Ausgabe 
17.6.1914
 
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tat zeigen, sie Deutschland immer noch mehr I'.-ben zu lehren und ehren Körper durch tüchtige Drarschleistmigen zu stählen, treue Kmiteradsckzasi »u pflegen, war vollkonnnen erreicht. Der ehrliche begeisterte Dank der Teilnehmer ait den F-tthrer hat dies be­wiesen. Ich möchte jedock, hier nicht verfehlen, diesen Dank an die Militär- und Bahnbehörden weiterzugeben, die durch ihr liebens­würdiges Entgegenkommen leihweise Ueberlassung von Zelt­bahnen, freies Kasenienquartier, Erlaubnis, trotz der F-ahrpreiS- ermäßigung V-Züge zu benutzen die Tour ermöglicht haben.

Line prinzentragödie?

Aus Petersburg wird uns geschrieben: In der Rnßkaja Starina werden die Erinnerungen eines früheren Sekretärs des Moskauer Militär-Gcneralgouverneurs aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts veröffentlicht: eine der Episoden aus deint Lehen des Beamten darf die Aufmerksamkeit iveiterer Kreise be­anspruchen, ist doch ihr Held eine Persönlichkeit, von der man an- nehinen must, daß sie dem österreichischen Throne nahe gestanden hat und einem schweren Schicksal verfallen gewesen ist.

Bei dem russischen Militär-Generalgouverneur lief aus dem Kreise die Meldung ein, dass ein vornehmer Reisender, angeblich ein österreichischer Graf W., auf einer der Poststationen den Postmeister geprügelt habe. Währenddessen war der Graf bereits in Moskau eingetroffen und er ersuchte, nachdem er aus der Kanzlet des Generalgouverneurs an »stelle eines ausländischen Passes «inen anderen erhalten hatte, uni eine Audienz der dem Generah- gouverneur Fürsten Dnutri Wladimirowitsch Golizyn. Der Graf erschien ,md er bestach alle durch seine schlanke, überaus elegant«! Figur, durch seine männliche Schönheit und die Anmut seines unverkennbar avistokratischcn Wesens. Er meldete dem Fürsten, daß ihm ein betrübender Zwischenfall zugestohen sei, der Post­meister habe sich so ungehörig benommen, das ihm die Geduld gerissen sei und er sich so umt vergessen habe, den Menschen zu v-üge!»: er sehe seinen Fehler ein und er ersuche den Fürsten, ihm Fingerzeige geben zu wollen, ivie er seine Sckpild mildern, die zugefllgte Beleidigung wett machen könne. Der Fürst, der kürzlich selbst in ähnlicher Lage gewesen war, versprach dem Frem­den jede Unterstützung, die von ihn« abhängig sein könne. Damit schien die Angistegenheit erledigt. Allein indessen traf aber vom Chef der politischen Geheimpolizei, Grasen Benckendorsf, der Befehl «in, den Patz des Grasen W. ihm zu übersenden und den Grafen schars zu überwachen. Der Fremde wurde sofort mit Spionen umgeben, was ihn jedoch nicht hinderte, Bekanntschaften rn der besten Moskauer Gesellschaft anzuknüpsen. Er wohnte in dem besten Hotel der Stadt, und er war bald in allen Salons ein gern gesehener und verivöhtiter Gast.

