Ausgabe 
8.7.1914
 
Einzelbild herunterladen

Kinderseele.

Roman von Reinhold Ortmann.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Sie blieb immer gleich kühl und ruhig Wenn es aber eine entrüstete Auflehnung weiblichen Stolzes sein sollte, was ans ihren Worten sprach- so hatte sie jedenfalls nicht den rechten Ton angeschlagen, ihn von ihrer Empörung zu überzeugen.

(,,0*1, (ich habe ein Recht dazu," beharrte er,denn für mich gibt es auf der ganzen Wett nichts inehr als das glüheiwe Verlangen, Sie noch einmal glücklich zu sehen."

Sie legte den Kopf auf die Seite und sah mit einem spöttischen Zucken der Lippen zu ihm auf.WaS für ein Komödiant Sie doch sind, mein lieber Reibnitz! Mer Sie dürfen inich nicht für eine Regine .Kreidet halten, der man mit pathetischen Worten den Kopf verdrehen kann, !Jch ivürde von dem Manne, an dessen leidenschastliche Liebe ich glauben soll, wahrhaftig mehr verlangen, als schöne Redensarten."

So verlangen Sie doch endlich etwas von mir!"

Seine Hände auf das Tischchen stützend, mit einem Aus­druck höchster Spannung in dem blassen Gesicht, hatte er sich gegen sie vorgeneigt.

Aber sie machte eine abwebrende Bewegung.Ach, das ist doch alles Unsinn! Wozu sollen wir noch weiter darüber reden?"

Aber ich will davon reden, Frau Jrnia ich will! Denn so nne es jetzt ist, kau»- ich es nicht mehr lange ans­halten. Ich zittere bei dem Gedanken, daß Bardeleben eines Tages wieder aus Klein-Ellbach erscheinen könnte und"

Warum zittern Sic? Doch nur, weil Sie sich vor ihm fürchten."

'Es bereitet Ihnen, wie es scheint, ein grausames Ver« gnüaen, dies Wort immer auf» neue zu wiederholen Mer vielleicht werden Sie eines Tages den Beweis dafür er­halten, daß ich mehr Anlaß hatte, mich vor wir selbst zu fürchte», at? vor ihm."

Das ist zu doch für mich Wollen Sie damit etwa an- deuten, daß Sie sich mit irgendwelchen finsteren Plänen tragen?"

Was Sie sehr belustigend finden würden nicht wahr?"

Mit Ihrer Erlaubnisi ja, Herr v. Reibnitz! Der Mann, dem ich derartiges zntrauen könnte, müßte doch wohl anders aussehen als Sie. Er müßte es überdies mit einem anderen Gegner zil tun haben als mit meinem Manne."

Das fahle Gesicht Botho v. Reibnitz' hatte sich verzerrt. Ich glaube, Sie kennen inich noch sehr wenig, Frau Irma," stieß er hervor.Wenn es sich darum handelte, Sie ans Ihren Ketten *u befreien, würde ich es unbedenklich nicht

bloß mit einem Harro v. Bardeleben mit einem ganzen Dutzend von seiner

Als wäre sie deS Gespräches nun wirkt!

aufnehiw : Art."

ett, sondern

überdach ck

rdrnssig für«, cfwüftta

[faul wie

geworden, staub die junge Frau auf.Ein Glü daß Worte nicht töten rönnen," sagte sie Würde es keiner anderen Waffen bedürfen, ich gl hätten es in der Tat längst fertig gebracht, mich es neiineii, aus meinen Ketten zu befreien."

Für einen Augenblick preßte er die Lippen zusammen. Dann, ehe sie es hatte bindern können, erfaßte er mit uw- gestümem Druck ihre beiden Hände

Treiben Sie mich nicht zum Aeußersten, Irma! Ich bin nur ein Mensch. Und es gibt'Stunden, in denen tch allen Ernstes fürchte, verrückt zu werden. Ein Wort voü Ihnen, und dieser Bardeleben"

Mit einem Ruck hatte sie sich freigemacht.Ich ver­biete Ihnen, noch länger in diesem Ton zu mir zu reden

Uich wen» Ihnen daran gelegen ist, daß i Verkehr mit Ihnen fortsctze, so lassen Sie

(toi | ich's ein für al

mal gesagt sein, daß mir unter allen Menschen die am un-

-_i_r-v_.tri_ ri_v -;i--- ,ße

erträglichsten sind, die beständig mit großen Worte» um sich werfen, ohne jemals den Mut zu einer entscheidenden Tat aufzubringen. Daß ich nicht mit Ihnen hierher ge­gangen bin, um von mir und von meiner Ehe zu spreche«, könne» Sie sich doch wohl denken Rur über diese wider-' ivärtige Angelegenheit mit der Regine wollte ich Auskunft von Ihnen haben, denn ich lminsche nicht, daß sich die Ge­schichte zu einem Skandal auSivächst. Glauben Sie, daß die Leute mit einer Summe Geldes zum Schtveigen zu bringen sind?"

,/Jch fürchte nein! Wenigstens hat mir der alte Kreidel beim Abschied zuaerusen, daß ich mich nicht unter- I mm seiner Tochter mit etwas Derartigem zu

stehen solle kommen."

Das ist tan, bei der

chlimm. Und Sie hätten ivährhaftig gut ge- ahl Ihres Zeitvertreibs etwas mehr Vorsicht u üben. Der Man» erfreut sich drüben in Reinswaldau all­gemeiner Beliebtheit. Er war schon in her Fabrik tätig, al­te sich noch im Besitz meines Vaters befand. Und bei mei­nem Alaune, der in Gemeindeangelegenheiten öfters mit ihm zu tun hat, steht er, soviel ich weiß, in besonderem Ansehen. Wenn er auf den Gedanken komm!, sich an den Baron j?u wenden, wird es kaum in meine Macht gegeben sein, -sie vor Unannehmlichkeiten zu schützen."

So sollten Sie es nicht erst versuchen Am Ende bin ich als Volontär auf Klein Eklbach doch kein Schuljunge, der der Zucht des Herrn v Bardelebe» unterstellt ist. Ick» werde Ihrem Gatten gegenüber die Verantwortung für meine Handluiige» zu tragen wissen verlassen Sie sich darauf!'<

Nun, um so besser für Sie. Aber ich prophezeie Ihnen, daß Sie sich in diesem Fall aus eine stürmische Auseinander- fetziing gefaßt machen dürfen. Mein Mann ist in einem ge­wissen Sinne viel zu hochmütig- um eifersüchtig zu feiu