmen ausgerüstet, die die Beute umschlingen.

Allein das Laub des Sonnentaus", so führt Bastin aus, zeigt noch ein anderes überraschendes Merkmal. Wenn man in einer Entfernung von einem halben ZoU vor jedem Blatte eine Fliege befestigt, wird man Zeuge eines seltsamen Vorganges. Nach kurzem sieht man, datz die Blätter sich ivahrnehmbar der Beute zugeneigt haben: bald haben die Fangarme die unglückliche Fliege erreicht und beginnen das Opfer zu umschlingen. Mit jedem Augenblick wird das Schicksal der Fliege gewisser, ein paar niüde Zuckungen noch, und sie ist tot." Hier liegt also der Fall vor, daß die Pflanze nicht eine Beute festhält, die zufällig in ihr Bereich gekommen ist, sondern sie nähert sich ihreni Opfer, verfolgt es und packt es, sie geht regelrecht aus die Jagd.Manche Pflanzen sind höchst skrupellos: außerstande, sich selbst zu ernähren, machen sie Jagd aus ihre schwer arbeitenden Genossen. Das tut beispiels- Iveise die Flachsseide, eine der schlinimsten Parasiten, die, von den ersten Wochen ihres Daseins abgesehen, nieder Wurzel »och Blätter hat und sich als Blutsauger von anderen Pflanzen ernährt. Die Flachsseide keimt im Boden und strebt in einem seltsamen faden­artigen Wachstum empor. Nun kommt für die junge Flachsseide alles darauf an, beizeiten eine geeignete Gastpslanze zu packen, sagen wir eine Kleepslanze. Nichts ist nrerkwürdiger zu beobachten, als die Weise, in der das fadenartige Gewächs im Grase und über das Gras hinwächst, auf der Suche nach einem Opfer. Kommt die Flachsseidc dabei in die Nähe einer Kleepslanze, dann wächst sie plötzlich mit gesteigerter Schnelligkeit weiter, bis sie das Opfer erreicht hat. Nun vermehren sich die Fäden tausendfach und er­zeugen unzählige Sauger, die der Kleepslanze den Lebenssaft ent­ziehen." Als einen weiteren Beweis für die Fähigkeit des Fern- sühleus teilt der Forscher eine Beobachtung mit einer Erbse mit. Neben der jungen Pslanze wurde in einer Entsernuug von fünf Zentimetern ein Stock befestigt. Binnen weniger Stunden geschah etwas lleberraschendes. Die junge Ranke, die bisher zwischen zwei Blättern emporsprotz, nahm eine wagerechte Haltung an. Das wäre an sich nur eine bekannte Wachstumerscheinung: aber die Ranke nahm geradenwegs die Richtung auf den Stock. Schließlich lehnte sich der ganze obere Teil der Pflanze zu dem Stock hinüber, indes die Ranke sich emsig festzuklammern begann.Man kann sich schwer der Vorstellung erwehren, daß die Ranke, wenn das Wort gestattet ist, wußte, daß die Stütze in erreichbarer Nähe war." Ein anderes Beispiel: Auf einem Eisendach, das an einer Stelle durch Rost schadhaft geworden ist, siedelt sich ein Kaktus an. Er strebt dem von dem Rost gesressenen Loche zu. In dem Augenblick, da es erreicht ist, beginnt eine erstaunlich starke Wurzelentwicklung: und die Wurzelfasern werden drei Meter tief durch die Luft in grader Richtung zum Boden hinabgeschickt.

Scho» vor Jahren beobachtete Dr. Carpeuter eine» ähnlichen Fall: in einer Aushöhlung aus der Krone einer alten tvelkenden Eiche kommt der zufällig dorthin verschlagene Same» eines Elfe- beerbalimes zur Entfaltung. Er wächst eine Weile, findet anschei­nend im Moder Nahrung, aber sie reicht nicht aus. Nun beginnt der Elsebeerbaum von dem Gipfel der Eiche Wurzeln hinabzusenden, und zwar durch den hohlen Eichstamm. Die Wurzeln werden so

stark, daß sie tvie ein Bündel junger Stämme erscheinen. Allein

in der Richtung, in der sie dem Boden zustreben, liegt ein großer Stein von etwa 1 Fuß Durchmesser. Hätten die Wurzeln ihr Wachstum in der bisherigen Richtung fortgesetzt, so wären sie auf den Stein gestoßen. Allein etwa einen halben Meter oberhalb des Steines spalten sich die Wurzeln: eine Wurzelfaser weicht nach rechts, die andere nach links aus, gabelförmig streben sie über den Stein, ohne ihn zu berühren, zur Erde und dringen hier in de» nahrhaften Boden . . . _

vermischte».