Zwei Wochen später erhielt Golizyn von Benckendorsf ein toeiteres Schreiben, das den Fürsten in Bestürzung versetzt:. Benckeirdorss teilte mit, daß ein allerhöchster Befehl vorliege, nach dem der Fremd«, der sich den Titel eines österreichischen Grasen, W. beilege, nach Sibirien zur Zwangsansiedelung zu verschicken sei: irgendwelcher Erklärungen dem Grasen gegenüber bedürfe es nicht. Fürst Golizyn vermutete ein Mißverständnis; er führte den kaiserlichen Befehl daher nicht aus und ersuchte Benckendorsf, dem Kaiser zu melden, das, die Deportation eines Ausländers, der in Rustland absolut nichts begangen habe, was zu so schwerer Strafe Anlatz geben könnte, in Rußland und in ganz Europa viel -lufsehen erregen würde. Immerhin erachtete er es für notwendig, den Grafen zu verhaften und seine Briefschaften u,td sein Gepäck aufznhalten. Ein Beanitrr des GencralgouvernenrS erschien an, frühen Morgen bei dem Fremden Der Beamte meldete, dem Grasen steheeine unerwartete Reise" bevor. Der Fremde glaubte, man ivolle ihn ans Moskau ausweisen, und wate nur, er hoffe, man ivetde ihn nicht nach Oesterreich ausliefern. Als er erfuhr, das, er nach Sibirien verschickt iverden solle, er­starrte er: ein Blutstrom schoß ihm aus Mund und Nase mrd er mußte sich auf einen Sessel, den man ihn, reichte, niederlassen. Man enoies ihm ärztliche Hilie: er wurde in einem der Polizei­häuser interniert und mit allen, möglichen Komfort umgeben. Es envies sich daß er über außerordentlich große Geldmittel verfügte.

Fürst Golizyn verlangte von Benckendorsf nochmals, daß dieser dem Kaiser seine ernsten Bedenken melde, doch als Ant­wort kan, nur die Nachricht, der Beseht sei nach Gesunöung des Grasen unverzüglick, auszusühren. Nack, zwei Monaten ivar der Graf soweit gesundet, daß er bei Golizyn um eine Audienz näch­st, che» konnte Der Fürst enipsing ihn in seinem Empfangszimmer, nahm ihn unter den Arm And geleilele ih» in sein Arbeits- geniach. Nach einiger Zeit verlangte der Fürst das Portefeuille des Grasen: der Sekretär, der das Verlangte h.'rbcischaffie. sah, dast der Fürst den Fremden mit ausgesuchter Höstichkeit behandelte, imd er hörte, ivie er ihnHoheit" titulierte, Nach gerannter Zeit öffnete sich die Tür, der Fürst liest dem Fremden den Vor- tritt und er geleitete ihn wie eine Person von bohent Rattg, bis zur Treppe. Der Fürst ,oar sehr erregt: ec schrieb in fran­zösischer Sprache an den Kaiser einen außerordentlich kühne» Brief, in dem er daraus hinwies, das, die Erfüllung des kaiserlichen Befehls ein europäischer Skandal sein würde, daß der Befehl

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gegen das Völkerrecht und gegen di« Grundgesetze txtf Reichel verstoße und daß er daher den Kaiser anflehe, den Befchl rückgängig

tat machen. Er habe sich aus den Dokumenten und von Moiunchmr an den Fremden gerichteven Briefen überzeugen können, daß

dieser lvirklich .... sei hier ließ der Fürst in seinem Brief­entwurf einen freien Raum und er bat den Kaiser, die in Rede stehende Person lediglich aus dem Reiche auszuivetsen. Nach­dem der Brief ins Reine geschrieben worden war, füllte der Fürst die Lücke aus, unterzeichnet« ihn uttd öersiegelte ihn eigenhändig mit seinem Mappensiegel.

Nach einiger Zeit erfolgte der Befehl, die Person, die sich Gras W. nenne, nach Odessa zu bringen und sie dem Fürsten Poronzow zur Verfügung zu stellen. Vor seiner Abreise ivar der Graf beim Fürsten Golizyn und nachdem man ihm seine Dapiere und sein Geld eingehänüigt halte, verlangte er zu tvissen, wieviel die russische Regierung für ihn verausgabt habe: er bezahlte in der freigiebigsten Weise die Aerzie. die ihn behandelt hatten, die Dienerschaft und die Polizisten; dann bestieg er seine Reisekutsche und reiste unter Bewachung nach Odessa ab.

Dem Sekretär des Genrralgouverneurs. den diese geheimnis­volle und unzweifelhaft sehr vornehme Person anßevordenlüch interessiert«, gelang es nur zu erfahren, daß der österreichische Höf vergingt habe, daß der Gras verschickt werde. Die ans Odessa zu rück ge kehrten Gendarmen, die der Graf fürstlich beschenkt halte, wußten zu erzählen, daß man.ihn in Odessa sofort in den Hasen gebracht habe, wo ein Dampfer auf ihn gewartet habe, der sofort in See gegangen sei, unt den ,Grafen nach Konstantütopel zu bringen, wo er die Freiheit erlangen ,sollte. Es hieß später, daß es sich um einen Erzherzog gehandelt habe, der an einet: Revolution beteiligt gewesen sei.

vüchertisch.

