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Die Darstellung imtv von einer wunderbar plastischen Ans- sassung, die Tönung meisterhaft, ebenso die Linienführung.

Die ganze Meeresabendstimmnng, der volle Zauber von des Blinden Erzählung schien einen zu erfassen.

Man meinte, den Blinden reden zu hören, man fühlte sich ge­zwungen, unter den Fischern mit andächtig zu lauschen, und man glaubte, von fern den leisen Nachtgesang der träumenden Wellen zu hören. Shin hatte sich auf einen Malschemel gesetzt und hatte nicht gemerkt, daß sich Frau Wünsche davon ge­macht hatte.

Cr war ganz in den Anblick des Bildes versunken.

So traf ihn Rene Brian.

In seiner stillen, sanften Art war er fast unhörbar in das Atelier getreten, und da er auf dem Korridor seine Wirtschafterin nicht getrosfen hatte, wußte er nichts von Kuns Anwesenheit, und war nicht wenig erstaunt, vor seinem Bilde einen Fremden sitzen zu sehen, der ihm den Rücken zukehrte. Er ging durch das Atelier, und erst jetzt hörte ihn Kun Orsk.

Er drehte sich um.

Kun, o sKun."

Mein Rene."

Die beiden Freund« begrüßten sich herzlich wie zwei Brüder, »nd Kun sagte:.Vorgestern erhielt ich deine Nachricht, daß du wieder in Berlin seiest. Da bin ich gestern sofort weg von Helgoland, habe gestern abend bei einem Freunde in Hamburg, den du übrigens auch kennst, Professor Schlieben, übernachtet und bin dann heute in aller Frühe nach Berlin gefahren."

(Fortsetzung folgt.)

Aus vertha von Suttners Erinnerungen.

Mit der Geschichte der Friedensbewegung wird der Name Bertha von Suttners immer verknüpft sein: durch ihren auf­sehenerregenden RomanDie Waffen nieder" gab sie der damals erst entstehenden Strömung einen mächtigen Antrieb, und von da au stand ihre edle und fortreibende Persönlichkeit in allen großen Momenten von den Kongressen in Rom und Bern bis zu den Haager Friedcnskonsercnzen mit im Mittelpunkt. Lange hat es gedauert, bis die bildschöne und hochbegabte österreichische Kom­tesse nach einenr leidenschaftlich durchlebten Herzensroman, nach vielerlei Irrungen und Wirrungen in dem Kampfe für diese große Idee den eigentlichen Inhalt ihres Lebens fand, der alle geistigen Kräfte in ihrer echt weiblichen, von einem warmen Mitleid mit aller Kreatur und einem hohen Idealismus getragenen Natur entfesselte. In ihren so lebendig erzählenden Memoiren hat sie selbst von ihrer langen Jagd nach einem Lebensziel, nach dein! Wichtigen", wie sie es nannte, gebeichtet.

