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f Einem Wollen, Sein Wille war grob und gewaltig, o gigantisch, dag Völker, daß eine ganze Welt davor staunte, und sich ihm beugte, und dann erst gelangen ihm seine groben Werke, Sein Wille war größer als sein Können, Und wenn ein Mensch recht zeigt,/daß er will, dann kann er es auch. Ein starker, unbeug- sanier Wille wird immer respektiert. Wir Menschen haben alle etwas von Knechtessinn in unserein Herzen, der sich duckt, wo er den Herrscher spürt,"

Meine liebe Feodora. Ich danke dir für deine philosophische Nbhandlnug über Wollen und Können, Du bist nun einmal die Geistreiche der Berliner Salons, Ich denke aber, hier auf diesem herrlichen Weg in deni herbstlichen Sachseirwald, bei dem Wan­dern im raschelnden Laub, wollen wir nicht philosophieren, son­dern zum Beispiel einmal darüber sprechen, wen Du mit den gepflückten Andenken aus Friedrichsruh beehren nnllst?"

Einige meiner Bekannten in Berlin, Ich werde die Blätter auf runde Eichenhölzer lleben und dann darum kleine Vignetten malen, vielleicht einige Motive aus Friedrichsruh," Da Du gerade vom Malen sprichst: Hast Du noch keine Nachricht von Rene Brian?"

Frau von Braun seufzte tief auf, und ihr Antlitz von wirk­lich wunderbarem Reiz bekam einen wehmütigen Ausdruck,

Du weißt, Jeanette, ich spreche nicht gern davon, doch da Du die Vorgeschichte kennst, sollst Du auch das Weitere erfahren, Rene ist wieder in Berlin, "Nachdem ich seinen Antrag äb-

gelehnt--" l

Mir unbegreiflicherweise abgelehul,"

Bitte, unterbrich mich nicht,. Also, nachdem ich seine Bitte, ihm meine Hand zu geben, abgelehut, hat er fluchtartig Berlin verlassen, ist nach Helgoland, und dann in ein einsames, Nordfriesisches Fischerdorf gereist, wo er, zerfallen mit der Welt, wochenlang in einer Fischerhütte gehaust hat. Ein Fischermädchen von märchenhafter, nordischer Schönheit und das ganze Milieu soll ihn so gefesselt hoben, daß er sein wundervolles Gemälde r,Der bliiche Erzähler am Meere" geschaffen hat," Feodora unterbrach einige Augenblicke ihren Bericht, denn der Expreß HamburgBerlin raste mit unheimlicher Schnelligkeit vorüber. Da der Weg dicht am Bahndamm hinführte, waren die beides Damen durch das plötzliche Auftauchen und Wiederverschwinden des kurzen Zuges heftig erschrocken. Nur ein schwaches Knattern der Schienen drang zurück, und ein Regen von welken Blättern, die von dem Luftdruck von den Bäumen geschüttelt wurden, ant- wortete,

Feodora begann wieder:Von meinem Gewährsmann habe ich nun noch erfahren, daß das Friesenmädchen plötzlich ver­schwunden, und Rene danach in eine Art Schwermut verfallen, lei. Nur durch einen einsamen Fischer, der noch dazu blind sein soll, sei Nene aufrecht erhalten worden und schließlich wieder genesen,"

Und jetzt ist er wieder in Berlin?"

Seit etwa einer Woche,"

Und Du bist begierig, ihn wieder zu sehen?"

Begierig? Ich freue mich, ihn wieder in meiner Nähe Pr haben,"

Und dein Herz?"

Das habe ich noch nicht geprüft, Uebrigens, ich glaube, Jeanette, jetzt müssen wir über diese Brücke, Wir können noch ein Biertelstündchen in Aumühl umherwandern. Es ist erst eit Uhr, und unser Zug sährt elf Uhr siebenundzwanzig,"

»

Just um dieselbe Zeit sab in einem Atelier ani Kurfürsten- damm zu Berlin W Rene Brian,

An das Glas der vielscheibigen Fenster sprühte ein feiner Nebelregen, und die winzig kleinen Tröpfchen rieselte» in hundert Bächlein über das Glas hernieder.

An der schmalen Hinterwand des sehr großen Ateliers war in einer massiven Schraubstasselei ein großes Gemälde eingespannt. Ein dünnes, iveißes Tuch verdeckte das Bild, Aus der kleinen Setzleiter davor lagen Paletten, Farbentuben und Pinsel in wilder Unordnung durcheinander.

Neben der großen Staffelei lehnte auf einer zierlichen, kleinen, aus schivarzem Ebenholz, das Bild eines Mädchenkopfes, und vor dem amerikanischen Hocker, auf dem Rene saß, stand ebenfalls ein Bilderständer mit demselben Kopf, nur anders beleuchtet An den Wänden hing das gleiche Gemälde noch zwei-, drei­mal, doch das Antlitz stets in anderer Tönung und mit anderem Ausdruck,

Rene stand auf, vergrub die Hände tjes in die Taschen seines Schnürrockes und ging im Atelier aus und ab.

Hunderterlei stand in dem großen Raume umher, und der Künstler mußte sich oft schmiegen, um eine gefahrvolle, enge Passage zu durchschreiten.

