Ausgabe 
24.6.1914
 
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Indianerhäuptlinge, die einst den Schrecken der Weinen bildeten ,n,d deren Ruhm ln den LieblingSgelchtchten unserer Jugend sorr kkingt. Wenn auch von, Alter gebeugt, kann er doch noch ganz gut gehen, und seine Sinne, sein Auge, sein Ohr sind schars ge­blieben ivie einst, da ec aus den, KrieqSpsad anszog. Deshalb stört ihn der Air», der Großstadt empfindlich: er sehnte sich so­gleich zurück »ach der Stille seiner Wälder und »inrinelte ärger­lich : ,Zu viel Wagen hier, zu viel Wagen," Die anierikauischen Journalisten, die cs sich nicht entgehen lieben, de» seltenen und einzigartigen Gast zu interviewen, mußten sich durch seinen Be- gleite, mit ihm verständigen, durch .Klein« Wolke", einen junge» Man» seines Stamines, der init seiner Frau und einen, 6 Monate alten Baby den großen Häuptling begleitete und als ainerikanlscher Bürger Charlie Brunell heißt. Der Alte, der nur ivenige englische Worte spricht, erzählte in, Chippewn-Dialekt von den Heldentaten seiner Bergaugenhait, vc», der Trauer der Gegenwart, Da stand er, wie das lebendige Eyinbol dieses untergehenden Volkes, ver­wittert, ansgedörrt und gebrochen, last erdrückt von dem nialertjcke» Schinuck, de» er einst so stolz getragen, aber innner »och voller Würde und edlem Anstand i» Gcberde und Red«, voll melancho­lischem Pathos in seinen Morten.Men, Volk ist dahingegangen," so sprach der l28jähr>ge Häuptling, .bald werde auch ich dahin­gehen. Mein Volk stirbt ans, meine Jugend ist dahin. Nun bi» ich »ach Minneapolis gekoninren, um es zu sehen, bevor ich sterbe,' Und er berichtete davon, wie er vor 70 Jahren I» de, große» Schlacht zwischen den Swu, und den Chippcwas ani Roteii See de» Tomahawk geschivungenj ivie er vor 60 Jahren sein Volk an- siihrte zum heiligen Kamps um die Jagdgründe. In einen, Dutzend blutiger Schlachten eroberte er die Skalpe vieler Feinde und der Sieg leuchtete von den Waste» der ChippcivaS, aber Hunger und Krankheit lichteten ihre Reihen, und sic mußten aus ihre» heimischen Jagdgründcn sich zurnckztehen in eine andere Gegend, Damals schlugen ste ihr Lager ans, wo heute die Stadt St, Clo>,d steht. In dem groben Jndianerauistand von 1862, dem ivichligsten jener Rämpse, die sich damals in Minnesota abspiellen, stand er bercilS olti Seiten der Weißen, denn er hatte erkannt, daß inan gegen die Bleichgesichter nichts machen könne. Damals brachte er nach dem turchtbaren Gen,ehe! von Neu-Ulm in einem gclährlichen und ,vagc- muligr» Ritt die Warnung vor der drohende» Gelahr ,» den weißen Ansiedlern, Während die anderen, dt« ausgerltten ivaren, die iveißen Freunde zu warnen, von den Pseilen der Sioux durchbohrt wurde», brach Wa-be-ne-geiv-ives durch und bewahrte die Ansiedler vor dein Schlimnisten, Diese Tai ist der geschichtlich denkwürdigste Augenblick in dtesei» 128jährige» Leben, das sich nun trotz aller Rüstigkeit des Häuptlings dem Ende znneigt.

vermischte».