Die Gräfin Kinskp, die in den Kreisen des internationalen, Hochadels in Wien und Paris, in Rom und Venedig, in Baden- Baden Und Homburg gesellschaftliche Triumphe feiert, ist doch un­befriedigt in ihrem Herzen: nach rascher Verlobung und Entlobung mit einem alten Manne, nachenttäuschten Licbestrüumen" wendet sie sich dem Gesangsstndium zu, um einezweite Patti" zu iverden. Aber beim.Probesingen vor der großen Viardot fällt sie trotz ihrer schönen Stimme kläglich durch, und bald hört der Gesang auf, ihr das Wichtigste zu sein: sie stürzt sich nun in das Treiben der großen Welt, muß aber dann in jäheni Abstieg, da die Familie durch die Spieileidenschaft ihrer Mutter völlig verarmt, eine Stellung als Gesellschaftsdame im Hause Suttner annehmen, und hier findet sie in dem Sohne, demSonnenscheinmenschen" Artur Gundaccar, den Mann, den sie vor Liebe und Glück ihr ganzes Lebenden Meinen" genannt hat. Der Verbindung stellen sich Schwierigkeiten entgegen: die Suttners wollen die Heirat nicht Kugeben. Bertha nimmt eine Stellung als Hausdame bei dem Erfinder des Dynamits, bei Nobel in Paris, an: aber sie tritt sdiescn Posten bei dem Manne, zu dem sie später in so folgenreiche Beziehungen kommen sollte, gar nicht gn, sondern nach dem Verkant ihres letzten Erbstückes, eines wertvollen Diamantkreuzes, reist sie heimlich nach Wien zu dem Geliebten zurück, und die Heirat erfolgt ohne Wissen seiner Familie.Das Glück wollte uns wohl: von dem Aufgebot in einer entlegenen Vorstadtkirche kam der Familie nichts zu Ohren, und eines schönen Morgens, eS war am 12. Juni 1876, fuhr ich im Rciscklcid und Hut zur Gumpolds- kirchner Pfarrkirche: mein Verlobter erwartete mich dort mit seinen und meinen Zeugen, und in einer Seitenkapelle sprach uns eist uralter Priester zusammen. Wir waren Mann und Frau." Die Flucht der Jungvcrmählten gehr nach dem Kaukasus, wo sie Be­ziehungen haben und wo sie arbeiten,unsere Talente verwerten" wollen.

Bittere Jahre der Not folgen, in denen sogar das Geipcnst Hunger an sie herantritt. Da heißt cs Stunden geben, Konzerte veranstalten, durch Schriftstellerct verdienen. In dieser Zeit reist Bei tl« von Suttner zur Dichrcrin heran, die freilich nicht durch voraussetzungslosc Kunst, aber durch das temperamentvolle Ein­setzen ihrer starken und sympathischen Persönlichkeit ergreift. Als sie nenn Jahre nach ihrer Flucht heimkehren und mit offenen Ar­men,wie der verlorene Sohn in der Bibel", ausgenommen tverden.

da hat die. tapfere Frau bereits das packend« Ausdrucksmittel für ihre Ideen gefunden, aber ihr fehlt noch das rechte Feld der Be­tätigung. Auf die elegante Weltdame hatten Politik und Krieg keinen Eindruck gcinacht. Gleichgültig erlebte sic die Schrecken von 1866, die sich in ihrer nächsten Nähe abspielten: auch ders deutsch-französische Krieg blieb ihr nur ein leerer Schall, da sie sich damals in die Lektüre dickitcrischer und wissenschaftlicher Bücher vergraben hatte. Als sie iur Kaukasus den Ausbruch des russisck». türkischen Krieges erlebte, entpfand sie ebenfalls kein Protestgesllhl: sie sah darin nur einElementarereiguis von besonders historischer Wichtigkeit". Erst zehn Jahre später Hörle sic bei einem Gespräch Aber Krieg und Friedenein Thenia, das mir schon mäckstlg die Seele erfüllte". von dem Vorhandensein einer internationalen FriedensvereinigiMg.Es gibt eine Friedensbewegung!" dnrcki- znckte es sie tvie mit einem elektrischen Schlage, und nun vertieft« sie sich in alle Einzelheiten, in Zweck und Methode des Vereins, und fühlte den leidenschaftlichen Wunsch,der Friedcnsliga einen Dienst zu leisten".Wie konnte ich das besser tun, als indem ich ein Buch zu schreiben versuchte, das ihre Ideen verbreiten sollte?" Aber keine trockene Ablmndlung sollte es sein,Dem Schmerz wollte ich Ausdruck geben, den die Vorstellung des Krieges in reine Seele brannte: Leben, zuckendes Leben Wirklichkeit, istorische Wirklichkeit wolllc ich vorführen, und das alles konnte nur in einem Roman, am besten in einem in der Form derSelbst- biographie geschriebenen Roman, geschehen. Und jo ging ich hin Und verfaßteDie Waffen nieder!"" Nach eisrige» Studien schrieb sie aus ihrem starken Mitgefühl heraus das Buch nieder. Aber als sie es nun in einer Zeitschrift oder Zeitung veröffentlichen, wollte, erfuhr sie überall Höffiche Ablehnung:Große Kreise unserer Leser würden sich durch den Inhalt verletzt ffihlen." Auch ihr Verleger wollte den Roman nur bringen, wen» sie sich das Manuskript von einem erfahrenen Staatsmann durchsehen lasse, der alles streichen sollte, was Anstoß geben könnte.Gegen diese Zumutung schrie ich entrüstet auf." Ehe sic etwas an diesem Be­kenntnis ihrer innersten Gefühle ändern wollte:Nein, da lieber in den Ofen damit!" ' - j