Ihn fröstelte, Etz warf einen Blick nach dem Thermometer, und da dies nur 18 Grad zeigte, schritt Rene zu der schmalen Tiir, die nur durch einen chinesischen Perlenschnurvorhang Vvn den, neben Neues Atelier gekegenen Arbeitszimmer verhüllt war durchquerte dieses und trat dann in ein helles Zimmer mit «ltpätcrikcheu koinixikten Möbeln, Aus einem Tritt, der sich

wunderlich genug vor dem großen Bogenfenster ausnahm, sah au einem Nähtisch eine alte Frau, Rencs Wirtschafterin,

Die Alte sah aus und blickte Rene mit ihren kleinen Augen liebevoll an,

Aber warum klingeln Sie nicht Herr Professor? Nun haben Sie sich erst den langen Weg gemacht,"

Weil ich sowieso ein Stück laufen will, inich fröstelt, und außerdem erschrecken -oie ja so, wenn die Klingel schrillt. Also bitte, Feuer, Ich gehe nur ein Stück den Danim vor, vielleicht bis zur Gedächtniskirche, In zwanzig Minuten bin ich wieder da, Uebrigens fahre ich heute nicht nach Berlin zum Essen, Ich speise gleich im Tauenzien und statt bei Josty trinke ich im Casö Orient meinen Kaffee,"

Schon gut, schon gut, Herr Ptofessor," sagte die Alte und holte eilig Hut und Ueberrock Renes herbei.

Und als der Künstler schon unter der Entreetür stand, fragte sie noch:Wenn jemand kommt, soll er warten?"

Ja, lassen Sie ihn aber nicht in das Atelier."

Rene war etwa fünf Minuten fort. An dem großen, präch­tigen Hause, in welchem er die gesamte zweite Etage bewohnte, fuhr ein Bedagwagen vor. Ein Herr sprang behend aus der ?ruto- taxe, lohnte den Chauffeur ab und eilte dann zur Haustür, Eine fiebernde Freude sprach ans all seinen Bewegungen und aus seinen guten, blauen Augen,

Der Hausmann schob langsam seinen Kops durch das lleine Fenster der Portiersloge, aber Kun Orsk, Renes Freund aus Helgoland, ries lachend:Machen Sie auf, Männeken, aber etwas dalli, ich will ein Wiedersehen feiern,"

Zu ivem will denn der Herr, wenn ich fragen darf?"

Das dürfen Sie nicht, Freund Cerberus, Schnell, schnell, ich will zum Professor Brian, Himmelsakra, sind Sie ein lang­sames Gebein,"

Das Schloß der Haustür knackte, die Tür öffnete sich geräusch­los und Kun Orsk sprang die Treppe empor, drei, vier Sttlfen aus einmal, und er hörte nicht, daß der Portier rief:Herr Prosessor Brian ist nicht zu Hause,"

Am zweiten Stockiverke riß Kun Orsk mächtig in die Klingel, so daß die alte Wirtschafterin mit hastig trippelnden Schritten herbeigeeilt kam und angstvoll die Tür öffnete,

Heiliges Rhinozeros, das ist doch wahrhaftig noch die Mutter Wünschen Sie Frau, holder Grasaffe, glotzen Sie mich nicht so fremdartig an, als hätten Sie mich noch nie gesehen. Und wie oft haben Sie mir in Schwabing draußen, vor Münchens Toren, eine Weißwurst eingekauft und Rene spendete ein Stück Brot,"

Ein wilder Freudentaumel packte ihn und er schüttelte die Alte ab, und diese rief in einem fort:Herr Orsk, Herr Orsk, sind Sie es denn wirllich?"

Aber Kun schob jetzt Frau Wünsche beiseite und stürmte in das Logis und riß alle Türen auf und schrie:Rene, Rene, ich bin da, der Kun aus Helgoland,"

Frau Wünsche, die ihm nachgeeilt war, sagte:Aber schreie» Sie doch nicht so, Herr Orsk, der Herr Professor ist nicht da, er kommt aber in zehn Minuten wieder,"

Orsk blieb stehen,

Nicht da? Mein Rene nicht da? Verteufelt!" Er setzte sich im Atelier auf den amerikanischen Hocker und beschaute sich die an den Wänden hängenden Bilder, 'meist Studien und Akte, Einige kannte er noch von seiner Münchener Studienzeit her, wo er Rene kennen lernte und sein Freund ivurde, und die schon dort des Malers bescheidenes Atelier, das er bei Frau Wünsche in Schwabing gemietet hatte, schmückten.

Renes Wirtschafterin kniete vor dem Ofen und bemühte sich, Feuer zu machen,

Sind Sie des Teufels, Frau Wünsche, heute zu feuern? Wir kriegen nach Mittag noch den .schönsten, warmen Sonnenschein, und übrigens, denke ich, wird Freund Brian nicht gleich er­frieren, Ich werde ihn schon warm bekommen,"

Die Alte ließ sich aber nicht stören, llnd während sie mit den Händen ein paar große Kohlenstücke auf das prasselnde Holz legte, sagte sie:Herr Professor friert so leicht, ®r ist überhaupt so still geworden, seitdem er vom Meere zurück ist. Er reitet nicht mehr, er spielt nicht mehr Klavier, er sitzt den ganzen Tag vor den elendigen Bildern da und starrt sie an,"

Vor welchem, Frau Wünsche?"

Vor diesem Mädchenkopf, der wohl ein dutzendmal herum­hängt."

Kun Orsk stand aus und betrachtete jetzt die Porträts ge­nauer, dann ging er an das große, verdeckte Gemälde, das an der schmalen Hinterwand eingesvannt war, und zog das Ivelße Tuch vorsichtig weg.

Lange, lange blickte er auf das Bild,

Alle Erlebnisse Renes im Fischerdorf, die dieser ihni brief­lich mitgeteilt hatte, stiegen in ihin auf. Da war der Freimast und davor stand der blinde Erzähler, Daneben hockte auch des Blinden Braut, Kun Orsk erkannte sofort, daß die Porträts des Mädchenkopses, die so oft die Wände schmückten, Arda 'Jaski darstellten.

Er trat ein Stück zurück, schob auch einige Spaltvörhänge von dem letzten großen Fenster, und ließ dann das Gemälde in voller Beleuchtung aus 'sich wirken