* D i e I a I, r e s r i ii g e de, Heringe, Jüugsi ivurde die außerordentliche Verringerung der Heringe an den iranzoiiichen Küsten gemeldet >md dainit wieder ein markantes Beispiel erbracht für dl« großei, Schivankungeii, denen der Ertrag des Heriiigssanges unterworfen ist. Ilm die Ursache» diese, Schwankungen zu er- grüudeii, ist es notwendig, da» Alter der Fische und dar Austreten der verschiedenen JahreSklassen in den einzelnen Fischbeständen sest- zustelle». Dnstir hat nun, ivie in einen, Aufsatz de, Umschau aus- gesührl>ird, der iwrwegische DiecreSsorscher Johan Hjorl als das geeignelste Mittel die Beobachtung der Fischschnp v en erwiesen. Da die Schuppen in jedcin Jahre um einen geivisten Betrag an Größe zunehmen und das Wachst,»» nicht glcichsörinig eriolgt, so lassen sich die einzelnen Wachst,nSzonen wie am Holz der Baume durch Anltretcn ringähnlicher Bildungen feftfteClciu Durch genaue Beobachtungen über das Wachst,>n> der Heringe in den einzelnen Monaten hat mm Einar Lea sestgestellt, daß die Heringe nur vom April bis znm September ivachsen und zwar am stärksten vom Mai bis zum Juli, vom Oktober bis zum März wachsen sie nicht. Aus diese Welse entstehen in den Schuppen dunkle Ringe oder Halb­ringe, die anzeigen, wenn die Schuppen nicht gewachsen sind und daherWinterringc" heißen. Ans den Heringsschuppen kann man übrigens nicht n»r das Atter des Fische», sondern auch seine Größe in den einzelnen Jahren des Lebens ans Grund der verschiedenen Lagerungen der Ringe bestimme»,

Der falsche Regenbogen, Es scheint, das, bei sehr vielen Malern, denen die Welt Werke von hohem koloristiichem Reize vcrdiiiiki, das Erinnerungsvermögen rftr Farben weniger entwickelt ist als das für Formen, Das zeigt sich sehr amiallenh tn der geradezu erstaunlich falschen Wiedergabe der Farben des Regenbogeiis, ja in einem interessanten Aufsatz der Revue de Mötapln,siql,e et de Morale tveist G, Le-Ehalasach. daß nicht nur häufig, sondern fast immer ans Gemälden, in denen ein Regen­bogen auslancht, die Farbengebung dieser Hiiiiniclscrickwiniing in Widerspruch mit dem Vorbild der Natur falsch ,viede,gegeben wird. Man weiß ». B , daß im Falle eines doppellen Regenbogen; die Reihenfolge der Farben sich umkehrt: das Rot liegt am äußeren Rande des kleinen Bogens und am inneren Rande des große». Le- Chalas hat ein« ganze Reihe von Landschastsbildern, in denen doppelte Regenbogen erscheinen, nachgeprüst. und nur n» einzyies Mal ist die Farbenskala richtig »argestellt geivesen. Wie die Male,

den doppelten Regenbogen falsch koalieren, s» halten sie es auch mir dem rm'achen, sie kennen ihnkcht genaüer 'Fast immer wir» das Rot in die innere Seite des Bogens verlegt: da» beobachtet man nicht nur bei Künstlern bescheidenen Ranges, sondern selbst

bei Meistern wie Millet (auf seinemFrühling" in Louvre, be, Eottet, bei Beandoin u, a. Wie erklärt sich nun diese auffällige Neigung der Maler, diearürtiche Farbmskala ihres Vorbildes bei der malerische» Wiedergabe ans den Kops zu stellen? Vielleicht liegt es daran, daß das Rot im Regenbogen schneller und unver­mittelter abichließr als das Violett, das sich in unzähligen feinen Farbenabstufungen vermindert rmd damit jede starke Kontur »er- meidet. Der Regenbogen läßtns an eine Wölbung denken,ich es ist vielleicht dem Auge eine großer,? Beiriedignng, einen auch in der Linie starken und festen Bogen eine ilockenarng verdammenide Farbeilschicht zu tragen, Infolgedessen notnui die Maler instinktiv dazu, das Rot als die stärkste lind am schärfsten begrenzte Färb« an den imiereil Raich des Regenbogen» zu verlegen. Allein die malerische Ilnzuoerlässigkeil in der küiisileriichen Gestästung ffK» Regenbogens beschränkt sich nicht ans die Unrichtigkeit der Farb­gebung, Betrachtet man die Landschaft von einem bestimmten Punkte, also vom Standort des Malers aus, so läßt sich die not» toendige Forn, des Regenbogens und seine Größe absolut genast bestimnien, Hier zeigt sich am deutlichsten, daß fast alle Maler den Regenbogen nicht nach der Natur darstellen, sondern als es» ma­lerisches Requisit künstlich in das Bild einfügen. Aus den Bil­dern wird der Regenbogen entweder zu klein oder viel zu groß dargestcllt, taucht an Stellen ans, an denen et, vom Standort des Malers gesehen, tn der Natur nicht erscheineil würde, Kurz, an dem Regenbogen ist die geschärfte Natnrbetrachtung unserer Maler anscheinend stets vorübcrgegangen,

