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Feodoca wandte sich jetzt seitwärts zu einer Dame, die am Raine saß und in ihrem Schatze Mninon und Blätter zu einem Kranze wand. „ .
Fra» von Braun sagte: „Mir tut es leid, Jeanette, daß ich wieder sort mutz von diesem wunderherrlichen, friedvollen Platze. Biet kann man wirklich alle Sorgen in Wald und Leide ertränken. Warum lächelst du, Jeanette?"
..Verschiedene Gründe, meine Liebe. Erstäns, weil du von sorgen sprichst, die du ertränken willst. Du, die vergöltertstc, beneidetste Frau von Berlin. Ach bitte, last nrich ausreden. Und zweitens, weil ich mich freue, dast ich von vier wegkomme, Ruhig ist es hier, keine Frage, sogar sehr ruhig. Aber vier Wochen hier, in dieser Gegend, vier Wochen in Wohldorf, ist etwas reichlich viel. Aber heute über acht Tage, da soll es anders sein. Mein Mann eröffnet die Saison mit dein Regimentsfest. Du kommst doch, Fee, ach bitte, versprich mir, dast du kommst."
„Wir sprechen noch darüber, Jeanette. Doch jetzt erhebe dich, bitte, gefälligst. Wir pilgern bis nach Aumühl, dann fahren wir 11,27 mit dem Erpress alias Borortszug nach Wohldorf.
Feodora ergriff ihrer Freundin Hand und zog sie eurpor.
Am Bahnübergang kamen von Aumühl her zwei Reiter.
„Das ist der junge Fürst, Fee," rief Jeanette begeistert, und als der junge Otto von Bismarck an ihnen vorbeiritt, trat Jeanette einen Schritt vor und sagte: „Verzeihung, Ew. Durchlaucht. Ick bin die Gräfin Gotheim und Witte um die Erlaubnis, diesen Eichenkranz am Sarge des Altreichskanzlers mederlegen zu dürfen."
Der Knabe errötete und nahm die Mütze ab. Dann sagte er mit seiner weichen Stimme: „Gern, gnädigste Gräfin, ist Ihnen der Zutritt gestattet. Mein Leibjägcr wird Sie führen."
Er winkte dem hinter ihm reitenden Lakaien und ritt dann grüßend weiter.
„Nun kommen wir doch noch in das Mausoleum/, Fee," rief Jeanette freudig. !
Sie stiegen mit dem fürstlichen Diener die schmale Treppe empor, die zum Portierhaule führt.
Der alte, graubättige Portier, der vieler viele Jahre des Kanzlers treuer Diener gewesen war, schritt den Damen voran >md erschloß das kleine Gotteshaus.
Dumpfe Kühle schlug ihnen entgegen. Sie stiegen die wenigen Stufen empor, die zii dem schlichten Betsaal führen, und folgten Krnn denr greisen Diener, der das Gitter öffnete, dast die Bc- zräbnisstätte vom Betsaal trennt.
Nun standen sie vor den beiden, riesigen, schlichten Sarkophagen. Durch die Butzenscheiben fiel mattes Licht schräg auf den Marmor und verlieh ihm leuchtenden Glanz.
: Der Diener wischte sich niit dem Handrücken die Träiren ans
den Augen und sagte wehmüttg: „So einen kriegt Deutschland nicht wieder, und ivenn hundert Jahre vergehen. An die ztvanzig gekrönte Häupter haben ihn besucht, darunter vier Kaiser und neun Könige. Meine Frau sagt inimer: Nach unserm lieben Herrgott ist noch kein Mensch so geehrt imd begehrt worden toie Bismarck."
Er trat an des Fürsten Sarg und strich kosend mit der Hand über den kalten, harten stein, un» Gräfin Gotheim legte ihren Eichenkranz auf den Sarkophag. Danach verließen sie das Gotteshaus und traten an die alte, morsche Bank, des Fürsten Lieblingsplatz, von dem au4 er weithin über seine Waldungen blicken konnte. Die Damen setzten sich wenige Minuten, dann belohnten sie den alten, biederen Führer.
(Fortsetzung folgt.)
Bananen.
Al» die Heimat der Banane ist Äorder-Indren, Cehlon und die malaiischen Inselgruppen anzusehen, too die überall verbreitete und in zahlreichen Sorten verwilderte Musa paradiesica auch in wildem Zustande mit kleinen, grünlichen Früchten vorkommt, welche keimfähigen Sauien tragen. Das Vorkommen samen- tragender Bananen ist bemerkensivert, lveit die kultivierten Bananen bekanntlich niemals Samen bringen »nd durch Wurzelschossc Vermehrt werden müssen. Die beiden Arten Linnös, Musa paradiesica und sapientum lassen sich botanisch nicht aufrecht erhalten- woht aber kann man die zahlreichen Kulturformen, von denen man in Indien allein über bl) kennt, in zwei Gruppen, Obstund Gemüsebananen, teilen. Die Verwendung der Bananen als Obst ist wahrscheinlich so alt wie die indische Kultur selbst. Europa lernte sie durch den Zug Alexanders des Groben kennen. Während die Banane noch vor 20 Jahren bei uns nur selten eingeführt würde, nimmt die Einfuhr zurzeit nach England und Deutschland von Jahr Jahr zu und erreichte im Jahre 19i3 bei uns bereits 450 5o6 Doppelzentner. Die meisten kommen über Hamburg von Jamaica, Westairika und ein kleiner keil auch von den kanarischen Inseln.
Die Obstbananen oder eigentliche Bananen, der Typus der , Linneschen Musa sapietum, bringen meistens kleine, etwa singer- lange Früchte mit zartem gelblichem Fleisch Es gibt daher auch voißgelbe, rote und solche von rundlicher Apfelform Die kleinere,,!
