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krnwäldchen Itnften. Schon der alte Buchwald hatte dieses Wäldchen dem Publikum freigegeben, hatte aber nicht ge­duldet, daß irgendwelche Wirtschaften oder Restaurants darin errichtet wurden, um ihm den Charakter des Parks nicht zu nehmen/

Es sing bereits an zu herbsteln, als Werner durch das Wäldchen schritt. Das Laub der Birken und Eichen särbte sich schon geblich. Obgleich Werner hungrig war und wußte, daß Frau Wolf mit dem Mittagessen auf ihn wartete, ging er doch unwillkürlich langsam, um die Naturschönheiten ans sich wirken zu lassen. Aus der Spiye einer der Terrainwellen stand eine gewaltige Blutbuche mit weit ausladenden Aesten, deren Helles Rot sich wunderbar von den weißen Birken­stämmen, dem hellgelben Laube der Birken, dein dunklen Grün der Kiefern und dem Dunkelgelb der Eichenblätter abhob. Es war ein so farbenprächtiges Bild, das Kunde gab von dem Ausflackern der Naturschönheit, bevor Sommer und Herbst zur Rüste gingen, daß Werner ganz gefesselt stehen blieb. Unwillkürlich setzte er sich aus die Bank, die dort stand und einen Blick auf die Gruppe, deren Mittelpunkt die Blut­buche bildete, gestattete.

Ja, es war schön, idyllisch schön hier in diesem Stück wohlgepslegter Natur. Nur ganz von fern klang das Arbeits­geräusch der Berg- und Hüttenwerke herüber; gedämpft klang selbst das Pfeifen der vielen Eisenbahnzüge, die in der Nähe vorüberfuhren.

Ja, es war schön hier, und nicht nur in dem Birken­wäldchen! Werner hatte hier eine Beschäftigung, der er sich mit Leib und Seele widmen konnte, er hatte Arbeit in Hülle und Fülle. Zu selbständigem Schassen ward ihm täglich Ge­legenheit.

Werner hätte sich die Verhältnisse gar nicht besser wünschen können, als sie waren. Und doch hatte er ein leifes Empfinden des Unbehagens und der Furcht vor etwas Kom­mendem, dem er nicht entgehen konnte. Er fühlte, wie er von den Verhältnissen geschoben wurde, ganz gegen seinen Willen und ohne daß er sich dagegen wehren konnte. Gegen die Ge­fühle für Dora sträubte er sich gar nicht mehr; die waren so gewaltig, so unüberwindlich, daß cs Torheit von ihm ge­wesen wäre, hätte er sie unterdrücken wollen. Er war stolz darauf, daß es heilige, schöne und edle Gefühle waren, die er für Dora hegen durfte. Sie erschien ihni in dem ganzen Nim­bus eines keuschen, liebenswürdigen, herrlichen Weibes, dessen Zauber man sich nach einigem Sträuben freudig hin- gibt. Er empfand etwas für Dora, was vielleicht nicht Liebe allein, sondern mehr noch Verehrung war. Vielleicht war cs ein Gemisch von Liebe und Verehrung. Er empfand Freude darüber, daß Dora überhaupt vorhanden war. Er hatte keine Zeit zum Schwärmen, nicht einmal zum ordentlichen Nach­denken. Es lag ihni auch nichts daran, sich klar zu werden über die Gefühle, die er für Dora hegte. Nur so viel wußte er, daß er vorsichtig sein, daß er seine Empfindungen nie­mals verraten durfte. Wollte er hier bleiben, wollte er dauernd sich an die Werke binden und ihnen seine Tätigkeit widmen, so mußte er alles vermeiden, was ihn in denselben Konflikt bringen konnte wie seinen Vorgänger.

Stand er aber nicht anders zu Dora als der ausdring­liche Liebhaber, den sie sich vom Halse geschasst hatte? Emp- sand nicht Dora etwas für ihn? Er wußte es nicht, er hoffte eS aber! Zum mindesten hatte er das Gefühl, daß er ihr hmpathisch war. Um so vorsichtiger mußte er ihr gegenüber ein, damit sie ihn nicht für einen Mitgiftjäger hielt, deren o viele sich ihr schon genähert hatten. Sie erwies ihm Ver­trauen, sie hatte ihm eine große Freundlichkeit durch die Ver­anstaltung des Fackelzuges erwiesen. Sie bemühte sich, ihni das Leben angenehm zu machen, soweit ihr das gestattet war. Umso mehr Grund hatte er zur Vorsicht und Zurückhaltung.

