360 —
kann sich also selbst überzeugen, das; es ein Irrtum ist, zu glauben, cs ser ein Vorrecht der Reichen, eine schmackhafte Ernährung zu haben. Nein, — je natürlicher (und deshalb meist auch billiger) ein Nahrungsmittel ist, desto wohlschmeckender ist es, desto mehr toird man es schähen lernen, tuen» man die Sache nur recht versteht und sich durch den Verseinerungstaumel nicht die Augen blende» läßt.
Entscheidend wichtig ist dabei aber vor allen Dingen, daß wir die Speisen auss gründlichste durchkanen. Schwarzbrot z. B. muß nian stets so gut austrocknen lassen, das; es einen geradezu zwingt, es ordentlich durchzukanen. Die meistten Menschen essen viel zu rasch, brauchen ihre Zähne nicht ordentlich und lassen sie so durch Untätigkeit (wozu noch von Kind auf der Mineralmangel und ost auch Zuckernrißbrauch kommt) zu Grunde gehen; sie jagen die Speisen klumpig in den Magen, verdauen sie dann) nur unvollständig, ruinieren aber oft dabei den Magen, langes und gründliches Kauen macht auch die gröberen (billigeren), vermeintlich schwer verdaulichen Speisen leichter verdaulich. Erst bei feinste»; Kauen und Ausschmecken kommen die natürlichen, seinen Geschmackseigenschaften zum Vorschein, die wir sonst nicht merken, oder durch Senf, Psesser, Essig usw. totschlagen. Erst dann werden wir die Speisen vollständig ausnützen, nichts von den wertvollen Nährstoffen verlieren und wirklich billig leben können. Solches, den Naturgesetzen unseres Körpers entsprechendes, Essen ist also in jeder Hinsicht vorteilhaft. Dann brauchen tvir auch durchaus nicht so viel zu essen. Denn nirgendwo ist die Meinung „viel hilft viel" so falsch, wie be; einer nachlässigen- gedankenlosen Ernährungsart.
Wie der einzelne Mensch so viele Fehler inachen kann, die ihn Verbindern, „billig" zu leben, so verteuert sich auch die Menschheit in ihrer Gesamtheit durch falsche Gewohnheiten die Ernährung aanz ungeheuer. Fleisch z. B. kann gar nicht billig sein, denn seine Erzeugung ist teuer; mau hat berechnet, das; die Fläche lAckerland, mit deren Ertrag man 1 Mlo Schlachtsleisch erzeugen kann, 19 mal so groß sein muß, als für ein Kilo Weizen nötig ist. Es ist andrerseits berechnet ivorden, daß allein dem deutschen Volke alljährlich 1000 Millionen Mark erspart werden könnten, wenn es die Kleie toicder zum Brote verwenden würde. Weitere ß2k>300 000 Mark könnten erspart werden, — wovon nahezu 2 Millionen Menschen ihre Ernährung bestreiten könnten, — wenn tvir die über 2 Millionen Hektar denlschen Ackerbodens, dessen Erträge heute zur Erzeugung geistiger Getränke benutzt werden, mit Brotfrucht bebauen würden. Es ist berechnet worden, daß in einen; Jahre
262 484 Millionen Kilogramm Eiweißstosfe 48009 Millionen Kilogramm Fett 1329 547 Millionen Kilogramm Stärke 70 083 Millionen Kilogramm Mineralstosse 93 206 Millionen Kilogramm Fruchtzucker die die deutsche Erde in Form von Rohstoffen uns zur Ernährung erzeugt hat, zur Produktion alkoholischer Getränke vernichtet werden.
Es ist doch kein Wunder, wrrn das Uebrigbleibende dann teurer werden muß. i
Bon dev guten und billigen Kartoffel werden be; uns jährlich 20—25 Millionen Dopvelzentner zu Branntwein verarbeitet. Uiti> Wie viel ZWetschen, Kirschen usw. teilen dies Schicksal! Welche ämgeheuren Mengen von Aepseln und Beerenobst wandern in die Kelter und das Weinfaß!
In jedem ländlichen Haushalte aber könnte »rau für „gute" ^besonders nährsalzreiche) und gleichzeitig „billige!' Ernährung außerordentlich viel tun, wenn inan von den; ivertvotlcn Obste nur den wirkliche;; Ueberschuß verkaufen wollte, zunächst aber von dem, was sich zum empfehlenswerten Nohessen nicht aufheben läßt, für den eigenen Bedarf große Vorräte dürren und dann das tzanze Jahr über recht häufig auf den Tisch bringen lvollte.
So geht aus diesen kurzen Betrachtungen hervor, daß auch heute noch eine wirklich gute und billige Ernährung möglich sein könnte, wenn nur die Menschen ihren eigenen Verstand brauchen und nicht gedankenlos mit den; 2;rom schwimmen wollten, wenii sie nicht das, was unsere Vorfahren wußten und taten, verachten wollten und sich durch den Kulturdünkel aus einem Holzweg ;n den anderen führen ließen. Man denke nur an den jammervollen Zustand der härtesten (!) Körperteile, der Zähne, gerade bei der Jugend, und man bat den Beweis deutlich vor Augen, wie sich unsere Kulturmenschheit aus der schiefen Ebene in zunehmendem Verfalle befindet. Jeder wahrhaft Aufgeklärte aber hat die Pflicht und die Möglichkett, ohne Geldaufwand, ja mit Ersparnis, an der Besserung mitzuwirken, che cs noch schlimmer mit unserem Volke wird. Er muß zuerst sich selbst nach den hier besprochenen Gruud- sätzeu langsam anders gewöhnen; er lvird den Segen dieser besser naturgemäßen Lebensweise schon an sich selbst empsindeu, vor allen; aber den Nachkommen, die es im Leben einuntt sckuvercr haben werden, als tvir, zu einer besseren Kürperbeschaffenheit und größerer Leistungsfähigkeit verhelfen. —
Vermischte».