* D i e Dualität und ihre Gefahre». Ei» eigentüm­licher Fast von doppelter Persönlichkeit oder Dualität hat eben di« eiiglische» Gerichte beschä'tigt. Ein Oberst war angeklagt, ver­leumderische Briese über eimfunges Mädchen an sie und ihre Be­kannten geschrieben z» baden. Eine große Sensation erregte es, als die Klagxst'ihrenden plötzlich »m Einstellung des Versahrens baten, da es sich heransgestelll hatte, daß das jnnqe Mädchen selbst die Urheberin dieser Briese war. Dieser seltsame Fall, in dem ein Mensch zwei Persönlichkeiten besitzt, die augenscheinlich voneinander unabhängig sind, ja sogar sich gegenseitig veradschenen, ist schon mehr als einmal von Aerzten beobachlet worden. Der ameri­kanische Psychologe Dr. Morton Prince beschreibt einen Fast, in dem er durch sorgfältig« Beobachtimgen, mit Hille von Hypnotismus, nicht weniger als fünf verschiedene Persönlichkeiten scflstestlen. All diese hatten wenig Verständnis oder Sympathie füreinander, ob­gleich sie denselben Körner bewohnteil. Eine Miß Beanchamp, die >m!er Dr. Princes Beobachtung kam, Halle eine zweite Persönlich­keit, die sich Sally nannte. Sie zeigte eine heftige Abneigung gegen das normale Individuum und tat alles, um es zu kränken Ein­mal, als sie gerade .Sally' war, ging die unglückliche Blitz Bea»- chainp hin und sainmelte Insekten, Schlangen und Würmer, lat sie >» eine Schachtel und schickte ste an Blitz Beauchamp. Als sie wieder zn sich ld. h. ihrer eigene» Periönlichkeilj kam, verlor sie fast de» Verstand vor Enlsetze» über den Inhalt der Schachtel. Doch hatte .Sally" ohne Granen die Kriechtiere angesaßt, die Miß Beanchamp so verabschenie. Dieser Fast mit seinen Kränkungen durch die Post ist de,» oben angeführten nicht unähnlich. Zuweile» bringt ei» grober körperlicher oder geistiger Schrecken diele beiden Halsten z» einer konstauleu Persönlichkeit zusamme», doch stützt sich der Nervenarzt meistens ans Suggestion. HypnotiSnnis ist nicht olt von Erfolg, dg gerade diese an Berivtrrnng der Persönlichkeit leidendeil Patienten sich nt ist leicht hypnotisch beeinflußen lasse». Die Frau soll mehr daran leide» als der Man». Elue der iii- teressautesteu literarischen Studie» auk diele \n Gebiete ist des be­rühmten englischen Schriststellers Stevenson Novelle: Dr. Jekyll and Mr. Hyde. _

vilchertisch.

Griebens Reiseführer. Band 170:Die Lüne­burger Heide". Mit 3 Karten. (Mk. l..) Verlag von Albert Goldschniidt, Berlin W. 36. Die Lüneburger Heide, die noch bis vor kurzem von der Touristenwelt recht stiesniütterlich behandelt wurde, konnnt neuerdings als Reisegebiet immer inehr in Be­tracht, und der soeben erschienene Griebeniche ReiseführerDie Lüneburger Heide" dürfte sicher vielen sehr willkommen sein. Man firtbet in dem kleinen handlichen Buch eine Fülle von Leidetouren. Um die Uebersichtlichkeit nicht zu er'chwere», bat sich der Autor bei aller Ausführlichkeit doch auf eine knappe Darstellung beschränkt, wodurch eine praktische, äußerst leichte Orientierung möglich ist. Ganz besondere Berücksichtigung fand die 1913 eröfsncte BahnlinieLüneburgSoltau", die dem Besucher der Heide so interessante neue Touristengebiete erschloß. Alle neniieiisivertei, Ortschaften die alte Heidestadt Lüneburg nit der Spitze sind eingehend behandelt. Das KapitelReise- pläne" ivird demjenigen, der zum erstenmal das Land der Erika betritt, besonders angenehm sein, ebenso die Notizen über Geo­logisches, Berkehrsverhältnisse, Bevölkerung, Geschichtlickles nst». Ein gutes Kartenniaterial ist dem Führer beigegeben und erhöht seine Brauchbarkeit, _

Magischer Dreieck.

1 3» die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstabe» a a, b, c e, g g g, i i, r, a s s « derart einzutrage», daß die einanber ent­sprechende» wagerechte» und senkrechte» Reihest'gleichlautend solgeudes bedeiileu:

I. Eine,! Bildhauer.

2, Griechische Götti».

3. Ein Fahrzeug.

4. Allrömilche Münze

5. Eiiie» Buchstabe».

Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung des Zilateurätsels in voriger Nummer:

Nichts halb zii t»n ist edler Geister Alt

Redaktion: ld Neurath. Rotationsdruck und Vertag der Brühl'Ichen llniverstläts-Bnch- und Stelndruckeret, R. Lange, Diestern