Ausgabe 
2.7.1914
 
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Weiber-Kegiment.

Wornatt von OSkar Klaußmann.

(Nachdruck verboten.)

(Fortjctzung.)

Wieder ivurde die Tür aufgerissen, und Fahrsteiger Oswald stürzte herein, gefolgt von zwei Mann.

Den Rauchanzug!" schrie er Hartrop zu.Den Feuer­tauchanzug! Wo liegt er?"

Dort drüben iin Borratsraum!" rief Hartrvp.

Fahrstciger Osivald kam ganz dienstlich an Dora heran und meldeten

Graf Klinker will mit dem Feueriaucheranzug in das Grubensetd Vordringen, wo die brandigen Gase sind, ob­gleich es der Herr Geyeimrat nicht gestalten will. Es ist ern Selbstmord vom Grafen Klinker, denn der Bergrat und die Leut», die mit ihm waren, find langst tot Aber Graf Klinter mill nicht nachgeben."

Draußen wurde es Nacht. Die elektrischen Bogenlampen blitzten aus Die Balle» der Dampswotken, die jetzt am Fenster vorüberslogen, waren schwarz. Aber mit der Regel- mästigkeit eines Uhrwerkes und unaufhaltsam wie das furcht bare Schicksal, das sich dort unten im Bergwerk vollzog, kamen sie immer wieder vorbei.

Wozu blieb Dora hier ? Warum setzte sie sich nicht in ihr Automobil und fuhr davon? Sie ivußre es: sie war nicht imstande, sich von ihrem Platze zu erheben. Ihre Füße waren wie gelahmt, und im Gehirn brannte es imnier glühender.

Ein vielhundertftimmiges Geschrei klang von drairßen; einzelne Hurrarufe wurden laut.

Der alte Hartrop setzte die Mütze aus, die er neben sich aus der Bank liegen hatte, und ging wieder hinaus. Rach kurzer Zeit kehrte er wieder.

Mit der abgeschnittenen Kolonne im Tiefbau ist tele­phonische Verbindung hergestellt. Sie konnten bisher an das Telephon nicht heran Sie melden jetzt, daß hundertztvanzig Manu sich sehr wohl befinden. Sie haben gute Luft, und es ist nur sehr kalt. Sie werden alte gerettet werden."

Das Schreien da draußen wiederholte sich immer wie­der Die Menge inachte ihrer Erregung Lust mit dieseui Geschrei.

Pirtvn ini Bergwerk, nicht tveit vom Füllort in einem AnsH»ev, saß Geheimrat Kersten aus einem Block Steinkohle unk» gab seine Befehle. Die Kräfte des alten Mannes tvaren nicht so gehorsam wie sein Wille: die Beine versagten ihm vor Schreck. Aufregung und körperlicher Anstrengung den Dienst

Gras Klinter toar seit einer halben Stunde fort, und kem Zeichen hatte er bisher gegeben Es loar ein Wahnsinn von ihiir, ln das alte Feld, wo die Brand gase tvaren, vor- zudringeu, aber er tvar doch ein braver, tapferer Mensch

Ich kenne das alte Feld wie meine Tasche," hatte er gesagt:ich toeiß, woran es liegt, daß die Brandgase nicht abziehen können. Die Wetterstrecke ist durch eine schüvera Tür verschlossen, und die muß geöffnet iverden. Wenn mir das gelingt, zieht die frische Lust von oben in das alte Feld hinein »nd drückt die Brandgase hinaus."

Kleine, tragbare Telephonleitungen hatten die Ma- schi,«enteilte bis zu der Stelle gelegt, Ivo der alte Geheimrat saß Eine Verbindung ging bis zu dem Daninibau, der jetzt vollendet ivar und die WasserhaltungSmaschine vollständig schützte. Die zweite Leitung ging z» der Stelle, tvo an der Befreiung der Eingeschlossenen im Tiefbau gearbeitet wurde, und die dritte Leitung hinüber in das alte Feld bis zu der Stelle, wo nian sich aust-alten konnte, ohne von den Brand - gasen belästigt zu iverden. Dort war Fahrsteir>er Osunld intt zwei Oberhäuern und einer Anzahl alter Hauer stationiert und bewachte die Wettertür, die den Brandgasen das iveitere Vordringen erschloerte und hinter «velcher Graf Klinter ver- schtoundeu uwr, als er den verztveiselten Rettnngsganjg antrat.

Wie oft hatte i» de» letzten zehn Minuten Osivald an dieser hölzernen Tür mit verhaltenem Atem gelauscht AArr nichts als das Fallen der Tropfen, die tu der Strecke von der Firste zur Sohle herunterfielen, vernahm man.

ES ist ihm nicht geglückt," sagte er zu den beide» Ober­häuern, die neben ihm standen:auch der Gras ist verloren. Sckm-de um jhu! Aber eS war doch Wahnsinn, da hinein, zugehen." . . .

Eine Stunde war tvieder verflossen Dranßen führe» rasch mehrere Wagen vor. Die Tür des Zechenhauses wurde autgerissen, und es strömten Männer herein mit tmüßeu Binde» »nd rotem Kreuz am Arm Es toar die freiwiMge Sanitätskoloniie des Bergwerks, die alarmiert worden tvar. Betten ivurden aufgeschlagen »nd im Saale des s^echen- hauses aufgestellt. Äerzte kamen, grüßten Dora stumm und breiteten die getvaltigeu Mediziukasten, die herangeschleppt wurden, aus.

Der alte Hartrop tvußte nicht, tote er allen Au so rde, rungen gerecht werden sollte. Man verlangte Eimer, um Wasser bereitzustellen: man stellte alle möglichen Ansinnen an ihn, denen er nicht nachkommeti konnte. Tann eilten wie- der die Leute der Sanitätskoloime und die Aerzte hinaus; sie schlugen ei» Zelt auf dem Platze auf. Der alte Hartrvp kam wieder und sagte sehr aufgeregt zu Dora:

Es ist ja doch altes umsonst. Der Bergrat ist tot und die fünf Mann und Graf Klinter auch. Der ist nicht wieder­gekommen. Die sollen nur all ihr Zeug wieder etnpacken; die vo» der Kolonne im Tiefbau brauchen ihre Hilfe nicht, denn es heißt, daß man in zwei bis drei Stunden zu ihnen vorgedrungen sein wird."

Wieder >vurde die Tür ausgerissen, denn niemand kam in diesen Stunden bedächtigen oder ruhigen Schrittes, son­dern alles stürmte, lief und stolperte Einige Mann von der -xrnitäcSkolonne käme» berei». vackten die Medizlnkatten