kos. Vogelzug u n d N » n; p l e r t a n b e. Die Erforschung des Vogelzugs hat gerade ihrer großen Schwierigkeiten ivegen dt« Ornithologen von jeher besonders gefesselt, und es sind schon die verschiedenste;; Mittel und Wege versucht worden, das Geheimnis zu lüsten. Manches ist ja im Laute der Jahre durch zähe Arbeit schon aufgeklärt worden; aber immer noch stehen ivir hier in der Hauptsache vor ungelösten Rätseln. Da lieiert uns die inoderne Technik einen ganz neuartigen Bundesgenossen in; Flugzeug, da» dazu bestimmt ist, die ErsoZchung des Vogelzugs in völlig neue Bahne;; zu lenken und über verschiedene grundlegende Fragen zuverlässige und sichere Auskunft zu geben. Das Flugzeug gestattet de»; Menschen, den; leichtbeschwingten Wandervogel aus seiner lustigen Bahn zu folgen, sozusagen die ganze Reise mit ihn; zu »rachen und dadurch genau die Zugstraßen sestzuleaeu, ebenso dt« Höhe des Wanderfluges, die Rastpunkte, die Schnelligkeit lifw. Anderseits kann eine derart;ge Betätigung auch sür die Lultschissahrt nur von den besten Folgen sein, da wir inriner »och von; Vogel zu lernen haben. Wir wissen ja heute bereits, daß dieser die Wilte- rungsverhällnisse und uanrentlich Windrichtung und Windstärke aus das tresslichfte auszuuuheu versteht, daß deshalb ein und dieselbe Vogelart je nach den Lustverhältnissen in ganz verschiedener Höhe zieht, und die genaue Beobachtung all dieser Umstände wäre auch für den Flieger die beste Schule, die er durchurachen könnte. An vielen günstigen, vorher genau festgelegten Bcobachtungspunkten wäre je ein Ornithologe und eiu Flieger auszustellen, die bei»; Herannahen großer Vogelzüge diesen zu solgen hätten. Natürlich ist das nicht so auszusassen, als ob der Flieger und sein ivissen- schasilicher Begleiter etwa inmitten de» Vogelschwarms selbst dahin- zlehen sollen, weil dadurch die Vögel sicherlich kopflos gemacht, von ihrer Richtung abgedrängl oder gar zersprengt werden würden. Wohl wäre es aber gut durchznsührcn, daß das Flugzeug den; Vogelschwarn; in größerer Entfernung folgt, die einerseits eine Aeugstiguug der Vögel anSschließt, nnderseils aber doch ihre genaue Beobachtung mit den; Glas gestattet. Tie Erfahrung wird hier bald den richtigen Mittelweg zeigen, und ebenso ist nckt Sicherheit anzunehme", daß die Vögel sich schließlich ebenso gut an den Sin- blick der Flugzeuge gewöhne;; werden, wie sie sich i>; weitestgehender Weise an Etjeubahiien und Tampsschisse gewöhnt haben.
vüchertisch.
— Grrebens Reiseführer; Band 55, „Die Ostsee- bädcr". 16. Auslage mit k3 Karten. (Mk. 2.—.) Albert Goll>-> schmidt, Berlin W. 35. Wer längere oder kürzere Zett au der Ostsee verbringe;; will, de»; lvird sich obeugeuauuter Führer, der ittinmehr in der bereits 16. Auslage erscheint, als unentbehrlicher Ratgeber und zuverlässiges Auskunstsbuch erweisen. Ist; es doch nach anttlichen Mitteckuugeu und eigenen Informationen von einem Fachmauue bearbeitet und b;etet so — tute wohl kaum ein anderes ähnliches Werk — sür absolute Zuverlässigkeit sicher« Gewähr. Sämtliche Ostseebäder sind übersichtlich und erschöpfend behandelt: a;ul> enthält das Buch Notizen über Seebäder, Winter»; huren, das Leben des Meeres, Seezeichen, Naiionalslaggen, Reedereien, Fahrkarten usw. Ferner wurden der neuesten Auslage eine ausführliche Beschreibung und ein Plan von Stettin bctgefügü Das reiche Kartenmaterial, das dem handlichen, in Leinen gebundenen Führer beigegebcn ist, entspricht durchweg den „enestcul Ausnahmen. _
Königspromenat?.
Alau dars die ciuzetueu Wörter und Silbe;; nur tu der Weise luiteiuaudee vcrbiudcu, daß inan — wie der König aus de;;; Schachbrett — fiel» vou einem Feld aus auf ein beuachbartes übergeht.
hast
zu
daß
je
psade
nur
ringen
dich
du
die
schöne;
der
ans
srene
bergen
"
steiler
vrei»
je
z»
den
hast
blüht
weiß
härter
tag
du
ringen
dich
die
edel
werk
das
daß
rast
■
ireue
süßer
je
Auslösung in nächster Nummer.
Auslösung des Zitatenrätseks in voriger Nununcr: Vergnügt s m ohne Geld, des ist der Stein der Weise;;
Redaktion; K Neurath. — Rotationsdruck uud Verlag der BrüliNchen UniversilälS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