Dte.neue Münchener T h e a t e r z e i t s ch r t f t P h ö b u S veröfientlicht in der Mai-Nummer einen Protest gegen die Massenkonfiskation der Berliner WochenschriftDie Aktion", Eine Reihe der namhaftesten Münchener Schriftsteller und Maler, wie Frank Wedekind, H. Mann, Th. Mann, M. Halbe, K. Henckell, W. Kandinsky u. a halten es sür geboten, zur Tenöenz uttd zt« den künstlerischen Absichten derAktion" ihre Sympathie kund- tatgeben. In demselben Heft spricht Hugo Ball über daS aktuelle ThemaMünchener Künstlerlhealer" und entlvickelt den Plan der jüitgeieu Künstler, die femerieit gegen die Verpachtung de» KünstleriheaterS an das Düsseldorfer Sckzauspielhaus protestierten, Er führt aus, daß cS sich nicht um eine Reform, sondern um einen Bruch mit der Tradition handelte. Es sollte einTheater dev Neuen Kunst, d«S Expressionismus" gescktafsen werden. Kurt Kersten stellt in einem AufsatzUeber Brahm und Reinhardt" den stillen, skeptischen Brahm denFachmeuschen" Reinhardt, deskeit Schwungkraft und Behendigkeit er anerkannt, dessen innere Teil­nahmslosigkeit er aber bloßlegt, gegenüber. In einem sehe interessanten Essay überKünstlerische Probleme des Bühnen­bildes" gibt Karl Adrian die ^Möglichkeit an, tute die Bühne, die nicht mehr Raum für die Figuren sein soll, imstande ist, als ein Bestandteil einer farbigen, die Figuren umfassenden Gesamt- kompositiou zu ersckzetnen

GriebenS Reiseführer: Band 22,Belai«tt", 14. Auslage. Mit Ist Karten. (3 Mk i Verlag Albert Goldschmidt. Berlin W. 33z Alle in dieser Neuauflage des FührersBelgien" enthaltenen Angaben über Hoteipreise, Besuchstunden der Museen, Straßenbahnen, Vergnügungsorte ufw. sind einer gründlichen Durchsicht unterworfen worden. Auch in bezug aus Museen und andere Sammlungen wurden Ergänzungen und Berichtigungen aus das Gewissenhafteste vorgenomnien, so daß die neue Ausgabe als die zurzeit denkbar genaueste angesehen werden kann. Da außerdem die Einteilung des Bandes besonoerS übersichtlich gehalten ist, und das beigegebene reiche Kartenniaterial gleich dem Text dem neuesten Stand entspricht, dürste der bereits bestens bekannte und beliebt« Führer zu seinen alten Freunden sicher zahlreiche neue gewinnen, i Ziu gleicher Zeit erscheint ein Sonderaödruck des Führers, be­titeltBrüssel und Anltverpen", zum Preise von 1.20 Mk.

Räijel.

Kennst du die Schaar von mutigen Gesellen

Ich sage nicht. wie viel es ihrer stnd

Die furchtlos sich dem Jeind enigegenstellen,

Der foielend jeden Sturm an! sie gewinnt k

Niinntst dtt dar Hanvt ein großes K - von ihn««,

2o bleibt ein Tier, da« wohl nicht jeder liebt.

Zivar ist es manchem schon gar treu erschienen.

Doch mir Io lang er iäui fein Ür'le« gilsi.

Auslösung in nächster Nummer.

Auslösung des Arithmogriphs in voriger Nummerr Reiher Har Trier Tee Kirnt Ruhr SniS -» Hnje Anftee Ut)u Snvainte; 31 i 11 e r S ()« tt 3.

Redaktion kl Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen IlniversitätS-Buch» und Steiudruckerei, R. Laiige, <&iel«fc