Ausgabe 
18.6.1914
 
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Weiber-Nrgimmt.

Vioman von Oskar Klaußmann.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Werner satz noch eine Zeitlang an seinem Tisch. Er mutzte sich erst fassen. So viel war ihm klar: Kersten war lvahnsinnig vor Eifersucht und wollte ihm ans Leben. Er hatte Werner derartig beleidigt, datz ein Duell unvermeid­lich wurde, und in diesem gedachte der Hauptmann seinen vernieintlichen Nebenbuhler bei Frau Glover zu beseitigen.

Werner ries de» Kellner heran, um zu bezahlen, obgleich er die Flasche Wein, die ihm gebracht ivorden mar, noch nicht berührt hatte. Er mutzte sich einen Sekundanten suchen. Ge­rade, als der -Oberkellner ihm das Geld herausgab, betrat Gras Klinker das Zimmer und kam eilig auf Werner los.

Ich habe bei Ihnen telephonisch angesragt, und Ihre Wirtschasterin sagte inir, Sie seien hier bei Zimmermann. Ich lvollte den Abend mit Ihnen verbringen. Bor einer Stunde bin ich zurückgekehrt."

Sie kommen mir wie gerufen'', sagte Werner) Kellner, bringen Sie noch ein Glas."

Dann teilte er in fliegender Hast Klinter mit, was soeben geschehen lvar.

Es ist eine Unverschämtheit von dein Hauptmann," sagte Werner,mich hierher zu bestellen, um mich zu brüs­kiere». Ich nehme an, der Mann ist nicht ganz bei Sinnen. Aber natürlich kann ich weder auf mir noch aus Fräulein Buchwald die Beleidigungen sitzen lassen und lvollte Sie fragen, ob ich auf Ihre Hilfe in diesem Falle rechnen darf."

Nicht nur in diesem Falle, sondern stets", antwortete Graf Klinter und reichte Werner die Hand. Dann erhob er sich und ging in das Nebenzimmer, wo Kersten mit den beiden Offizieren satz.

Einen Augenblick, .Herr Hauptmann", ries Graf Klin­ter:ick lvollte Sie in, Aufträge meines Freundes, des Berg­rates Spalding, bitten, mir Ihre Sekundanten zu bezeichnen. Es hat soeben eine Szene zlvischen Ihnen stattgefunden, die lvohl nur auf die Art und Weise erledigt werden kann, wie sie unter anständigen Leuteir üblich ist."

Herr Oberleutnant von Altenberg ist mein Vertreter", sagte der Hauptmann und stellte den Oberleutnant dem Grafen vor.

Oberleutnant von Altenbcrg und Graf Klinter zogen sich darauf in ei» drittes Zimmer zurück, das sonst für Vereins- Versammlungen diente. Innerhalb zehn Minuten war alles Notwendige verabredet. Der zweite anlvesende Offizier, ein hauptmalin Berger, sollte als Unparteiischer fungieren. Das Duell sollte in wenigen Stunden, um fünf Uhr morgens, in dem Birkenwäldchen hinter der Villa des Bergrats statt- jiliden. Entfernung zehn Schritt, dreimaliger Kugelivechsel.

Wir haben zwei Paar Pistolen mitgebracht", erklärte

der Oberleutnant,da uns KamevaL Avrsten, als er heute morgen bei »ns in Reuenburg lvar, beveits sagte, datz es sich im Hne Ehreuaugeiegeuheit handelte. Wir bringen d!' Paffen und Munition mit uns."

Also morgen früh uni 5> Uhr", wiederholte Graf Klin­ter, und verbeugte sich vor dem Oberleutnant.

Wenige Minuten später satz er bei Werner und teilte ihm mit, was verabredet war.

Es ist eine verteufelte Sache", meinte Graf Minier, nachdem ihm Werner für seine Beihilfe gedankt hatte. Wäre ich nicht verreist gewesen, so wäre die Geschichte nicht passiert. Dann hätte der eifersüchtige Haupt,nami nicht Sie allein mit Frau Glover ausreiteu sehe», son­dern ich wäre dabei gewesen, und zivei Begleiter sind immer ungefährlich, auch in den Augen eines Liebestollen. Es ist also wirklich wahr: der Mann ist über beide Ohren in Frau Glover verliebt, und er gebärdet sich wie ein Unzu­rechnungsfähiger. Er »mtz auch sclwn Frau Glover bedroht haben, denn ich habe vorgestern mit ihr eine Unterredung gehabt, wobei Frau Glover sich so betrug, daß ich gang vestürzt lvar." I

tz,Frau Glover will morgen verreisen, so teilte sie nrir heute mit."

Sic will sich dem Hauptmann entziehen. Er niutz ihr. nach den Aeutzeriingeu der Frau Glover, mit Selbstmord gedroht haben. Verstehen sie mit Pistolen umzugehen?" 1

Ich habe viel mit dem Revolver geschossen," antwortete Werner,besonders in Amerika. Mit der Pistole schießt man noch sicherer. Aber ich gedenke, meinem Gegner nichts zu tun. Der Mann handelt unter einem Zivange, für den er nicht verantwortlich zu machen ist."

Die ganze Duellgeschichte ist ein Unsinn", sagte Graf Klinter.Wäre der Mann bei vollem Verstände, so hätte er Sie nicht brüskiert."

Wir können daraus keine Rücksicht nehmen", meinte Werner.Ein Zögern meinerseits würde mir als Feigheit ausgelegt werden, und den Verdacht, mich zu fürchten, möchte ich unter keinen Umstünden aufkommen lassen."

Wir wollen nach Hause," ries Graf Klinker.Sie müssen noch ein paar Stunden schlafen. Ich bin um lmlb fünf zu Pferde vor Ihrer Billa und hole Sie ab. Hoffentlich sind Sie dann schon aufgestauden."

Ich werde meine Weckeruhr aus 4 Uhr stellen," ent- gegnete Werner.

Wir müssen jedes Aufsehen vermeiden," sagte Graf Klinter.

Dann erhob er sich, und verließ mit Werner das Wein­restaurant. Als sie durch das Zimmer kamen, in dem noch Hauptmann Kersten mit den beiden Offizieren ans Neuen­burg saß, grüstten sich die beiden gegnerische» Parteien durch stumme Verbeugung, und vor der Dür drückte Graf Minier Werner warm die Hand,

Ans morgen früh", grollte er,und hoffentlich geht alles gut. Sind wir nicht verrückt mit unsere» B.egrisien von