Gin S e lbstmord. Ein Herr tvar zu Besuch bei einer Dame, und die Unterhaltung nahm nur mühsam ihren Fortgang, Als wieder eine ängstliche Pause entstanden war, irrte das Auge des Herr» hilfesuchend im Zimmer umher und blieb aus eitlem Bilde hasten, das an der Wand hing Es tvar ein Porträt. Eine Dame war dargestellt mit einem süßlichen schmachtenden Ausdruck mit Farben, die einen Futuristen neidisch machen konnten. Aber nach längerem Betrachten entdeckte der Herr doch, daß da die Dame des Hauses dargestellt sein sollte. Hier bot sich ihm die schönste Gelegenheit zu einem Kompliment, Er ivies aus das Bild und sagte:Wer tutt nur da den Mut gehabt. Sie in solcher Weise hinzuinorden?" Die Dame warf eine» Blick aus das Bild, dann Jh sie de» Herrn an, ein liebenswürdiges Lächeln glitt über ihre Züge, und sie erioiderte:Es bandelt sich nicht um einen Mord, lieber Herr, es ist ein , , . Selbstmoiö !"

* Gemütlich. Student: >,Gestern ist mein Onkel gestor­ben . . Sein Kamerad:Tut mir seit» ' . . Na. . Fried« seiner Tasche!"

* Besiegte Sieger. Brown:Schau doch, da ist da»

Mädchen, um das Jones ,u,d Smith sich so geprügelt haben." Ach! Und toer >i»ar der Glücklichere?"Jones sie hat Smith geheiratet," _

Vüchertisch.

ßtiieoena Reiseführer: Band 31,Frankfurt a, M< und Umgebung", 29, Auflage, Mit 3 Karten uiu, Grundrissen^ W, 0.60.) Verlag Albert Goldschnudt, Berlin W. 35. Dieser Lpezialsührer, der bisher in de, Griebenschen Rciscjührersammlung als Sonderabdruck aus dem Rheinssthrer vorlag, ist nniimeh, al» selbständiges Bändchen von Rektor Schmitt-Frankfurt a. M. in bedeutend erweiterter Fassung neu bearbeitet worden. Int eisvei, Teil des handlichen Büchleins findet inan ausführliche Angaben über ^Vohnungs- und Verkehrsverbällnissc, über Vergnügungen und Sport sowie eine Reihe ivissenswcrtrr Adressen. Besonders «rwünscht toerden dem Reisenden die aussührlichen Tarise und die Preistafeln der verschiedenen Bühnen sein, ebenso die sehr über­sichtliche Stundentascl für den sreien Eintritt zu den Sehens­würdigkeiten. Weiterhin enthält der Führer in der Form von! 8 Spaziergängen durch die Stadt eine eingehende Beschreibung der Ivichtigsten Gebäude und Sammlungen Es svlgt sodann ein aus» lührliches Kapitel über Ausflüge in die U»,gebung, wodurch de« Führer auch, den Einheimüchen iveitvoll ist. Erwähnt seien schließlich nock, die vorzüglichen Karten und Grundrisse, die ii, ihrem klaren, deiillichen Druck die Brauchbarkeit des kleine,, Buches ivesentlich erhöben.

versteckrätjel.

Alan suche ei» Sprichwort, dessen c!ze!»e Silbe» i» solgendea Wörtern versteckt sind, wie die Silbe .au" in .Wanderer". Rheinland Sauerteig Gigerlstock Schwalbennest Aiigustiis Nibelnugeulied Zigarrenkiste Niibesonne»- heit Serbien Halskrageu Zivetbrücke» Jremd- herrschat Redesreiüetl,

Auslösung i» nächster Nummer,

Auslösung der Eharadc in voriger Nummer:

B » , ch ,v i n d r ö r ch e ii.

Redaktion? K Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersttät»-Buch- und Steindruckeret. R. Lang«, Gießern