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Schottelius.Ich und boshaft! Ach sag« »ur das, U>as die Leute rede» werden, und man rann doch de» Leuten den Mind nicht verbieten!"

In Dasburg hatte» die Danien einige Besorgungen. Dann fuhren sie wieder nach Saalkirchen zurück. Nach dem Mittagessen zog sich Dorn in ihr Zimmer zurück und ging hier erregt auf und ab.

So boshaft die Tante war, so hatte sie doch recht Frau Klüver besuchte den Bergrat zwar in Begleitung des Grasen Stilltet; aber dieser Besuch galt doch gewissermaßen als Zugeständnis, daß sie sich als Braut des Bergrats betrach- tete. Die Verlobung und die Hochzeit ließen wohl nickt mehr lange auf sich warten, und Dora würde auf dieser Hochzeit erscheinen, sie ivürde auf ihr tanzen müssen!

Dora lachte so grell, so schneidend auf, daß sie^ vor dem Tone ihrer eigenen Stimme erschrak. Sie haßte Spal- ding, aber sie haßte noch mehr Frau Glover. Die Frau haßt niemals so sehr den Mann, der ihr untren wird, als die andere Frau, um derentwillen er die Untreue beging.

Mit geballte» Fäusten, die Unterlippe zivischen den Zähnen, lief Dora in ihrem Zimmer aus und ab.

Die boshafte Tante hatte ja doch recht. Die Leute waren böse, sehr böse, sehr schlimm in ihren Nachreden, und sie

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würden sagen;

Welch ein Scheusal muß diese Dora Bnchwald sein, daß trotz des vielen Geldes der Bergrat Spalding sie nicht nahm, sondern sein Herz an eine andere hing!"

Man würde sie verspotten, verlachen, und den Triumph hatte Frau Glover.

Dann saß Dora wieder in einem Fantenil und weinte Tränen des ohnmächtigen Zornes.

Sie sah noch immer ganz verstört aus, als sie nach­mittags ihr Zimmer im Genernlbnrean betrat. Sie fand aus ihrem Platz einen mit Bleistift geschriebenen Zettel des alten Geheinirats, welcher lautete; '

Mein Sohn ist zur Besinnung gekommen, die Aerzte hoffen das Beste, sie meinen, die Krisis sei überwunden. Den Typhus hatte er nicht. Es ist also keine ansteckende Krankheit vorhanden, und ich komme morgen lvieder zu Dir. Ich hoffe zu Gott, daß Lothar jetzt am Leben erhalten bleibt und seine Genesung rasche Fortschritte machen wird."

Dora nahm den Kalender zur Hand und rechnete nach. Ende März war Bergrat Spalding in ihren Dienst ge­treten, und jetzt befand man sich im Anfang des November.

I ss waren acht Monate verflossen, seitdem er feine Stellung nne hatte, und im nächsten Monat mußte es sich entscheiden, ch er blieb, oder ob er ging; entscheiden, ob Dora ihn weiter m Dienst behalten wollte oder nicht.

Sie klingelte und ließ durch den eintretenden Bureau- diener den juristischen Betrat zu sich bitten.

Sehen Sie doch einmal den Vertrag mit dem Bergrat Spalding nach," sagte sie.

Ich habe die Bestimmungen im Kops," meinte der

t uristische Beirat, ein alter, weißköpsiger Mann.Bis zum etzten Dezember haben beide Parteien das Reckt, zu sagen, äß sie den Vertrag nur bis zum ersten April fortsetzen, oder zu erklären, daß sie bereit sind, einen neuen Vertrag «i schließen. Soll ich den Vertrag für die Anstellung des vergrats als Generaldirektor entwerfen?"

Nein!" antwortete Dora scharf.Kann nicht auch schon früher erklärt werden, daß wir ans das Fortbestehen des Vertrages verzichten?"

Selbstverständlich. Früher kann immer diese Erklä­rung abgegeben werden, nur nicht später, nur nicht nach dem Sl. Dezember."

Bitte, lassen Die sofort deni Bergrat schreiben, daß ich auf seine ferneren Dienste nach Ablauf des ersten Jahres verzichte."

Also die Kündigung?" fragte er überrascht.

Jawohl, die Kündigung."

Soll der Brief von Herrn Geheimrat Kersten unter­schrieben werben?"

Nein, ich will ihn selbst unterschreiben."

ES soll geschehen," sagte der juristische Sachver- ständige.

Das >var der Ausweg, den Dora gesunden hatte. Sie agte sich von Werner los, sie entließ ihn, und Frau Glover mite das Vergnügen, einen entlassenen Beamten Doras zu zeirate». Nun konnte ft cf»' «jemand mehr wundern, daß Werner nicht seine Chefin, sondern Fra» Glover heiratete. W, die Chesin, wollte ihn nicht haben, sie verzichtete ans

ihn. Er verschmähte nicht sie, sondern sie vericknnähte ihn. Diese Kündigung tvar auch die Antwort aus seine plumps zudringliche Bemerkung, die Werner damals gemacht hatte, als das kleine Märiechen Dora für seine Fra» hielt. Tos ivar die einzig richtige Antwort, die sie ihm längst lstitte geben sollen; und damit war für sie die ganze Episode er- lcdigt. Dora tvar geradezu entzückt von der großartigen, Lösung, die sie gefunden hatte.

