Ausgabe 
24.6.1914
 
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Mribrr-Krgilmnt.

Boman von Oskar Klanßmann.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung,)

Werner ivußte ivohl, »velche Gerüchte über ihn und das Duell in, Umlauf waren. Er wußte, daß allgeniein das Ge­rede ging. er habe sich mit dem Hauptmann Kersten ge­schossen. »veil sie Nebenbuhler bei Frau Glover waren. Er ahnte, daß dieses Gerede auch zu den Ohren Dora? dringen würde. Wie würde sie darüber denken?

Er konnte aber absolut nichts tun, um sie über den richtigen Sachverhalt aufzuklären. Wenn nichts weiter wischen ihm und ihr stanv, als daß sie die Chesin und e>r er Untergebene war, ging fie die gnnje Duellgeschichde nichts au; und den Grasen Klinter konnte er nicht bitten, irgendwelche Aufklärungen ,u geben, denn dann hätte er dem Freunde gestehen müssen, daß Dora ihin nicht gleichgültig sei, und ihm viel daran liege, daß sie richtige Inforniationen über den Borfall erhalte. Es fiel ihm auf, daß sich Dora nicht persönlich, wenigstens durch das Telephon, nach seinem Befinden erkundigt hatte: inimer nur >var es Frau Jchotte- liüs gcivcsen. Beklageii konnte er sich aber über diese an­scheinende Vernachlässigung nicht. Wenn Dora iyni gegen­über vorsichtig war, so hatte er das durch seine plumpe, takt­lose Annäherung seinerzeit verschuldet.....

Dora tat auch nichts, uni aus ihrer Einsamkeit heraus- zukouimen: sie vermied selbst die Ausfahrten. Bei ihrem seelischen Zustand ivar es ihr peinlich, überhaupt Menschen »u feheil. Sie war so aus den, Gleichgewicht gebracht, daß es ihr schien, jeder Mensch müsse von ihrem Gesicht ablesen, sie sei eine Närrin gewesen und habe einen Mann geliebt, ver s,e verschmähte.

Fast drei Wochen hatte Dora sich zu Hause gehalten und nur im Park von Saarkirchen weitere Spaziergänge unter­nommen. Am liebsten ging sie allein. Sie fürchtete sich vor den Bemerkirngen der Dante, die, ob absichtlich oder nicht, immer etwas Peinliches, Unangenehmes, Verlebendes für fte hatten und schmerzliche Empsindiingen iu ihr weckten. Sie ging auf ihren Spaziergängen jedesmal bis an den Gvenzgraben an der Westseite des Parkes. Dann blickte sie nach dem Birtenwäldchen hinüber, .hinter deni Birkenwald chen lag eiiie Villa, und in dieser befand sich ein Kranker. Doci ivar der Mann, den sie haßte. Za, sie >var überzeugt, sie hasse ,b» wieder, seitdem er nicht mehr in Lebensgefahr ivar. Tie haßte ihn, sie suchte nach einem Ausdruck ihres bitteren Empfindlingen, iiiid sie mußte schweigen. Es war ihr manchmal, als müsse sie ersticken. Sie sehnte sich nach einer Betätigung, ilack einem Ausdruck der widerwärtigen Empfindungen, die sie Tag und Nacht beherrschten.

Der Neubau der MädchenfortbilduugSschiile war fast vollendet. Dora hatte zu entscheiden, tute die Einteilung der

Räumlichkeiten für die verschiedenen Schulahteilunaen durck- gesührt werden sollte. Der Baumeister wünschte dringend, daß Dora den Bau besuche. Das Generalbnreau hatte die An- gelegenheii Dora vorgctragen, und an einem Nachmittag ent­schloß sich Dora endlich, mit der Tante auszufahren und den Neubau zu besichtigen. Sie blieb eine Stunde aus dem Neu­bau und traf ihre Berfügniigen. Das lenkte sie von ihren son­stigen linangenehiiieii Gedanken ab. Dann suhr sie von Doro­theenhof die Ehaussee hinunter nach Dasburg.

Als sie kurz vor der Billa ivaren, in der Spalbing lvohnte, sah sie aus der entgegengesetzten Richtung ein Auto­mobil kommen, ivetches zur Billa einboa und vor derselben hielt. Zm Borübcrfahren sah sie deutlich, daß Frau Glover und Gras Klintcr dein Automobil entstiegen und in die Billa hlneingingen.

hast dii gesehen?" sagte die Tante, als sie weiterfuhren. Frau Glover beincht ihren Ritter! Nun, es wird Zeit, daß sie sich uni ihn kümmert. Wenn ich nur klug ivüide aus der Rolle, die der Graf Klinter dabei spielt. Ich backte früher immer, er würde sich selbst eininal um Frau Glover be­werben."

Dora antivortete nicht, nud das reizte die Dänre zu neuen Bemerkungen lind spornte sie au, c.was boshafter zu iverden. Die gefährliche Episode mil Tpalding ivar über­wunden: aber die intrigante Frau tvollte doch ihr Mütchen au Dora etwas kühlen. Deshalb sing sie ganz harmlos tvieder au:

Nun wird wohl die Heirat nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die Hochzeit wird »>-ihricheinlich in großarti­gem Stile gehalten iverden, und >uch wir beide werden nicht umhin können an derselben teilzunehuien. Zch glaube ja nicht, daß der Bergrat in deinem Dienste bleiben wird. Frau Glover wird keinen Angestellten von dir heiraten ivollen. Aber er war doch bei dir im Dienste, und du mußt aus der Hochzeit erscheinen. Vielleicht aber macht er sich gar ilichis daraus und bleibt doch dein Generaldirektor. Dann mußt du erst recht au der Festlichkeit teilnehmen. Stusschließen kannst du dich nicht: die Leute würden sonst glauben, du ivürst eiser- süchiig. Mir ist der Gedanke jent schon peinlich, daß wir aus der Hochzeit des Bergrats die liebenswürdigen Gäste dar­stellen müssen. Cs ist immer sehr Dumm, wenn eine unver­heiratete Ehefin da ist. lind ein Angestellter heiratet eine an­dere Die Leute geht das ja nichts an: aber sie reden doch darüber, und unwillkürlich fragen sie sich: Warum hat er deuu seine Ehefin dem vielen Gelbe nicku genommen? Nliii ja," sagen dann r»e Lenke, ,.ivo die Lrebe hinfätlt: die andere gefiel ihm eben besser." Aber cs gibt auch bösartig« Leute, die sagen:Die hat er nicht genonunen trotz ihres viele» Geldes, die nimmt so leicht keiner." To iverden die Leute reden."

Das glaube ich nicht," sagte Dora plötzlich sehr scharf. So boshaft lvie du sind die Leute nicht."

Mein Gott, ich und boshaft?' erwiderte mit einem Äugenaufschlag, der ihre Kränkung andeuten sollte, Frau