344
tevit" auf die Erscheinungen des sprachlichen Buchstaben- und Sil- benwiedcrholens
vier setzt die schlechte Angewohnheit von Eltern mib Erziehern ein, sich bei der Diagnose zu beruhigen und nun alles andere zu ziehen >uid zu erziehen, nur nicht die unfertige Sprache: lvoher soll man es auch wissen? Plan lacht Ivohl gar darüber, man lässt, als pädagogischer Kunstgciss gemeint, wohl gar andere noch darüber lachein Nichts ist herzloser und unsinniger zugleich. Gäbe man sich Mühe, so lvürde man erkennen, da» die Störung einen ganz anderen Charakter annimmt : sie verliert das Zuftitlige, Unwillkürliche und lvird sichtlich gesetzmäßiger, zwangsmäßiger.
DaS kommt so zustande. Das Mud hat eine Seele, lvie man eigentlich wissen sollte, und diese Seele nimmt, langsamer oder geschlvinver, eine Vorstellung davon auf, dag an bestimmten Stellen der Bewegungsvorgang des Sprechens unterbrochen und der Ausdruck des Gedachten folglich verzögert, die eigenartige Lautvermehr- sachnng für andere Menschen etwas Lächerliches oder Aergerliches oder gar Mißdeutbares wird. Ist dieser geistige Entwicklungsvorgang, diese Vorstellungsbildung, geschehen, so sühlt sich das Kind in seiner Eigenliebe und in seiner Liebe zu seinen Mitmenschen unangenehm und beschämend getroifen. Damit sind aber, wie jeder pshchologisch nur einigermaßen Gebildete weih, die Bedingungen für ein eigene» Handeln, für ein Molle» gefchassen. Da das Kind nun richtigmachen, wiederherstellen, überlvinden loill, lvas ihm als Falsche», als Gestörtes, als Hinderndes erscheint, so strengt es sich an, und zwar in der naivsten Mlerle, in der, seit die Melk steht, schließlich alle mehr oder weniger psychisch diplomatischen Konflikte entschieden wurden: es lägt die Muskeln stärker arbeiten. Es liegt icun in der Natur der Sprechmuskelbewegungen, dass sie, da sre zarte Lautgebilde bervorbringen, aber keine Kampsprobleme lösen sollen, infolge dieser mit ihnen ausgeführten Anstrengungen die riussprache der Laute verdecken, verderben und verzögern. Das Kind hat aber erreicht, lvas es wolltä: es hat seinem Vorstellen Genüge getan und die schleppenden Buchstaben- und Silbenver- doppeluugen au» der Welt geschasst: daß es aber dadurch in gewolltungewollter Weise nun selbst zum Störer der richtigen Aussprache wird, das merkt es nicht gleich. Die Umgebimg des Kindes merkt es auch nicht, deutet das, lvas sie sieht, entweder gar nicht oder hält die anfängliche und die gesetzmäßige Form der Störung sür dasselbe. Selbst erfahrene Aerzte sind dieser Täuschung anheimge- sallen: man verwechselte die störenden Selbsthilssanstrengungen mit Krämpfen Dabei bedachte man nicht, daß Krämpfe weh tun und unwillkürlich austreteir, lvährend die hier beschriebenen Erscheinungen (auf die also der Ausdruck „Stottern" nicht niehr paßt) ganz vom Willen abhängen : sie können verstärkt lverden, können dadurch, daß man mit dem Tprecheuivollen aufhört, unterbrochen werden und können, wenn der ernste Wille dazu besteht, auch, im Ansangsstadiuni, noch ohne besondere Unterweisung vermieden lverden.
Wer, sei es Arzt, Lehrer, Vater oder Mutter, zuerst gesagt hat, ein „bißchen" Stottern schade nichts, das läßt sich nicht mehr seststellen. Jedenfalls erbt sich eine unglaubliche pädagogische Stumpfheit in diesem Punkte fort wie eine K udersranennntugend, nur dasz man diese früher lvenigstens irgendwann einmal als Tugend bezeichnete: ich denke dabei^. B an das Einwickeln der Arine bei Wickelkindern Aber beim stottern, besonders beim Zustand der ausgebildeten Störung, hat man bis znnt heutigen Tage vergessen, sich vorzustellen, daß man ein Kind nicht ungestraft in seinen tiefer und tiefer werdenden sprachlichen Konslikten sitzen und darin versinken läßt. Die weitaus meisten stotternden Kinder sind nach einiger Zeit schwer erziehbar, moralisch undurchsichtig, zu starken Affekten geneigt, häufig verlogen, aller Verstellungen fähig. Dabei werden die Worte schwer findbar, der.Sprachschatz verarmt und mit ihm Redegewandtheit uiü» die Schärfe der Begriffe. Krankheitsge- sühl, Unlust, Gereiztheit stellen sich ein, oft übergehend in hypochondrischen oder hysterieartigen Egoismus. Die Schulleistungen lassen nach, nicht so sehr nur lvegen der sprachlichen Behinderung, als weil schließlich überhaupt jeder klare Trieb und Wille, etwas zu leisten, fehlt. Wer hat gesagt, daß das von selbst besser würde oder ganz wegginge? In der wissenschaftlichen Literatur habe ich nichts Genaues darüber gefunden, selbstzengnisse bedürfen, gerade lvegen den angedeuteten Folgeerscheinungen, gründlichster Prüfung, alle Erfahrung aber spricht dagegen, daß der ungünstige Einfluß einer jahrelangen Sprachbehinderuug ohne besondere Maßnahmen einfach spurlos verschwinde. Jeder geistig normale Erwachsene wird sich eingestehen, daß ein Leid, das jahrelang ohne eigene Schuld ge tragen wurde, von Einfluß auf seine Auffassung des Lebens, aus Selbsteinsäiätzung, Altruismus, Religion und Ethik gewesen: wie oder warum soll es hier anders sein? Und die Erfahrung des Fachmannes lehrt, daß es nicht anders ist. Wo aber moralische und geistige Eigenarten von solcher Deutlichkeit und Eigenart wahrnehmbar werden, da sollte, nach erprobtem und sonst angewendetein Brauche, ein Grund für erzieherische Bedenken und Maßnahmen nicht erst gesucht werden.
vermischte».