Sorten sind meist die geschätzteren, weil sie im Geschmack fenverf sind. Was man gegenwärtig in der Ceylon-Ausstellung sieht, ist die Sorte, welche der Engländer unter deur Ramm „Ladtesfingcr"
als die köstlichste bevorzugt.
So »vichtig die Obstbanane in ihrer Heimat auch ist, al» Bolksnahrungsinittel steht sie gegen die Gemüsebanane doch weit Zurück. Diese Banane oder Pisang verkörpert den Typus der Musa paradiesica und ist äußerlich daran zu erkennen, daß die "männlichen Blüten mit ihren Hochblättern ziemttch lange am Blutenstände verbleiben und die Früchte bis zu 30 Ztm lang werden. In Ostasttka hat inan sogar Sorten, deren Früchte bä Armsdicke einen halben Meter Länge erreichen und eine Form von Musa cornirnlata soll Früchte geben, an ivelcher sich drei Mann satt essen können. Diese Banengattang verdankt ihren Nährwert dem höhen Gehalt an Stärke. Sic werden in nicht ganz ansgereistem Zustande in der mannigfachste» Weis« zubereitet, gekocht, gedämpft, gebacken, und der singhalesische Koch versteht aus ihnen mancherlei Süßspeisen herzustellen. Das Bananenmehl, welches in manchen Gebieten Afrikas eines der wichtigsten Nahrungsmittel darstellt, wird in der Weise gewonnen, daß man die Bananen schält, in Streifen zerlegt und dann an der Sonn« oder über Feuer trocknet. Sie werden dann zu Mehl zerstoßen, welches sich, trocken aufbeivahrt, lange Zeit hält. Läßt man du> reisen Gemüsebananen mit einem Zusatz von Cvracana, einer tropischen Gettcideart, die auch in der Ceylon-Ausstellung in Samen und Pflanzen jgezetgt wird, gähren, so entstehen berauschende Getränke, die an Bier oder Wein erinnern.
Die /Banane gedeiht nur im heißen und feuchten Dropen- klima. Trockenheit verttägt sie nicht.
vermischte«.
— Der plötzliche Tod der Bavenven. Nicht selten
hört man von plötzlichen Todesfällen, die sich in Fluß-- und Seebädern ereignen. Die Erklärung, die man gewöhnlich dafür gibt, ist, dast den Badenden infolge der Ueberanstrengiing inib Erhitzung ein Herzschlag getroffen hat. Auch der volle Magen gilt bisweilen als Ursache, indem man annimmt, dast der Ettruiiken« unter Wasser erbrochen hat. Aber diese Gründe wirken nicht ganz plausibel, wenn man bedenkt, daß die Schwimmer gewöhnlich jung« kräftige Leute, hausig auch recht geübt, bei denen ein Herzfehler sehr unwahrscheinlich ist. Auch habe» die meiste,, Sektionen der Leichen am Herzen nichts gesunden. Es ist nun recht interessant, eine Hypothese zu hören, die Dr. A. Gütlich- Frankfurt in der Medizinischen Klinik entwickelt hat. Er zieht den sogen. Bestibular- apparat des inneren Ohres heran, dessen Störungen Schwindel, unlvillkürliche Augeiibeloegnngen (Nystagmus) und Erbrechen Hervorrufen können. Derartige Erscheinilugen treten bei gewilscn Menschen, besonders solchen, die eine Läsion des Trommelfelles besitzen, aber auch bei anderen, deren Trommelfell intakt ist, >iuf, wenn man ihnen kalles Wasser ins Ohr spritzt. Die plötzlichen Todesfälle in« .Wasser sind durch solche Reizungen des vestibulären Apparates zivaiiglos zu erklären Es gibt eine Menge Menschen, die einen alten Rist im Tronimelsell von Jugend an besitzen, ohne etwas davon zu spüre». Auch kann es be, einem mißlungenen Kopfsprung zu einem Rist führe». Dann dringt kaltes Wasser durch den äusteren Gchörgang in die Paukenhöhle und reizt von hier ans de» vestibulären Apparat. Es kommt zu Orientierung»- störungen — deinr das Veslibuluin ist das statische Sinnesorgan — zum Erbrechen infolge Reizung der Magennerven auf nervösem Wege vom Gehirne her. Dabei ist ein voller Magen natürlich ae- sährlicher als ein lecrxr. Mai, inüstie daher, so verlangt iDr. Göttich, Leute mit Trommelfellschäde» warnen, allzu kühne Kopfsprünge auszuführen oder in zu kaltem Wasser iinterziutauchen. Ein ins Ohr gesteckter Wattepfropfen ist ein gutes Borbeugungsmittel gegen die Gefahr, die dem inneren Ohre droht,
Charade.
(Viersilbig.)
Es kam der Herbst schier über Nacht, Da war bas Erste kohl geworden: Das Zweite fuhr daher mit Macht,
Tie leiden Letzte» hiuzuuio>de».
Nun, da der Lenz die Fluren weck^. Da aste Knospen aufechteheu,
Hab' ich tut Ersten tief versteckt Das Ganze anmutsvoll gesehen. Auflösung in nächster Nummer,
Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummert
1. L e 5 — f 2 K e 5 n. f 8 ober A) it. B)
2. L£2 — d4 setzt Matt.
A) 1.......... Ke 5 —4 6.
2. S a3 — c4 setzt Matt.
B) 1.......... Beliebig anders.
2. L f 2 — g 3 seht Matt.
Redaktton K. Neurath. — Notationsdruck und Verlag der Brübl'Ichen Universttäts-Buch- und Stemdruckeret. R. Wtr.nt ®ie&e>v


