Weiber-Nrgiment.

Roman von OSkar Klaußmann.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Der flanze «esuch hatte nur eine Viertelstunde gedauert. Das Automobil fuhr nach Dasburg zurück und in eine Seitenstraße, wo auf freiem Felde inmitten eines großen Gartens das Sanatorium stand.

Graf Klintcr half Barbara aus dem Wagen und schritt mit ihr durch das Vorderhaus und den Garten hinter diesem Hause aus das zweite große Quergebäude zu. in dem sich die Krankenzimmer befanden. Der Portier überwies sie einem Diener, und dieser brachte die Besucher nach dem ersten Stockwert und rief den alten Geheimrat aus dem Zinimer des kranken Sohnes.

Frau Barbara erschrak, als sie den alten Mann sah. Er lvar in diesen wenigen Wochen um Jahre gealtert. Aber ein Lächeln der Freude flog doch über sein Gesicht, als er Barbara erblickte.

Ich danke Ihnen tausendmal," ries er,tausendmal, gnädige Frau, dag Sie gekommen sind. Mein Sohn nennt fortwährend Ihre» Namen, und ich fürchte, er wird nicht genesen, wen» er Sie nicht gesehen hat."

Der alte Mann schien noch etwas sagen zu wolle», aber er fand die Worte nicht. Doch seine Augen ruhten mit geradezu flehentlichem Ausdruck aus dem Gesicht Barbaras.

Darf Ihr Herr Sohn Besuche empfangen?"

Der Arzt hat bereits Besuche, die nur kurze Zeit dauern, gestattet. Unter allen Umständen wird aber Ihr Besuch ihm angenehin sein."

Kersten eilte auf die Tür zu, um sie für Barbara zu össnen. Graf Minier aber hielt ihn am Rockärmel fest und sagte ihm halblaute

Lassen Sie die gnädige Frau allein eintreten. Ich habe mit Ihnen zu sprechen; ich muß Sie unterrichten über das, was in Ihrer Llbwesenheit vorgefalken ist."

Dann schloß Gras Klinter die Tür, durch die Barbara in das Krankenzimmer getreten war, und ging mit dem Geheimrat im Korridor aus und ab

Lothar Kersten saß in einem Lehnstuhl in der Nähe des Fensters. Der dunkle Zivilanzug, den er trug, ließ sein Ge­sicht noch geisterhaft blasser erscheinen, als es war.

Barbara drückte ihr Taschentuch an die Augen und schritt daun so^ geräuschlos >vie möglich bis zu deni Stuhl des Kranken. Sie sah nur die Augen in seinem Gesicht, die mit einem unbeschreiblichen Ausdruck von Hoffnung und Bangen aus sie gerichtet waren.

Barbara stand neben dem Stuhl des Kranken und faßte seine Hand.

Wie acht es Ihnen?" fniflti sie leise

In das wachsbleiche Gesicht des Kranken trat eine leichte Röte.

Ich danke Ihnen," antwortete er mit matter Stimme, ich danke Ihnen, daß Sie gekommen sind."

Barbara wußte, daß sie jetzt nicht weinen durste. Sie beherrschte sich, so sebr sie konnte. Sie legte ihre linke Hand auf die heiße Stirn des Genesenden

Ich war sehr krank," sagte Lothar.

Ich weiß es, aber Sie werden gesund werde» und tver- den auch diese schlimme Zeit vergessen."

Wieder fühlte Barbara den Blick des Kranken auf sich ruhen, jenen Blick voll Zweifel und Hoffnung.

Ich schrieb Ihnen einen Brief," flüsterte Lothar und blickte zu Boden,ich schrieb Ihnen einen Brief im Fieber. Aber was in dem Briese stand, war die Wahrheit."

Ich weiß es, daß Sie mir die Wahrheit schrieben," ant­wortete Barbara, und ihre Stiinme klang sehr unsicher.

Werde ich eine Antwort erhalten auf diesen Bries?" fragte Lothar.

Barbara beugte sich zu dem Kranken herab, und ihre Lippen berührten flüchtig seine Stirn

Sie werden eine Antwort erhalten. Werden Sie nur gesund, recht bald gesund."

Und lvenn ich gesund bin?" forschte Lothar, und er faßte mit beiden Händen die Hand Barbaras und drückte, soweit es seine Schwäche gestattete, diese Hand au sein Herz.

Barbara beugte sich noch tiefer herab und sltisterte dem Leidenden ins Ohr:

Daun werden wir den Hochzeitstag verabreden."

So schwach der Kranke war, er zog Barbara an sich, und sie küßte ihn zärtlich und unter Tränen.

Dann saß sie neben ihm und hielt seine Hände fest, und zwischen ihnen ivar das heilige Schweigen, das durch Worte nicht unterbrochen werden darf.--

Es dauerte wohl eine halbe Stunde, ehe der Geheimrat mit dem jGrafen Klinter das Zimmer betrat. So länge hatten die Auseinandersetzungen draußen im Korridor gedauert, so lange hatte es gewährt, bis Graf Klinter dem alten Herrn klarmachte, wie das Duell zustande gekommen war, und wie sich alles in der Zwischenzeit abgespielt hatte.

Der alte Geheimrat ivar außer sich, daß Werner mit in die Affäre hiueingezogcn worden ivar Und dürchiseinen Sohn fast das Leben verloren hatte.

Wir waren alle nicht unserer Sinne mächtig," berich­tete Graf KlinterBis zum Spätnachmittag des Duclltages war ich bei dem Schwerverwundetcn. Dann fuhr ich nach Jvershofen, um Frau Barbara Glover die traurige ?tach- richt zu bringen, und saud sie nicht mehr anwesend. Sie war abgereist. Erst acht Tage später bekam ich einen Brief von ihr aus Paris, und erst dann konnte ich ihr Mitteilen, was ge­schehen war. Telegraphisch habe ich dann Frau Glover über das Befinden Ihres Sohnes und Werners auf dem lausen­den erhalten. Wir haben alle Schweres dnrchgemacht, Herr Geheimrat, aber nun ist das vorüber. Hoffen >oir das Beste