— Grand. Nicht das .höchste' Spiel beim „d e »t l ch « n Skat" und anderen Kartenspielen, die sich immer noch fraiizöstscher Ausdrücke bedienen, sondern leider ein anderer sichtbarer Mißbrauch dieses sranzösischc» Eigenschastzwortes ist hier gemeint. Zwar da» „Grand Magasin“ (oder gar .Magazin“) oder der „Grand Basar“ als Benennung der Warenhäuser scheint seit einigen Jahren nlcht weiter nm sich gegriffen zu haben; doch erfreuen sich so große und lebhafte Handels- und BerkehrSmittclpimkte wie Nürnberg und Franklurt am Main immer noch eines „Grand Basar“ als des .erstklassige» Kaufhauses“. Außerordentlich weit verbreitet sind dagegen leider immer »och das „Grand Botel“ und das „Grand Oats“, und zwar soivohl in Verbindung mit den verschiedensten Eigenjchaststvörlern als mehr oder weniger sinnvollen Zusätzen wie Grand Bötel Continental oder Grand C'af6 Imperial usiv,, als auch ganz eiusach als Grand Botel und Grand Ca!«. Dabei besteht im Wlitsgewerb« der Wahn, der wohl von den Besuchern geteilt werde» dürste, daß diese ziemlich anmaßende Sclbstbezeichnung ohne weiteres einen Vorrang vor den Wetlbewerbern sestlegt. So ist kürzlich auch in einer lehr reichen und neuerdings mächtig aul- blühenden Handelsstadt am Rhein ein alteiugesührles Kaffeehaus nach beträchtlichem Ansba» als „Grand Cals“ eröffnet worden. Ja, ja: »Großer Gasthos“ und .Großes Kaffeehaus“ dünkte die meisten wohl seltsam oder vielleicht gar svaßig: und doch gibt es in Altbaycru, sogar in der Hauptstadt München selbst, mehr al» ein staltliches und starkbesuchtes Wirtshaus, das .Großer Wirt* oder „Großwirt“ heißt, L. Fränkek (LudivlgShalen.)
* Schwer zu machen. „Wenn es geht," sagte der iieu« Sträfling, „so möchte ich in meinem Berufe beschäftigt werden." „Das ist immer sehr schön," sagte der Gesäugnisdirektor, „welchen Berns haben Sie denn?" „Ich bin Flieger."
vüchrrtisch.
— Neuerscheinungen der lln i ve rsa l B i blio - thek. Nr. 5671. Erinnerungen. Bon Richard Wagner. Herausgegeben und.eingeleitet von Georg Rich. Kruse. In Leinen 60 Psg. — Nr. 5672. Die von Wildtberg Bon Fritz v. Briefen. Die Tragödie einer Jugend und eines Alters in vier Akten. — Nr. 5673—75. Unter 'Napoleons Joch. Erinnerungen eines sächs. Ordonnanzoffiziers. Roman. Bon Curt Kühns. In Leinen 1 Mk. — Nr. 5676. DerverrückteFlins- b e t m und zwei andere Novellen. Bon Charlvtte Niese. Mit einer Eiul. von Carl Friede. Nowack. Mit Bildnis der Verfasserin. In Leinen 60 Psg. Inhalt: Der verrückte Flinsheim. Die Geschichte des Etatsrats. Die Geschickne von einem, der nichts durfte. — Nr. 5677. Scherzgedichte. Bau O. Blumenthal. Leinen 60 Plg. — Nr. 5678 —80. Der Säugetierorga- nisnius und seine Leist un gen Bon Proi. Dr. Ernst Th. v. Brück«. Erster Teil. 22. Band der Bücher der Naturwissenschaft, herausgegeben von Prof. Dr. Siegmund Günther. Mit 4 bnnten und 3 eiiisarbigen Tafeln und 21 Zeichnungen im Text.
Rösselsprung.
kann
und
Zweifel
«usnihri bar
üpp'
Astes
Natur
kommen
und
dem
wer
schauet
dl«
offen-
genr
Sterben
kein
recht
keine
da»
nach
Sah-
stand
und
im
klar
folget
ew'gen
Blüh»
ni»
auch
und
Wider-
Spur-
feieben
Geheim-
ung
der
von
schön
kein
...
r,t
nicht
e n
leben
Glücks
Renen
sie
im
Eut-
ist
den
scheuen
lang-
wie
färbe»
dem
Tod
Leben
sameS
daS
und
Auslösung in nächster Nummer.
- Auslösung der Charade in voriger Nummer!
H « b.e s ch »i a » s.
Redaktion' lk N«uratb. — Notation-druck und Berlaa der Brühl'schen Il»iversilät»-Buch- und Steindruckerel, R. Lange, Gießen