Der Verleger fügte sich, und das Buch machte eilt ungeheures Aussehen, hatte einen gewaltigen Erfolg. Von min an hat Frau von Suttner durch ein Vierteljahrhnndert ihr Wirken und Sem ganz der Friedensbeivegung gewidmet. Sie gründete die Oesterrci- chische Friedensgesellschaff, sie wußte auch ihren alten Freund Nobel für diese ,Ideen zu gewinnen: sie sckmf eine Zeilschrist Die Waffen nieder".So stand ich denn mitten drin in dev jungen Bewegung, ich hatte einem neuem Verein zu präsidieren, eine Revue zu redigieren, und tvieder erfüllte mein Leben und Trachten ein Etwas, das ich alsdas Wichtige" erkannte,"

Vüchertisch.

Die Münchener Jahrcsausstellnng im Königliche» Glas­palast unterzieht Dr. W. Burger in der neuesten Nummer l.'tVll!) derI l l u str i e r t e n Z «i t u n g" (Verlag I. I. Weber, Leipzig) einer eingehenden und sehr interessanten Würdigung. Den Text unterstützen eine Anzahl ausgezeichneter Reproduktionen nach den schönsten der ausgestellten Gemälde und Skulpturen. Die Erinne­rung an den Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 ruft der reich illustrierte AussatzDer llebergang nach Alsen am 29. Juni" wach, während von anderen .interessanten Artikeln noch zu er- >vahnen wärm:Luftschisfahrt und Gewittergefahr":Die neue Stadihalle in Hannover":Die Felsengräber von Pian-Liang": Der Johannistag in Sitte »nd Brauch":Was muß der moderne Mensch von der Hygiene »oisscn, uni sich gesund zu erhalten", In allen Fällen wird hier das geschriebene Wort durch sehr gnle zum Teil ganzseitige Bilder illustriert, von denen außerdem noch das des neuen Großherzogs Adolf Friedrich von Mcctleu- burg-Strelitz und das von der Froiileichnamsprozession in München erwähnt seien. Bilder der Woche sind die vom Besuch des deut­schen Kaisers aus Schloß Konopischt, von Iden Kämpfen in Albanien, den Tenniswcltmeisterschasten in Paris, dem Stapellanf des Nord- deiitfck>en LloyddampsersZeppelin", Obe,Präsident v. Eiscnlmrt- Rothc, Prof. Dr. Karl Frenzel, Prof. D-r. Adolt Lieben nsw, Käthe Triebels NovelleMarietta" werden unsere Frauen beson­ders begrüßen. Einen besonderen Schmuck erhält die Nummer noch durch zwei ganzseitige Buntbilder von prächtiger Wirkung, die sichDer Marktplatz in Damaskus"ndDer Snphellegletschey am Fjärlandsfjord" betitelll.

Ergünjungrrätsel.

Z .. g . . i, t. ii. e, d. n. l. S.. t.

D. r . ch . s. d . s . eb. n,

I . t' S v . B .. d d . ch . u. d. r Sch.. t. n,

«l. . a. L . ch . .» h. b . n!

Auslösung in nächster Nunnner.

Auflösung des Vcrsteckrätsels in voriger Nummeri Ei» eigene? Auge ist besser als zwei lremde.

Redaktion: K. Neurath, Notatlonsdruck und Verlag der Brühl'sche» Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Langem