Es dauerte keine halbe Stunde und der Burenuvor- stcher kam mit dem Kündigungsbrief für Spalding. Dora ergriff die Feder, um zu unterschreiben, und in diesem Augenblick war es ihr, als höre sie den Geheimrat Kersten wieder sagen:Ich muß dich, liebe Dora, daraus ausmerk- sani machen, daß man geschäftliche Dinge nicht nach Ge- sühlsauswallungen, sondern lediglich nach ruhiger, klarer Ueberlegung entscheidet." Sie stutzte und tat, als lese sie de» Brief noch einmal recht sorgfältig durch; dann unter­schrieb sie mit fester Hand ihren Namen. Sie handelte nicht nach Gefühlsanfwallungen, sie handelte nach klarer, langer, ruhiger Ueberlegung. Sie konnte gar nicht anders handeln, selbst Ivenn sie gewollt hätte.

Der Bureanvorsteher trocknete die nassen Schristzüga von Doras Namenszug mit dem Löscher und sagte daunk ,,Der Herr Bergras hat soeben dem Generalbureau mit- geteilt, daß er in drei Tagen, ain näcksteu Montag, wieder in den Dienst tritt. Soll ihm dieses Kündigungsschreiben sofort zurückgeschickt werden oder erst am Montags Sofort," erklärte Dora.

Der Bureauvorsteher ging nacheinerBerbeuguug davon. Endlich, endlich hatte Tora allem, >vas in ihr tobte, Luft gemacht. Endlich hatte sie das Schweigen brechen dürfen, durch das sie gewissermaßen ins Unrecht gesetzt ivürde, durch das sie einer willenlosen Märtyrerin alichs die alles Leid, alle Beschimpfungen ivehrlos über sich er­gehen lassen mußte. Sie wußte, daß der Geheimrat über diese Kündigung außer firfr geraten würde ; aber es was ihr gleichgültig, was geschah. Und konnte sic nicht machen, was sie wollte, war sie nicht die Herrin, ivar sie nicht dis Chefin auch des Bergrats Spalding? Hatte sic nicht das Recht, ihm jederzeit die Stellung zu kündigen?

Der Besuch, den Frau Glover mit dem Grafen Klintcv bei Werner machte, war schon längere Zeit geplant, aber Graf Klinter hatte ihn immer noch aufgeschoben, weil er die unvermeidliche Erregung fürchtete, die für Werner mit dem Besuche verbunden war.

Frau Glover sah recht mitgenommen aus; ihr Gesicht war blaß, man sah es, sie hatte eine Zeit schwerer Sorgen hinter sich. Sie weinte und war keines Wortes mächtiab als sie in das Zimmer Werners trat und diesem die Hand reichte.

Werner saß mit einer leichten schwarzen Binde um den Kopf an feinem Schreibtisch und küßte Frau Glover die Hand. j

Nehmen Sie Platz," bat er,und gleichzeitig herz, lichen Dank für Ihren freundlichen Besuch."

Barbara konnte sich immer noch nicht beruhigen. Erst nachdem sie sich ordentlich ausgeweint, brachte sie die Worte hervor:

Ich bin an allem schuld! Ich habe recht töricht ge­handelt, aber ich wußte weder aus noch ein. Ich hätte den »iiglücklichen Lothar Kersten nicht ohne Hoffnung lasseii sollen; ich hätte auf seinen Brief antworten, ich hätte ihn empfangen müssen, als er zu mir kam. Dann hätte ich ihn nicht zu dem unsinnige» Schritte gezwungen. Aber er kann ja nichts dafür, er hat im Feber gehandelt. Tvotze dem bin ick nicht frei von Sckiuld, und säst hätte ich Ihr Leben auf dem Gewissen gehabt."

Ich bitte Sie dringend, sich zu beruhigen," eutgeguete Werner.Weder Sie, noch der unglückliche Hauptmann tragen irgendwelche Schuld. Sie wußten nicht, was bevor­stand, und der Hauptmann handelte im Feberzustand. Mir ist gesagt worden, daß er unmittelbar, nachdem das Duell vorüber war, ohnmächtig geworden ist und in Delirien^ versiel. Also keine Aufregung, gnädige Frau! Die Sache ist ja glimpflich genug abgelause». Diese Schramme veripächst bald wieder bei mir, und ein Merlaß schadet hin undi wieder nichts."

Sie sprechen in so liebenswürdigem Tone yon Ihrem Gegner," bemerkte Frau Glover,daß ich den Mut sind», Ihnen noch eine Bitte vorzutragen: Können Sie Ihrem Gegner verzeihen»"