Da schoben ihn die Verhältnisse wieder ein Stück vor­wärts in einer Richtung, die er vorläufig noch gar nicht übersehen konnte. Bisher war er mit Tora nur in größeren Zwischenräumen zusammengekommen; es verging eine Woche oder auch mehr, bis er sie sah. Von jetzt ab war ev wahrscheinlich täglich mit ihr zusammen. Unter anderen Verhältnissen wäre das herrlich schön gewesen. Unwillkürlich wurde» sie aber jetzt vertrauter miteinanoer. Er wußte ja auS Erfahrung, wie sich die Förmlichkeiten zwischen Per­sonen, die ständig niiteinandcr verkehren, langsam abschlci- sen. Für ich, stieg jetzt die Gefahr außerordentlich, zu ver­raten, was ln ihni für Dora lebte. Er nahni sich gewiß so sehr ln acht, als nur möglich. Alber es konnte irgendein Zufall ihm auch nur die Andeutung seiner Gefühle ent­

reißen, und dann war ein unberechenbarer Schaden ge­schehen, dann hatte er einen Schritt getan, den er nicht wieder gut machen konnte. Dann ging auch er eines Tages als der abgewiesene, zudringliche Freier davon, gegen lei­nen Willen und lächerlich gemacht ln den Augen aller Men­schen, selbst derjenigen, die ihni vielleicht wohlwolltcn, wie Geheimrat Kersten und Graf Klinter. Vielleicht war cs das klügste, er ging von selbst, er hütete sich, etwas von seinen Gefühlen zu verraten, und wenn das Jahr um war, verließ er den Dienst auf den Buchwaldschen Werken und war dann wieder ein freier Mann. Dann hätte er um Tora werben können, dann hätte er unter ganz anderen Verhält­nissen vor sie treten können, um ihr seine.Neigung zu ge­stehen. Tann war er nicht mehr der von ihr abhängige Angestellte, der de» lächerlichen Gedanke» hatte, die Chefin zu heiraten und sich in den großen Besitzwie in ein war­mes Nest" hineinzusetzen.

Wenn Geheimrat Kersten nicht die Absicht gehabt hatte, die Kiesgruben der Frau Glover zu pachten, so hätte sich Werner dazu entschlossen. Tan» hätte er Veranlassung gehabt, in Dasburg und in der Nähe Doras zu bleiben; daun hätte er vorsichtig als unabhängiger Mann, frei in seinen Entschlüssen, die Werbung um sie beginnen können. Aber wahrscheinlich nahm man es ihm sehr übel, wenn er nach Ablauf des Jahres wieder den Dienst verließ und sich selbständig machte. Geheimrat Kersten nahm das sicher sehr krumm und wahrscheinlich auch Dora. Hub war er denn sicher, daß Dora ihn nicht ablvies? War er so überzeugt davon, daß Dora mehr für ihn empfand als für alle die Männer, die ihr werbend genaht waren? Wie stand sie zum Beispiel zu Lothar Kersten, der unverheiratet war, mit dem fie eine Kinderfreundschaft verband, der ihr also viel unbefangener als jeder andere entgegentrctcn konnte, und der noch als gewichtiges Moment für seinen Wert als Freier und die Lauterkeit seiner Gesinnungen den Umstand kür sich hatte, daß er der Sohti des Geheimrats »ersten, des Mannes war, der nicht allein die Stelle des General­direktors, sondern auch ein wenig die des Vaters bei Tora vertrat?

Abwarten, abwarten! Aber Menschen mit heißen Emp­findungen, seien diese selbst nur eine hohe Verehrung für ein Weib, find sehr ungeduldig, 'und das Warteninüssen macht sie unruhig, nervös und zil unbedachten Schritten geneigt.

Ein Narr war er, daß er sich hier ans die Bank gesetzt und geschwärmt hatte wie ein Schulknabe! Er war hungrig über alle Maßen Und sein Mittagessen wurde kalt.

Werner sprang auf und legte mit eilige» Schritten, ohne sich weiter um die Naturschönheiten des Birkenwäld­chens zu kümmern, den Weg bis zu seiner Billa zurück, wo Frau Wolf sich entschuldigte, sie habe nicht gewußt, wann er komme, und sie könne nicht dafür, wenn das Essen nicht so sei, wie er es vielleicht erwartet habe.

Werner sagte, es sei seine Schuld, und das Essen würde chon genießbar sein. Frau Wols fühlte sich aber durch diese reundlichen Worte keinesivegs angenehm berührt. Sie gab ich die größte Mühe mit dem Kochen und der Führung >es Haushaltes. Aber Werner sah das nicht; er hatte wahr- cheinlich gar kein Verständnis für ihre Tätigkeit und in- olgedessen auch keine Anerkennung. Nach dieser hatte sie bisher gestrebt. Aber wen» der Hausherr, wenn Bergrat Werner Spaltung für sie bisher eine Autorität gewesen war, deren Anfehen ihr imponierte, so war dieser Autorität durch das Verhalten der Frau Schottelius einigermaßen Abbruch getan. Wer weiß, lute lange diese bergrätliche Herrlichkeit noch dauerte! Frau Schottelius hielt nichts von dem Bergrat, und sie war eine sehr einflußreiche Per­son, und sie war die Tante der Besitzerin, die hier unuin- fchränkt wie eine Königin herrschte.

(Fortsetzung folgt.)

3m Freiballon von Eichen in die Eifel.

Bon Hermann Schmidt.

Ein strahlender Maitag war es, an dem der Gießcner Verein kür Luftschisfahrt seine sportliche Tätigkeit mit einer Freiballon- fahrt begann. Der Marburger Verein halte zu dieser Fahrt Ballon und Führer zur Verfllgmrg gestellt und 3 Greßener Herren sich zur Teilnahme aemetdet Leider war cs nnmüglich, mit drei Passagieren zu fahren, da sic für dieMarburg" zu ge­wichtig waren. De;» bestimmten:Mit.6 Sack Ballast fahre ich